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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-05-12 · N° 20. (12.5.1880) · p. Seite 175

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 20. (12.5.1880)
Date
1880-05-12
Page
Seite 175 (sequence 5)
Language
German
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— 175 zu sein, kann den uns persönlich bekannten biederen Dickstein nicht treffen, weil er in der That schon im Jahre 1864, als der Verein gegründet wurde, keine 6 Mark zu entbehren hatte*) Aber an die israel. Gemeinden tritt die Frage heran, ob es recht ist, daß sie nicht in auskömmlicherer Weise für ihre Lehrer und Cultusbeamten sorgen, so daß dieselben entweder selbst einen Nothpfennig sich zurücklegen können für die Tage der Dienstunfähigkeit, oder daß die Gemeinde eine jährliche — für eine ganze Gemeinde immerhin geringe Summe auf ihr Budget nehme und durch Einkauf in eine Pension-- oder Unlerstützungskaffe die Zukunft ihrer, in ihrem Dienste ergrauten Beamten, mindestens einigermaßen sichere. Von den vielen uns bekannten israel. Gemeinden ist die zu Wiesbaden die einzige, die durch jährliche Zuschüffe aus der Gemeindekaffe, durch freiwillige Spenden, sowie endlich durch kleine Gehaltsabzüge ihrer Cultusbeamten einen Pensionsfonds für dieselben bildet. Möchten doch viele Gemeinde diesem schönen Beispiele folgen. So lange dies aber nicht geschieht, ist es an uns, durch Beitritt zur „Achawa" zum Mittel der Selbsthilfe zu greifen, um uns dadurch wenigstens vor bitterster Noth im Alter zu schützen. Darum College«, von fern und nah. Werdet Mitglieder der „Achawa"! — Hamburg, 6. Mai. (Or.-Corr.) Trotz der vom Wolffschen Telegraphen-Bureau geleugneten Ausweisung jüdischer Kaufleute aus Petersburg, stehe ich für die Wahrheit der Ihnen darüber vor einigen Wochen gemachten Mittheilung ein Einer der davon Betroffenen, Chef einer unserer ersten Handlungshäuser, hat mich persönlich davon in Kenntniß gefetzt und schließt die Respektabilität deffelben jeden Zweifel an der Wahrheit vollständig aus. Berliner Blätter haben seitdem noch andere Namen genannt. Die jüdische Gemeinde in A l t o n a ist um eine Wohlthätigkeitsstiftung reicher geworden. Der im Jahre 1858 daselbst verstorbene Samuel S. Marburg traf die letztwillige Verfügung, daß die Zinsen eines Betrags von Bcomk. 200,000 (M. 300.000). wovon eine Schwester, so lange sie lebe, den Zinsgenuß haben sollte, nach ihrem Tode zusammen mit den Zinsen des Vermächtnisse» an einem (jetzt längst verstorbenen.) unverehlicht gebliebenen Bruder, für wohlthätige Zwecke verwendet werden sollten. Durch den kürzlich erfolgten Tod dieser Dame, einer Frau Or. Leo Wolf in Hamburg, werden nunmehr beide Legate zugleich der aufgelaufenen Zinsen des einen Eapitals, sobald die Genehmigung der Regierung erfolgt sein wird, ihre Bestimmung gemäß Verwendung finden. Nach dem Willen des Testators sollen ie vier Jahre hintereinander Portionen von M. 600 an achtbare jüdische Gewerbtreibende zur Unterstützung gereicht werden, im fünften dagegen solle es der Verwaltung freistehen, den ganzen Betrag der Jahreszinsen an einen Hülfsbedürftigen auszukehren. Die Administration der Stiftung besteht aus fünf Personen: dem Oberrabbiner, zwei Mitgliedern des Gemeindevorstands, dem Secretair der Gemeinde und einem Verwandten des Verstorbenen. Der Oberrabbiner und der Secretär erhalten für ihre Mühewaltung jährlich resp. M. 360 und M. 340. Wegen des Vorgangs in der sogenannten Klaus, worüber ich in voriger Woche berichtete, ist von Contribuenten ein Schreiben an die Direction gerichtet worden, worin dieselben mit der Zurückziehung ihres Beitrags drohten und gleichzeitig der Direcnon ein Mißtrauensvotum ausdrücken für den Fall, daß diese das Mitglied, welches Herrn vr. I. so rücknchts- ^handelte, nicht zum Austritte veranlaffen würde. Die Direction hat am letzten Sonntag darüber berathen und soll, einem on dit zufolge, mit fünf gegen zwei Stimmen beschloffen haben, zur —Tagesordnung überzugehen!! Ein Mitglied der Direction hat in Folge dessen seinen Austritt angezeigt. In ihrer Antwort auf jenes Schreiben, rügt die Direction die Art der Abfassung, welche, wie nicht zu leugnen ist, weder *) Rach den Statuten hätte er auch seines Alters wegen — er war ja 1864 schon über 50 Jahre alt — nicht Mitglied werden können. R. . politisch noch berechtigt war, da es keinem Zweifel unterliegt, ' daß das betreffende Mitglied eigenmächtig ohne Mitwiffen seiner Collegen, mindestens deS größten Theils derselben, gehandelt hat. Heute am Jahrestage des im Jahre 1842 stattgehabten Brandes der Synagoge am Altenwall, fand die Constituirung der neuen Synagoge „Netveh-Scholaum" statt und wurden die Statuten derselben festgestellt. Schmieheim (Baden). Heute bin ich in der glücklichen Lage, Ihnen von einer erhebenden Feier, die am letzten Samstag. den 24 April, in hiesiger Gemeinde stattfand, zu berichten. Der israelitische Hauptlehrer M. G o m b r i ch feierte am genannten Tage sein 50jähriges Dienstjubiläum, was Veran« lassung gab, ihm manche Ovationen darzubringen. Freitag Abends wurde dem Jubilar von dem christlichen Gesangverein unter Leitung des ersten Hauptlehrers ein Ständchen mit Fackelzug gebracht. Am Samstag, unmittelbar nach dem Morgengottesdienste versammelten sichMänner und Frauen, Jung und Alt, vor dem schön decorirten Schulhause, von wo der Jubilar, begleitet vom Bezirksrabbiner, dem Synagogenrathe, dem Bürgermeister, sämmtlichen Gemeinderäthen und der gesammten Schuljugend, in die Synagoge geführt wurde. Hier stimmte der Synagogengesangverein einen Choral an und nach Beendigung desselben hielt Herr Rabbiner Dr. Ramitz die Festrede, welche eines tiefen Eindruckes auf die Zuhörer nicht verfehlte. Es waren Worte, die aus dem Herzen kamen und darum auch zu Herzen gingen. Herr Gombrich ist ein bescheidener, berufstreuer Lehrer, ein Mann, der nicht blos mit Eifer seinem Berufe obliegt, sondern sich auch an allen Gemilluth-Cheßed-Angelegenheiten in der Gemeinde betheiligt. Es sprach auch noch im Namen des Ortsschulratbs der Amtscollege des Jubilars, der ihm einen silbernen Pockal, von derGesammtbürgerschaft gewidmet, überreichte. Tief gerührt dankte der Jubilar für die Beweise der Liebe, die ihm von allen Seiten gegeben wurden und sprach mit vor Thränen erstickter Stimme herzinnige Worte. Zum Schluß überreichte die Tochter des Gemeinde-Vorstehers Samuel Dreyfuß ein Blumen-Bouquet u. sprach im Namen aller Schüler und Schülerinnen den pflichtschuldigen Dank aus. Diesem feierlichen Acte reihte sich Nachmittags ein heiteres, geselliges Zusammensein an, woran sich auch die Lehrer aus der Umgegend, meist anderer Confession, betheiligten. Es ist das ein Beweis der Einmüthigkeit, die hier zu Lande zwischen Jude und Christ herrscht. Alles freuete sich und nahm innigen Antheil an dem Jubelfeste, das ein jüdischer Lehrer beging. Holland. Arnhem. (Or.-Corr.) Einen großen Verlust hat die hiesige Gemeinde, das holländische Judenthum und die jüd. Wiffenschaft überhaupt erlitten. Herr Israel W a t e r m a n, Rector der hiesigen Bürgerschule, Vorstandsmitglied der hiesigen Gemeinde, Ehrenvorsitzender des naturwissenschaftlichen Vereins „Physika" u. s. w., ist am 19. April gestorben. Verfasser mehrerer wissenschaftlichen Werke, so z, B. des „Hebräisch chaldäisch-niederländischen Wörterbuches", des „Geographischen Wörterbuches Palästinas", des „Lexicon der hebräischen Sprache" und vieler anderer Schriften, hat Watermann sich in Holland den Ruf eines tüchtigen, gründlichen Gelehrten mit Recht erworben. In hiesiger Stadt genoß er die Achtung und Anerkennung, man kann wohl sagen, aller Bewohner, aber auch weil über die Marken der Stadt hinaus drang sein Name und erwarb ihm vielfache Beweise der Werthschätzung seines rastlosen, uneigennützigen Strebens. Im Jahre 1851 wurde ihm die „Große silberne Medaille für verdienstvolle Lehrer" zuerkannt, ebenso im Jahre 1856; der „Niederländische Lehrer- Verein" ernannte ihn zum Ehrenmitgliede u. s. w. Waterman zählte zu jenen edlen Charakteren, die als Vorbild dem Judenthum in Holland voranleuchteten und deren Zahl stets abnimmt; er war ein Mann, der mit der Würdigung der Forderungen der Zeit Treue bewahrte dem väterlichen Glauben und beide zu vereinigen verstand. Besonders hat er Vieles für die Schulen gethan, er war in seiner Eigen»

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