Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 8. (18.2.1880)
- Date
- 1880-02-18
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 — Gin Vorschlag. Wir haben am heutigen Tage das nachfolgende, hier in deutscher Uebertragung unter Hmweglassung der Eingangs« und Schlußformel wiedergebene, Schreiben an das Central- Comitd der All. Jsr. Un. in Paris gerichtet: „Crdmieux, der Vater der Alliance Jsradlite Universelle, der unvergleichliche Anwalt der Juden allerorten, ist todt, ganz Israel fühlt den großen, unersetzlichen Verlust, zugleich aber auch das Bedürfniß, demselben in besonderem Gottesdienste einen angemessenen Ausdruck zu geben. Um uun jede Zersplitterung zu vermeiden, und den großen Todten würdig zu ehren, gilt es einen bestimmten Tag festzusetzen, an welchem in allen Synagogen auf dem Erdenrunde gleichzeitig eine Gedächtnißfeier zu Ehren Crdmieux' abgehalten werde. Der ergebenst Unterzeichnete erlaubt sich, als geeigneten Tag hierfür den *mDX (25. d. Mts.) in Vorschlag zu bringen, derart, daß zwischen dem Mincha- und Abendgebet die Gedächtnißfeier stattfinde. Der Anknüpfungspunkte gäbe es viele aus der Megilla. Auch von Crdmieux gilt wie von Mordechai ninnEP xbl V12'' tib „er bückte und beugte sich nicht", von ihm gilt 1VX DH*? YJH '2 '‘n.T SH „er hatte es ihnen gesagt, stets, daß er ein Jude sei" und ferner der ganze Schlußvers 121 ifcrb 21V «HH. Er hat so manche Haman'sche Anschläge gegen die Juden vereitelt rc. Doch wie dem auch sei, ob dieser oder ein anderer Tag, in jedem Falle thut eine baldige Kundgebung noth, damit die Gemeinden wissen, daß eine gemeinsame, womöglich gleichzeitige Gedächnißfeier in allen Synagogen stattfinden werde. Dem Schöpfer der Alliance Jsradllte Uni» verselle gebührt eine U n i v e r s a l gedächtnißfeier!" Genehmigen Sie rc. Magdeburg, 15. Februar 1880. Rabb. vr. R a h m e r. Cremieux' Leichenbegängnis wurde heute, Freitag den 13., nachdem der Staat es in die Hand genommen hatte, mit großem Gepränge, zugleich aber auch unter außerordentlicher Theilnahme der Bevölkerung gefeiert. Der Eingang in das kleine elegante Haus, in welchem Crdmieux den letzten Seufzer gethan und in dem nun sein Leichnam aufgebahrt lag, war mit Flor und schwarzem Tuch verhängt. Auf dem Sarge, den Kränze und Blumen fast gänzlich verdeckten, lagen die Senatorenabzeichen des Verstorbenen, feine Freimaurerschärpe und seine Advocaten-Toga. In den Salons der ersten Etage empfingen die Angehörigen Crdmieux' die illustren Trauergäste und die Freunde der Familie. Um halb elf Uhr setzte sich der Leichenzug nach dem Kirchhof Montmartre, wo sich das Familienbegräbniß des Verstorbenen befindet, in Bewegung. Zwei Escadronen des achten Dragonerregiments erwiesen unter dem Befehle ihres Obersten, dem einstigen Mitgliede der National-Bertheidigung, die militärischen Honneurs. Ein Trauerwagen, in welchem Monsieur Zadok Kahn, der Großrabbiner von Paris, Platz nahm, eröffnete den Zug, welchem Municipalgardisten und das Trompelercorps der Dragoner vorangingen. Hinter dem Wagen des Rabbiners folgte der Leichenwagen. Von den hochaufgehäuften Blumenkränzen des Wagens trugen drei von den algierischen Juden, die Crdmieux 1870 zu Franzosen gemacht hatte, gespendete die Inschriften: Alger, Oran, Constantine. Auf wehenden Bändern von anderen Kränzen las man die Widmungen: A M. Crdmieux, la löge maconnique d'Osiris. A. M. Crdmieux les inembres de la communautd de Nimes, a seur illustre compatriote und viele andere Inschriften, wie „Dem Gedächtniß des großen Wohlthäters" und „Unserm edlen, schmerzlich beweinten Jsaac Adolphe Crdmieux". Die Zipfel des Sargtuches wurden von Gambetta, Eugdne Pelletan, Emmanuel Arago, JuleS Ferry, dem Justizminister Jules Cazot und Baron Alphonse Rothschild gehalten. Hinter dem Leichenwagen schritt der Commandeur Lichtenstein als Repräsentant des Präsidenten der Republik einher, es folgte die Familie Crdmieux' und sonstige nahe Angehörige, und diesen schlossen sich die Deputationen des Senats und der Bureaux, Mitglieder des Staaatsrathes, Unterstaatssecretaire, Präfecten und die Delegirten der verschiedenen Freimaurerlogen, Senatoren, Deputirte, Knaben und Mädchen aus sämmtlichen jüdischen Lehranstalten und Schüler der Orientalischen Schule an. Eine auffallende Gruppe bildeten die Abgesandten der Algerischen Israeliten. Vor ihnen her wurde ein Banner getragen, auf dem die Worte standen: An vdndrable sdnateur et ddldgud de la cominunaute isradlite d’Alger. A Crdmieux les isradlites reconnaissants de ddcret de 24. Octobre 1870. Vier von den Abgesandten in Algerischer Nationaltracht hielten einen überaus prächtigen, schönen Blumenkranz von colossalem Umfange. In den Straßen, durch welche der Zug ging, bildete das Publicum zu beiden Seiten Spalier. An einzelnen Stellen ertönte beim Vorüberfahren des Leichenwagens der Ruf: „Vire la rdpublique“. Sonst verharrte die Menge in lautlosem Schweigen und entblößte ehrerbietig das Haupt. Auf dem 1 Pont de l'Alma verließen Gambetta und Baron Rothschild ' den Zug. An ihrer Stelle nahmen Varroy und Minister Cochery die Zipfel des Sargtuches. Von den angesehenen und bekannten Persönlichkeiten, welche sich im Zuge befanden und die Leiche bis zum Kirchhof geleiteten, seien hier u. A. erwähnt: Tirard, de Freycinet, Magin, General Favre, Lepdre, Dufaure, Schölcher, Jules Simon, Louis Blanc, Albert Grdvy, der Bruder des Präsidenten, Alphonse Gent, Floquet, Leon Renaullt, Emile Augier, General Pittid, Ernest Rdnan, Baron Gustave Rothschild, Calmann Levy, Procurator der Republik — kurz die Elite der künstlerischen und wissenschaftlichen Kreise, Männer aus den ersten Rangklaffen des Staates und der Gesellschaft. Diesen Repräsentanten der verschiedensten Kreise schloß sich in langen unabsehbaren Schaaren ein nicht endenwollender Zug sonstiger Leidtragenden an. Gegen zwölftausend Personen folgten der Bahre Crdmieux' bis zur Gruft. Nachdem der Trauercond uct, der sich mit so düsterem Gepränge und m feierlicher Majestät einher bewegte, mehrere Male Halt gemacht hatte, wurde endlich eine halbe Stunde nach zwölf der Kirchhof erreicht. Am Eingang zum israelitischen Theile des Begräbnißplatzes hielt der Zug. Der Ober- Rabbiner von Paris, Zadok Kahn, der als Priester den Leichenacker nicht betreten durfte, sprach im Aufträge des Central Consistoriums und im Namen der Jüdischen Gemeinde tiefbewegte, vom Herzen kommende Worte. Der Sarg wurde dann zur Gruft getragen, in der seit einigen Tagen erst die Gattin Crdmieux ruht. Hier wurden hebr. Gebete gesprochen und der Sängerchor der Synagoge aus der Rue de la Victoire trug einige Trauerpsalmen vor. Im Namen des Senats hielt darauf Eugene Pelletan die erste Rede, in welcher er die politische Wirksamkeit Crdmieux' und deffen Theilnahme an der provisorischen Regierung würdigte. Im Namen des Barreau's sprach Bdtolaud, er pries den edlen Charakter und die humanen Bestrebungen Crdmieux', und hob die allgemeine Hochachtung, der sich der Verstorbene zu erfreuen gehabt, hervor. „Dieser Mann hat vielleicht Gegner gehabt" — rief er aus — „doch niemals Feinde". Es sprach dann noch Emile Arago, welcher dem Todten im Namen des Freimaurerthums ein letztes »adieu, adieu" in das Grab rief. Am Grabe wurde ferner gesprochenvonDerembourg im Namen der „Alliance isradlite", von Isidor, dem Groß- Rabbiner von Frankreich, von Lelidvre im Namen der Rumänischen Glaubensgenoffen. Dann schloß sich die Gruft über Adolphe Jsaac Crdmieux, über einen Mann, deffen Herz so