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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-04-14 · N° 16. (14.4.1880) · p. Seite 138

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 16. (14.4.1880)
Date
1880-04-14
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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war nach der Lehre Darwins nur eine unendliche Reihenfolge von Züchtungsgenerationen hervorzubringen vermag. Natürlich, denn sonst wäre der Justizminister Preußens und der deutsche Reichsgerichtspräsident und die unendliche Fülle der direkt oder im zweiten und dritten Gliede von Juden herstammenden doch ein zu gewichtiger Einwurf und eine zu gefährliche Gegnerschaft. Aber während wir als Religionsgenoffenschaft alle diejenigen nicht zu uns zählen, welche zu einer andern Religion sich bekennen — hier, diesem Vertreter der Raeenanstcht gegenüber beweisen die getauften Juden — was ja Herr v. H. mit seiner Anführung Disraeli'S zugiebt — so viel, wie die Ungetauften! Ja, ihr Herren — auch Ihr seit Parasiten am deutschen Volkskörper, auch Ihr taugt zu nichts Anderem, als zum „Zwischenhandel mit allen seinen ans Criminelle anflreifenden Finessen!" Es fehlt jede Begründung für die Schimpfereien auf die Juden. Ebensowenig, wie man die Deutschen als Säufer bezeichnen kann, weil recht viele Bauernburschen und Arbeiter am Sonntage sich zu betrinken pflegen, ebensowenig sind die Juden das, was manche Zwischenhändler — die zufällig Juden sind — sind. Die mangelhaften Citate über römischen und phönicischen Spott lasten uns etwas skeptisch über deren pastenden Inhalt bleiben, zumal Herr v. H. einer von den Gelehrten ist, die nicht Produkte eigener Fabrik, sondern im Zwischenhandel Erlangtes auf den Büchermarkt bringen. Wenn später noch gesagt wird, daß „ein Jude gesagt hat," es könne aus der Vermischung der germanischen und semitischen Elemente eine höhere und edlere Bevölkerung hervorgehen, so wollen wir nur, da die Frage uns gleichgiltig ist, urgiren, daß der fragliche Jude ein christlich germanischer Kreisrichter ist, der unter dem Namen Perinhart schreibt. *) Wir haben natürlich nicht die Absicht, all die lahmen Krücken der Beweisführung (?) des v. H. nachzuzeigen. Nur das Komische sei uns gestattet hervorzuhcben, daß in denselben zwei Nummern des unter Redaction dieses Herrn v. H. erscheinenden „Auslandes" sich Folgendes findet, was nach einem Spruche unserer Alten heißt: der böse Geist muß widerstrebend Amen sagen. In Nr. 1 (S. 17 ff.) wird über „Südarabiens Schlöster und Burgen" berichtet. Dem Auf» satze liegt eine Arbeit des Dr. David Heinrich Müller über das 8. Buch des Jklil zu Grunde, in welchem „interestante Notizen" aus dem inLyck 1866 gedruckten Buche „Eben Saphir" gegeben werden. Dieses Buch hat Josef Halevy, desten „unsterbliche Verdienste .... nicht geschmälert werden" sollen, als Wegweiser gedient. Da haben Sie 3 von der Raye der Zwischenhändler. In Nr. 2, S. 23 ff. lesen wir eine „Schilderung von Bombay." „Eine große Zierde des Platzes vor diesem Asyl ist die am 26. Juni 1879 enthüllte lebensgroße Neiterstatue des Prinzen von Wales in Bronceguß, ein Geschenk des reichen Bürgers Sir Albert Saffoon, Chef derselben Familie, welcher die Stadt eine höhere Schule für Maschinentechnik, die Orgel im Stadthause und zahlreiche kleinere Stiftungen dankt." Diese Familie wie der daselbst S. 36 genannte Verfaffer eines geographischen Lehrbuches, Lewi, gehören auch zu denen, welche sich „parasitisch" in Mitte der Völker angesiedelt haben. So, Herr ». H, sieht Ihre Wahrheitsliebe und die wissenschaftliche Begründung Ihrer Ansichten aus. *) Auch Bismarck hat bekanntlich — wie Busch erzählt — eine^ ähnliche Aeußerung gethan. (Red.) Wahrscheinlich hat einmal ein Hosen kaufender alter Jude Ihnen zu wenig für die Ihrigen geboten — deshalb „Parasiten und Zwischenhändler!" Coblenz. vr. L e w i n. Ein Italiener über die Judenfrage in Deutschland. Randglossen eines Eingeweihten.*) Den nicht seltenen Urtheilen über die Jndenfrage in Deutschland, die aus dem Auslande bekannt werden, hat sich jetzt auch ein italienisches zugesellt, das um der Bedeutung willen, die sein Vertreter beanspruchen darf, von Interests ist. In Raffaele Mariano schätzt der Kenner der politischen und socialen Verhältniffe einen Mann, der schon seit Jahren mit unerbittlicher Consequenz und tiefem Eindringen die wunden Stellen der Entwicklung seines Vaterlandes beleuchtete. Neuerdings nun hat Mariano in einem umfangreichen Buche: 3 „Christenthum, Katholicismus und Cultur",**) seine Ansichten tz; über die Ausgestaltung und Wechselbeziehungen derselben vorzüglich in Italien dargelegt und — indem er in einem beson- |, deren Capitel „Deutschland und das Christenthum" behandelte — die deutsche Judenfrage erörtert. Ich weiß nicht, ob Mariano | r jemals in Deutschland war, aber gewiß ist, daß er mit der |h deutschen Literatar in reicherem Umfange bekannt ist und daß Tj er die Stimmen, die aus den streitenden Lagern erschollen, * l nach der Höhe und Tiefe ihrer Klangfarbe, wie auf ihren ' ethischen Ursprung hin zu beurtheilen versteht. Somit wird; man sein Urtheil, — in so vielen Punkten es auch schief und! verkehrt ist — auch um deswillen als ein beachtenswerthes ansehen dürfen, weil es die Resonanz ist, die das Wortgefechte in Deutschland über die Alpen hin hervorbrachte. Gewiß wird Jeder, der die Entwickelung der deutschen . Judenfrage beobachtete, Mariano darin zustimmen, wenn er \ diese Frage als „eine der rauhesten, brennendsten unv auch j ernstesten des Jahrhunderts" ansieht. In diesem Punkte stimme j ich mit Mariano überein, auch darin, daß er mit logischer j Consequenz nicht die religiöse Differenz, sondern den Racen- > unterschied als das hauptsächlichste Trennungsglied zwischen Juden und Christen bezeichnet; denn wenn es eben nicht der Racenunterschied wäre, der den Riß zwischen dem socialen Ver- , hältniß der Juden und Christen hervorbrächte, wie wäre es j möglich, daß Christen, die in religiösen Dingen dem weitgehendsten Jndifferentismus huldigen, oftmals mit derselben zähen U Schroffheit sich dem Juden gegenüber verhalten können, als { die starrsten Anhänger des Dogma's? Anthropologen und Psychologen mögen sich darüber äußern, ob Mariano's Ansicht, daß in der hebräischen Race die Einbildungskräfte stärker entwickelt seien, als die intellectuellen und rationellen, haltbar sei; ich bescheide mich anzudeuten, daß es vielleicht rathsamer sein dürfte, den Einfluß, den das Zu- * sammenleben der Juden mit den verschiedensten Nationen | auf Beider intellectuelle Eigenschaften hatte, erst näher zu untersuchen und dann erst Schlüsse ziehen zu wollen. f Vielleicht würde sich dann die Haltlosigkeit der Mariano- > schen Ansicht: den Juden sei weder der Ernst noch die Tiefe des Ideals angeboren, noch unpäßlich, erweisen und sich auch zeigen, ob der Jude in Wahrheit und besonders in solchem Grade, als Mariano annimmt, Egoist sei. Unläugbar^ ist, daß die keiner eingehenderen Charakterisirung bedürfende Stel- . lung, in der der Jude seit Hunderten von Jahren gelebt hat, den Egoismus immerhin hätte Hervorrufen können. Wie aber würde sich dieser vertragen mit dem tiefen Gefühle für die Noth und das Leiden der Nebenmenschen jeder Confeffion, das *) Dieser Artikel befindet sich bereits seit Januar in unseren Hän. den, konnte aber wegen Ueberfülle des Stoffes nicht früher zum Abdruck gelangen: wir geben auch heute nur den größeren — polemischen Theil desselben. (Red.) , . , _ _ , **) Cristianesimo, Cattolicismo e Civiltä. Studii di Raffaele Mariano. Bologna 1879. (In deutscher Uebersktzung bei Breitkopf u. Härtel in Leipzig soeben erschienen. Red.)

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