Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 17. (21.4.1880)
- Date
- 1880-04-21
- Page
- Seite 149 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 149 — armerlverbänden fortsetzen werde; dieBeamtenpensionsfrage (Referent Herr L. Hausdorfs-Leipzig), bei welchem Punkte man über eine akademische Erörterung der in Betracht kommenden Gesichtspunkte nicht hinaus kam und nur im Allgemeinen auf die Lebensversicherung als „Nothbehelf" und die als „dringender Wunsch" bezeichnete Zuweisung von Beiträgen zu dem vom Ausschüsse verwalteten Pensionsfonds seitens reicher Glaubensgenossen hingewiesen wurde, und einen von Herrn Rabbiner vr. G oldschmidt-Leipzig erstatteten Bericht über Mendelssohn- Dereine. Nachdem noch die Neuwahl des Ausschusses vorgrnommen, wurde gegen 7 Uhr Abends der dritte israelitische Gemeindetag für beendet erklärt. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Magdeburg, 13 April. (Or.-Corr.) Der „Magd. Anzeiger" (amtl. Organ f. d. Stadt und den Kreis Magdeburg) schreibt: Es ist noch kein Jahr verflossen, da berichteten wir an dieser Stelle von dem 50jährigen Geschäftsjubiläum der Firma „Gebrüder Friedeberg" und von den Ehren- und Anerkennungszeichen, die denselben bei dieser Gelegenheit von vielen Seiten zu Theil wurden, deS Kaisers Majestät verlieh den Inhabern den Kronenorden — und heute haben wir die traurige Mittheilung von dem Tode des einen, und zwar des jüngeren Bruders zu machen. Nach kurzem Krankenlager entschlief am 9.d. Mts. Hr. FerdinandFriedebergim77. Lebensjahre; am Sonntag Nachmittag fand seine Bestattung unter großer Theilnahme der Bürgerschaft statt. Voran ging im Trauerhause eine religiöse Leichenfeierlichkeit, zu welcher außer den vielen Gemeindemitgliedern — der Selige beilei* bete durch 18 Jahre dar Amt des ersten Vorstehers in der israel. Gemeinde — auch die Elite der hiesigen Kaufmannschaft, zu derem Aeltesten-Collegium der Verstorbene seit 20 Jahren gehörte, und u. A. auch der wirk!, geh. Finanzrath v. Jordan im Trauerhause erschienen waren. Um 3 Uhr begann der Synagogengesangverein die Trauerfeier mit einem ergreifenden Gesänge, auf welchen die Trauerrede des Hrn. Rabbiners vr. Rahmer folgte, welcher in treffenden, tiefempfundenen und erhebenden Worten das Lebensbild des Verewigten entwarf, seine Menschen- und Bürgertugenden hervorhebend. Wir erfuhren daraus, daß der Verstorbene auch längere Zeit Stadtverordneter war und als solcher zur Deputation gehörte, die im Jahre 1848 nach Berlin zum Könige Friedrich Wilhelm IV. von der Stadt gesandt worden war. Mit dem Liede: „Auferüehen. ja auferstehen wirst du" schloß um 3*/, Uhr die häusliche Trauerfeier. Das Leichengefolge zum isr. Kirchhof war ein sehr großes; an die 50 wohlbesetzte Wagen gaben dem Ehrenmanne das Geleite. Am Grabe ertönte noch das Lied: „Wie sie jo sanft ruh'n", worauf Gebet und Segen durch den Rabbiner folgte. — Die Bürgerschaft hat einen ihrer besten Bürger in Hrn. F. Friedeberg verloren, sein An* denken wird durch die „Friedeberg-Stiftung", welche die beiden Brüder im vor. Jahre begründeten — die jährliche Vertheilung der Zinsen von 10,000 Mk. an 10 würdige und bedürftige Mitbürger ohne Unterschied der Konfession — inmitten unserer Stadt ein segensreiches bleiben! Berlin, 12. April. Dem Hofprediger Stöcker soll sein Auftreten und sein Reisen als Agitator der christlich-socialen Partei an maßgebender Stelle sehr verübelt werden und demselben nicht undeutlich zu verstehen gegeben sein, daß er mit der Würde seines Amtedurchaus nicht zu vereinbgren sei. Es heißt, daß zwei berühmte Kanzelredner binnen Kurzem eine Versammlung christlicher Männer zusammenberufen und öffentlich auffordern werden, gegen das Vorgehen des Herrn Stöcker Front zu machen, da dasselbe gegen den Geist des Christenthums und wider das Heiligste des Christen, „christliche Liebe", verstoße, auch der Würde einer Priesters der christlichen Kirche zuwiderlaufen. Endlich macht der Berichterstatter darauf aufmerksam, daß die in den christlich-socialen Versammlungen auftretenden „Stimmungsmacher" für Herrn Hofprediger Stöcker, für den Abend für ihre Mühewaltung 2 M. als „Löhnung" erhalten und dafür Herr n Hofprediger > Stöcker zujauchzen oder auch einen wider ihn auftretenden Redner „niederdonnern" müffen. Stettin, 17. April. (Or.-Corr.) Am 4. und 5. April fand in Belgard eine Versammlung jüdischer ReligionSlehrer Pommerns statt, an welcher außer den Rabbinen der Provinz, die nahezu vollzählig erschienen waren, eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Lehrern und Cantoren Theil nahm. Zum Vorsitzenden wurde vr. Gold schmidt (Colberg), der im Verein mit vr. Hahn (Stolp) und vr. Landsberger (Lauenburg) die erste Anregung zu dieser Versammlung gegeben hatte. Nach eingehender Debatte wurde einstimmig die Gründung eines „Vereins jüdischer Lehrer in Pommern" beschloffen, deffen Tendenz sein soll: 1) gegenseitige Förderung der Mitglieder auf fachwissenschaftlichem Gebiete. 2) Wahrnehmung der Jntereffen der jüd. Schule und des jüd. Lehrerstandes nach innen und außen, 8) Gründung einer Unterstützungskaffe für jüd. Lehrer, deren Wittwen und Waisen. Der Anschluß des Vereines an eine bereits bestehende Unterstützungskaffe wurde in Aussicht genommen und soll hierüber bei Gelegenheit der Statutenberathung entgiltig beschloffen werden. Zur Ausarbeitung der Statuten und zur provisorischen Führung der Vereinsgeschäfte wurde eine fünfgliederige Commiffion unter Vorsitz vr. VogelsteinS (Stettin) gewählt, als Sitz des Vereins und als Vorort für die im October l. I. abzuhaltende Generalversammlung wurde Stettin bestimmt. Vom Ausschüße des Gemeindebundein Leipzig war Sanitätsrath vr. Hirschfeld in Colberg zur Theilnahme an der Versammlung delegirt worden, derselbe war jedoch verhindert persönlich zu erscheinen, versicherte aber telegraphisch den Verein der eifrigsten Unterstützung und Förderung von Seiten des Gemeindebundes und der Gemeinden Pommerns. Coblenz. im April. (Or.-Corr.) Eine Landplage scheint im gesegneten Jahre 80 solche Dimensionen anzunehmen, daß man — nicht etwa Thillim dagegen sagen — aber doch in der Preffe ihren Ausschreitungen entgegentreten muß. Berufene und unberufene Skribenten begnügen sich nicht mehr, Prospekte und Anpreisungen auf das Haupt der jüd. Gemeindebeamten zu häufen. Dar ist schon ein veralteter Modus. Jetzt «ird'S pfiffiger gemacht. Da hat in Ungarn Jemand ein dickleibiges Buch drucken laffen. DaS wird unter die deutschen Gojim gesandt nebst einer Postkarte, auf welcher bemerkt ist, ein Preis werde nicht angegeben, Bezahlung vielmehr der Generosität deS Empfängers überlassen. Das kostet mindestens, wenn man'S unbedacht dem Briefträger abgenommen, daS Rückporto.*) Noch schlauer macht's ein Deutscher Lehrer. In seinen „Werken", die sich ebenfalls persönlich vorstellen, liegt ein Zettel, besagend, man wolle binnen 8 Tagen unter Benutzung der beiliegenden Marke die Büchlein zurücksenden, oder — bezahlen. Vergeblich sucht man die Marke. In ähnlicher Weise treiben'S einige Herausgeber ganz untergeordneter jüd. Blätter, — wie von vielen Seiten geklagt wird, — sie senden unaufgefordert ihr Bl. an aus Adreßbüchern oder sonst wie ihnen bekannt gewordene Personen und fordern dann das Abonnementsgeld oder Rücksendung. („Komm? und hole sie!" — ist die einzige richtige Antwort auf solche Zudringlichkeit. Red.) —^ Die z. Z. hier im Gange befindliche Meffe hat uns auch eine jüdische Curiosität gebracht. In 2 Buden verkaufen 3 Leute mit jüdischem Typus, polnisch-jüdisch-deutscher Sprache, und orientalischem Kostüm Becher, Lineale rc., die durch die Aufschrift obirVT als aus Palästina stammend bezeichnet werden. Daß viese Pseudo-Orientalen auch Rosenkränze u. dergl. feilhalten, kann nicht Wunder nehmen, sind die Herren doch schon so „fortgeschritten", daß sie Samstag flott verkaufen und dabei ungenirt Cigarren rauchen. (Württember- *) Selbst das ist nicht nöthig, sondern man läßt'S ruhig liegen, b»S der Berf. das Rückporto einsendet; wir hätten sonst gar zuviel an Rückporti'S zu zahlen. (Red.)