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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-03-24 · N° 13. (24.3.1880) · p. Seite 116

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 13. (24.3.1880)
Date
1880-03-24
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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— 116 — Blüthe für die Wohlthätigkeitsanstalten, da finden die Generalversammlungen, Rechnungsabschlüsse, Stiftungsfeste derselben statt, und ernstes sowohl wie heiteres Wort spornt zu neuer Thal und befestigt den altbewährten Wohlthätigkeitssinn. Nach dieser Seite hin sind während der letzten Wochen auch die in hiesiger Gemeinde in geräuschloser Thätigkeit segensreich wirkenden Vereine in die Oeffentlichkeit getreten. Die Reihe eröffnete die Generalversammlung des „isr. Waisen- und Wittwen-Unterstützungs-Vereins". Ter vom Kafiirer des Vereins, Hr. S. Singer, veröffentlichte Kassenbericht weist an Esinnahmen im vergangenen Jahre 1668,70 M., und an ausgetheilten Unterstützungen die Summe von 1277 M. auf. Das Vereinsvermögen besteht aus 28,436 M. Der Verein selbst ist auf Anregung des Rabb. Dr. Rahmer i. I. 1871 gegründet worden und zählt gegenwärtig 160 Mitglieder. Zeitiger Vorsitzender des Vereins ist Hr. Oberstabsarzt Dr. Rosenthal. Am 7. März veranstaltete die hies. „iSr. Beerdigungs- Gesellschaft" in Gemeinschaft mit dem „Krankenunterstützungsverein" eine solenne„Chewrah-Süde", an der 90—lOOMitgljeder theilnahmen. Der Vorsitzende der ersteren Gesellschaft, Hr. Adolf R o s e n t h a l, eröffnete die Reihe der Tischreden mit einem Rückblick auf die Geschichte und die Leistungen der Gesellschaft, die aus einem Privatverein (1839) zu einem fast die ganze Gemeinde zu seinen Mitgliedern zählenden »herangewachsen ist; sodann hob derselbe die Vorzüge des seit 1879 in Kraft getretenen neuen Statuts hervor und schloß mit einem „Hoch auf Se. Majestät den Kaiser", in das die ganze Gesellschaft begeistert einstimmte. Hierauf folgte eine längere Anrede des Rabbiners über den Werth und die Bedeutung solcher -N-QN fiYTlUD. (Derselbe ersuchte auch die Mitglieder, bei Anberaumung der Stunde für Leichenbegängnisse auf die Unterrichtszeit der Religionsschule möglichst Rücksicht zu nehmen.) Es folgten noch viele ernste und heitere Trinksprüche, (von den HH. Cantor Nathanson, Gesellschaftsarzt vr. Rosenthal, N. Gradnauer, stellvertret. Vorsitzender des andern Vereins, deffen erster Vorsitzender durch Trauerfall in der Familie am Erscheinen behindert war, M. Weil, Moses, Braun, S. Marcus u. a.) Vor dem Tischgebet ward auch eine Sammlung für die armen Wittwen und Waisen veranstaltet, welche 100 M. 5 Pf. ergab. Sehr verdient um das schöne Fest hatten sich außer dem gen. Vorsitzenden, der Hr. Adolf I a c o b y, der tüchtige und bewährte Rendant der Chewra, und das Vorstandsmitglied Hr.Isaak Simon, gemacht. Der Rechnungs- Bericht der Chewra weist pro 1879 in Einnahme 3768 Mk. und in Ausgabe 3235 Mk. auf. Der Vermögensbestand beläuft sich auf 9333 Mk. Nicht unerwähnt wollen wir laffeu, daß Ausgangs Februar der Synagogen-Gesang-Verein sein 11. Stiftungsfest durch Gesangvorträge und Ball unter reger Betheiligung der Gemeindemitglieder feierte, die durch ihre Theilnahme dem Vereine Dank und Anerkennung zollen wollten für die Opfer an Zeit unb Mühe, die die Sangesbrüder dem heil. Zwecke der Erhöhung der Andacht durch gesangliche Veredlung des Gottesdienstes bringen. Mögen die gen. Vereine, die festen Stützen und die lebendigen Zeugnisse eines wohlgeleiteten Gemeindewesens, weiter gedeihen und Segen verbreiten! Aus Bonn, sendet uns Hr. Schreiber nachfolgende „Berichtigung" — was es mit derselben auf sich hat, wird der Leser aus der Nachschrift unseres gesch. Corresp. ersehen. „In Nr. 9 der „Isr. Wochenschr." behauptet ein Correspondent aus „Westpreußen," ich hätte in Nr. 27 meiner Zeitung gesagt „die talmudischen Schriften hätten einem verderblichen Einfluß auf die Juden geübt, ihr moralisches Gefühl vielfach untergraben." Diese Behauptung Ihres Correspondenten ist — unwahr " Soweit Hr. Schreiber. Unser Corre« spondent aus Westpreußen hat darauf Folgendes zu erwidern. Der in obiger Erklärung angeführte PaffuS kommt allerdings in dem Schreiber'schen Artikel nicht wörtlich vor. Ich habe mit diesen Worten nur ihrem Inhalte und ihrer Tendenz nach mehrere Sätze aus demselben kurz zusammeagefaßl, welche an Kraftausdrücken gegen Talmud und Schulchan Aruch derartig Erstaunliches leisteten, daß sich die Feder gegen ihre wörtliche Wiedergabe sträubte. Nunmehr aber zwingt mich die Erklärung des Hrn. Schreiber, trotz inneren Widerstrebens seine fulminanten Aussprüche dem Wortlaute nach anzuführen, und der Leser möge selbst beurtheilen, ob meine Umschreibung eine unrichtige und wessen Behauptung eine unwahre gewesen. Doch will ich mich auch hier nur auf einige Sätze beschränken. Hr. S. bekennt weit entfernt zu sein von jener Affenliebe zum Talmuo. die dem Judenthume m e h r als alle Hetz-und Schmutzartikel — schadet" und ruft aus: „Denn daß die Sittenlehre des Schulchan Aruch überall Nachahmung verdient, darf kein ehrlicher Mensch behaupten. Es finden sich tatsächlich Stellen im Talmud und Schulchan-Aruch — und leider Gottes sind gerade diese dem unwissendsten Landjuden bekannt — welche eine Täuschung des Goj erlauben. Nun ist freilich unter Goj nur der „Heide" zu verstehen, aber daß im vulgären Ausdrucke unter Goj nur der Heide verstanden wird, wird kein ehrlicher Jude behaupten wollen." Es folgen dann hierfür Beweise aus dem Talmud, der^n Grundlosigkeit und Unhaltbarkeit ich eben in meiner früheren Correspondenz gezeigt. Dann ruft der Verfaffer jenes Artikels aus: „Was thut aber der von unseren Orthodoxen für unfehlbar erklärte püpierne Papst — der Schulchan-Aruch nämlich?, Der nimmt jene Anleitung zur Unredlichkeit — wir nennen einmal jedes Ding beim rechten Namen — als gesetzliche Norm auf, aber ohne die humane Notiz des Moses von Coucy. Was Wunder, wenn solche Stellen von den Orthodoxen — befolgt werden, .... Wir fragen aber jeden Unparteiischen, darf ein solches Buch verhimmelt und anerkannt werden? ... Ueber */1# der de ntschen Juden hält ja doch nichts vom Schulchan-Aruch, jenem von einem kabbalistischen Schwärmer vor 3 Jahrhunderten verfaßten Werke! Also fort damit in die Rumpelkammer fürAntiquitäten,auf daß es nicht fürder Schaden anrichte im schönen Garten des mosaischen Judenthums." „Je m e h r das Observanzenthum und Formelwesen, jenes leere opus operatum an religiösem Werth in den Augen der großen Maffe verliert, desto beffer für die S i t t l i ch k e i t." Ich denke, es sind der Proben genug. Der Talmud enthält nach Hrn. S. Stellen, die zur Unredlichkeit anleiten, der „Sch. A." nimmt sie als gesetzliche Normen auf, die Orthodoxen befolgen sie — heißt das etwas anderes, als die talmudischen Schriften hätten einen verderblichen Einfluß auf die Juden geübt? Ich finde auch keinen Unterschied zwischen dieser von mir gewählten Bezeichnung und dem Schreiber'schen Ausdrucke: „Daß es nicht fürder Schaden anrichte im schönen Garten des mosaischen Judenthums." Je mehr wir uns vom Talmud entfernen, desto beffer (nach S.) für dieSittlichkeit, also 1Kb nn« 'jN bbZÜ — je mehr wir im talmudischen Judenthume stecken, desto ärger für die Sittlichkeit, liegt nicht darin, daß durch den Talmud das moralische Gefühl vielfach untergraben werde. Das Publikum hat nun gehört, worauf sich meine Bemerkungen stützen; mag es meinetwegen, wenn ihm die wörtlichen Anführungen aus dem Schreiber'schen Artikel beffer behagen, als meine resumirenden Worte, sich an jenen halten» ob aber der Eindruck, den es dadurch über das Verhalten Schreibers empfangen wird, gemildert, und nicht vielmehr verschlechtert werden wird, das möchte ich denn doch stark bezweifeln! Thorn, im März. (Or.-Corr.) Ich kann Ihnen abermals Beweise des nimmer ermüdenden Opfersinnes unserer hiesigen Gemeinde mittheilen, die nm so höher anzuschlagen, als der Zeiten Ungunst sich namentlich hier recht merklich fühlbar machte. Für die Alliance Jsraelite wurden in diesem Jahre nicht weniger als 600 Mark gesammelt, für m

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