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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-02-18 · N° 8. (18.2.1880) · p. Seite 70

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 8. (18.2.1880)
Date
1880-02-18
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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sei in Acht und Bann zu thun; die jüdische und verjudete Presse sei zu bekämpfen. Als Vereinsabzeichen und Wahlspruch seien jene der Pariser Alliance Jsraelite anzunehmen: zwei in einander verschlungene Hände mit der Umschrift: „Einer für Alle und Alle für Einen-" Nach Abschnitt II. giebt es zweierlei Mitglieder, öffentliche und geheime. Letztere sind solche, deren Namen strengstens geheimgehalten werden. Von Fall zu Fall können auch getaufte Juden als geheime Mitglieder ausgenommen werden. — Jstoczy, beabsichtigt zur Verbreitung seiner antisemitischen Principien ein Tagblatt herauszugeben. Die erste Nummer soll am I. April erscheinen. Bekanntlich hat derselbe schon einmal ein Wochenblatt mit ähnlicher Tendenz herausgegeben. Jenes Blatt („Jövönk") zeichnet sich dadurch aus, daß mau die denkbar größte Mühe hatte, irgendwo eine Nummer davon zu Gesicht zu bekommen, weil Niemand von seiner langweiligen Existenz Kenntniß nahm. Frankreich. Paris. Der Todeskampf Ersmieux' war nach einem äußerlich zwar sehr bewegten, aber innerlich so friedlichen Leben ein geradezu entsetzlicher. In seinen letzten Stunden war er dem schrecklichsten Krampfe zum Opfer gefallen. Es war eine Art Tobsucht, die sich in den Stunden der Agonie dieses milden Greises bemächtigt hatte. Und doch war dieser Todeskampf unendlich rührend. Seine Gattin war. wie in voriger Nummer berichtet, die Woche vorher, nachdem die beiden Galten erst kürzlich das Fest ihrer goldenen Hochzeit gefeiert hatten, gestorben. Diesen Schlag ertrug der greise Staatsmann und Redner nicht. Von dem Augenblick des Todes seiner Gattin an schien er förmlich abzusterben. Im Todeskämpfe rief er fortdauernd mit jenen entsetzlichen Tönen, die Sterbende manchmal auszeichnen, nach seiner Gattin. In lichten Momenten verlangte er, daß man ihm die Gegenstände bringe, welche die Gattin beseffen hatte, und er küßte sie. Dann fiel er wieder in die Kiffen zurück und flehte zum Himmel, daß der Tod ihn erlösen möge — und endlich nach langen entsetzlichen Stunden kam das ersehnte Ende. . . . Crsmieux ist unter Beobachtung aller Formeln deS jüdische» Culius gestorben. Der Groß-Rabbiner von Frankreich, Herr Isidor, weilte an seinem Sterbebette und sprach die vorgeschriebenen uralten Gebete. Dieser Groß Rabbiner war übrigens der vertraute Freund Crsmieux und mit ihm zusammen leitete er Jahre lang die Angelegenheiten der „Alliance Jsr." Der eigentliche Vorname Crämieux'S war Jsaac Moses, später als berühmter Redner legte er sich noch den Namen Adolph bei. Rußland. St. Petersburg, 30. Januar. (Or.-Corr.) Wie bekannt, existirt bei uns in Rußland auf den Koscher-Fleisch Verkauf ein Monopol und die Fleischhändler zahlen der Gemeinde bestimmte Prozente. Einerseits übt diese Lage einen schädlichen Einfluß auf den Preis des Fleischer und aus die Gesundheit der Bevölkerung, andererseits aber bringt sie einen großen Nutzen, da die Summen viel zum Wohlstände der Gemeindeinftitutionen beitragen. So z. B. ergiebt der Lorobotsedu/ Lsdor (so heißt dieser Fleischhändlertribut) in O d es sa gegenwärtig 204,000 Rubel jährlich. Diese Summe wird auf folgende Institutionen vertheilt: Die hebr. Handwerksschule bekommt 6000 R. jährlich, 4 hebr. Volksschulen 25,000 R., 2 Kronschulen 3000 R, die JeschiwoS 2000 R>, die hebr. armen Gymnasiasten 3000 R., die hebr. GymnasialReligionslehrer 2550 N., daS Ministerium des Innern auf jüd. Angelegenheiten 13,000 N, das Hebräische Hospital 4000 N, die Synagoge 90,000 R., das hebr. Badehaus 3000 R., für die Armen 6000 R., der Rabbiner und seine Gehülfen 1000 R, das Armenhaus 30,000 R. — Der Odeffaer Zeitung „Prawda" schreibt man aus der Stadt Beltzy: Unlängst bekam der Ujesdny Jschrawnik von Jassy einen Befehl vom Gouverneur, daß diejenigen Juden, die in Beltzy nicht vor 1877 Grundeigenthum gekauft | haben, nicht deS Recht haben, in Beltzy zu wohnen. Solche Juden bilden in Beltzy 50°/, der Bevölkerung. — Einen ähnlichen Befehl erließ auch der Gouverneur von Beffarabien hinsichtlich der Juden in Belgrad. Die betreffenden Juden reichten dem Finanz-Minister eine Bittschrift ein, aber der Befehl blieb in voller Kraft. — Den 19. Februar 1880 wird Rußland daS Jubiläum der 25jährigen Regierung des Czaren, des Befreiers, feiern. Viele jüdische Gemeinden bereiten Denkmale vor. So gründet die Odeffaer ein Armenhaus, viele andere Handwerksschulen. Palästina. Jerusalem. Der Sendbote deS Vereins zur Colonisation Palästina's (Ge-One), Herr Elieser Rokeach, hat in Beyrut ein Localcomits unter Vorsitz deS Viceconsulr Herrn E. Frank errichtet, welches die Verbindung mit den in Europa zu gründenden Comitss erhalten soll. Diesem Herrn Rokeach sollen „die Rabbiner von Safet einen Menschen nachgeschickt haben mit dem Aufträge, ihm seine Beglaubigungsschreiben zu stehlen. Dem Diebe ist es gelungen, die Hälfte der Schriftstücke mit sich zu nehmen". Bei Gelegenheit dieses an „Habazeleth" gerichteten Berichtes giebt Herr R. nähere Kunde über die Verhältnisse der Juden in vayrut. ES leben dort etwa 800 Juden (darunter 40 Deutsche, die Andern Sephardim), die durchweg wohlhabend, aber wenig für das Gemeinwohl bedacht sind. Die Sephardim haben 3, die Deutschen 2 sogenannte Bote-Midrasch oder Synagogen. Hospital und dergl. fehlt. Eine Knaben- und eine Mädchenschule leisten Genügendes, doch will auch uns es recht verkehrt erscheinen, daß schon in der untersten Klaffe „Sohar und En-Jocob" statt der Bibel gelehrt wird. Herr Josef Blank, Lehrer des Arabischen an mehreren jüdischen Lehranstalten Jerusalems, ist vom Pascha zum Mitglied des dortigen Gerichtes ernannt worden. Sehr beachtenSwerth sind die leitenden Artikel des „Habazeleth" (Nr. 13, 14) über die Unterrichtsfrage: „Wir hoffen, daß die Alliance unfern Glaubensgenoffen im Orient das Wiffen und die Bildung zusührt, welche sie zu Bürgern ihres Heimathlandes macht, ohne sie dem Judenthume zu entfremden. Daher verlangen wir, daß die Landessprache den Hauptunterrichtsgegenstand bilde, daneben Hebräisch-Bibel und Talmud. In dritter Reihe die Realien und erst dann d i e Sprache, welche die Handels spräche jener Gegend ist. Ein Mehr ist überflüffig und daher schädlich. In den türkischen Ländern müffen ja durchgehends vier Sprachen (Türkisch, Arabisch, Hebräisch und die Handelssprache) (Französisch oder Englisch oder Deutsch) gelehrt werden." Recht hat der Verf. dieser Artikel; Volksschulen mit 5 und 6 fremden Sprachen sind auch im Orient ein Unding. Für Palästina besonders ist Französisch überflüffig, da dort „Englisch" die Handelssprache ist. Hebräisch zur Grundsprache zu machen, dürfte weder pädagogisch noch praktisch richtig sein. Nehmt Arabisch dazu. Die Verwandtschaft beider Sprachen dürfte auch Fortschritte im Hebräischen leichter ermöglichen. » — Seit dem 3. Januar giebt's Regen im Ucberfluffe Die Landleute warten nur auf sein Aufhören, um selbst Felder, die in gewöhnlichen Jahren nur mit Durra und dergl. bestellt werden können, mit Weizen und Gerste zu besäen. Auch alle Cisternen sind voll, selbst die Jacobcisterne im Thale deS Oelberges, welche schon seil einigen Jahren zu dieser Zeit nicht gefüllt war, strömt über und über. Hoffentlich kommt ein gutes Jahr, das mehr Muße zur Begründung der allmählichen, aber nachhaltigen Hebung giebt. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Von Rabbiner Dr. Leimdörfer in Nordhausen ist soeben ein wirklich eine Lücke in den Lehrbüchern für jüd. Religionsschulen ausfüllendes Buch: „Die kürzeste Darstellung der nachbiblischen Geschichte für die isr.

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