Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 12. (17.3.1880)
- Date
- 1880-03-17
- Page
- Seite 108 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 108 — Judenthums bezeichnend, woraus der Baum des Christen- Ihums hervorging. Unter besonders betonter und absichtlicher Vermeidung jeder Dogmatik suchte Redner den Beweis zu führen, daß das Judenthum dem Christenthum nicht feindlich gesinnt sei, sondern daß beide Religionen sehr wohl friedlich nebeneinander zu bestehen vermöchten. Daß dieser Beweis gelang und damit der Zweck des Vortrags erreicht wurde, das bekundete der am Schlüsse der Rede dem Vortragenden gespendete ungetheilte Beifall. Stuttgart, 5. März. Der hiesige Synagogenchorverein, gegründet für die Zwecke des Gottesdienstes, tritt hie und da auch in die Oeffentlichkeit, um dadurch neue Kräfte anzuziehen und seinen Mitgliedern einen heitern Abend zu bereiten. So hatte er gestern eine musikalische Unterhaltung in der Bürgergesellschaft arangirt, die den großen Saal vollständig gefüllt hatte und die Zuhörerschaft recht befriedigte. Wien. Von einem Freunde unseres Blattes erhalten wir die folgende Mittheilung: Die Großmutter der künftigen Kronprinzessin, Erzherzogin Maria Dorothea, war eine tüchtige Kennerin der hebräischen Sprache. Einsender hat darüber von älteren Leuten, welche die Erzherzogin noch per» sönlich gekannt haben, einige interesiante Daten erfahren. Die Anfangsgründe des Hebräischen erlernte die Erzherzogin lei einem Lehrer der jüdischen Gemeinde in Preßburg, und sie machte so rasche Fortschritte, daß sie bei den Prüfungen in der dortigen israelitischen Gemeindeschule die Mädchen im Hebräischen examiniren konnte. Hier in Wien hatte einmal der Rabbiner der hies. jüd. Cultusgemeinde, der sel. Horwitz, Audienz bei der Erzherzogin genommen, um ihre Fürsprache für eine in Gefahr schwebende jüdische Gemeinde zu erbitten. Dies war kurz vor dem „Purim-Feste". Sie bewilligte dem Rabbiner das gestellte Ansuchen und schloß die Audienz mit den Worten: „Wenn meine Intervention nichts nützen sollte, so vertrauen Sie auf das Wort, das bald in den Synagogen verlesen werden wird: Freiheit und Rettung wird den Juden von einem andern Orte her erstehen." Sie! sprach die aus dem Buche Esther angeführten Worte im hebr. Urtexte. Oberendingen. Letzten Sonntag (1. Februar) wurde hier ein Israelit, Herr Wilhelm B ollag, 72 Jahre alt, zur Erde bestattet, dem ein Correspondent der „Grenzpost" viel Gutes und Rühmliches nachredet. „Derselbe war ein großer Freund der Kunst; all' sein Streben war nur dieser gewidmet, ohne daß er dabei materielle Zwecke verfolgt hätte. Daneben zeichnete er sich als edler Menschenfreund aus. Noch nie habe Endingen einen solch' großartigen Leichenzug gesehen, an dem auch eine große Anzahl Christen beider Confeffionen Theil genommen." Dazu bemerkt die Redaction des Aarauers „Gruß aus der Heimath", dem wir diese Notiz entnehmen: „Es freut uns doppelt, von dieser Ehrenmeldung Notiz nehmen zu können zu einer Zeit, wo man über die Israeliten so häufig harten und abschätzigen Urtheilen begegnet. Lemberg. Auf Anregung des Hrn. Rabb. Dr. Löwenstein hat sich ein Frauen-Comit6 gebildet zur Unterstützung armer jüd Realschüler. In der Volksküche ist ein besonderes Zimmer eingerichtet worden, in welchem täglich mehr als 40 Schüler unentgeltlich Mittags gespeist werden. — Bei der am 25. Jan. stattgefundenen Gemeindewahl wurden 38 Christen und 17 Juden gewählt. Unter Letzteren die von den Machasikim bekämpften Herren H. Arnstein, Dr. Löwenstein, Dr. Byk, Dr. Zucker rc. (Jwri.) Padua. Die Wittwe S. D. Luzzato's starb am 22. Dec. v. I., 70 Jahre alt. In Tarnopol bot ein jüd. Dampfmühlenbesitzer ein Geschenk von 100 Sack Ostermehl für die Armen und billigen Preis für Alle an (außerdem eine beträchtliche jährliche Gabe für die Armen), wenn ihm gestattet würde, auf seiner Mühle solch' Mehl zu mahlen. Aber der Rabbiner mochte das Verbot seines Vorgängers und Vaters nicht aufheben. In ganz Deutschland wird auf Dampfmühlen Ostermehl bereitet. (Jwri.) Aus Italien. Die „Risorgimento" schließt einen Artikel über die Judenhetze in Deutschland mit dem Satze: In Frankreich. England und Italien kann man es nicht begreifen, wie Dergleichen in unserem Jahrhunderte auftauchen kann. Aus Rom wird das freundliche Entgegenkommen gerühmt, welches jüd. Orientalisten (z. Z. Hr. R. Rabbinowicz) die zum Vergleichen von Manuscripten dorthin gekommen, bei den mit der Verwaltung der Bibliothek betrauten Prälaten finden. In Nizza wurde am 7. Februar eine neue, von dem Kommandeur Herrn N. Dreyfus geschenkte, Sepher - Thora feierlich eingeweiht. Der Geschenkgeber spendete zugleich außer reichen Gaben an die Vereine 1000 Frcs. zum Neubau der Synagoge, wozu jetzt 16,000 Frcs. gezeichnet sind. (Arch. isr.) Brüssel. Am 7. Februar hat der Ehren-Oberrabbiner von Belgien, Herr Astruc, seine Abschiedsrede in der neuen Synagoge Brüssels vor zahlreichem Publikum gehalten, in welcher er den Nachweis führt, daß es ihm aus dem Wege gemäßigten Fortschrittes gelungen ist (nicht blindes Unterwerfen und nicht Bruch mit der Vergangenheit), die Gemeinde und das religiöse Leben zu heben. Die klerikalen Blätter sind sehr erbost über den Redner und nennen ihn einen liberalen Mosaisten, behaupten, daß religiöser Scepticismus die Gemeinde zum reinen Deismus führen werde. (Arch. isr.) Paris. Die Gesellschaft zur Förderung der jüd. Wiffenschaft weist in einem Aufrufe auf die glänzenden Perioden der jüd. Wisienschaft in Frankreich hin (Raschi und die Toffafisten) und bekundet damit, daß sie in jene Bahnen das wisienschaftliche Streben leiten will. Wir theilen die Bedenken der „Arch. isr.", daß so wenig bedeutende jüd. Gelehrte dem Cornite angehören, durchaus nicht und wünschen dem Vereine ersprießliches Gedeihen. London, 8. März. (Or.-Corr.) Das Resultat der seit dem 23. Juni v. I. hier tagenden Sitzungen der Delegirten zur Modification des Gottesdienstes in den hies. orthodoxen Synagogen wurde soeben veröffentlicht. Die Modificationen werden in zwei Klaffen eingetheilt, und zwar in solche die mit, und solche die ohne Zustimmung der stimmberechtigten Gemeindemitglieder vorgenommen werden sollen. Letztere.sind natürlich weniger wesentlich als die erstern. Die wichtigsten Punkte der ersten Claffe sind: 1) Weglaffung vieler Piutim nebst den Gebetstücken 28 »mitapn 21I2L. ’pp'^ö n»a> pms /D’ömn etc. 2) Aenderung in der Form des «HU pD 3) Das Lesen der sogen. POirD in englischer Übersetzung. Selbstverständlich werden diese Modificationen dem Chief-Rabbi zur Sanction vorgelegt werden. Madrid. Der Ministerpräsident Canovas del Castillo hat in der Deputirtenkammer erklärt, daß Spanien nicht daran denkt, dm Juden Marocco's (die zumeist Nachkommen der aus Spanien Vertriebenen sind) seinen Schutz zu entziehen. Palästina. Nachrichten aus C ä s a r e a melden, daß aus dem Berge Hermon, in welchem bis jetzt keine vulcanischen Eigenschaften vermuthet wurden, seit einiger Zeit ununterbochen heiße Dämpfe emporsteigen. Da man nach diesen Anzeichen eine vulcanische Eruption des Hermon erwartet, sehen die am Fuße dieses Berges ansäffigen Bewohner mit Sorgen der Zukunft entgegen. — Am 24. Januar brach in dem Städchen Urfa in Chaldäa, welches das Ur (C'röS ^8) der Bibel und somit der Geburtsort des Patriarchen Abrahm ist, deffen Geburtshaus noch heute gezeigt und von den Eingeborenen „Bet Chalil Allah" (Haus des Freundes Gottes) genannt wird, Feuer aus, das einen großen Theil deS Ortes einäscherte. Die frommen Bewohner des StädchenS flüchteten ihre Kost»! barkeiten in das Haus des Patriarchen in der sichern Hoff»