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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-05-05 · N° 19. (5.5.1880) · p. Seite 167

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 19. (5.5.1880)
Date
1880-05-05
Page
Seite 167 (sequence 5)
Language
German
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— 167 — Männer, verblendete Führer, betrogen? Eiferer, kurzsichtige Leute für sich auszusprechen nicht Anstand nahmen, es gebe innerhalb des Judenthums mehrere Bekenntnisse, ein orthodoxes und ein heterodoxes, das hat die Gesetzgebung in keinem Lande noch sanctionirt. Wohl ist es von den legislativen Körpern einzelner Staaten jedem Juden freigestellt worden, es in Gemeindeangelegenheiten zu halten wie es ihm billig dünke, allein dies ist eine, wenn auch die einzelnen Gemeinden tief schädigende, doch eben nur äußerliche Differenz- Punkte anerkennende Verfügung. Wäre es den Juden allein überlaffen gewesen darüber zu entscheiden, es wäre wahrlich zu einer unüberbrückbaren Trennung gekommen. Dafür zeugen die Verhältniffe in Ungarn. Seit Jahr und Tag wüthet der Kampf zwischen den Parteien; immer mehr suchen die Führer der „Schomre-hadath" sich von den Anhängern der Congreßstatuten zu sondern, sie wollen keine Gemeinschaft mit ihnen haben; sie arbeiteten darauf hin, daß es anerkannt werde, „dogmatische" Unterschiede bilden die Scheidewand zwischen den zwei Parteien. Es gelang ihnen nicht; sie sahen es ein, daß es dazu nicht kommen könne und nicht kommen werde. — Da strebten sie die Errichtung des RabbinensemiuarS in Budapest zu vereiteln. Die Blüthe desselben zeigt es, mit welchem Erfolge. Und nun sollte der letzte Trumpf ausgespielt werden; der Fond, aus deffen Erträgniß die Landesrabbinerschule, die Lehrerbildungsanstalt, die Musterhauptschule und mehrere Talmudthoraschulen zum Theile erhalten und andere Volksschulen subventionirt werden, dieser Fond sollte zwischen „Schomre-hadathlern" und „Congreßlern" aufgetheilt werden. Mit dieser Petition traten sie vor das Haus der Abgeordneten. Zwei Jahre und darüber blieb die Sache bei den Acten des Reichstages; endlich kam auch die Zeit für diese Frage. Sie haben über die darüber gepflogenen 4tägigen Debatten bereits berichtet. Ein Moment hat Ihr Berichterstatter nicht berührt, und doch verdient es verzeichnet zu werden, daß nämlich von den jüdischen Abgeordnelen im Hause, die mit den Verhältnissen vollkommen vertraut sind, auch nicht Einer für die gute Sache mit einem Worte eingetreten ist. (lout comrae chez »ous! Red.) Es ist für sie beschämend, daß ein Anhänger einer andern Confession die Sache des Judenthums mit voller Treue vertrat; uns kann es in Rücksicht auf den Erfolg ganz Recht sein, wenn die jüdischen Herren Abgeordneten es vielleicht unter ihrer Würde gefunden haben, über „jüdische Angelegenheiten" zu sprechen. Sie haben, ohne es zu wissen, der Sache einen größeren Dienst geleistet, dadurch, daß sie vornehm schweigen; es hätte Keiner von ihnen, den Vicepräsideuten des Congresses vom Jahre 1869 nicht ausgenommen, eine solche Leistung hervorgebracht als Herr Aladär Molnür. Palästina. Jerusalem. Schon seit 3 Monaten ist der Sitz des Chacham Baschi verwaist und noch immer wird nicht ernstlich an die Wahl des Nachfolgers gegangen, obschon Alle einstimmig den Rabbiner Meier Panigil als den würdigsten bezeichnen. Viele angesehene Sefardim verlangen nämlich, daß vor der Wahl folgende 17 Bedingungen erfüllt oder festgestellt werden. 1) Rechnungslage über Ein- und Ausgabe der Gemeinde während der letztverflossenen 10 Jahre. 2) Wahl von 7 Vorstehern (Trn '2D) aus angesehenen Mitgliedern der Gemeinde, die Bürger der Türkei sind, — sie sollen den 'vVZ "uni bilden. 3) Diese sollen die Controleure über das Eingehen der Fleischsteuer bestellen, überhaupt den Fleischverkauf regeln. 4) Die Gemeindekaffe werde von 3 Mitgliedern des Vorstandes verwaltet, Ein« und Ausgabe werde ordnungsmäßig im Ein- ^uen gebucht und kein Vorsteher darf ohne Majoritätsbeschluß Geld anweisen, außer kleinen Beträgen unter 5 Piaster zur Armenunterstützung. — (Dafür müßte eine Pauschalsumme rm Jahresbudget ausgeworfen und Einem oder zwei vertrauenswürdigen Personen zu solchen dringlichen Unterstützungen übergeben werden. Anmerk, der Red.) 5) 2 vom Vorstande aus seiner Mitte Gewählte sollen alle Briefe, die an den Chacham Baschi (?) oder an die Gemeinde kommen, lesen und die dazu geeigneten dem Vorstand vorlegen. 6) Allwöchentlich findet eine Vorstandssitzung statt. 7) Gemeindeangelegenheiten müssen im Gemeindehause durch Majoritätsbeschluß entschieden werden. 8) Allmonatlich werden die Einzelbücher über Einnahmen und Ausgaben in das allgemeine Caffenbuch eingetragen, durch Unterschrift der Vorsteher beglaubigt und alljährlich der Kaffenausweis veröffentlicht. 9) Der Vorstand ernennt die Diener und Schreiber der Gemeinoe und bestimmt ihre Besoldung. 10) Jahresgehalt dürfen die Vorsteher nur dem Chacham Baschi und den Dajanim (wie bisher) aber keinem andern Gelehrten geben. 11.12. 13. 14) Betrifft die Chebra Kadischa, Gräberverkauf, Erbschaften, Stiftungen und Gerichtshöfe. 15) Die Chaluka in 4 Stufen, wie sie früher festgesetzt worden ist, werde gleichmäßig und dauernd den Armen gegeben. 16) Die Vorsteher verwalten ihr Amt unentgeltlich als Ehrenamt für 2 Jahre. Widerwahl ist gestattet. 17) Dieser ■'ötW ^11 bildet nach Staatsgesetz auch den ^rm "UNI (Letzterer ist wohl berathende Körperschaft Ersterer die Executive. (Rach Habazelet.) Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. „Jüdisches Weltblatt" ist der pomphafte Titel eines in Preßburg unter Redaction von A. Löwy in jüdischen Schriftzeichen erscheinenden Blattes, das Politik und jüdische Angelegenheiten, Handels- und Coursberichte, sowie ein reiches Feulleton bieten will. „Wer Vieles bringt, wird Jedem Etwas bringen." Die Tendenz ist uns noch nicht klar geworden. DaS Verwerfen der Cwilehe (in Rc. 8) vom jüd. Standpunkte geht über die deutsche Orthodoxie noch hinaus. Denn die Einführung derselben ist Staatspfllcht — daß der Jude bei Eingehen einer Ehe seine religiösen Gesetze beachte, das ist seine Sache. — Der hochgestellte englische Deputirte u. Queens Chomcellor, Herr Arthur Cohen, „duchent" (ertheilt den Priestersegen) in der Privatsynagoge des Sir Moses Montefiore. Wie unglaublich klingt dies deutschen Ohren? Wird nicht aber durch solche Züge der Unterschied in der Schätzung und Achtung des JudenthumS bei Engländern und bei Deutschen erklärt? — Die „Hameliz" versendet in einem 1 Bogen starken Beiblatt ein genaues Referat des PcoceffeS Mandelkern gegen die Herren Red. Zederbaum, in welchem die schurkische Gemeinheit jenes Rabbinatsadjunkten, der lügenhafte Berichte fabricirt und dann auf Grund seiner eigenen Lügen den „Hameliz" denunzirl hatte, offen zu Tage tritt. Der p. Mandelkern hat die Stirn gehabt, die höchste Instanz, den Senat, anzurufen, deffen Urtheil mit Spannung entgegengesehen wird. Berlin. Die Armen-Commiffion der hiesigen jüdischen Gemeinde hat soeben ihren Jahresbericht veröffentlicht. Auch innerhalb dieser Armenverwaltung kam die Ungunst der Erwerbsverhältniffe im abgelaufenen Geschäftsjahr zum Ausdruck. Während im Jahre 1876 nur 1200, 1877 erst 1350, 1878 schon 1529 Gesuche bei dieser Verwaltung eingegangen waren, ist die Zahl der Gesuche im abgelaufenen Jahre auf 1764 gestiegen. Im letzten Jahre mußten 162 Familien, welche bisher der Armenpflege fremd geblieben waren, dieselbe in Anspruch nehmen. Die gewährten Unterstützungen zerfallen in regelmäßige, monatliche und in Extra- Gaben, doch sind erstere höher als die polizeiliche Armenpflege sie gewährt. Monatliche Unterstützungen erhielten 188 Personen mit zusammen 29,035 Mark, Extragaben 889 Personen mit zusammen 15,843 Mk. 40 Pf. Aus der Provinz Hannover. (Or.-Sorr.) Die drei Herren Landrabbiner unserer Provinz, die vvr. Meyer- Hannover, Guttmann» Hildesheim und B u ch h o l z - Emden haben zu Beginn des neuen Schuljahres ein Anschreiben an die Lehrer ihrer Sprengel gerichtet, in welchem außer den

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