Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 16. (14.4.1880)
- Date
- 1880-04-14
- Page
- Seite 142 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Malbim 1× ep/1002711
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— 142 — doch sind die Namen derselben Vielen nicht ganz fremd. Malbim habe so viele Werke geschrieben, auS welchen mehrere Jünger hier Unterweisung suchten (er erwähnte besonders dessen Sifra), und Lazarus, der bezüglich seiner Kenntnisse und seines frommen Lebens nach der Verwaisung des Breslauer Seminars eine so überaus glückliche Wahl als Direktor des» selben war, daß nicht tief genug sein Heimgang nach der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit beklagt werden kann, und was Israels bürgerliche Stellung, was die Alliance Jsr. Univ. im Tode ihres Präsidenten, in Crämieux' Abberufung von dieser Welt verloren hat, bedürfe nur einer leisen Andeutung, um eine tiefe Trauerjüber seinen Verlust hervorzurufen. Doch ich breche die gehaltvolle Rede, welche ich hier zu skizziren gesucht, ab. Alle waren von Bewunderung erfüllt, von dem hochbetagten Greis diesen freien 1*/,stündigen Vortrag mit anhaltender Begeisterung und schwunghafter Sprache zu hören. (Schluß folgt.) Amerika. New-Dork. Der Bericht, welcher über die Tl ätigkeit der jüdischen höheren Lehranstalten vonNew-Aork und Cincinnati von deren Leitern am Anfänge dieses Jahres erstattet wurde, zeigt, daß die Lehrer dieser Anstalten, soweit es den Stoff anlangt, recht fleißig mit ihren Schülern gearbeitet haben. In Cincinnati besuchten 31 Schüler die aus zwei Hauptabtheilungen bestehende Anstalt und wurden in den verschiedenen Classen in Talmud, Mischna, Thnach, hebräischer und aramäischer Grammatik, Commentatoren, Geschichte und sprachlichen Uebungen unterrichtet. Soweit der Bericht in dem „American Israelite“ ersehen läßt, ist aber für ReligionSphilosophie, Homiletik und Kalenderkunde, sowie für die Anregung zu selbststäudigen Arbeiten wenig oder gar nichts geschehen. Aehnlich hat auch die Vorbereitungsschule in New Aor k fleißig gearbeitet. Nur sind die dem Unterrichte gewidmeten wöchentlichen 8 Stunden etwas wenig. Auch diese Anstalt hat 30 Schüler. Jedenfalls verdienen beide Anstalten volle Beachtung, und ist in der Thal ein erfreuliches Interesse für dieselbe vorhanden. In San Francisco hat man einen Verein zur Unterstützung der studirenden Jünglinge gebildet, und der große Gemeindebund hat dem Projecte, ein besonderes Gebäude für die höhere Schule in Cincinnati zu errichten, seine volle Aufmerksamkrit zugewendet. Ueber die Thätigkeit dieses Gemeindebundes ist durch den Semestralbericht öffentliche Rechenschaft abgelegt worden. So anerkennenswerth die Ziele sind, deren Erreichung dieser Bund betreibt, so ist es doch zu wünschen, daß derselbe mehr Thaten herbeiführt als Commissionen. Dieser sind eine ganze Menge und wachsen immer neue aus dem Boden des Vereinslebens empor : man committirt für Wanderpredigten, Ackerbau u. s. w., aber kommt nur sehr langsam vorwärts. Ein ebenso bedauernswerther Punkt ist z. B., daß nach dem Berichte 35,365 Pf. Sterling seit lange gezeichnet, aber noch unbezahlt sind. Doch ist bei der Rührigkeit und dem edlen Sinn der tonangebenden Personen dieses Verbandes zu hoffen, daß wirkliche heilsame Thaten bald zu melden sein werden. — Einen ähnlichen Eindruck und die ähnliche Hoffnung veranlaßt die Versammlung der Sabbathvereinigung, welche Sitzungen abhält und Reden liefert, aber zu greifbaren Thaten noch nicht gelangt ist. Freilich ist gerade auf diesem Gebiete ein Widerstand zu besiegen und Hindernisse zu überwinden, wie bei keinem anderen religiösen Vesserungswerke. Das zeigen deutlich zwei Facta. Der Prediger Messing fand im Woooland eine christliche Secte von Sabbathhaltern. Auf Einladung hielt er diesen einen religiösen Vortrag, der sie recht begeisterte, während die Juden daselbst ihre Geschäfte offen hielten und den Redner nicht beachteten. Andererseits veröffentlicht der »Arnerioan Lebrew^ einen anonymen Brief über die Sabdathfeier, welcher an Thorheiten, Verdrehungen und cynischer Rohheit nicht überboten werden kann. Freilich erhält der Anonymus die verdiente derbe Abfertigung, aber klar ist es, mit welchen Elementen man zu kämpfen hat, um den Sabbath zu seiner alten Heiligkeit zu verhelfen. Es scheint aber überhaupt nicht praktisch zu sein, in erster Linie die Indifferenten und materiellen Cyniker zu bekehren oder bekehren zu wollen. Der Sabbathverein wird mehr Erfolg haben, wenn er darnach strebt, allen Denen, die den Sabbath wirklich halten wollen, darin behilflich zu sein. Gelingt es so das Sabbathhalten zu erleichtern, so wird die Neigung, ibn zu halten, leichter gefördert werden können. — Eine wesentliche Hebung des religiösen Lebens wird man aber auch von der mit Energie getriebenen rabbinischen literarischen Vereinigung erwarten dürfen, wenn auch nicht gerade gleich auf dem praktischen Gebiete, doch sicherlich in wissenschaftlicher Beziehung. Das Literaturcomits hat ein Programm aufgestellt, demgemäß eine Quartalschrift herausgegeben werden solle, in welcher 1. Originalarbeiten, 2. Abhandlungen über Einleitung in die Bibel und die biblischen Bücher, 3. über jüdische Geschichte sowohl in dogmatischer als ritualer Hinsicht, 4. Ueberse tzung von europäischen hebräischen Tages- und periodischen Zeitschriften, 5. eine literarische Rundschau, 6. Politische Rundschau, 7. Aphorismen, 8. andere interessante literarische Notizen und 9. Statistisches geboten werden sollen. Für den nächsten Juli ist eine Versammlung in Pat-in-Bay in Vorbereitung, auf welcher nach dem Vorschläge von vr. Lilienthal folgende drei Punkte zur Discussion kommen sollen: 1. Jüdische Ehegesetze im Vergleich mit der analogen modernen Gesetzgebung, 2. Geschichte der jüdischen Diätetik, 3. Charakter des Josephus Flavins. Professor Grätz hat auch dem Bunde die Aufstellung von Preisaufgaben vorgeschlagen. Dieser Bund gewinnt schon jetzt an Sympathie. In San Francisco sind demselben schon an sehnliche Summen gespendet worden. — Zum Schluffe wäre noch von Interesse, auf den Erfolg hinzuweisen, den der berühmte jüdische Bildhauer Ezekiel wieder errungen hat. Zwei Bildsäulen (des PhidiaS und Raphael) hat der Meister gefertigt, die an der Frontseite der OoreoranGallery of Art in Washington aufgestellt worden sind. Vermischte und neueste Nachrichten. K. Leipzig, H. April. (Or.-Corr.) Heute Vormittag wurde der dritte ordentliche Gemeindetag des Deutsch-Israel. Gemeindebundes von dem Vorsitzenden, Hrn. Jacob N a ch o d, in der Synagoge eröffnet. Hr. Prof. vr. Lazarus wurde von der Versammlung mit dem Vorsitz betraut. Nachdem Hr. Nachod den Rechenschaftsbericht bärge» egt, wurde Decharge ertheilt und dem Ausschüsse die wohlverdiente Anerkennung ausgesprochen. Die hierauf folgende Vrrathung über den israel. Religionsunterricht währte bis zum Nachmittag und führte zu dem Resultat den obligatorischen Religionsunterricht sowohl den Gemeinden als den Eltern gegenüber zu betonen und ihn vom Staate zu verlangen; andrerseits aber auch, um jeder religiösen Anschauung Freiheit von irgend welchem Gewissenszwange zu gewähren, auf Wunsch Dispensation eintreten zu lassen. Dabei wurde der obligatorische Character des Hebräischen in erfreulicher Weise ebenfalls hervorgehoben. Nach einem im Hause des Hrn. Präses eingenommenen solennen Mittagsmahl wurden die Berathungen fortgesetzt. Die Beleuchtung der judenfeindlichen Bewegung seitens des Hrn. Emil Lehmann geschah in sachlicher und maßvoller Weise. Darauf wurde die Bezirksarmenverbandfrage von Hrn. vr. Bielefeld zur Sprache gebracht. Es wurde eine Resolution einstimmig angenommen, daß der Ausschuß seine Bemühungeu in dieser Angelegenheit unermüdlich fortsetzen möge. Ueber die wichtige Beamtenpensionsfrage referirte Hr. Hausdorf, und wurde beschlossen, für die Vermehrung des Beamtenpensionsfonds durch Sammlungen zu sorgen; auch solle der Abschluß eines Vertrages mit der Versicherungsgesellschaft „Victoria" in Berlin in Erwägung gezogen werden. Zum Schluß entwarf Herr Rabbiner vr. Goldschmidt ein erfreuliches Bild von der Entwicklung der