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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-02-18 · N° 8. (18.2.1880) · p. Seite 69

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 8. (18.2.1880)
Date
1880-02-18
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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69 — dem Präsidenten der Verwaltung, Hr. Achilles Netter, gefolgt von allen Familienmitgliedern, Kindern, Schwiegerkindern, Enkeln und Urenkeln, das Jubelvaar, von der Versammlung durch Erheben von den Sitzen begrüßt. Es begann nunmehr die gottesdienstliche Feier mit einem Gesänge des Vorbeters, dessen treffliche Stimme sich zur vollen Wirksamkeit entfaltete. Darauf verlas, umgeben von den Comitämitgliedern, Hr. Lamber t mit stellenweise tief bewegter Stimme in französischer Sprache die dem Herrn Groß Rabbiner gewidmete Dankadresse, in welcher die Gesinnungen der Gemeinde niedergelegt waren. Für Alle-, was Herr Aron in einer fünfzigjährigen Wirksamkeit sowohl für den Gottesdienst und die Gemeinde als auch für die Werke der Wohlthätigkeit und der Nächstenliebe geleistet hatte, ward ihm in beredten Worten Dank und Anerkennung ausgesprochen. Die Adresse ist in einem reichgezierten Album mit silbernem Schild und mit dem Namen derer, die an der Festgabe betheiligt waren, überreicht worden. Es folgte der der Würde des Jubilars entsprechende große Segen. Herr Aron beschritl hierauf selbst den Altar, geschmückt mit dem preußischen Kronenorden, dem Zeichen eines Offizier de l'Acadenue und dem Osftzierskreuz der Ehrenlegion, um in einer von erhabenen Gesühlen getragenen franz Rede — der Gemeinde und den anwesenden Ehrengästen tiefgerührt feinen Dank auszusprechen. Der Sängerchor intonirte nunmehr den 19. Psalm, während weißgekleidete, mit Blumensträußen geschmückte Mädchen des israelitischen Waisenhauses die üblichen Gaben einfammelten. Der Rabbiner Levy aus Brumath bestieg sodann die Kanzel und hielt im Namen des Nabbinats des Unter-Elsaß eine deutsche Predigt, deren Hauptgegenstand die Verdienste des Jubilars für die wohlthäthigen Stiftungen bildete, als deren Gönner er sich erwiesen hatte. Es folgte ein trefflich vorgetragener hebräischer Sologesang des zweiten Vorsängers, Hrn. Klein, sowie eine französische Ansprache des Hrn. Rabbiner Weil aus Pfalzburg, eines Zöglings der früheren französischen Rabbinerschule, worin derselbe die Entwickelung und die Fortschritte der Wohlfahrt und Würde der israelitischen Gemeinde »on Straßburg im Besonder» und der J-raeliten des Unter-Elsasses im Allgemeinen seit der Amtsführung des Jubilars trefflich schilderte. Nach dem Halleluja! und dem 150. Psalm beschritt Herr Aron noch einmal den Altar, um in deutscher Sprache seinen Dank zu wiederholen, in welchen er einen Appell an die Humanität und Menschenliebe einschloß. Mit dem vom Jubilar ertheilten Segen schloß nach 4 Uhr die gottesdienstliche Feier. Se. Excellenz de: Herr Gouverneur von Straßburg, die Herren Unterstaatssekretäre und die anderen Ehrengäste brachten nunmehr ihre Glückwünsche dar und verließen sodann das Gotteshaus, während Herr und Frau Aron noch zahlreiche Glückwünsche aus der Mitte der Gemeinde entgegenzunehmen hatten. Wir schließen uns gern den so vielfach ausgesprochenem Wunsche au, daß der Herr Großrabbiner noch lange der treue Hüter seiner Gemeinde bleiben und sich ebenso auch noch lange des wohlverdienten Glückes erfreuen möge, von welchem die in drei Generationen um ihn und seine Gattin versammelte Nachkommenschaft ein so blühendes Büd darbot. Möge seine Wirksamkeit der Gemeinde und ihren vielfachen Interessen wie bisher stets zuril Frieden*) dienen. In die Wohnung zurückgekehrt, empfing der Jubilar, wie man unS millherit, daselbst aus den Händen des Festkomils'S als Festgabe einen prachtvollen silbernen Tafelaufsatz. Am Abend fand in der Restauration Dreifuß ein zu Earen des Jubilars veranstaltetes Festmahl statt, an welchen sich gegen 50 Personen, darunter die Rabbiner des Bezirks Unter-Elsaß, die Mitglieder des ConsistoriumS, deS Festkomits's rc. betheiligten. — Wie verlautet, ist seitens der *) Die hämischen Artikel, die der „Israelit" gerade jetzt gegen unseren allverehrten Oberrabbiner und vie hies. Gemeindeverwaltung veröffentlicht, haben ganz so wie seine jüngste Aufforderung zur „Trennung" bei dem frommen und friedliebenden Sinne der hies. Gemeinde nicht die geringste Beachtung, sondern eher Verachtung gefunden. Dergleichen „Trier'sche Manöver" verfangen hier nicht. israelitischen Gemeinde ein neuer Tempelbau in dem neuen Stadttheil, in der Nähe des Kaiserplatzes, in Aussicht genommen. Sollten Rücksichten auf das gottesdienstliche Bedürsniß den Bau dort nicht ausführbar machen, so würde der jetzige Tempel durch einen Neubau auf der alten Stelle ersetzt werden, wenngleich die Lage und Umgebung der Würde eines Gotteshauses wenig entsprechen. Hamburg, 29. Januar. (Or.-Corr.) Von den hier bestehenden drei Bote-midrasch (Klausen) hat die „alte und neue Klaus" (auch Kohel's Klaus genannt) sich neu constituirt und ihre Statuten sowohl in hebräischem als deutschem Buchstabendrucke erscheinen lassen; doch bieten dieselben wenig allgemeines Interesse. Den Statuten selbst, welche nach zehn Jahren revidirt werden können, sind die unabänderlichen Fundamental - Bestimmungen vorangedruckt, deren § 2 das Studium und die Belehrung in Bibel, Talmud, Poskim und den, auf der Basis des gesetzestreuen Judenthums abgefaßten Commentaren, als Zweck des Instituts bezeichnet. Unklar und dem § 5 widersprechend erschien uns § 6 der Statuten; während § 5 das Recht der Mitgliedschaft nur von der Erfüllung der jüdischen Ehe- und Beschneidungsgesetze und der regelmäßigen Zahlung des Beitrags abhängig macht, räumt § 6 dem Vorstande das Recht ein, die Aufnahme eines Mitglieds ohne Angabe von Gründenzuverweigern. Abweichend von früheren Bestimmungen ist die Verschmelzung der Directionsmitglieder und Deputirten zu einem Vorstande und die Beschränkung der Amtsthätigkeit desselben auf sechs Jahre, anstatt auf Lebensdauer. Bei der auf Grund dieser Statuten vorgenommenen Neuwahl des Vorstandes hat man nur den Präses, welcher zufällig auch mit an der Spitze der neueren Synagoge steht, nicht wiedergewählt, angeblich weil derselbe am Sadbath sein Geschäft nicht geschlossen hat. So berechtigt dieser Grund auch ist, so steht derselbe doch zu wenig im Einklänge mit der erst kürzlich erfolgten Neuwahl eines Mitglieds des Synagogen-Verbands Vorstands, dessen Geschäftsräume ebenfalls am Sabbath geöffnet sind, und sollten wir meinen, daß wenn man sich entschließen konnte, einen solchen Mann neu zu wählen, man noch weniger Grund hätte, einen Mann, der sein Amt bereits 26 Jahre unter Aufopferung von Zeit und wohl auch nicht selten von Geld treu verwaltete, bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit zu beseitigen. Wir greifen daher wohl nicht fehl, wenn wir den Hauptgrund wo anders suchen. Oefterreich-Ungarn. Budapest. Der bekannte Abgeordnete des ungarischen Abgeordnetenhauses, Victor Jstoczy, gemahnt an jene faden Leute, die eine einzige Anekdote auf ihrem Lager, dabei aber die Passion haben, ihre Geschichte überall anzubringen. Diese Geschichte paßt dann niemals; Denjenigen aber, der sie partout erzählen will, findet män zuerst lächerlich und dann langweilig. Unverbesserlich wie aber diese Leute nun einmal sind, hat Herr Jstoczy auch jüngst eine Rede gehalten, in welcher er mit einer Naivetät sondergleichen aus den Pesier Straßenscandalen die Folgerung zieht, daß es höchste Zeit sei, in Ungarn eine Anti-Juden Liga zu gründen. Präsident Szlavyhat ihn verhindert, den von ihm entworfenen Statuten Entwurf zu verlesen. Indessen ist dieser Entwurf doch vor die Oeffentlichkeit gelangt, derselbe betitelt sich: „Statulen-Entwurs desCentralvereins der ungarischen Nicht-Juden-Allianz" und zerfällt in drei Abschnitte mit 17 Paragraphen. Der erste Abschnitt handelt von dem Vereinszweck; als solcher wird bezeichnet: mit voller Energie und allem Ernste dahin zu wirken, „daß wir unser Vaterland vor der gänzlichen Verjudung, unsere Gesellschaft aber von dem weiteren materiellen und moralischen Verderben durch die den socialen Krankheitsstoff bildende Judenheit retten und hierdurch den ursprünglichen nichtjüdischen Bewohnern des Landes und deren Nachkommen das Verbleiben im Vaterland möglich machen." Die Nicht Juden seien im geschäftlichen und politischen Leben gegen die Juden zu unterstützen; wer zu den letzteren halte

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