Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 8. (18.2.1880)
- Date
- 1880-02-18
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/5369809-9583817-9583896--3980-9583903- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Schuljugend" erschienen. Wir werden auf damit großem Pädagog. Geschick, bezüglich der Auswahl und Darstellung, gearbeitete Schulbuch im Literaturblatt näher eingehen, doch wollten wir rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahres auch an dieser Stelle die Aufmerksamkeit der jüd. Religionslehrer auf dieser empfehlenSwerthe Büchlein lenken. Leipzig. Dem D.-J. Gemeindebunde find jüngst wieder drei Gemeinden beigetreten: Cöln, Eorau, Stargar dt in Pommern. Hannover. Auf dem letzten Ordensfeste erhielt Herr Rentier Simon Coppel, der Wohlthäter so vieler Armen und Stiftungen und der auch viele jüdische Etudirende durch Stipendien unterstützt, durch die Gnade Sr. Majestät den Kronenorden vierter Classe. Coblenz. „Arch. irr." entnimmt einer Berliner Corr. der „Paine" die (jedenfalls unglaubliche) Nachricht, daß der Reichskanzler sein besonderes Vergnügen an der Judenhetze habe und dadurch im offenen Gegensatz zum Kronprinzen sich befinde. Plausibel gemacht soll diese Beschuldigung damit werden, daß Fürst Bismarck mächtig genug wäre, um, wenn er wollte, der Antisemiten« Bewegung Halt zu gebieten, daß die jüdischen Abgeordneten im liberalen Lager seiner Politik Schwierigkeiten bereitet haben und die widerlegten Gerüchte von den Briefen des Herrn v. Bleichröder. Die Franzosen sehen eben in Allem die Hand der Regierung. Wir dagegen wiffen, daß wir eS mit einer künstlichen Erregung der Massen durch Pietisten und Agrarier zu thun haben. Darmstadt. In der hies. höheren Mädchenschule, welche von über 40 »Sr. Kindern besucht wird, soll nunmehr auch ein israelitischer ReligionS-Unterricht, in gleicher Weise wie der katholische Religion--Unterricht ertheilt werden. Die Stadtverordneten-Versammlung hat sich damit einverstanden erklärt und den angeforderten Betrag von 300 Mk. bewilligt. Linz a. Rh. Der Vorstand der hies. Gemeinde veröffentlich folgende Erklärung: In einem Artikel gegen die Juven sagt Herr v. Treitschke: „In Linz am Rhein besteht eine katholische Volksschule, die auch von einigen jüd. Schülern besucht wird. Bei dem Religionsunterrichte, woran die Juden selbstverständlich nicht theilnehmen, benutzt der Lehrer ein Lehrbuch der biblischen Geschicht, das dem Neuen Testament gemäß erzählt, wie Christus von den Juden unschuldig ge, kreuzigt wurde. AblSbald beschwert sich der Synagogenvorstand bei der Regierung und verlangt Beseitigung dieses Lehrbuchev, weil es Haß und Verachtung gegen die Juden errege." Er bezeichnet dies als ein „wohlbeglaubigtes Beispiel" und zieht daraus die gehässigsten Folgerungen. Und doch ist es durchaus falsch. Wir sind bei dem königl. Unterrichtsministerium nicht wegen des angegebenen Grunves, sondern lediglich gegen den in dem Schulbuche „Biblische Geschichte für katholische Volksschulen von vr. Schuster" S. 7 enthaltenen Satz: „Kain (der Brudermörder) war ein Vorbild der über die ganze Erde zerstreuten Juden," vorstellig geworden, und nicht um die Beseitigung des Schulbuches baten wir. sondern nur um die Beseitigung dieses Satzeaus den zukünftigen Auflagen des Schulbuches. Wir überlaffen es jedem Unbefange« nen, zu beurtheilen, ob nicht in die kindlichen Gemüther durch eine solche Vorstellung von den Juden als „von Bruder-. Mördern" Haß und Verachtung gegen Mitbürger und Kinder einer VatertandeS gesenkt werden, und ob Hr. o. Treitschke aus einer so entstellten Thalsach berechtigt war, uns der Anmaßung zu zeihen und weitere Folgerungen über die Wirkungen der Emancipation zu ziehen. Aus Böhmen. Am 16. d. M. starb in NeuhauS Herr Seligmann Fei gl, an Altersschwäche im 104. Lebensjahre. Bis zum letzten Augenblicke erfreute sich der Greis ungetrübten Bewußtseins, bester Sehkraft und vollen Denkvermögens, so daß er noch am 12. Januar eine Rechnung correct zusammenstellte und das Geld persönlich eincaffirte. (Jsr.) Serajew». Die officielle Zeitung von Bosnien und der Herzegowina veröffentlicht ein Dekret, welches hier die Errichtung einer gemischten Mädchenschule anordnet. Alle Mädchen müssen diese Schule besuchen; der Religionsunterricht wird von dem Geistlichen der betreff. Confession unter Aufsicht des officiellen Somit ä's ertheilt. (Arch.isr.) Paris. Der Kupferstecher Herr Gustav Levy hat das vom Grafen du Nouy gemalte Bild Crsmieux's mit, von Kunstkennern, wie Charles Blank, öffentlich anerkannten und gerühmten Feinheit in künstlerischer Vollendung gravirt und stellt eS in 3 verschiedenen Ausgaben (die erste in nur 100 Exemplaren k 100. die zweite k 50, die dritte k 20 Frcs.) zum Verkauf. (Zu beziehen von Herrn G. Levy. rue de Trövise 31.) (Un. Jsr ) Die in Pariansässigen algerischen Juden haben eine Subscription für die Errichtung eines Denkmals Cr 4» mieux' auf einem Platze der Stadt Algier eröffnet. Paris. Von protestantischer und israelitischer Seite ist bisher noch immer vergeblich darum petitionirt worden, daß akatholische Soldaten nicht zum Beiwohnen katholischer Gottesdienste commandirt werden dürfen. Dach der Kriegsminister hat darin nur die Vollziehnng eines Befehls des Vorgesetzten, also eine militärische Pflicht gefunden. Beranger verlangte das Recht, in die Messe gehen zu dürfen — man muß aber auch das Recht haben, nicht hineingehen zu müssen. Hoffen wir, daß die „Radicalkur" neben vielem Guten auch solche häßliche Auswüchse der Vergangenheit beseitigen wird. London. Sir Moses Montefiore hat am Rasch-chodesch Kislew d. I. an Herrn Alfred P. Jones, Redakteur des „Jewish Record" in Philadelphia ein Schreiben gerichtet, das unS wieder Anlaß giebt, Israel zu wünschen, es möchte ihm nie ein Moses fehlen, der so thatkräflig und begeistert für seine Religion und ihre Bekenner eintritt. Dem Danke für einen Glückwunsch fügt Sir Moses die Aufforderung hinzu, nicht zu ermüden darin, das Gefühl der Zusammengehörigkeit Allisraels, das so oft sich bethätigt hat, rege zu erhalten. „Was mich betrifft, werde ich, so lange Gott mir Gesundheit und Kraft wird verleihen, so lange meine Hand im Stande sein wird, sich zu regen, meine Füße mich zu tragen, und meine Augen zu sehen, nie aufhören, zu denken an all' das Erbarmen Gottes für Israel und an die unendlichen Wohlthaten, die er über uns gebreitet. Unterstützt von meinen theuren Glaubensgenoffen, werde ich immer, mit Eifer und Erfo g, Hochhalten das Banner von Jerusalem; ich werde täglich den Herrn bitten, uns so lange leben zu lassen, daß wir sehen den Anbruch des großen Tages, des Tages, wo der Name des einzigen Gottes wird von allen Nationen der Erde angebetet werden." (Un. Jsr.) In Mirgorod (Poltau-Gouv.) im Gymnasium lernen die jüd. Schüler biblische Geschichte beim russischen Popen. (GoloS.) In Minsk soll ein neuer Rabbiner mit 2000 Rubel Gehalt angestellt werden. Einer Fünfzehner-Commiffion ist die Wahl überlaffen. Bukarest, 16. Februar. Die formelle Anerkennung Rumäniens seitens Deutschlands, Frankreichs, Englands wird in den nächsten Tagen, wie es heißt, zum 20. d., erwartet. (Wird keines der jüdischen Mitglieder in den parlamentarischen Körperschaften der gen. 3 Länder seine Stimme (zu einer Interpellation wenigstens) erheben? Cr 6 mieux hätte es sicherlich gethan! Red.) Jerusalem. Am 9. Schewat ist der Oberrabbiner (Chacham Baschi) Abraham Aschkenasi im Alter von 67 Jahren gestorben und unter großen Ehren bestattet worden Maroccr. Bei Larache ist ein Jude ermordet und buchstäblich in Stücke zerrissen worden. In Larache leben fast 100 jüdische Waisen ermordeter Juden. (Feuilleton in der Beilage.)