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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-05-05 · N° 19. (5.5.1880) · p. Seite 166

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 19. (5.5.1880)
Date
1880-05-05
Page
Seite 166 (sequence 4)
Language
German
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— 166 — Frankfurt a/M., im April. (Or.-Corr.) Schon oft wurden Proben von der Handlungsweise der hiesigen Orthodoxie mitgetheilt, hier eine neue. Jüngst tagte hier die Ge« neralversammlung des im Großherzogthum Heffen gegründeten Vereins zur Unterstützung israelitischer Seminaristen. Die? Verwaltung dieses Vereins hat ihren vorläufigen Sitz in Friedberg. Das Statut desselben bedingt jedoch, daß von da ab, wo die Hesiische Regierung an irgend welchem Seminar des Landes den israelitischen Lehrerzöglingen Religionsunterricht ertheilen lasten wird, der Sitz der Verwaltung an den Ort dieses Seminars verlegt werden solle. Die Regierung hat nun dafür das in Alzey zu gründende Seminar in Aussicht genommen, welches mit dem Herbste dieses Jahres eröffnet werden soll. Die Generalversammlung mußte daher über die Ausführung der statutarischen Bestimmung, den Sitz der Verwaltung nach Alzey zu verlegen, Beschluß fasten. Da tauchte seitens der Friedberger Verwaltung und der hiesigen Orthodoxie der Vorschlag auf, die Bestimmung der Statuts dahin abzuändern, daß der Sitz der Verwaltung dauernd in Friedberg zu belasten sei, — und die Generalversammlung ging auf diesen Vorschlag ein. Man hat nämlich in jüngster Zeit von hier aus seitens der Orthodoxie für die israelitischen Seminaristen in Friedberg, welche bisher alles Religionsunterrichts entbehrten, zum Rothbehelf für einige Stunden des Sonntag-Nachmittags eine Art Religionsunterricht eingerichtet, indem die orthodoxe Partei dafür von hier aus jeden Sonntag einen Lehrer nach Friedberg entsendet. Als Rothbehelf könnte man dankbar dafür sein; wie man aber dauernd darin seine Befriedigung finden kann, ist unbegreiflich. Ebenso unbegreiflich ist auch, wie man das Zugeständniß der Regierung, offenbar eine Errungenschaft auf dem Gebiete politischer Gleichstellung für die Juden, aus Händen geben kann. Denn die Hessische Regierung wird bei einem Mangel an israelitischen Lehrerzöglingen in Alzey auf die Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichts verzichten oder gar das bewilligte Zugeständniß wieder zurückziehen. Damit hätte aber die Orthodoxie ihren Zweck erreicht, die iSr. Lehrerzöglinge Friedberg's und die Ertheilung deS Religionsunterrichts an dieselben in ihren eigenen Händen zu behalten, indem sie nur denjenigen die Unterstützung der Vereins kaffe angedeihen lasten wird, welche in Friedberg verbleiben und nicht nach Alzey gehen. Wie wir hören, mißbilligen indeß die Gemeinden dieses Vorschreiten der Friedberger Verwaltung und der Frankfurter Orthodoxie, und wir können auch nur allen rathen, sich der Opposition dagegen anzuschließen. Die Alzeyer Gemeinde nimmt sich der Angelegenheit mit Jntereste und Energie an. Göppingen in Württ. 23. April. (Or.- Corr.) Heute fand hier in Gegenwart der israel. Kirchenvsrsteher, der Staats¬ und städtischen Behörden die feierliche Grundsteinlegung zu einer neuen Synagoge statt. Nachdem sich die Gemeinde auf 230 Seelen vermehrt hat, wurde ihr das seitherige gemiethete Lokal zu enge und sie beschloß den Bau eines neuen Gotteshauses. Den Plan entwarf Dr. v. Leins, der es verstand, den Anforderungen der Aesthetik gerecht zu werden, ohne die nöthige Sparsamkeit außer Acht zu lasten. Die Ausführung des Baues dürfte etwa 36000 M. erfordern, und ist es in unserer Zeit, wo man überall mit Neid auf den Reichthum der Juden blickt, nur zu billigen, daß man nicht durch eineu Prachtbau diesem schädlichen Gefühle weiter Nahrung verschafft. Bei dem feierlichen Akte der Grundsteinlegung setzte Herr Rabbiner Herz die Bedeutung dieses Ereignistes für die Gemeinde näher auseinander und hob besonders hervor, wie dieses neue Gotteshaus sich friedlich zwischen den Kirchen der beiden christl. Confestionen erhebe, damit auch Israel der dritte im Bunde der Eintracht und Verehrung desselben Gottes sei. Abends vereinigte die Festtheilnehmer ein Mahl im Dettelbach'schen Gasthause. Eisenach. Die Ansprache des Herrn B. Haufe an Herrn vr. Krön er (siehe Nr. 17) lautet ungefähr wie folgt: „Hochgeehrtester Herr Landrabbiner! Wir erscheinen hier in unserem Namen und im Namen eines großen Theiles der hiesigen Gemeindeglieder. Während der kurzen Zeit, welche wir so glücklich waren. Sie in unserer Mitte wohnhaft zu wisten, hat sich das Band der Liebe, welches früher schon Viele von uns an Sie geknüpft hatte, noch weiter ausgedehnt, noch dichter gewoben. Wir haben Sie nun erst recht lieben, werthschätzen und verehren gelernt. Wir sind darum auch von tiefem Schmerze darüber erfüllt, daß Sie in die Nothwendigkeit versetzt sind, Ihren Wohnsitz wieder zu ändern und aus unserer Mitte zu -scheiden, und fühlen das Bedürfniß, unserer Liebe und Verehrung für Sie durch ein äußeres Erinnerungszeichen einen, wenn auch nur schwachen, Ausdruck zu geben. Wir erlauben uns daher, Ihnen die vorliegenden Gegenstände als solche Erinnerungszeichen zu überreichen und bitten Sie, dieselben mit eben solcher Liebe entgegen nehmen und werthhalten zu wollen, als die ist, mit welcher wir sie Ihnen weihen. Wir bitten zugleich, dieselben auch nur als Zeichen unserer persönlichen Liebe und Verehrung für Sie betrachten zu wollen, nicht aber als etwaigen Entgelt für das, was Sie während Ihres Hierseins geleistet und gewirkt haben, denn für ein so selbstloses, weit über das Pflichtmaß hinaus gehendes segenreiches Schaffen und Wirken vermögen wir keinen entsprechenden Entgelt zu geben. Das kann und wird Der vergelten, von Dem überhaupt der Menschen Thun und Lasten gewogen und abgemessen wird. Es sind hier zunächst einige Stücke für den Familientisch, welche wir Ihnen überreichen, weil wir hoffen und wünschen, dadurch bei Ihnen und Ihrer geehrten Familie, die uns während ihres Hierseins lieb geworden ist, in liebender Erinnerung zu bleiben. Dann ist hier die Uhr, welche wir Ihnen bestimmen, weil sie uns am sinnigsten das symbolisch anzuzeigen scheint, was wir ron Ihnen wisten und von Ihnen halten! Die Uhr verkündet die Zeit! Wir wiffen von Ihnen und halten von Ihnen, daß sie ein Mann der Zeit sind, d. h. ein Mann, wie die Jetztzeit sie braucht, weil Sie an Bildung und Wistenschaft auf oer Höhe der Zeit stehen und in der Form der Jetztzeit zu lehren und zu wirken verstehen! Und so wie die Uhr, indem sie die Stunde der Gegenwart anzeigt, in demselben Augenblicke auch schon im Fortschreiten begriffen ist, um auf die künftige Stunde hinzuweisen, so wiffen Sie auch stets aus dem leichten Gewebe der Zeit die Zukunftsfäden herauszufinden und zu zeigen, aus welchen das bessere, stärkere, deckende und schützende Gewand der Zukunft sich Herstellen soll. Wir haben auch keine Uhr gewählt, welche blss mit stummen Fingerzeige die Zeit angibt, sondern eine solche, welche mit lautem Schlage die Zeit und Stunde verkündet, wie Sie ja auch mit lauter, vernehmlicher und eindringlicher Rede uns stets das sagen, was es an der Zeit ist und was die Zeit von uns fordert. Mögen diese Gegenstände recht lange bei Ihnen und Ihrer geehrten Familie im Gebrauche bleiben und das liebende Andenken an uns wach erhalten! Möge diese Uhr Ihnen und Ihrer geehrten Familie recht lange, bis in Ihr spätestes Alter, Zeiten und Stunden angeben, die stets für Sie und Ihre Angehörigen Zeiten und Stunden des Wohlergehens, des Gelingens und der Freude sein. Das walte Gott!" Oesterreich-U ngarn. U. 8. Aus Ungarn. Seit den Tagen der Diaspora steht es in den Sternen verzeichnet: Aller Orten, wohin Ihr Euch begeben werdet, um eine Gemeine zu bilden, werden die Völker, in deren Mitte Ihr wohnen werdet, über Euere Angelegenheiten, auch über die internsten Gepräges, entscheiden und feststellen, was Rechtens ist. Es ist eine tiefe Wunde, die durch diese Verheißung, deren Erfüllung jede Seite der jüdischen Geschichte erzählt, uns geschlagen wurde; allein auch lindernder Balsam kam in ihrem Gefolge. Nicht zum Wenigsten dürfte er diesem Umstande zuzuschreiben sein, daß unsere Confestion bis auf den heutigen Tag eine ungetheilte geblieben ist. Was fanatischr

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