Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 16. (14.4.1880)
- Date
- 1880-04-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-9583817-9583975--4053-9583976- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M 16. 188«. Israelitische '"<31 **U| Jahrgang Wochen-Zchrtst für die religiösen und soeialm Interessen des Zndenthums. Irscheint jeden Mittwoch u kos!et sammt dem wöchentlich erscheinenden »Jüdischen Litera1»rb!«»tt" bei allen Post ämtern und Buchhandlungen vierteljährlich S Mark. Mit direkter Zusendung: Nach Oesterreich » *.: nach dem Au« lande: 16 Mk. <S0 FrcS. 8 Rub. 4 Dollar«) jährlich. «inielnummern der „Wochenschrift* i *5 Pf., bei „Literaturblatts* 4 15 Pf. Verantwortlicher Redacteur und Herausgeber Rabbiner Dr. W. Jtahmer in Magdeburg. Magdeburg, 1ä. April. Inserate für die „W o ch « n s ch r i f t*, wie für da« „I üdischeLiteraturblatt*. die drrigespaltene Petitzeile oder deren Raum 25 Pf., sind durch fämmtliche Annoncen-Expeditionen oder direct an die Expedition der Jtraelitiichen Wochenschrift in Magdeburg einzusen« den. — Bei Wiederholungen Rabatt. Beilagen, 2 80 0 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: / reitende Artikel: Noch Einer. — Ein Italiener über die Judenfrage in Deutschland. . Berichte nnd Eorrespondenze«: Deutschland: Magdeburg. Braunschweig. Hamburg. Aus Eisenach. Frankfurt a. M. Coblenz. Großbritannien: London. Dänemark: Copenhagen. Amerika: New-Uork. Vermischte nnd neueste Nachrichten: Leipzig. Cöln. Nordhausen. Filehne. Königsberg. Bromberg Darmstadt. Wien. Aus Ungarn. Krakau. Paris. Italien. Iowa. Horadno. Marocco. Pittsburgh. Alexandrien. Feuilleton: Chajim Prostak. — Dem Andenken des Geschichtsforschers vr. M. Wiener in Hannover. — Inserate. Roch Einer! Wochen- März Ijar Kalender. 1880. 5640. Mittwoch . . . 14 3 O«ierl8 Donnerstag .. 15 4 19 Freitag .... 16 5 20 Sonnabend . . 17 6 m W.??;Perek 2. 21 Sonntag. . . . 18 7 22 Montag .... 19 8 23 Dienstag .. . 20 9 24 In den ersten Nummern des „Auslandes" vom Jahrgange 1880 benutzt Herr Friedrich v. Hellwald die günstige Gelegenheit — die Besprechung eines Buches von Th. Ribot über die Erblichkeit, alias die seelische Vererbung — um eine Pauke gegen die Juden loszulassen. Das Factum an sich hätte uns kein Tröpfchen Tinte werth geschienen, wenn nicht die Musterkarte der Hepp-Hepp-Schreier dadurch um ein interessantes „Stück" — das wohl vergeblich sich als Vertreter einer ^Art" gekennzeichnet sehen möchte — reicher geworden wäre! Uns wollen vertilgt sehen 1) die „catilinarischen Existenzen" (Marr), 2) die Nachkommen der Dominicaner in allen Gestalten („Schles. Kirchenzeit.", Stöcker) und 3) die vom kuror teutoolcus Besessenen (Treitschke). Nun gesellt sich'ihnen als Vierter im schönen Vereine der Materialist bei, in welchem der Haß gegen die Vertreter des Idealismus, gegen des „lieben Herrgottes Leibwache" wüthet und der nun begierig nach wissenschaftlichen Brocken sucht, mit deren Hilfe er ein mixtum compositum Herstellen kann — Sand in die Augen. Doch hören wir den Herrn selbst. „Würden unsere Gesetzesmacher. anstatt abstract humanitäre Gesichtspunkte zu Grunde zu legen, die realen Thatsachen ins Auge fassen, so würden sie gewußt haben, daß die gehegte Erwartung, die Emancipation werde den Juden das Unangenehme und Schädliche abstreifen, eine sehr unwissenschaftliche Täuschung ist. Das wird nie und nimmermehr der Fall sein, weil die Juden nicht blos ein anderer Stamm, sondern eine andere Rave sind, als die Völker, in deren Mitte sie sich parasitisch angesiedelt haben. Dasselbe, was wir heute den Juden vorwerfen, sagte» schon die Römer, sagten schon ihre eigenen Ravegenossen, die Phönicier, wie aus neuerdings gefundenen Spott inschriften auf die Juden hervorgeht. Das Gebiet des Zwischenhandel mit all^seinen an das Criminelle heranstreifenden Finessen ist stets das Erbtheil der Juden gewesen und wird es bis in alle Ewigkeit bleiben. So lange diese Thatsache der seelischen Vererbung nicht den modernen Gesetzgebern zum Bewußtsein gebracht wird, so »lange nur das gemeine Volk dieselbe festhält, sie aber aus den gebildetenMassen verschwunden ist, ist.keine Besserung zu hoffe^.. ist die'Emancipation foon den Juden eine Chimäre. .Ale gc^rze liberale Gesetzgebung ist ein Ausfluß der im vorigen Jahrhundert aufgekommenen Lehren über Menschengleichheit. Die Politik kommt als Praxis erst lange nach der Theorie. So kann es auch nicht ausbleiben, daß die Theorie, wie sie die Naturwissenschaft unserer Tage aufstellt, ihre politischen Früchte erst im nächsten Jahrhundert trage. Eine dieser Früchte wird die Erkenntniß sein, daß der Jude Jude bleibt und eine Aufsaugung der jüdischen Elemente in die übrige Bevölkerung nicht zu erwarten ist. In welch systematischer Weise die Juden ihre Eigenthümlichkeiten durch Züchtung stärken und fortpflanzen, mit welchem Bewußtsein sie sich als das aurerwählte Volk betrachten, darüber mag man z. B. Disraeli's Lebensgeschichte und Romane Nachsehen. Grundfalsch ist jene Lehre, daß das Individuum zuerst Mensch sei und dann erst Jude, dann erst Germane oder Franzose; geboren wird das Individuum als Summe, als Resultat seiner Ahnen, und nur hohe Bildung kann dazu führen, das Ererbte in seinen Nachtheilen zu überwinden und dem Ideal der Menschlichkeit sich anzunähern. Kein Volk aber ist hierzu weniger geneigt als die Juden, welche zwar jene Humanitären Lehren stets im Munde führen, aber faktisch daS Gegentheil davon thun." Also Rave! — dabei soll hohe Bildung das bewirken