Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 9. (25.2.1880)
- Date
- 1880-02-25
- Page
- Seite 79 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 79 leranz von einem Unparteiischen" zurück, um darauf hinzu- ' weisen, daß sich alsbaid ein judenfeindliches Blatt beeilt hat, { daraus für feine Zwecke Capital zu schlagen. Der Artikel weist z sodann auf den Zusammenhang zwischen dem Verf. jenes Pam-! phlets und dem Rabb. Stern in Buttenhausen hin, der auch! Mitredacteur des Schreiber'schen Blättchens sei und schließt mit j den Worten „Gleiche Brüder, gleiche Kappen!" In der That, die l Kappen sind auch auffallend merkwürdig gleich. Die Lorbeeren des „Unparteiischen" lassen auch den Herrn Schreiber nicht I schlafen. Er gönnt jenem nicht den fragwürdigen Ruhm, allein Beiträge für das „Missionsblatt" zu liefern; auch er brennt vor Verlangen, ein „jüdisches Zeugniß über den Einstuß der lalmudischen Religion auf die sittlichen Anschauungen" abzulegen. Wahrlich, es ist weit genug gekommen! Unsere Feinde dürfen auf Erfolge Hinweisen, deren sie sich in den feindseligsten Jahrhunderten nicht haben rühmen können! Es hat in früheren Zeiten auch nicht an Juden gefehlt, welche über den Talmud ihre Galle ausgeschüttet, * **)'aber sie haben es wenigstens erst dann gethan, wenn sie in aller Form aus dem Judenthum ausgetreten und die Taufe empfangen hatten. Aber heute erleben wir das Schauspiel, daß der Talmud von Solchen angegriffen wird, die nominell noch der religiösen Gemeinschaft angehören und sogar als ihre geistlichen Vertreter gelten wollen.*) Darin liegt die schwere Gefahr, — denn das Wort, welches einst eiu Zunz einem streitbaren Vertreter der äußersten Reform, der sich in einem an ihn gerichteten Briefe*'''") über Tefillin Beschneidung, wie über die Speisegesetze lustig gemacht, entgegengeschleudert hat, das Wort: „Das Eifern gegen den Talmud ist bereits der Standpunkt eines Apostaten", dieses ist doch noch nicht in das allgemeine Bewußtsein gedrungen, ist noch nicht Gemeingut Aller geworden! Was läßt sich nun dazu sagen, wenn Jemand auf der einen Seite ein Buch „die Prinzipien des Judenthums verglichen mit denen des Christenthums" zur Abwehr judenfeindlicher Angriffe in die Welt schickt, in dem er von dem tief ethischen Gehalte des Talmuds spricht, auf der andere« Sette aber gleich darauf, man könnte sagen in demselben Alhemzuge mit der bodenlosen Behauptung vor die Oeffentlichkeit tritt, die talmudischen Schriften hätten einen verderblichen Einfluß auf die Juden geübt, ihr moralisches Gefühl vielfach untergraben! Und das ist die Tendenz, die der Redacteur eines zum Glück sehr wenig gelesenen Reformblättchens unverhohlen verfolgt. Von Zeit zu Zeit passirt mir nämlich das Malheur, einzelne Nummern desselben „zur Ansicht" zugeschickt zu erhalten und so ist mir denn auch jüngst die Nr. 27 vom 3. October zu Gesicht gekommen, in der ein Artikel zu finden, welcher die Ueberschrift enthält: „Verstopfet die Quellen des Nischus", in Wahrheit aber se>nem Inhalt nach überschrieben sein sollte: „Verstopfet die Quellen der Religion". Hier werden einige Stellen aus dem Talmud angeführt, und mit fetter Schrift gedruckt: „Fort damit in die Rumpelkammer der Antiquitäten." Früher hat man gesagt: fort da^ Nltt auf den Scheiterhaufen, aber das schmeckt zu sehr nach dem Mittelalter und stimmt nicht mehr zum modernen Zeitgeiste! Freilich wer die talmudischen Stellen nachschlägt, die hier angeführt werden, der wird, vorausgesetzt, daß er auf diesem Gebiete nicht ganz fremd ist, wie mancher Am Haarez- Radbtner, finden, daß sie denn doch einen anderen Sinn haben, als ihnen Herr Schreiber zu geben beliebt. (Schl, f.) Aus Westfalen, im Febr. (Or.-Cor.) Der.Vorstand der Unter- *) Daß sich Vorstände von der Zungenfertigkeit derartiger Maulhelden beschwatzen lassen und offene Verächter des Religionsgesetzes zu ihren religiösen Führern erwählen, rächt sich bereits in einer deutschen Gemeinde sehr bitter, wo mit solche am eigenen Busen genährte Schlange als Mosser (Denunciant) — bekanntlich die verächtlichste Sorte Menschen, denen der jüd. Religionscodex jede religiöse kläes abspricht — gegen die eigenen Gemeindemitglieder auftritt und sie dem Staatsanwalt überliefert. **) Aus einem Brief von Zunz an G e i g e r im 6. Band der vom Sohne des Letzteren herausgegebenen gesammelten Schriften Geigers. stützungskasse des Vereins isr. Lehrer fürWesttaten und die Rheinprovinz (Vorsitzender S. Blumenau in Bielefeld) versendet soeben den Jahresbericht pro 1879. Wir entnehmen demselben mit Befriedigung, daß das Jntereffe für den Verein in stetem Wachsen begriffen ist. Die Zahl der Gemeinden und Gesellschaften, welche für diese Kaffe feste Jahresbeiträge auf ihren Etat übernommen haben, ist wiederum um 5 gestiegen und beträgt zur Zeit 35 mit einem Gesammtbeitrage von 967 Mk. 50 Pf. Die Einnahme des Vereins betrug 1879: a) an ordentlichen Beiträgen der Mitglieder 498 M.; b) an außerordentlichen Beiträgen von Gemeinden, Gesellschaften und Privatem 2784,03 M.; c) an Zinsen 1838,89 M., zusammen 5112,92 M. An Unterstützungen wurden 1879 verausgabt 2028 M. und pro 1880 sind dafür sin 391/* Quoten & 54 M.) 2119,50 M. angesetzt. Das gesammle Vermögen des Vereins beträgt am 1. Jan. d. I. 39012 M. 37 Pf. Möge dieser Verein, der seine edle Ausgabe, Thränen des Kummers und des Mangels zu stillen, bereits in so schöner Weise erfüllt, ferner blühen und gedeihenundmehr und mehr, sich der Beachtung aller wohlthätig Gesinnten zu erfreuen haben! — In dem westfälischen Städtchen B r a k e l, Kr. Höxter, starb am 10. Febr. der Lehrer und Cantor I. Bibo, welcher 11 Jahre in Merxhausen, 4 Jahre in Marburg und 38 Jahre in hiesiger Gemeinde gewirkt hat. Er feierte vor 3 Jahren sein 50jähriges Jubiläum. Der Verdorbene hinterläßt 10 Kinder, von denen 6 in Amerika wohnen, die ihren alten Vater und die jüngeren Geschwister reichlich unterstützten Die Beerdigung fand unter größter Betheiligung aller Confessionen statt. Nur die hohe Achtung, in welcher der Verstorbene gestanden, konnte einen hier selten gesehenen starken Trauerzug nach dem weit entfernten Friedhofe bei sehr ungünstigem Wetter veranlaßt haben. Am Grabe sang die hiesige Liedertafel unter Leitung des kath. Lehrers H. Feuerhoff. Auch die 2 anderen katholischen Lehrer waren zugegen; nur der evangelische College fehlte.*) Die Trauerfeierlichkeit leitete, Herr vr. W e i n st e i n. Während der Rede in der Synagoge welche gedrängt voll war, blieb wohl kein Auge thränenleer. Hamburg. (Or.-Cor.) Unter den vielen in unserer Gemeinde segensreich wirkenden Vereinen, nimmt der „Frauenverein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen" eine der ersten Stellen ein; dennoch droht demselben ein Angriff von Seiten einer bis jetzt nur geringen Anzahl von Mitgliedern, welche den § 4 der Statuten beseitigt verlangen, trotzdem dieser §, weil die Grundprincipien des Vereins enthaltend, durch tz 25 ausdrücklich als unabänderlich bezeichnet ist. § 4 bestimmt nämlich, daß Pflege und Unterstützung nur gewährt werden darf Frauen, welche jüdisch-gesetzlich getraut sind und sich den Ruf eines sittlichen Lebenswandels bewahrt haben. Auf Grund dieser Bestimmung verweigerte die Directiou die Unterstützung einer Frau, welche in erster Ehe geschieden, einen Kohen geheirathet und daher nicht^hatte gesetzlich getraut werden können. Der Verein, welcher im Jahre 1814 ins Leben gerufen worden, unterstützt nicht nur Wöchnerinnen, welche der Gemeinde angehören sondern auch, wenngleich in beschränkterem Maßstabe, hier ansässige, sowie auf der Durchreise befindliche Jüdinnen, mtt Geld, Wäsche und Kleidungsstücken und zahlt für Hebamme und Wärterin. — Am 3. Februar beging der „Israelitische Feuerungs- Verein" von 1855 seine 25jährige Stiftungsfeier. Abweichend von oem, im Jahre 1783 gegründeten „Verein zur Vertheilung von Feuerung", beschränkt derselbe seine Gaben auf solche Unbemittelte, welche Unterstützung von der Gemeinde nicht erhalten. Während der Verein seine Thätigkeit im Jahre 1855 mit der Vertheilung von 38 Portionen eröffnete, *) Pendant zu einer Bemerkung in einer der letzten Nummern, wie der Verkehr zwischen Katholiken und Juden meist herzlicher ist als zwischen Protestanten und Juden.