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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-03-10 · N° 11. (10.3.1880) · p. Seite 96

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 11. (10.3.1880)
Date
1880-03-10
Page
Seite 96 (sequence 2)
Language
German
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— 96 sammenstoß zwischen Ariern und Semiten gewesen sein mag, von dem Herr Stöcker sprach. „Ich weiß nicht, was soll das bedeuten," das war der Text Hänels. Wir können ihm erwiedern: „Das hat mit seinem Büchlein Hr. Littrs gethan. Dieser weltbekannte Akademiker Frankreichs hat in der „Revue" sür positivistische Philosophie einen Aufsatz veröffentlicht, der den Titel führt: Wie in zwei weltgeschichtlichen Situationen die Semiten mit den Ariern um die Weltherrschaft stritten und dabei unterlagen?) Der Kampf Karthago's mit Rom und der Streit des muhammedanischen Westens mit dem christlichen Osten im Mittelalter sind die beiden Momente der Littrd'schen Betrachtung. Während der Kampf des Alterthums ein militärischer war, stellt sich der des Mittelalters als ein geistiger, wiffenschaftlicher dar, in dem um die Palme der Cultur gerungen wird. Es bedürfte einer besonderen Untersuchung, die Darstellung des geistvollen Akademikers Schritt vor Schritt zu verfolgen und zu prüfen, und es ist unzweifelhaft, daß die Niederlagen der Phönizier und der Araber eine andere Erklärung hierbei finden dürften, als die der raffenmäßigen Unfähigkeit der Semiten zur Weltherrschaft. Eines aber ist von vornherein sicher, daß die Lächerlichkeit der Stöcker'schen Behauptung durch eine genauere Prüfung von Littrd's Schriftchen nur um so klarer hervortreten muß. Es hat einen Sinn, in dem Zweikampf »wischen Rom und Karthago das Aufeinanderschlagen zweier Welten, der arischen und der semitischen, zu erblicken; es mag hingehen, die Blüthe der Wissenschaften unter den Arabern im Mutterlande und in Spanien als eine That semitischen Geistes aufzufcqHn und aus dem Verfalle der Cultur bei diesen ihren Trägern weitere Schlüffe zu ziehen; aber in der Hingebung der in alle Welt zerstreuten Juden an die Ziele und Bestrebungen ihrer neuen Heimathsländer einen dritten Angriffskrieg der Semiten gegen die arische Welt zu erblicken, das blieb Herrn Stöcker Vorbehalten. Dieser Gedanke ist sein Eigenthum, nicht die Spur einer Verdächtigung will sich regen, als ließe auch dafür sich eine Quelle finden. Wenn aber die Betrachtung des Herrn Littrd wenigstens den Reiz einer schillernden Täuschung für sich hat, so hat die Weissagung des Herrn Stöcker nichts als ihre unbeholfene Plumpheit. ' Wenn aber dem Herrn Hofprediger schon einmal nach Allgemeinheiten der Gaumen lechzt, so möchte ich ihm eine Geschichtsauffassung empfehlen, die wohl nicht einen Akademiker, aber eine ältere Autorität, die nämlich der Frau S eresch, verehelichten Ham an für sich hat. Wie es um das Verhältniß der Semiten zu den Ariern bestellt sei, darum hat die kluge Sibylle sich wenig gekümmert, daß aber gegen die Juden auf dieser schönsten aller Welten nun einmal nichts mehr auszurichten sei, das steht in ihrem Namen selbst für das blödeste Auge deutlich zu lesen in der Bibel alten Testamentes, im Buche Esther 6,13. D. K. Antwort des Central-Comitv's auf unfern Vorschlag in Nr. 8. Wie wir in vor. Nr. berichtet, hatte das Centralcomitd der Alliance in Paris unfern Vorschlag einer Commiffion zur Berathung übergeben. Wir halten uns bei dem Interesse, welches die Angelegenheit der Cremieux-Feier gerade für die *) Auch als Broschüre gedruckt: Comment dans deux situations historiques etc. Leipzig, Otto Schulze. deutschen Gemeinden gewonnen hat, für verpflichtet, dq§ Resultat jener Berathungen durch Abdruck des Originalbriefes zur weiteren Kenntniß zu bringen. Derselbe lalltet: Paris, le 1. Mars 1880. Monsieur! Nous avons recu votre lettre du 14. ferner et nous avons l’honneur d’y rdpondre en vous Informant que la proposition qui en fait l’objet a dtd renvoyde par le Comitd Central ä une Commission chargee de statu er sur d’autres questions analogues. La commission a rdsolu en principe qu’un monument serait dlevd a M. Crdmieux et qu’il serait crdd une fondation portant son nom, probablement une Caisse de retraite des instituteurs de 1’ Alliance en Orient. II y aura ä chercher les voies et moyens de mettre cette decision en pratique. Le Comitd se conformant ä, l’intention du voeu que vous lui avez exprime, a decidd qu’un Service religieux serait cdldbre tous les ans ä Paris le jour de l’anniversaire de la mort de M. Cremieux. II ne peut qu’en donner connaissance au public par son bulletin, mais il n’a aucune autoritd pour imposer une pareille cdrdmonie au dehors ou mdme la demander. C’est pour cette raison en partie qu’il n’a pas pu se ddcider non plus ä demander en ce moment mdme une cdrdmonie de ce genre. II ne pourrait pas la faire ä Paris, car les grands-rabbins et la Communautd ont ddjä rendu ä Crdmieux les honneurs religieux sur la tombe; un trds-grand nombre de rabbins et de Communautds ont d’un autre cdte devance les mesures que pourrait prendre le Comitd Central. II vaut donc mieux laisser chaque communautd ä son initiative et ä ses inspirations personnelies. Dans tons les cas, le Comitd vous remercie trds-chaleureusement, tant en son nom qu’au nom de la famille de notre vendrd prdsident, des Sentiments qui ont dictd votre lettre et auxquels nous sommes tous profonddment sensibles. Agrdez, Monsieur, l’assurance de notre haute considdration. Pr. le Comitd Central. Isidor Lob. Die Commission hat sonach beschlossen, daß zu Ehren Crdmieux ein Denkmal errichtet und eine Stiftung ins Leben gerufen werden solle, die seinen Namen trage, wahrscheinlich eine Unterstützungskaffe für die Lehrer der Alliance Jsraelite im Orient. Ferner, daß in jedem Jahre bei der Wiederkehr des Todestages des Herrn Crdmieux ein Gottesdienst abgehalten werde, zunächst in Paris; bezüglich der anderen Gemeinden so solle es der freien Entschließung derselben überlasten bleiben, inwieweit sie sich daran betheiligen wollm. — Wir zweifeln nicht, daß alle diese Beschlüffe des Central'Cvmitd's auch in sämmtlichen deutschen Gemeinden den größten Anklang finden werden.*) Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Magdeburg. Wir erhalten den soeben erschienenen Jahresbericht des Beth-Hamidrasch zu Wien pro 1879, der das Verzeichniß der Vorlesungen und der populär - wissen - schaftlichen Vorträge (von Jellinek, Weiß, Kanitz, Gastfreund und Anscherl), sowie den „Rechnungsausweis", nach welchem das Vereinsvermögen am 31.Dec. 1879 sich aus 37,450 Fl. beläuft; die Ausgaben betrugen 4564 Fl. Dem ganzen Bericht geht ein kurzes Vorwort voran, in welchem einige bedeutsame Thatsachen aus der Geschichte dieser Anstalt im abgelaufenen Jahre mitgetheilt sind; ganz besonders hervor« Hebenswerth ist der Schlußpaffus desselben, der wie folgt lautet: *) Die in vor. Nr. erwähnte Stimme einiger „Ueverängstlichen" h at wie die zahlreichen aus deutschen und österr.-ungar. Gemeinden eingehende Berichte über abgehaltene Crsmieux-Gedächtnißfeier erweisen, die wohlverdiente Nichtbeachtung gefunden.

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