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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-04-14 · N° 16. (14.4.1880) · p. Seite 141

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 16. (14.4.1880)
Date
1880-04-14
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
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— 141 Hause eine zutreffende Ansprache an Herrn vr. Kroner hielt, die ich Ihnen für die nächste Nr. mittheilen werde. Für die hiesige Synagogengemeinde ist der Wegzug des Herrn I)r. Kroner ein nicht zu ersetzender Verlust. Von dieser Erkenntniß ist Jeder erfüllt! Sein Hierwohnen hat aber gezeigt, was ein von achter Frömmigkeit beseelter, für feinen Beruf begeisterter und demselben in jeder Hinsicht gewachsener Rabbiner auch in einer, bis dahin dem strengreligiösen Leben in ihrer großen Mehrzahl abgewandter Gemeinde zu leisten im Stande ist! Frankfurt, a/M., 4. April. (Or.-Corr.) Das „Mädchenstift" versendet den von seinem Schriftführer Herrn Adolf Tebläe erstatteten dritten Jahresbericht, welschem wir den Beweis des fortschreitenden Wachsthums und Gedeihens dieser fegen rvoll wirkenden Anstalt entnehmen. Die Zahl der Pfleglinge hatte sich bei Beginn dieses Jahres bereits bis zu vierundzwanzig gesteigert. Diese jungen alleinstehenden Mädchen im Alter von 15—23 Jahren haben in dem Mädchenstifte nicht nur Wohnung und Verköstigung, Schutz und Überwachung und Gelegenheit zu ihrer Aus- und Fortbildung gefunden, sondern sie erfreuen sich auch ganz besonders der Wohlthaten eines geordneten und gesitteten Hauswesens unter der Obhut und mütterlichen Fürsorge einer bewährten liebevollen Hausmutter. Sämmtliche Pfleglinge widmen sich einem ehrenhaften Berufe oder Erwerbe, oder suchen sich zu einem solchen heranzubilden, theils als Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen, Schülerinnen des Conservatoriums oder des Lehrerinnenseminars, therls als Comptoiristinnen, Ladnerinnen u. s. w. Mit dem Betragen und Fleiß der Zöglinge hat der Vorstand allen Grund sehr zufrieden zu sein. Wir schließen uns gern dem Wunsche desselben an, daß die junge Anstalt, die ein rasches Emporblühen verheißt, sich den vielen Wohlthätigkeitsanstalten unserer Stadt würdig anreihen möge Coblenz. Bei der Veröffentlichung des in dies. Bl. bereits mitgetheilteu Aufrufes der neuen Gesellschaft zur Förderung der jüd. Wissenschaft in Paris, erzählt „Un. isr.", daß schon dreimal derselbe Versuch gemacht worden ist. 1848 hat in Straßburg die Consistorialgesellschaft zum Beschaffen guter Bücher ein gutes Buch zu Tage gefördert „die Gebete eines isr. Herzens." Einige Jahre später haben die Herren „Ulmann, Munk und Frank" in Paris den „Verein zum Herausgeben religiöser und moralischer Bücher" gegründet. Derselbe veröffentlichte oder unterstützte die Herausgabe eines bebr.-franz. Wörterbuches, der „Familienbibel" „der biblischen Betrachtungen (ineditations) und des „Glauben Israels" von Bloch. Versprochen waren eine „Geschichte der Israeliten," und eine hebr. Grammatik von Uimann, die aber nie erschienen. Kein Geld — was nutzten die bedeutenden Gelehrten an der Spitze? Dann folgte 1865 der wissenschaftliche Verein für jno. Literatur, an der Spitze Munk, Franck, Rodegues, Alben Cohn, welcher „Sinai u. Golgatha", „Geschichte der Juden in Spanien", beide von Grätz und einige Arbeiten von Rodrlgues brachte und durch das Jahr 70 getödlet wurde. Eine Gesellschaft der Freunde jüd. Wissenschaft ist nach zwei Sitzungen eingeschlafen. Möge dem neuen Vereine mehr Geld und beffere, günstigere Zeiten beschieden sein. Im Uebrigen ganz wie bei uns in Deutschland. Großbritannien. London. Die allgemeinen Wahlen beleuchten die Stellung der englischen Juden zu ihren Mitbürgern in einer sehr ehrenvollen Weise. B. S. Philipps ist in London zum Aldermann des liberalen Generalcomitds gewählt worden und nicht weniger als 11 jüdische Candidaten haben Aussicht in dem neuen Parlament zu erscheinen, nämlich Baron H. de Worms. A. Cohen, Sir. N. M. de Rothschild Baronet, Serjeant Simon, S. Isaaks, Julius Vogel, Sidney Woolf, Julian Goldsmid Baronet, Sydney Stern, E. F. Davis, A. Harris. Eine nicht minder erfreuliche, die englischen Juden aber besonders ehrende Thatsache i|t die. daß der auf Freitag 2. April Anfangs festgesetzte Wohltermin auf Antrag der Israeliten auf Donnerstag 1. April 'urückoerlegt wurde, trotzdem sogar die Wahlzettel schon auf den 2. April datirt gedruckt waren. Ist auch hierbei eine politische Rücksicht in erster Linie zu erkennen, so muß man doch zugeben, daß die Treue der Juden gegen ihre Religion und ihr Vaterland, sowie die Achtung jüdische religiöser Gewissensbedenken beide Seiten sehr ehren. Mögman besonders in Deutschland auch hierin den englischen Inden und Christen nacheifern. Dänemark. K Copenhagen, 16 März. (Or.-Corr.) Obgleich so Manches, ja sogar Vieles Gottlob meistens Erfreuliches, von Zeit zu Zeit von hier mitzutheilen war, ist zu meinem Befremden äußerst selten unser Land sowohl als unsere hiesige Gemeinde in den Blättern erwähnt worden. Schreiber dieses, dem es früher einer seiner angenehmsten Beschäftigungen war, Ihr Berichterstatter über die hiesigen Vorgänge zu seine ganzt zufolge seiner merkantilischen Stellung, die feine ganze Zeit in Anspruch nimmt, nicht damit fortfahren. Nichts destoweniger fühle ich mich aufgefordert, Ihnen heute Folgendes für Ihr geehrtes Blatt mitzutheilen, da namentlich auch der große Verlust, den wie überall auch wir durch Crdmieux' Tod erlitten, darin zur Sprache kommt. Wie Ihnen wohl bekannt sein wird, hält unser Oberrabbiner Profeffor A. A. Wolfs jeden "HK rT^I? eine Derascha in der Trauerhalle auf unserm Friedhof vor der vereinten Chewra kadifcha und Gemillus Chaßadim welche diesmal von besonderer Bedeutung war. Es waren nämlich 50 Jahre, seitdem unser Herr Oberrabbiner zum ersten Male bei dieser Gelegenheit elnen Vortrag gehalten. Im Augenblicke, da er den Wagon besteigen wollte, um nach dem guten Ort zu fahren, erhielt er ein Telegramm von Paris, das ihm die Trauerbotschaft vom Ableben Crdmienx meldete. Tief bewegt bestieg er den Rednerstuhl und nachdem er den Vers der Sidra, 2. B. M. 25. 8, etwickelt und sinnreich auf die Pflichten, welche der heilige Verein zu vollziehen habe, angewenoet, begann er: „Wie oft ich auch hier gestanden, mit so gemischten Gefühlen, niederbeugenden und erhebenden, traurigen und dankbaren «ie heute doch niemals. Mit Wehmulh erinnere er, wie vor 50 Jahren er hier vor einer zahlreichen Versammlung gestanden, in deren Mitte Greise und Lamdanim sich befanden, die auf die Worte des jungen Mannes mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten. Ebenso trete das Gedächtniß derer vor seine Seele, die heilbringende Wirksamkeit in der Gemeinde entfallet, das Andenken derer, die seine bewährten Freunde und Gönner gewesen, derer, die besonders in der Ehewra ,mt lösender Aufopferung thätig gewesen (Hier ermähnte er namentlich die zwei Vorsteher, Herrn I. Fränkel, der zugleich Synagogenvorsteher war, und Herrn Capt. Berendsen, der dieses Jahr von dem Allgütigen abgerufen wurde). Wenn nun diese Erinnerungen sein Herz mit der tiefsten Wehmuth erfüllen, so sind es doch wiederum Dankgefühle, die sich in seiner Seele regen. Dankgefühle gegen den Allgütigen, der ihn so begnadigt habe, in einer so langen Reihe von Jahren seinen Beruf ausführen zu können. Er sagte ferner, wohl würden sich seine Zuhörer erinnern, wie er vor Jahren darüber gesprochen,*) daß er diese Zusammenkunft nicht geeignet finde, um über ferne Todesfälle von Personen, die sie doch kaum dem Namen nach gekannt hätten, zu reden, und daß er diesem Grundsatz (mit Ausnahme des im vorigen Jahre über den Würzburger Rabbiner gehaltenen Hesped) getreu geblieben, so sehe er sich doch veranlaßt, diesmal einige und zwar große Verluste zu erwäbnen, nämlich Malbim, Lazarus und Crämi» eux. Zwar habe er selbst und gewiß auch Niemand der hier Versammelten keinen derselben persönlich gekannt, aber *) Schreiber dieses hatte diese Rede in extenso dem ehemaligen Redakteur dieses Blattes, Herrn Rabbiner Treuenfels zugesanor, der ihm seinen Dank dafür geschrieben und sie gelegentlich mitzutheilen versprach. Allein er ist leider, bevor er seinen Vorsatz auszuführen sich veranlaßt fühlte, abgerufen worden. (Wir haben daS Manuskript nicht vorge. funden. Red.)

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