Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 19. (5.5.1880)
- Date
- 1880-05-05
- Page
- Seite 165 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 165 — alliin die Z Dr-igölterei '! Är habt kr ' lnd-re Wahr. 11 Eures na« j jfit Each deir | Zeugaiß ver« I ' und Heilige } uud Beschz. f J die bcflän, ■ j M christlich t ®oit anjiler- . . rt wurde bit ( iichi Elustcht \ äliveise Dul-? \ und Sarah * Gemeinde, pro roflnski) ent« : : Vormünder, j die Mütter Kinder hiiustg sie schädigend; daß sie Liebverbundenen et sich daher s mmt e» doch f >nünder noch f Die Ausga- \ ck, zu denen t geleistet hat. x ) 26 Mädk 5 Knaben ' einem Herzj ommen nmr- ,ie Gesammtiben für ihre , jtt kleinen denen Wohlwähnt auch inem Besuche idigung über;en zu geben Gegensatz zu zdrulk gelan,' ,es KuM mitgethem irdischen :n christlichen Gehalt von ageren),?'" eine erx e chei^L bleiben, d d iberhaupt r rk für,ef n mosaischen schon vorger ommen, daß eines dieser Stipendien, während einer Reihe I von Jahren, einem christlichen Theologen zugewendet worden. Hamburg, 29. April. (Or.-Corr.) Zu welchen Handlungen Parteileidknschoft führen kann, daß nicht die Achtung ver dem Alter und der Wissenschaft, nicht Rücksicht auf Stand und Stellung, ja nicht einmal die Theilnahme für den durch Unglück und Kummer Gebeugten im Stande ist, jene Fanatiker im Gewände der Frömmigkeit davon zurnckzuschrccken, mit kaltem Blute Ausschreitungen zu begehen, welche der gemeine Mann sich nimmer würde zu Schulden kommen laßen und welche jedem Gebildeten die Echamröthe in das Gesicht treiben würden —, daß nicht das '22 cms mn nicht das D2PI nnfcn mehr Geltung für sie haben, das haben wir hier kürzlich erfahren. — Der Rabbiner, Herr vr. I., pflegt seine Mußestunden häufig mit dem Studium im Belh hamidrasch der „alten und neuen Klause" auszusüllen und wenn die Sterbetage seiner Kinder wiedelkehrten, von denen ihm vor vier Jahren sechs in der kurzen Zeit von kaum zwei Wochen durch den Tod entrissen worden, bis Mittag fastend daselbst zuzubringen und das Minchagebet im Kreise der dort Lernenden zu verrichten. — Am Donnerstag voriger Woche nun, einem jener Trauertage, als die Leute zum Gebete versammelt waren, erschien ein neugebadrnes Mitglied der Direction, verbot den vr. I. nicht nur, während der Stunden, welche zum Lernen bestimmt sind, bis 1 Uhr daselbst zu beten, sondern auch nach dieser Zeit und zwang ihn somit das Beth-hamidrasch zu verlasien und wohl für immer zu meiden. — Die Entrüstung im Publicum darüber war eine große und selbst in denjenigen Kreisen, welche nicht zu den Freunden des vr. I. zählen, jedoch die Achtung vor der Thora und ihre Träger noch bewahren, wagte man die kühne That auf völlig neutralem*) Boden nicht zu beschönigen; ja es wird sogar erzählt, daß Jupiter erzürnt gewesen sei über seinen Trabanten, der ihn auf seiner Bahn hieher begleitet und seitdem ihm stets gefolgt war, und den Donnerkeil auf ihn geschleudert habe. — Das alte Sprichwort: „Blinder Eifer schadet nur", bewährte sich indessen auch hier; denn eine Anzahl Contribuenten der Klause verlangt die Entfernung jenes Mitglieds aus der Direction unter Androhung der Entziehung ihres Beitrags. (ES ist das die mindeste Genugthuung, die die Mitglieder zu fordern berechtigt sind; wer sich soweit vergißt, an der Stätte, die zur Pflege der Thora eigens errichtet worden und dazu erhalten wird, die Männer der Thora so ehrenkränkend zu verletzen, der besitzt eben die Oualifikation zum Directionsmitglieb eines Bethhamidrasch nicht, denn dazu gehört vor Allem, daß er durchdrungen sei von dem Gebote D'ösn 'Tfcbn mmb K'rn 'bx rut- Leider aber besteht die Frömmigkeit gar vieler sogen. Orthodoxen hier darin, daß sie jedes Tippelchen über irgend welchem Ceremonialgesetz aufs Allerstrengste üben, die herrlichsten Moralgesetze aber nicht für ebenbürtig halten und sich kein Gewissen daraus machen, sie mit Füßen zu treten. |TrtK rwn bx ntö 221 nn- Red) Braunschweig, 20. April. (Or.-Corr.) Seit kaum anderthalb Jahren hat der Tod die hiesige Gemeinde vieler edler Häupter beraubt. Nachdem in den ersten Monaten des I. 1879 zwei der ältesten und würdigsten Repräsentanten, Herr M. Aronheim und H. S. Jüdel, geschieden, starb im Sommer desselben Js. Herr M. Solmitz, der über ein Viertel'Jahrhundert das Amt eines Vorstehers und eine lange Reihe von Jahren auch viele städtische Ehrenämter, z. B. das eines Stadtverordneten und des Vorsitzenden im Handelsgerichte, bekleidet hatte. Neun Monate sind seitdem dahingegangen, und die Gemeinde hat von Neuem einen schmerzlichen, vielleicht unersetzlichen Verlust zu beklagen. Am Freitag, den *) Diese Neutralität ist durch jenes Gebahren gefährdet; man sieht, daß daS Bestreben, dem Oberrabbiner auch einen Einfluß auf die „Klaus" zu sichern, bestimmend gewesen ist, jenes Mitglied kürzlich bei Reorganisation der Klaus in die Direktion zu wählen. 16. April entschlief, erst 62 Jahr alt, der Eisenbahndirrctor Herr vr. jur. Aronheim, der langjährige Vorsitzende deS Vorsteher- und Repräsentanten collegiums. ein Mann von hervorragendem Geiste und lauterstem Charakter, ein Mann, ausgezeichnet ebenso durch klaren Verstand, wie durch ein warmes, echt adliges Herz, in welchem neben der reinsten Humanität eine feurige Liebe für seine Religion und seine Etammesgknosikn lebte. Unbeugsamer Rechtssinn, gepaart mit seltener Pietät, gab seinen Reden und Handeln das Ge« präge der Hoheit und einer gewisten Untrüglichkeit. Zur Charakterisirung seiner sonstigen Wirksamkeit sei hier Einigeaus dem Nekrologe der „Braunschweiger Anzeigen" wiedergegeben. „ . . . . Desto umfasiender (im Gegensätze zu seinem einfachen äußeren Lebensgange) war der Wirkungskreis, welchen der Dahingeschiedene schon in früher Zeit durch sein Auftreten im öffentlichen Leben sich errang. Seinen Ruf als außergewöhnlich begabter Redner begründete er im Jahre 1848, wo er als hervorragendes Mitglied des Volksvereins durch sein bei noch jugendlichem Alter doch stets besonnenes und mannhaftes Auftreten zur Klärung der sich oft schroff entgegenstehenden Ansichten nicht wenig beitrug. Als die aufgeregten Zeiten vorübergegangen waren und ruhigeren Platz gemacht hatten, wandte sich A. vornehmlich seiner bedeuten den advokatorischen Praxis zu, in welcher er, sowohl als juristischer Rathgeber.. wie als Vertheidiger durch Wissen, Scharfsinn, unbestechtliches Rechtlichkeitsgefühl, Unerschrockenheit und stets sich in den Schranken der Mäßigung haltende Beredsamkeit ausgezeichnet, bald den viel beschäftigsten Advccaten Braunschweigs zugezählt wurde. Ganz besonders widmete er sich daneben auch den Jntereffen seiner Vaterstadt und seines Vaterlandes, indem er durch das Vertrauen seiner Mitbürger ein wiederholt gewähltes, langjähriges Mitglied der Stadtverordnetenwie der Landesversammlung war. In beiden Versammlungen gehörte er zu den anerkannt hervorragendsten Mitgliedern, dessen Worten Jedermann lauschte, wenn er mit seiner senoren, eindringlichen Stimme seine Ansicht klar und beredt darlegte . . In Folge eines Beschlußes der Stadtverordneten, der, obwohl nach Aufhebung des ihm entgegenstehenden Statuts gefaßt, seiner Ueberzeugung nach der Würde dieser Versammlung nicht entsprach, war er vor mehreren Jahren aus derselben ausgeschieden, wurde aber im vorigen Jahre einstimmig wiedergewählt; dagegen lehnte er ein bei der letzten Reichs tags wähl ihm ohne jeden Widerspruch von Seiten der Liberalen angetragenes Mandat eines Braunschweigischen Wahlkreises ab, vermuthlich wegen seines nicht mehr festen Gesundheitszustandes. Mit der größten Liebe und Umsicht aber widmete er sich bis zu seinem Tode den Geschäften der Gemeinde und der vielen jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten, und noch auf seinem Schmerzenslager ertheilte er in dringenden Fällen seinen bewährten Rath. Von der ungethcilten Anerkennung und liebevollen Verehrung, deren sich der Verewigte zu erfreuen hatte, zeugte sein Leichenbegängniß. Unter dem unabsehbaren Gefolge bemerkte man u. A. den Oberbürgermeister, mehrere Landtagsmitglieder, eine Anzahl Stadtverordnete und zahlreiche Beamte der Braunschweigischen Bahnen. Nachdem die üblichen Leichenreden von jüdischer Seite bereits im Trauerhause gehalten worden waren, erwiderte am Grabe im Namen seiner christlichen Freunde der Rechtssnwalt Lucius dem Verstorbenen eine längere tiefempfundene Grabrede, darin er die reiche Begabung und die Verdienste des Verewigten mit beredten Worten hervorhob. — Daß der Tod eines Mannes von so hohem Geiste und innig religiösem Gemüthe in einer Gemeinde eine kaum ausfüllbare Lücke reißt, ist leider nur zu wahr; aber auch das Judenthum hat besonders in unseren Tagen den Verlust von Söhnen zu beklagen, die einen lebendigen Protest bilden gegen die feindlichen Schmähungen und Zweifel an seiner Bildungssähigkeit. Der Dahingeschiedene war bei selnem echt deutschen Wesen, bei einem durch zahlreiche Beweise an de» Tag gelegten glühenden Patriotismus mit jeder Faser seines Herzen- — ein Jude!