Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 14 u. 15. (7.4.1880)
- Date
- 1880-04-07
- Page
- Seite 135 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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mit Vorsatz hat hier ein Rumäne in seiner Wohnung einen jungen jüd. Mann (S. Grünberg), der ihn um 20 Frcs. mahnte, niedergeschossen und dann behauptet, es liege ein Selbstmord vor. Da der Mörder Gemeinderath und Mitglied der Handelskammer ist, wird er wohl wieder freigesprochen werden. („Jwri") In Rumänien dauert das alte Spiel fort. Die Opposition läßt keine Naturalisation ohne viel Reden und Schmähungen durchgehen und zeigt viel Gewandtheit im Herstellen der Beschlußunfähigkeit in der Kammer. Trotz des warmen Eintretens der Minister für die Naturalisationen werden sehr Viele verworfen und gehl's einen solchen Schneckengang, daß kaum die Enkel des jetzigen Geschlechtes das Ende erleben werden. Aus Constantine wird ein eigenthümlicher und — wenn die Darstellung eine wahrhafte ist — von kolossaler Unkenntniß des jüo. Gesetzes zeugender Akt der Intoleranz gemeldet. Der Vorsitzende des dortigen Consistoriums verbot die Vollziehung einer Bris Milah, weil der Vater des Kindes am Samstag sein Geschäft geöffnet hat. Darüber von Letzterem zur Rede gestellt, erklärte der Consii'torialprändenl: Nur, wenn der Vater eine Strafe bezahle und Verzeihung seiner Sünden auf den Knien vor der Frau Präsidentin erbitten werde, würde die Beschneidung vollzogen werden! Es ist so lächerlich, daß es — unglaublich ist! Marocc». Man meldet neue Mißhandlungen, denen Mesod Uday ungerechter Weise ausgesetzl worden sei. Es wäre zu wünschen, daß die in Madrid zusammentretende Conferenz der europäischen Mächte endlich einmal die Maroccanische Judenfrage im Sinne der Humanität lösen möchte. Denn es vertrüge sich nicht mit dem Ruhme europäischer Civilisation unter den Augen der Großmächte Verorechen gegen die Menschlichkeit begehen zu laffen. Jerusalem. 40—500,000 Pfd. Sterling beträgt die jährliche Chalukka in Palästina. Ein sehr genau unterrichtet scheinender Correspondent des „Jew. Ehronicle." bestätigt dies mit dem Bemerken, daß dieses Geld nicht hinreiche, um dem großen Elend zu helfen, daß vor Allem aber die ungerechte und unrichtige Vertheilung Schuld an vielem Uebel sei. Jerusalem. Rafael D . . . . in Safet besitzt 19 gemauerte Häuser im Werthe von 12000 Pfund Sterling (Doppelkroneu) und hat das Alles, wie ein Herr Rosenzweig im „Habaz." behauptet, von kleben gebliebenem Chalukkagelde. Wahrlich, es ist hohe Zeit, daß da Wandel geschafft wird, soll nicht die Unterstützung der Armen Palästina's ganz versiegen. Denn wir entziehen es u n s e r n Bedürftigen — u. sollen derartige Spitzbuben damit reich machen? Die Verfolgungen derer, die sich beklagen oder aus der Schule plaudern, übersteigen Alles, was man von sizilianischer Maffia hört. Mehl, das von Kiew nach Chaifa geschickt wurde, nahmen 3 Abgesandte (darunter der Sohn jenes Rafael) in Empfang, und ihr Saufen und Schwelgen und St. . . < . erhöhte die Kosten, die höchstens 3000 Geros hätten betragen dürfen, auf mehr als 10,000. Hat ja doch Jemand, als er Geld erhielt, um Brunnen graben zu lassen, für sich einen solchen hergestellt und das andere Geld unterschlagen. Ebenso wird aus Jerusalem selbst über einen Sproß aus d.r „edlen" Famile der Rydlin sehr geklagt. Feuilleton. Chajim Prostak.*) Historische Erzählung aus der Entstehungszeit des Chassidismus. Eine wahre Geschichte aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von A. S. Weiß mann. I. Wie Chajim Prostak seine Eltern verliert. Sein Vater hieß Maier und war der Majorku, das heißt *) Nachdruck verboten. Uebersetzungsrecht nur nach Uebereinkommen mN dem Vers. der Hosmakler eines der vornehmsten und reichsten der polnischen Adeligen jener Zeit, des Fürsten Jablonowski, der in seinern Schlöffe in der Nähe von Stanislau residirte. Maier war zwar jung, aber er besaß Geist — esprit wie es die Franzosen nennen — als ihn die Gunst des Zufalls mit dem Fürsten zusammenführte. Bald gewann er durch seinen sprühenden Geist und sein munteres Wesen die Zuneigung und die Gunst des Fürsten in hervorragendem Maße, und als er sich auch rechtschaffen, zuverlässig und nützlich erwies, schenkte ihm der Fürst sein ganzes Vertrauen und erhob ihn zu seinem Majorku, was zu jener Zeit so viel sagen wollte: aller Handel und Wandel, jeder Ein- und Verkauf auf den fürstlich Jablonowski'schen Gütern ruhete in seinen Händen, durfte nur durch seine Hände gehen, mußte von ihm vermittelt, erwogen und gutgeheißen werden. Schon im ersten Jahre dieser seiner Stellung hat er es so weit gebracht, daß er seine früheren, von ihm unzertrennlichen Genossen, die Armuth und das Elend, aus seinem Hause zu verscheuchen in der Lage war, so, daß wer es jetzt besuchte, nicht mehr ahnen konnte, daß hier einst Mangel u. Entbehrung unumschränkt gehaust habe. „Maier wird es weit bringen, er wird ein reicher Mann werden," lautete das allgemeine Urtheil. Da geschah es eines Tages, daß der Fürst Jablonowski einen der mächtigsten polnischen Grafen zum Besuch bekam. Es war dies der Wojwode zu Buczacz, Graf v. Potocki, ein moralisches Ungeheuer, wie ihn nur ein von den Verdiensten seiner Vorfahren zehrender Abel mit einem von Sorge und Roth nie herabgestimmten Dünkel großziehen kann. Er war der Schrecken der Juden, die Geißel seiner Lehen, eine gemeine Neronatur, die kein anderes Vergnügen kannte, als die Leute seines Sprengels mit eigener Hand zu maltraitiren, durch persönliches Eingreifen das häusliche Glück so mancher Familie muthwillig zu zerstören, unschuldige Menschen ins Unglück und Elend zu stürzen, um sich an ihrer Verzweiflung zu weiden, das Zerrbild eines Menschen, deffen höchster Genuß darin bestand, in Begleitung seiner Heiducken in die Häuser seiner Hörigen zu dringen, um dort der sittlichen Schamhaftigkeit das Feigenblatt zu zerfasern. Diese Schande der Menschheit, dieses Pasquill der Sittlichkeit, wurde vom edeln Fürsten Jablonowski gastlich empfangen; man zog nicht gern entmenschte Rohheit bei demjenigen in Betracht, deffen Adelsbrief nach Jahrhunderten zählte. Der Fürst erzählte dem Grafen viel von seinen Gütern und Geschäften, so konnte es auch nicht fehlen, daß eines Tages das Gespräch auf den Majorku kam. „Dieser Jade — äußerte der Fürst — der keine der europäischen Sprachen gelernt hat, keine, mit Ausnahme der polnischen und diese auch nur schlecht, spricht und versteht, keine einzige Wissenschaft je studirt hat, erfaßt doch Alles so schnell und so klar, und urtheilt, ohne die Logik auch nur dem Namen nach zu kennen, mit einer Schärfe und Folgerichtigkeit, daß ich ihn oft anstaunen und mich zu der Ansicht bekennen Muß: die Juden sind ein Volk des Geistes, bei dem alles Wissen und alle Kenntnisse schlummern, und nur leise geweckt werden müssen, um sich zu nie geahnter Subtilität und Sublimität zu entwickeln und zu entfalten." — „Ja ja! sie sind schlau und specu- . lativ, diese Juden — meinte dagegen der Graf — wir können uns dazu noch beglückwünschen, daß sie nicht auch Christen sind, sonst hätten sie uns aus dem Himmel, den Einer der Ihrigen uns gab, hinausspekulirt, oder wir müßten wie die frommen Bettler von ihrenl Tische die Brosamen der Glückseligkeit auflesen." Es mochte kaum eine Stunde nach diesem Gespräch gewesen sein, als der Graf, der inzwischen einen kleinen Spaziergang gemacht hatte, auf den Fürsten Jablonowski zutrat, und denselben mit dem gleichgültigsten Tone der Welt, als gelte es blos eine unbedeutende ^eugierde zu befriedigen, fragte: „Ist nicht Dein Majorku, den Du mir heute so sehr rühmtest, von hoher Natur?" — „Ja wohl! so ist er." — „Hager?" — „Ja." — „Ein längliches Gesicht mit einer gebogenen Nase?" — „So ist's." — „Schwarzes oder rabenschwarzes krauses Haar?" — „Ganz solches. Wozu abe^