Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-04-14 · N° 16. (14.4.1880) · p. Seite 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 16. (14.4.1880)
Date
1880-04-14
Page
Seite 143 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/5369809-9583817-9583975--4059-9583982
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mendelssohn-Vereine. (Wir gedenken diesem uns kurz vor Nedactwnsschluß zugegangenen flüchtigen Bericht noch einen ausführlichen folgen zu lassen. Red.) Cöln. (Or.-Corr.) Auch in unserer Gemeinde wurde das Andenken Cr6mieux' am Sabbath vor Purim in einer des berühmten Mannes würdigen Weise gefeiert. Außerdem ward defletben bei der am 7. Tag Peßach stattgehablen Tod« tenfeier besonders erwähnt. Der Vorstand unserer Gemeinde hat aber, um das Andenken Crsmieux' dauernd festzuhalten, beschlossen, das unlängst in Paris erschienene Bild Cr. anzuschaffen und demselben für alle Zeiten im Sitzungs« saale der Gemeindevertretung eine Stelle anzuweisen. Wir wünschen, daß diese Art der Verehrung in vielen Gemeinden! Nachahmung finden möge. (Crsmieux's Portrait von Gu« , stave L6oy ist nunmehr auch auf weißem Papier für 12 ' Frcs. zu haben.) t Norühausen. Der im hies. Männerbildungsverein von Hrn. Rabb. Dr. Leimdörfer gehaltene geistvolle Vortrag über Leffing und Mendelssohn ist unter dem Titel: Gotthold und Moses — ein Männer-Bildungsverein im Verlage von Moritz Greiner in Leipzig erschienen (zu Gunsten armer Studirender). — Wir haben uns gefreut, darin manchem guten Stücke aus dieser „Wochenschrift" zu begegnen; fo ist auch bas Schlußstück S. 24 nicht von Leixner, sondern aus einem j Leitart. uns. Blattes. (Red.) ) Filehne, 5. April. (Or. - Corr.) Am siebenten Tage | des Peßachfestes fand hier die erste Mädchen - Confirmation i statt. Schon oft wurde eine solche in unserer Gemeinde ge- 1 plant — angeregt wurde sie schon vor 20 Jahren, damals stieß sie auf unüberwindliche Schwierigkeiten, die das allgemein herrschende Vorurtheil ihr bereitete — erst am obigen Tage wurde sie durch die «nerkennenswerthe Energie des * Rabbiners Dr. Richter verwirklicht, der dieselbe damit bef gründete, daß er darauf hinwies, wie man wahrhaft gläubige Gemüther erziehen müffe, um sowohl dem Nichtglauden wie dem Aberglauben zu steuern. Die Feier begann und schloß mit einem Gesänge, unter Leitung des Lehrer Becher und machte einen wahrhaft ergreifenden Eindruck auf die Zuhörer. Möge das Vorurtheil, das gegen Einsegnung von Mädchen noch hie und da herrscht, schwinden, denn sie ist ebenso berechtigt, wie bei Knaben*), ja noch nothwendiger, wenn manbedenkt, daß den zukünftigen Frauen die religiöse Führung des Hauses und den dereinstigen Müttern die Häupter ziehung der Kinder zufällt. Königsberg i/Pr. Dem 14. Bericht der hies. Religionsfchule entnehmen wir, daß dieselbe von 319 Zöglingen besucht wird (172 Knaben, 135 Mädchen und 12 Confirmanden), die sich auf 5 Knaben- und 4 Mädchenkmssen vertheilen, zu denen noch 2 Parallelklassen kommen. Außer dem Rabbiner Hrn. Dr. Bamberger unterrichten an der gut organisirten und geleiteten Religionsschule noch 3 Lehrer (Cohn, Wolffberg und Wiener). Auf das sehr zeitgemäße treffliche Vorwort des Rabbiners kommen wir zurück, der allgemeine i Tyeil desselben verdient in weitere Kreise zu dringen, wir werden ihn in einer der nächsten Nummern in uns. Bl. bringen.; Bromberg. (Or.-Corr.) Das von Ihnen genügend charakterisirte Reformer-Blättchen druckt den Artikel eines hier erscheinenden Blattes ab, in welchem unserm Rabbiner Herrn Dr. Gebhardt zu seinem 70jährigen Geburtstags Glück gewünscht und die ehrende Feier dieses Tages durch die Gemeinde und ihre Vereine geschildert wird. „Den Vorkämpfer der Reform" nennt jenes Blatt unfern Rabbiner. Vergißt! aber dabei, daß Dr. G. mit jener Reformirerei, welche mit; Mischehen uns beglücken will, zu deren Fahne leider auch i *) Daß die Barmizwa-Feier längst nicht mehr ihren ursprün glichen i Zweck erfüllt, ist von einsichtigen Lehrern und Vätern erkannt; ein 13jähriger Knabe kann noch kein V e r st ä ndniß für Selbstverantwortlichkeit haben und ist noch nicht reif für die religiöse Mündigkeit. ein Ausschußmitglied des Deutsch.Jsr. Gemeindebundes, Hr. Adv. Emil Lehmann, schwört, nichts zu thun haben will- Als Referent einst denselben um seine Anficht fragte, ob es nicht durch übereinstimmendes Gutachten vieler Rabbinen zu ermöglichen wäre, daß in einem besondern Falle statt der Chaliza die Schwagerehe vollzogen werde, erwiderte Dr. G. er würde eine solche Frage stets mit „Nein" beantworten. „Eure Wege sind nicht meine Wege" ruft Dr. G. seinem unerwünschten Lobredner zu. Darmstadt, 27. März. Am Mittwoch verhaftete die hiesige Schutzmannschaft einen israelitischen Bettler aus Jerusalem, welcher seine Glaubensgenoffen dermaßen brandschatzte, daß er, wie bei ihm aufgefundene Postscheine beweisen, das Geld tausendweise in seine Heimath zu senden vermochte. Wien. Bei A. Hölder hier ist zu Ostern ein Werk erschienen, daß eine von unseren großen Historikern gelaffene Lücke ausfüllt, nämlich: Die Geschichte des Erziehungswesens und der Cultur der Juden in Frankreich u. Deutschland von Rabbiner Dr. Güdemann. Wir werden ans diese bedeutsame literarische Erscheinung im „Literaturblatt" ausführlich zurückkommen, hier sei in Kürze nur angegeben, daß dasselbe die Blüthezeit der jüd. Literaturepoche in den genannten Ländern umfaßt und wenn es auch inhaltlich desselben Verfaffers vor 7 Jahren erschienenes Werk fortsetzt, so bildet es dennoch ein abgeschlossenes Buch für sich, das Niemand aus Händen legen wird, ohne sein Wissen bereichert zu haben. Die handschriftlichen Beilagen erhöhen seinen Werth noch ganz besonders. Aus Ungarn wird dem „Univ. isr." ein Spaß berichtet, den sich ein (katholischer) Advocat, Herr Geza Püzeffsvy mit dem Judenfreffer Jstöczy erlaubt hat. Er führte eine Schaar junger und alter Männer in polnischer Judentracht durch die Straßen und ließ eine Fahne mit der Inschrift „Nach Jerusalem" vorantragen. Zu Herrn Jstöczy begab er sich mit feinen Begleitern, hielt dort eine Anrede: Sie fühlten tief, wie sie nicht werth seien, dieselbe Luft mit dem Herrn Deputirten zu athmen und wollten daher nach Jerusalem ziehen. Nur fehle ihnen das Reisegeld, das möge Herr I. ihnen geben, dann brauche er keine Antisemitenliga zu gründen. Die Entrüstung des edlen Judenfressers, sich so in seiner Wohnung verspottet zu sehen, kann man sich denken. Krakau, 4. April (Or.-Corr.) Am zweiten Tage des Peffachfestes, vollzog sich hier in einem Beth-hamidrasch ein Akt mittelalterlicher Rohheit, bigotten Fanatismus. Unter den Kohanim, die sich zum Priestersegen anschickten, befand sich Einer mit geschorenem und rasirtem Bart. Dieses gefiel zweien Fanatikern und Zeloten nicht, sie schleppten ihn in brutalster Weise vom Almemor herunter, und walten ihn trotz der Versicherung des Vaters, daß sein Sohn nicht mit einem Messer rasirt war, aus der Betstube hinauswerfen, hätte Herr Juda Birnbaum sich nicht des öffentlich Beschämten energisch angenommen. Paris. Der isr. Wohlthätigkeitsvrrein hat ein Festessen abgehalten, an welchem 200 theilnahmen, darunter bte Rabbinen, die Vertreter der jüd. Presse. Dabei wurden 500 Frcs. für die Armen gespendet, von welchen 150 Frcs. von Herrn Nestor Dreyfuß für das „Benschen" gegeben wurde das er dem Oberradbiner von Frankreich übertrug. Wir berichten dies, um vielen deutschen Gemeinden zu zeigen, daß in Paris dergleichen noch nicht als veraltet uno unzeitgemäß gilt. Italien. Im Senate sitzen 2, im Parlament 7 Jsraliten, von denen 1 Vicepräsident ist. 15 sind Sindaci (Bürgermeister) als Beigeordnete. In allen Ministerien finden sich Juden als Beamte, einige in hohen Stellungen. Dabei beläuft sich die jüd. Bevölkerung auf etwa 40,000 Seelen. Nur etwa 50 beträchtlichere Gemeinden, von denen 35 Rabbiner haben. (Fortsetzung in der Beilage.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.