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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-04-07 · N° 14 u. 15. (7.4.1880) · p. Seite 134

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 14 u. 15. (7.4.1880)
Date
1880-04-07
Page
Seite 134 (sequence 10)
Language
German
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— 134 — Fall eingetreten. daß ein Polizeidiener in der Synagoge die Ordnung aufrecht erhalten muß. Es kamen nämlich daselbst während des Gottesdienstes derartige Ruhestörungen und Ungehörigkeiten vor, daß auf erhaltene Anzeige sich das Kreisamt zu der erwähnten Maßregel veranlaßt sah, wofür die isr. Gemeinde den Polizeidiener besonders honoriren muß. Wegen des gegebenen Aergernifses meiden viele Israeliten die dortige Synagoge jetzt gänzlich. (Fkf. Ztg.) Bernburg. (Or.-Corr.) Wie in den meisten jüdischen Gemeinden, so wurde auch hier dar Andenken des verewigten Crdmieux am letzten Festtage bei der Todtenfeier durch eine längere Gedächtnißrede gefeiert, in welcher besten hohen Verdienste um Juden und Judenthum gebührend hervorgehoben wurde. — Mit freudiger Genugthuung kann ich Ihnen die Mittheilung machen, daß auf Veranlassung unseres für rede gute Sache noch rüstig eintretenden Herrn Landrabbiners Dr. Herxheim er und unseres tüchtigen Lehrers und Cantors Hrn. Böhm eine hiesige Buchhandlung ein Abonnement auf Ihre Wochenschrift eröffnet hat, woran sich ca. 20 Mitglieder betheiligen, in Folge dessen wird eine für unsere kleine Gemeinde beträchtliche Anzahl von Exemplaren in Circulation gesetzt. Wahrlich es hält nicht schwer, auf Ihre so reichhaltige Wochenschrift Abonnenten zu gewinnen; es müßten sich nur die Gemeindebeamten mehr hierfür interessiren. Was nützen auch die besten Absichten und Bemühungen, wenn sie von denen, für welche sie bestimmt sind, nicht beachtet werden? Stuttgart, 23. März. (Or.-Corr.) Bildhauer Albert Güldenstein (Israelit, Bruder des verstorbenen Rabbiners Güldenstem in Buchau) von hier, erhielt von Sr. Maj. dem Kaiser von Oesterreich das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Baden. Die Abmachungen der Regierung mit dem Bischof in Freiburg lenken die allgemeine Aufmerksamkeit daselbst wieder auf den Kanzleidirector der bischöflichen Kanzlei, den getauften Juden Maas. Derselbe hat sich schon vor Jahren durch judenseindliche Bestrebungen bemerkbar gemacht; heute findet er seinen Lohn, indem allgemein seine Pensionirung verlangt wird, wenn der Friede zwischen der weltl. und geistlichen Gewalt ein aufrichtiger und dauernder werden soll. Ein katholischer Geistlicher in Baden behauptete schon vor Jahren, daß manches beffer wäre, wenn der getaufte Jude Maas nicht gar so m a ß l o s in Kirchenrecht machte. Aus Württemberg. Als Originalmodell des Drama „Daniel Rachot" v. V. Sardou soll nach dem „Börsencourier" der Socialist Carl Hirsch gedient haben. Dieser Württemberger hat kurze Zeit das Seminar in Breslau besucht. Desto wirkungsvoller ist der Nachweis, wie wenig Socialismus und Judenthum sich vereinen lasten. Also Herr Hirsch war als Redakteur der „Zukunft" mit einer jüd. jungen Dame in Frankfurt verlobt. Als es aber zur Hochzeit kam, erklärte der Bräutigam, daß seine Grundsätze es nicht gestatten, seine Trauung durch einen Rabbiner und in einem israel. Tempel vollziehen zu lasten. Dadurch war die Verbindung aufgelöst. (Was doch dieses Württemberg für merkwürdige Exemplare von jüd. Theologen hervorbringt! Stern, Wiener, Rubens, Nauchman und neuerdings Dr. Molchow!) Trrßpau. (Or.-Corr.) In unserer Cultusgemeinde war die Kanzel im Gotteshause durch eine geraume Zeit verwaist und da war es kein Wunder, daß sich am Gotteshause an Sabbathen nur wenig Andächtige betheiligten. Um so erfreulicher ist es, daß jetzt, seitdem der Rabbiner, Hr. Dr. R. Blüh, sein Amt bekleidet, der Gottesdienst besonders an solchen Tagen von einem distinguirten Publikum besucht ist, an welchen eine Predigt angesetzt ist. Besonders erhebend wirkte die dem Andenken Cremieux gewidmete Predigt, die der Herr Rabbiner am Sabbath Sachor gehalten. Pilsen. (Or.-Corr.) Unser neugewählter Rabbiner Dr. Porges hielt neulich seine Antrittsrede, die von allen Seiten mit großem Beifall ausgenommen wurde. Diese Rede sowohl wie die Probepredigt des Herrn Dr. Porges zeigten, daß unsere Gemeinde in ihm einen ganz hervorragenden Kanzelredner gewonnen hat. Da er außerdem mit Leib und Seele Schulmann ist und sehr bedeutende pädagogische Kenntniffe und Fähigkeiten besitzt, so kann sich unsere Gemeinde nur Glück wünschen, daß sie so schnell einen solchen Ersatz für Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein gefunden hat. Paris. Unter den vielen Nekrologen, denen leider „Univ. iSr." Raum geben muß, heben wir hervor: Naphtalie U l m a n n, Bruder des seligen Grand rabbin de France, der aus Straßburg nach Paris übersiedelte, ein tüchtiger jüdischer Gelehrter alten Schlages, wurde am 18. Februar zur Ruhe gebettet. — Am 19. hielt die m2P! V"L> (am fr« '!) den 13DH für ihren kurz vorher verstorbenen Gründer, Herrn Feder mann, der ebenfalls' tüchtiger Talmudist (ohne vom Fach zu sein) war. Herr Rabbiner Weiskopf gedachte zugleich des Rabbiners Malbim und des Chacham Baschi von Jerusalem. Paris. Die jüd. Soldaten Frankreichs erhielten am Peßach Urlaub uno zwar in den Garnisonen, in welchen eine jüd. Gemeinde ist, für 4 Tage (die 4 Hauptfeiertage), üie an Orten Stationirten, in denen keine jüd. Gemeinde, für 8 Tage, Heim- und Rückreise nicht eingerechnet. Selbst die Algierer konnten so Peßach bei den Ihrigen zubringen. Warum muß Frankreich auch hierin uns ein unerreichbares Vor - bild sein? Versailles. Zum Bau einer Synagoge, wozu bisher nur ein Miethlocal diente, hat die Stadt 35,000 Fr^s. bewilligt. Dabei besteht die Gemeinde nur aus 30 Mitgliedern, zu denen im Sommer die dort ihre Villegiatur Abhaltenden kommen. — Die Lehrerbildungsanstalt der Alliance hat unter dem Namen „Israel, orientalische Normalschule" die Rechte einer juristischen Person erhalten. — Herr E. Millaud ist zum Senator für Jules Favre und Herr g. Dreyfus zum Deputirten gewählt worden. Petersburg, 3. April. (Or.-Corr.) Wie die hiesigen Blätter mitthellen, hat der bekannte ruff. Eisenbahnbau-Unternehmer S. S. Poljanow eine große Summe zum Zwecke der Einführung des jüd. Religionsunterrichts in den Gymnasien Nord, und Westrußlands gespendet; die Bestätigung Seitens des Ministers für Volksausklärung wird täglich erwartet. Wir hoffen und wünschen, daß die Genehmigung bald ertheilt werde, denn es ist von größter Wichtigkeit, daß die jüd. Jugend eine ordentliche religiöse Durchbildung erhalte, damit sie den nihilistischen und socialistischen Bestrebungen gengenüber einen festen sittlichen und religiösen Halt haben. Warschau. Ignatz Neufeld, 16 Jahre alt, hatte sich an ein'r Ovation betheiligt, welche man der Schauspielerin Mord» czewska veranstaltete, indem man ihr einen Kranz in polnischen Nationalfarben überreichte. Deshalb vom Gymnasium relegirt, erschoß er sich. Sein Leichenbegängniß war großartig; 10,000 Menschen sollen demselben sich angeschlosten haben. Der Gouverneur Graf Kotzebue hat eine Untersuchung eingeleitet. Warschau. Ein Beiblatt zur „Hazephira" bringt die Adreste, welche Gelehrte und Notabeln aus Odessa dem Herausgeber des Blattes, Herrn Slonimsky, zu seinem 70. Geburtstage (25. Adsr, - 8. März) gewidmet haben. Der Verein zur Verbreitung des Wiffens unter den Israeliten Rußlands hat zur Feier dieses Tages ein Stipendium für einen in der Petersburger Universität Mathematik Studirenden gestiftet.*) In Groduo hatte die Theuerung schreckenerregendes Elend hervorgerufen. Herr Eliesar Breymann, der in War» schau wohnt, hat durch eine beträchtliche Spende es bewirkt, daß fast 2000 Kilo Mehl, ä 3 Kopeken, an die Armen verkauft werden konnten. Auch in Minsk wurden 4000 Rubel gesammelt, um den Armen Bcod und Mehl billiger zu verschaffen. Aus Rumäuien. Der Richtspruch von Foltischeni trägt bittere Früchte. Die Juden sind vogelfcei. Kaltblütig und * ) Unfern Glück-vunsch dem gelehrten Jndllar. (K-d .) -

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