Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 18. (28.4.1880)
- Date
- 1880-04-28
- Page
- Seite 156 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 156 — Die Achawa ist auf die Beihülfe aller Derjenigen angewiesen, welchen Gott die Mittel gegeben hat, die sie Ln den Stand setzen, Hilfsbedürftigen beizustehen, arme Wittwen und Waisen zu unterstützen. Die Zahl sämmtlicher Ehrenmitglieder unseres Vereins ist 666, und von diesen kommen nahezu 500 allein auf F r a n k f u r t a. M. Von vielen Hunderten jüd. Gemeinden und Vereine geben uns nur etwa ein Dutzend einen ständigen Jahresbeitrag, während doch unser Verein gerade sie in vielen Fällen entlastet! — Sollten sich nicht mehr wohlthätige, zum Geben bereite Hände und Herzen im deutschen Israel finden? Nicht mehr Männer und Frauen, welchen allein schon der Name „Lehrer" Veranlassung geben würde, jährlich 6 Mark beizusteuern? Sie wiffen ja doch alle, wie schwer und verantwortungsvoll der Beruf des Lehrers und noch dazu des jüdischen Lehrers in heutiger Zeit ist und wie gering noch immer der Lohn derselben ist, wie Wenige von ihnen im Stande sind, einen Nothpfennig für ihre alten Tage, für ihre Angehörigen zurückzulegen! Sollen sie und ihre Angehörigen dann den Stand entwürdigen — und betteln? Wenn wir die beispiellos traurigen Erfahrungen, die die Verwaltung der Achawa, insbesondere im letzten Jahre, zu machen Gelegenheit hatte, hier preis geben könnten und möchten; wir sind gewiß, wir würden die Herzen rühren und das Mitleid Vieler rege machen, die dem Vereine bis jetzt ferne gestanden. So verhältnißmäßig bedeutend die Leistungen der Achawa sind, eine auskömmliche Pension in allen Fällen zu geben, ist sie leider noch immer nicht im Stande! Darum, es sind die Lehrer Eurer Kinder, für die wir bitten! Es sind die Männer, die täglich mit frischem Muthe. mit freier Seele Eure Kinder unterweisen sollen, auf daß diese im Leben bestehen; die Männer, deren Beruf es ist, zu wachen, „daß die Lehre nicht weiche aus unserer Kinder Mund!" * ES sind deren Wittwen und Waisen, für die sie nicht Vorsorgen konnten, während sie fürsorgend walteten für die geistige Selbstständigkeit Eurer Kinder! Sollen die Männer, die Eure Kinder für das Leben tüchtig machten, die ihnen s die Lehren der Elternliebe, der Religiosität und Sittlichkeit einprägten, jeden Tag und jede Stunde bangen für ihre eigenen Kinder? Sollen diese darben, wenn sie der Vater verlassen, oder, war oft noch schlimmer, wenn ein Leiden ihn in den besten Jahren in der Mitte seiner Tage für seinen Beruf unbrauchbar machte? Ja es darf gefordert werden, nicht nur daß die Lehrer und Rabbiner ihrer eigenen Zukunft eingedenk, in die Achawa eintreten, sondern auch daß sie bei freudigen und traurigen Veranlassungen wohlthätige u. wohlhabende Israeliten auf diesen Verein aufmerksam machen; daß sie demselben Alle zuführen, welche ein Herz haben für solche Anstalten; daß Alle, denen es von Gott gegeben ist, eintreten in die Achawa, d. i. in den Bund der „Brüderlichkeit."*) Die Alliance-Schnlen. Es liegt uns der Bericht der „Alliance JSraelite Univ." über die beiden Semester des Jahres 1879 vor. Höchst in¬ *) Der neueste Rechenschaftsbericht und die Statuten sind auf Verlangen von unserm Vorsitzenden Herrn Adolf Teblse in Frankfurt a. M. und Lehrer I. Klingenstein in Oberingelheim zu bekommen, welche auch zu jeder Auskunft bereit sind. teressant und wahxhast tröstlich sind die Nr. VIII. und IX. desselben: Berichte über die Schulen. Dieselben bezeugen sofort in ihrer Einleitung, wie sich jetzt schon die Früchte der für die Schulen im Orient gemachten Bestrebungen zeigen. Früher mit Mißtrauen oder Gleichgültigkeit ausgenommen, sind diese Schulen jetzt schon populär geworden, namentlich sehen die jüdischen Gemeinden selbst den großen Nutzen dieser Schulen ein und machen den Anfang, aus eigener Initiative und mit eigenen Mitteln neue Schulen zu gründen. Die Schüler zeichnen sich überall durch Tüchtigkeit, Streben und Ordnungsliebe aus, und bilden die entlassenen Zöglinge jetzt schon einen, in sich zusammenhaltenden und nach Außen Achtung gebietenden, Kern für spätere Entwicklung im größeren Maßstabe. Die über diese Schulen mitgetheilten speciellen Nachrichten bieten ein sehr interessantes statistisches Material. Die Paris er Vorbereitungsschule wird von 25 Schülern besucht. Sie hat in jährliche Ausgaben an 37,800 Francs (30,000 Mk.). Außerdem hat die „Alliance" 12 Mädchen bei dem Institut Bischofsheim — Töchterschule — untergebracht, wofür sie 9700 Frcs. für das Jahr verausgabt. Adrianopel, jüdische Bevölkerung 15,000 Seelen. Knabenschule 1867 gegründet, 216 Schüler, Ausgaben 6400 Frcs. Mädchenschule 1870 gegründet, 300 Schülerinnen, Ausgabe 4952 Frcs. Handwerksunterricht: Unterbringung von 20 Lehrlingen. Alcazar, 50 Schüler, 1750 FrcS. Aleppo, 9000 Seelen. Knabenschule 1869 gegründet, 70 Schüler, 4401 Frcs. Bagdad, 30,000 Seelen. Knabenschule von 1865, 200 Schüler, 10,699 Frcs. 28 C. Handwerksunterricht: 20 Lehrlinge, 1200 Frcs. Beyrut, 1400 Seelen. Mädchenschule von 1878, 25 Schülerinnen, 1350 Frcs. Eonstantinopel. 40,000 Seelen. Mädchenschule von 1875 im Haskeni (Stadttheil v. C.), 100 Schülerinnen, 3562 Frcs. Knabenschule von Galata von 1875, 135 Schüler, 16.950 Frcs. Schule von Conorte von 1877, 135 Schüler, 4680 Frcs. Knabenschule von Daghanami von 1875, 75 Schüler, 10,334 Frcs. 50 C. Deutsche Schule von Galata subventionirt seit 1877, jetzt mit 4000 Frcs., 95 Schüler. Knabenschule von Balatu von 1875, 180 Schüler, 11,740 Frcs. In Cascundjuk ist am 22. Juni 1879 eine neue Schule erössnet worden, ebenso eine neue Mädchenschule in Galata. Dardanellen, 2500 Seelen. Knabenschule von 1878, 50 Schüler, 3216 Frcs. Larache (in Marrokko), 1500 Seelen. Knabenschule von 1872, 45 Schüler, 3479 Frcs. Mädchen Kursus von 1874: 40 Schülerinnen, 822 Frcs. Mogador (in Marokko), 6500 Seelen. Die Schule mußte leider geschloffen werden. Philippopel, 1500 Seelen (nach einer früheren Mlttheilung 2000). Knabenschule von 1877: 260 Schüler, 8060 Frcs. Rustschuk, 2500 Seelen. Knabenschule von 1872: 226 Schüler, Subvention der „Alliance" 600 Frcs. Handwerksunterricht: für 15 Lehrlinge 1620 Frcs. Die während deS Krieges geschlossene Mädchenschule ist jetzt wieder eröffnet; Subvention 1000 Frc». Salonichi 25 bis 30,000 Seelen. Knabenschule von 1873: 338 Schüler, 25.035 Frcs. Mädchenschule von 1874: 190 Schülerinnen, 13,278 Frcs. Handwerksunterricht: für 18 Lehrlinge 3000 Frcs. Samacoff 650 Seelen. Knabenschule von 1874: 42 Schüler, 5200 Frcs. Schumla 1100 (früher vor dem Kriege 2400) Seelen. Knabenschule von 1869: 180 Schüler, 6080 Frcs. Mädchenschule von 1874: 65 Schülerinnen, 2645 Frcs. Handwerksunterricht für 15 Lehrlinge 1620 Frcs. Smyrna 25,000 Seelen. Knabenschule von 1873: 140 Schüler, 14,448 Frcs. 75 C. Mädchenschule von 1878: 100 Schülerinnen, 6421 FrcS. 35 L. Handwerksunterricht: für 20 Lehrlinge 4500 Frcs. Sofia, für die 1350 schulfähigen Kinder (nach einer früheren Mittheilung wohnen dort 5000 Juden) soll eine neue Schule errichtet werden. Tanger (m Marokko) 8000 Seelen. Knabenschule von 1864: 450 Schüler, 14,000 Frcs. Mädchenschule, wieder eröffnet 1879: 31 Schülerinnen. Teluan (Marokko) 6000 Seelen. Knaben-