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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-05-12 · N° 20. (12.5.1880) · p. Seite 176

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 20. (12.5.1880)
Date
1880-05-12
Page
Seite 176 (sequence 6)
Language
German
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— 176 — schaft als Mitglied des Vorstandes ein Förderer der Schulen und ein Freund der Lehrer, aber auch als Mensch besaß Waterman ausgezeichnete Eigenschaften; er half, wo er helfen konnte; ermunterte junge Talente, unterstützte strebsame Jünglinge und mancher jetzt in Holland fungirende Lehrer verdankt ihm seine Ausbildung. Ein vortrefflicher Gatte und Vater verbreitete er Segen und Wohlwollen in engen und weiten Kreisen. Kein Wunder daß am Beerdigungstage Alles herbeiströmte, was dem verdienstvollen Mann noch die letzte Ehre erweisen wollte. Herr Oberrabbiner Berenstein aus dem Haag war vom Vorstand berufen worden, um die eigentliche Grabrede zu halten; ferner sprachen noch Herr Lauer im Namen der provinzialen Freimaurerloge, deren angesehenes Mitglied der Heimgegangene war; ferner Herr Borrias im Namen der Lehrer; Herr C. Börstel aus Rotterdam, Mitredacteur des dort erscheinenden Blattes „der Israelit", Schwiegersohn des Verstorbenen, und noch einige andere. Im Trauergefolge befand sich auch eine Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten. Wehmüthig verließ die große Schaar den Friedhof, denn Jeder nahm die Ueberzeugung mit ins Leben, daß die Gemeinde, das Judenthum, die Wissenschaft, die Familie und die Gesellschaft einen verdienstvollen, frommen, strebsamen, edelherzigen uud gemeinnützigen Mann verloren, dessen Heimgang bei den sehr wenigen Männern oon Ruf in Holland, tief empfunden wird, dessen Andenken aber durch viele Geschlechter hindurch gesegnet sein und bleiben wird. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg, 5. Mai. Der Herr Director des — von unS in Nr. 18 nicht genannten — hies. Dom gymnasiums ersucht uns um Aufnahme der nachfolgenden Berichtigung, der wir um so bereitwilliger einen Platz einräumen, als wir damit den in hiesigen Kreisen vielfach besprochenen Vorfall — dem der Redacteur d. Bl. besonders nahe steht — erledigt sehen möchten. Der Versicherung des Herrn Direktors, — die derselbe ja selbstverständlich in die Seele jedes einzelnen der unter seinem Rectorat wirkenden Lehrer hinein nicht abgeben kann — daß die jüd. Confession mit der Sache nichts zu thun gehabt habe, wollen wir gern Glauben schenken. „In Betreff des in Nr. 18 S. 157 Sp. 2 erzählten Vorfalles sind folgende thatsächliche Unrichtigkeiten zu berichtigen: 1) daß der Arrest nicht für „alle Sabbathe" dekretiert ist, sondern bis auf Weiteres Sonnabend*) von 12—1; 2) daß das Nichtschreiben des Knaben am Sabbath mit der ganzen Sache nichts zu thun hat; 3) daß der unterzeichn. Director nicht in „offener", sondern m geschlossener Konferenz und zwar nicht eine „scharfe", sondern eine „einfache" Mißbilligung ausgesprochen hat und zwar wiederum nicht über das ganze Verfahren, sondern nur über die „Andeutungen, den Umgang zu meiden;" 4) endlich aber und hauptsächllch, daß die jüdische Confession des Knaben mit der ganzen Sache ebenfalls nichts zu thun hat. vr. B lieg leb, Königl. Gymnasialdirektor." Leipzig. Dem Gemeindebund sind in letzter Zeit beigetreten die Gemeinden: Coburg, Mühlhausen, Neumark, Nordstetten, Petershagen, Rees, Rheine. Gegen die „Schles. Volkszeit." soll wegen Verbreitung unwahrer, die jüd. Religion lästernder Thatsachen — betr. Christenblutverbrauch am Passafest! — der Strafantrag gestellt werden. München. (Or.-Cor.) Am 29. April fand auf Schloß Planegg, dem Erbsitze des freiherrlich von Hirsch'schen Familie die Vermählung des Barons Jakob von Hirsch mit Fräulein Zenaide von Poliakoff, Tochter des kais. russischen wirklichen Staatsralhes Samuel von Poliakoff statt. Die Trauung wurde durch Herrn Rabbiner Perles vollzogen. Zahlreiche Mitglieder der deutschen und russischen Aristokratie wohnten dem glänzenden Feste bei. Herr von Poliakoff domicilirt in Paris, hat aber erst vor Kurzem sein lebhaftes Jn- *j In der betr. Anzeige des Ordinarius steht, wie der Hr. Director in seinem Begleitschreiben an uns selbst citirt, „jeden* Sonnabend. (Rd.) tereffe für seine russischen Glaubensgenossen durch eine Schen» kung von 25,000 Rubel bethätigt. Wie». In der öst.-ung. Armee dienten i.J. 1879 bis 20,410 Israeliten, die vielen jüd. Offiziere sind dabei nicht mitgezählt. Wien. Die Hausbesitzer in der Judengaffe sind vor einiger Zeit mit dem Wunsche einer Aenderung des Namens dieser Gasse an den Wiener Gemeinderath herangetreten. Sie motivirten diesen Wunsch damit, daß der jetzige Name viele Miether abschrecke und in Folge deffen zahlreiche Quartiere leer bleiben. Auch sei der Name schon deshalb nicht berechtigt, weil die Hausherrn durchwegs Christen seien. Der Magistrat läßt diese Motive jedoch nicht gelten und beschloß, daß die Judengasse nicht umgetauft werde, sondern ihren Jahrhunderte alten Namen behalten solle. Pest. Unter Vorsitz des Ministers Trefort hat eine Conferenz stattgefunden, bei welcher die Congreßpartei durch die Herren M. Schweiger, Advocat vr. Simon und vr. Hirschler. die Orthodoxen durch die Herren I. Reich und M. Trebitsch, die Statusquo-Partei durch vr. Tatai vertreten waren, natürlich wurde kein Resultat erzielt. Die Orthodoxen verwerfen Seminar und Präparandie. Interessant ist's, daß sie die Taubstummen in die Wiener und nicht in die Pester Anstalt gebracht wissen wollen, weil die Pester Rabbinen und Schächter ihnen „geassert" sind, die in Wien aber nicht. N. F. Aus Mähren, 4. Mai. Anläßlich der Verlobung des Kronprinzen Erzherzog Rudolf mit der Prinzessin Stefanie aus Belgien, wird jetzt eine Stelle aus Kuranda's Buch über Belgien citirt, in welcher der Autor die schon vor fünfzig Jahren in Belgien bestandene Religionsfreiheit schildert. „Die factische Religionsfreiheit" sagt Kuranda, „die in Belgien trotz des katholischen Uebergewichtes herrscht, spricht sich am schönsten bei der Taufe der königlichen Prinzen und Prinzessinnen in Laeken aus. Die Kinder des Königs Leopold (des Vaters des jetzt regierenden) werden bekanntlich im katholischen Glauben erzogen und die Taufe wird von dem Cardinal^Erzbischof von Mecheln selbst vorgenommen. Dem Herkommen gemäß erfolgt die Taufe in Gegenwart des Bürgermeisters der Gemeinde, der als Zeuge den Taufjchein unterzeichnet und das neugetaufte Kind in das Register einschreibt. Nun ist aber der Bürgermeister von Laeken zufällig ein Jude und der Taufschein des Kronprinzen von Belgien ist somit von einem Könige, von einem Priester und von einem Bürgermeister unterschrieben, von denen der Erste ein Protestant, der Zweite ein Cardinal und der Letztere ein Jude ist." — Anläßlich eines inGroß-Surany bei einem Juden ausgebrochenen Feuers kam es zu größeren Unruhen, deren Spitze sich gegen die Juden kehrte. Ein jüdisches Weib wollte man anfangs in die Flammen werfen, stieß es dann in einen Graben und einer versuchte, es zu erstechen. General Graf Török entwand dem Wüthenden das Messer und rettete hierdurch das unglückliche Weib. Ein Jude, welcher löschen helfen wollte, wurde mißhandelt und liegt schwer krank zu Bette. Der jüdische Lehrer wurde schwer verletzt. Einem anderen jüdischen Einwohner wurde eine Hand abgeschnitten. Paris. Gestern, am 1. Mai, ist Obercantor Naumbourg verstorben. Amerika. Ein Bericht des deutschen Neichsconsulats über die Bedeutung Cincinnati's enthält u. A. Folgendes. „Was das religiöse Leben bttrifft, so ist die protestantische Confession durch 106 Kirchen vertreten, die katholische Confession zählt 50 Kirchen; die israelitische hat 6 Synagogen, zum Theil mit hohem archi» tektonischem Schmuck und großem Retchthum. Das israelitische Element deutschen Ursprungs ist numerisch sehr bedeutend und hat großen Einfluß in der Handelswelt. Die Solidität der großen jüdischen Bankierssirmen erhellt daraus, daß während der Krisenjahre von 1873—1879 kein israelitisches H a u s hier fallirte ... Die auf 15,000 Einwohner geschätzten Juden deutschen Ursprungs sind der materiell am meisten prosperirende Theil der deutschen Einwohnerschaft Cincinnati's. Für Armen- und Krankenpflege dienen besonders jüb. Anstalten."

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