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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-03-03 · N° 10. (3.3.1880) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 10. (3.3.1880)
Date
1880-03-03
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nr. 10 Anlage zm „Jsraclitischca Wochcuschnst." Magdeburg, den 3. März 1880. 11. Jahrgang. Paris. Die Nationalitätentrennung in der Alliance spukt immer wieder von Neuem. Ein Anonymus aus Triest beschwert sich beim „Arch. isr." über die in Italien (?) verbreiteten Aufrufe der Wiener Allianz. Daß diese stets mit der Alliance universelle Hand in Hand gegangen und neben speciell österreichischen Bedürfnissen auch Rumänien viel geleistet hat, dürfte jenen triestinischen Italiener in Etwas trösten. In Salonichi ist ein Jude von einem jungen Mohamedaner, besten Liebeleien er in seinem Hause entgegentrat, durch einen Dolchstich getödtet worden. Da die Gemeindevertretung (Kolel) die Bestrafung des Mörders nicht betreiben wollte, hat die Gemeinde eine Neuwahl derselben durchgesetzt, die sofort die nöthigen Anträge gestellt hat. (Arch. isr.) Im Rechenschaftsbericht über die israelit. Schulen von Salonichi für 1878—79 hat Hr. vr. Allatri, der lebenslängliche erste Vorsteher daselbst, ein interessantes Schriftstück veröffentlicht. Die Kosten der beiden Schulhäuser sind gedeckt, der Unterricht ist im Aufschwünge. 339 Knaben, 191 Mädchen besuchen die Schulen. Durch die Alliance und Hrn. Baron Hirsch sind 3000 Frcs. bestimmt für Kunst und Handwerksunterricht. Da nur 7 Lehrlinge sich gemeldet, wurden nur 1000 Frcs. gebraucht, (es geht langsam, aber doch vorwärts). 30,000 Frcs. sind für ein Zufluchtshans gesammelt. Ein neues Gebäude ist für die Talmud Tora beschafft, in der 1200 Schüler in 5 Abtheilungen untergebracht werden können. Bikurcholim, ebenso wie die Schulen rc. werden durch eine kleine Steuer erhalten, welche die jüd. Kaufleute von dem Export abgeben. (A. I.) Die Corr. des „Hamagid" aus Adrianopel regt die Gründung eines jüd. Schriftstellervereins an. Die Sache ist nicht von der Hand zu westen. Marocco. Ueber die bereits telegraphisch gemeldeten Exceffe des Muhamedanischen Pöbels gegen die jüdische Bevölkerung in Fez wird jetzt noch Folgendes aus Marocco berichtet. Die Muhamedaner griffen die Juden in der Nähe des Kaiserlichen Gartens an, schlugen sie fürchterlich und verwundeten einige, welche mit Noth dem Tode entgingen, während andere denjenigen Muhamedanern, welche an den Mißhandlungen keinen Antheil nahmen und die Juden nach ihren Wohnungen eskortirten, eine bestimmte Geldsumme entrichten mußten. Die Uebrigen liefen davon, wurden aber durch die aufgeregte Menge verfolgt, unter dem Rufe: „Die Christen haben euch aufgegeben!" Unter diesen Juden befand sich auch ein fünfundsieb« zigjähriger, wegen seines Alters geachteter Mann, Namens Abraham El-Alof, welcher nicht entfliehen konnte und furchtbar zugerichtet wurde; man begoß ihn mit Petroleum und zündete daffelbe an. Der Aufruhr erfolgte, nachdem der Spanische Consul in Tanger der Regierung von Marocco die Mittheilung gemacht hatte, daß die Spanische Regierung den Schutz, welchen sie bisher einigen Juden und anderen Ginge« borenen gewährt, ihnen nicht mehr angedeihen lasten werde. Die Juden schloffen sich in ihr Quartier ein und wagten nicht mehr, ihren Geschäften nachzugehen, da diese im maurischen Stadttheil ausgeführt werden. Der Kaiser war sehr erzürnt über die Vorgänge, entsetzte den Gouverneur der Stadt und ließ zwanzig Mauren einsperren, allein trotzdem wagen die Juden nicht, ihre Wohnungen zu verlaßen. Nordamerika. In Philadelphia wie in New-Pork (Synagoge der 5. Avenue) haben jüd. Gemeinden die Geschmacklosigkeit gehabt, unitaristische Prediger am nationalen Danktage in ihren Gotteshäusern predigen zu lasten. Das hat vr. Bellows, der in New-Aork sprach, mit der Taktlosigkeit erwidert, in der Synagoge vor den Juden feindselig gegen das Judenthum sich zu äußern. (Arch. isr.) Feuilleton. Rabbi und Vagabond, oder: Schuld und Sühne. Historisch-romantische Erzählung von Ad. v. Zem linszky. „Kennt Ihr dieses Mädchen hier?" fragte der Oberst heftig. „Ob wir es kennen, Herr?" Ihretwegen kamen wir in diese rauhe unwirthliche Gegend, ihretwegen trotzten wir den Beschwerden der rauhen Jahreszeit, den uns in vielerlei Ge« stalten dräuenden Tod. Viele Tage schon sind wir auf der Reise, nur — einzig nur, um dieses Mädchen dem Elenden zu entreißen, der sie dem Vaterhaus entführt; um dieses Mädchen den trauernden Eltern zurückzubringen." „Umsonst soll ich all' diese Gefahren, diese Mühseligkerten bestanden haben?" knirschte der Vagabond, „hier, wo ich geborgen zu sein glaubte, hier in dieser Wildniß soll ich mich verloren geben? Nein!" Mit trotziger Geberde näherte er sich dem Obersten. „Mit welchem Rechte wollt Ihr mir daS Mädchen nehmen?" sagte er, „sie ist mein und Niemand darf sie mir entreißen!" „Zurück, Verwegener! hüte Deine kecke Zunge. Ich nehme dies Mädchen in meine Obhut, nicht weil ich hier Vertreter deS Commandanten bin, ein heiligeres Recht stellt sie unter meinen Schutz, das Recht deS Bruders." „Unmöglich!" schäumte der Vagabond, „unmöglich, der Bruder dieses Mädchens fiel in der Schlacht bei Florianow, ich selbst sah ihn sterben, mir selbst gab er sein letztes Vermächtniß an seine Eltern." „Ja er ist es, der Sohn meines Freundes!" rief Reb Calmi Gerson freudig. „Dank Dir Gott, der Du unsere Schritte hierhergelenkt." „Noch nicht! noch nicht!" schrie jetzt der Vagabond, und stürzte mit geschwungenem Meffer auf die beiden vereinten Geschwister. Doch schon schwirrten die Klingen der Offiziere in der Luft und sausten nieder auf den Rasenden. Zum Tode getroffen stürzte er zu Boden. „Er hat es nicht anders gewollt," sagte der Oberst. „Tragt ihn dort hinüber in das Haus!" befahl er einigen Soldaten. „Und jetzt, ich bitte Euch, kommt mit mir!" wendete er sich an den Rabbi und den bleichen Bocher, während er Sarah an der Hand führte, ihr immer und immer wieder in die großen schwarzen Augen schauend. „Ich werde später Nachfolgen, Oberst!" sagte der Rabbi, „ich will erst sehen, ob ärztliche Hilfe noch etwas für den Unglücklichen vermag." 10. Aus der Vergangenheit. Drinnen in dem kleinen Häuschen, in welches man den zum Tode getroffenen Unglücklichen gebracht, lag dieser auf einen in der Eile zubereiteten Lager. Seine Augen waren geschloffen und ruhig, einem Todten ähnlich, lag er dort. An seinem Lager saß der Arzt Calmi Gerson, beobachtete mit Kennerblicken die Züge des Verwundeten. „Er ist im Sterben," sagte der Rabbi zu sich selbst, „und dennoch wird er noch einmal zum klaren Bewußtsein erwachen. Ich will ihn fragen, warum er das Mädchen geraubt, es müssen gar eigenthümliche Beweggründe gewesen sein." Der Kranke machte eine hastige Bewegung und öffnete die Augen. „Ah! Ihr seid eS Doctor," sagte er. „Ihr habt Euch meiner erbarmt, danke Euch. Es wird ja ohnehin bald mit mir vorüber sein. Wie ich so gelegen bin, kam mir mein ganzes vergangenes Leben in Erinnerung und wie ein Buch lag es vor mir aufgeschlageu und gar manche schwarze häßliche Seite erblickte ich darinnen. Ihr seid meiner Spur gefolgt Rabbi,

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