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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-04-21 · N° 17. (21.4.1880) · p. Seite 150

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 17. (21.4.1880)
Date
1880-04-21
Page
Seite 150 (sequence 4)
Language
German
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gische Theologen und solche Palästina-Juden, wenn da nicht der Messias bald kommt?!) Cöln. Die „Kölner Zeitung" schreibt: In Odessa wird am 7. April ein politischer Prozeß zur Verhandlung gelangen, der allem Anschein nach intereffant zu werden verspricht. Achtzehn Personen sind in den Anklagezustand versetzt und von diesen sind nicht weniger als ein rundes Drittel Juden- Es ist doch traurig, daß das auserwählte Volk bei allen diesen schmutzigen Geschichten dieHand imSpiele hat, sobald nur Geld zu verdienen ist. Officiere fehlen selbstverständlich auch in diesem Prozeß wieder nicht. Söhne von Assessoren, Rächen und erblichen Edelleuten sind vier darunter, während einer dem geistlichen Stande angehört. Von den übrigen Angeklagten sind drei bereits aller Rechte verlustig erklärt und zwei wegen Mordversuchs verurtheilt worden. (So zu lesen in der „Köln. Zeit." Nr. 95, 2. Blatt. ES ist doch traurig, daß ein sogenanntes anständiges und liberales Blatt, das freilich der „Ideologie" Valet gesagt hat, solchen Verdächtigungen und Verallgemeinerungen seine Spalten öffnet. Die Nihilisten, welche von Juden herstammen — denn Juden ihrem Glauben nach sind sie wahrscheinlich nicht — betheiligen sich an den Verbrechen ihrer Partei, nur um G e l d zu verdienen; die Officiere, die Adligen, freilich, die thun's um der I d e e willen! Hätte die „Köln." sich nicht die Frage vorlegen sollen, ob nicht der auf den Juden Rußlands lastende Druck und der plötzliche Uebergang zu der materialistischen Weltanschauung, dar Abstreifen aller Religion, so Manchen aus den Reihen der jungen jüd. Studenten unter die Nihilisten getrieben hat? Aber nein — der Jude kennt allein „Geldverdienen"! — Auch das ist ein Fingerzeig, wie man über die Juden in den jetzigen nationalliberalen Kreisen denkt.) Wolfenbüttel. Aus dem zum Schluß des Schuljahres erschienenen Bericht der „Samson schule", erstattet von dem Director der Anstalt, Hrn. vr. R o s e n st o ck, ersehen wir zunächst in statistischer Beziehung mit Freuden, daß die Anstalt immer mehr an Wachsthum zunimmt, sowohl äußerlich, die Zahl der Zöglinge betr. — 52 Pensionäre: 40 Inländer und 13 Ausländer —, als auch in ihrer innern Organisation, Ausdehnung und Vertheilung der Pensa, und das Lehrziel betr., welches das einer guten Realschule ist. Sämmtliche Schüler, welche die I. Klaffe absolvirl haben, haben das Einjährig- Freiwilligen-Zeugniß erhalten. — Auf die interessante, dem Berichte vorangehende wiffenschaftliche Abhandlung: „Heidnische Mantik und israelitische Prophetie" vom Herrn Direktor werden wir im „Jüd. Literaturbl." näher eingehen. Es dürfte viele Leser dies. Bl. intereffiren, die innere Hausordnung und rationelle Erziehungsmethode an dieser Anstalt kennen zu lernen, und wir stellen gern aus dem Bericht das anmuthende Bild hierher. Nachdem hervorgehoben worden, daß der Gesundheitszustand der Zöglinge durchweg ein recht guter war, fährt derselbe fort: „Das frische und gesunde Aussehen derselben bezeugt, daß die stete Sorgfalt um ihr leibliches Wohl, sowohl in Bezug auf gute, reichliche Kost, als auch auf Vereinigung und Sauberkeit, wie auf geräumige und luftige Schlafräume gute Früchte trägt. Das Verhältuiß zwischen Lehrern und Schülern darf mit vollem Rechte ein liebevolles genannt werden, zumal die ersteren bemüht sind, nicht nur die Fortschritte der Knaben in Kenntniffen mit Hingebung und Ausdauer zu fördern, die private Thätigkeit derselben bei Anfertigung von Schularbeiten, wie bei der Lektüre zu überwachen und zu leiten, sondern mit gleich liebevollem Jntereffe auch für die Erholung und die Vergnügungen der Knaben Sorge tragen. So haben die Schüler der oberen Klaffen zu öfteren Malen mit den Herren Lehrern das Herzogs. Hoftheater bei geeigneten Stücken (Kl. I. hat alle klassischen Dramen, welche in Prima gelesen unv speciell durchgenommen wurden, von den hervorragenden Kräften unserer Hofbühne darstellen sehen) besucht; kleine Festlichkeiten, wie sie beispielsweise die häusigen Consirmationen in der Anstalt bieten, haben das sonst einförmige Anstaltsleben verschönt, vor Allem aber war es die Anschaffung einer eigenen kleinen Bühne, welche die Freuden des letzten Winters vermehrt hat, indem die Zöglinge drei Mal Lustspiele aufführten, welche Aufführungen mit besonderen Bewirthungen und einem größeren Festmahle verbunden waren. Wie aber die Gemüthlichkeit des Familienlebens hierdurch den Kindern gewahrt worden ist, so hat auch anderseits in der Erfüllung der täglichen Pflicht und in der Regelmäßigkeit der geforderten Thätigkeit geeignete Strenge obgewaltet, wie sie durch die als Richtschnur geltende Schulordnung vorgeschrieben ist. (Schluß folgt.) Oesterreich. Wien, 13. April. (Or.-Corr.) Bei Gelegenheit der Budgetdebatte hob ein Abgeordneter aus Böhmen hervor, daß in manchen Orten dieser Kronländer christliche Eltern ihr: Kinder in jüdische Schulen schicken, damit sie daselbst Deutsch lernen. Da scheint es mir geeignet darauf hinzu weisen, daß hier, wo es keine Noth an christlichen Privatschulen giebt, nichts destoweniger christliche Eltern ihre Kinder auch in jüdische Privatschulen schicken. So ertheilt in dem Institute des Fräulein Jeitteles ein katholischer Geistlicher, ein protestantischer Theologe und ein jüdischer Religionslehrer den Töchtern der betreffenden Confeffion den Religionsunterricht. Nebenher seißbemerkt, Fräulein I e i t t e l e s ist die Tochter deS Caffirers der israelitischen Gemeinde, welcher vor einigen Jahren eine wortoolle Schrift: „Die Cultusgemeinde der Israeliten in Wien", die speciell die städtischen Verhältniffe berücksichtigt, veröffentlicht. — Jüngst laS ich in der „Augsb. Allg. Zeitung" eine Bemerkung, die, wie ich glaube, besondere Beachtung verdient. Es wird nämlich darauf hingewiesen, daß es bis zum Jahre 1848 keine katholische Partei im preußischen Landtage gab und ebensowenig war eine derartige Partei im Frankfurter Parlament. Wie haben sich seitdem die Verhältniffe geändert, wo ein Bismarck mit dieser Partei rechnen muß. Unwillkürlich siel mir das Motto aus dem Buche der Frommen ein, welches Güdemann an die Spitze seines soeben erschienenen vortrefflichen Werkes: „Geschichte des Erziehungswesens und der Cultur der Juden" setzt. „Das Verhalten der Juden richtet sich an den meisten Orten nach dem Verhalten der Christen." Vor 30 Jahren Härte man wohl das Treiben der Schomre-hadath rc. für unmöglich gehalten. Schließlich noch eine statistische Notiz bezüglich des Besuches der Gymnasien. Die Katholiken bilden 91,9 °/0 der Gesammtbevö lkerung. Die katholischen Schüler entsprechen 81,9°/,. Die Juden bilden 4,1 °/0 der Gesammtbevölkerung. Die jüdischen Schüler aber 14,8 °/0. Die Evangelischen^ sind 1,7 °/0 der Gesammtbevölkerung. Die protestantischen Schüler 2,2 °/, und die orientalischen Griechen sind 2,3 °/, der Gesammtbevölkerung und die Schüler dieser Confeffion 1,1 °/, der Gymnasialschüler. Frankreich. Paris, 9. April. Obwohl nach Beschluß der All. Jsr. ihre Präsidenten-Stelle ein ganzes Jahr unbesetzt bleibt, wird nichtsdestoweniger die eventuelle Personenfrage lebhaft bestehen. Die Neugierde macht sich um so gellender, als keine Combination die Wahrscheinlichkeit für sich hat. Wesen und Zweck der All. erfordert einen bedeutenden Politiker an ihrer Spitze; aber einen, der auch (in warmes Herz siir seine Glaubensgenossen besitzt. Hierin liegt die Hauptschwierigkeit, denn die meisten Staatsmänner Frankreichs jüdischer Abfunft wiffen nicht nur nichts von Jndenthum, sondern wollen auch gar nicht daran erinnert werden. Wollte ich hierüber Notizen mittheilen, könnte ich Bücher vollschreiben, doch wozu die jüdischen Herzen Ihrer Leser betrüben... In Ermanglung eines Politikers verfällt manche Meinung auf eines Gelehrten Namen: Frank, Br6al, Derenbourg werden hierbei genannt. Andere meinen: In unserer Zeit gilt ein Millionär mehr als hundert Weisen, folglich soll ein F i n a n z m a n n die Stelle Cr^inieux's ausfüllen. Endlich

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