Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 7. (11.2.1880)
- Date
- 1880-02-11
- Page
- Seite 61 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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;swduwtfa*»‘_*- — 61 — landS! Ls girbt noch viele große und edle, reiche und wohlthätige jüdische Gemeinden in Deutschland, in welchen es nur an der nötliigen persönlichen Anregung fehlt, um für diese allgemeine Institution, wie es-wohl keine wichtiger» unter Deutschlands Juden gibt, einige Theilnahme zu erregen. Großes ist schon geschehen; noch Größeres bleibt unS zu thun übrig! Wir hoffen, daß die verehrlicht n Vorstände jüdischer Gemeinden u. Wohlthätigkeitsvereine, daß die Herren Rabbiner*) insbesondere die Lehrer fernerhin sich mit regerem Eifer der gemeinsamen Sache annehmen. Mögen diejenigen unter den Letzteren, welche noch nicht beigetreten sind, nicht länger zögern mit ihrem Eintritte und — Alle sich vereinigen zur Hebung der Achawa. (Auskunft ertheilen der Präsident Herr Adolf Tebläe in Frankfurt a. M., Lehrer I. Blum, Schriftführer, ebenfalls in Frankfurt a. M. und Lehrer I. Klingenstein in Ober»Jngelheim, sowie alle andern im Rechenschaftsbericht genannten Verwaltungsmitglieder.) Saalfeld, O/Pr., 29. Jan. (Or.-Corr.) Die hiesige kleine Gemeinde hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Am jüngsten Sabbath Schiroh starb in Königsberg, wohin er sich Behufs Unterziehung einer Operation begeben hatte, der hiesige Kaufmann Joseph Fürst. Die Leiche wurde dem heimathlichen Boden zugeführt und auf dem hiesigen Friedhofe beerdigt. Verstorbener war im wahren Sinne des Wortes ein V rr ein D,,r6x kt# der mit unnachstchtlicher Strenge gegen sich selbst auch nicht die geringste Satzung unbeachtet ließ, gegen Andere aber stets human und nachsichtig in seinem Urtheile war. Durch seine strenge Rechtlichkeit in Wort und That erwarb er sich die Liebe und Verehrung nicht nur unserer Gemeinde, sondern auch die sämmtlicher Bewohner unserer Stadt. Seit einer Reihe von Jahren verwaltete er die städtischen Angelegenheiten zuerst als Stadtverordneter und zuletzt als Mitglied des Magistrats- CollegiumS, sowie als Vorsitzender des hiesigen Vorschußvereins. Die beiden städtischen Collegien widmeten dem Verewigten einen Nachruf im Morunger Kreisblatt und in der Elbinger „Altpr. Zeitg.". Die allgemeine Verehrung, die der Verstorbene sich zu erfreuen hatte, bestätigte sich denn auch bei seiner Beerdigung. Es war ein Leichenzug, wie ihn unsere Stadt — nach Aussage der ältesten Leute — noch nie gesehen hat. Am Grabe hat der hiesige CultuSbeamte Herr Hohenstein ein treffendes Lebensbild deS Verstorbenen entworfen, und deffen Tugenden als Gatte, Vater, Israelit und Bürger zu schildern gesucht. — Trotz der strengen Kälte verweilte die unabsehbare Menge, unter der sich Magistrat und Stadtverordnete in eorxore, die Geistlichkeit und viele hochadlige Besitzer befanden, bis zum Schluffe der Rede. Möge der Allmächtige die schwerbetroffene Familie trösten. In unserer Gemeinde wird sein Andenken noch lange fort* leben zum Segen. Oesterreich. Wien. (Or.-Corr.) In diesen Tagen hatten wir zwei 70. Geburtstage zu feiern. Sonntag den 25. wurde der des berühmten Literarhistorikers LeopoldDukes begangen, eben so bescheiden wie dieser Gelehrte immer gelebt hat. Er hatte sich Geschenke ausdrücklich verbeten. Um so herzlicher waren die anderweitigen Anerkennungen, die dem Jubilar von nah und fern zugingen. Gratulationen waren eingegangen von den Seminarien in B r e s l a u u. P e st, von Lazarus, Steinschneider und Berliner (Berlin), R e u b a u e r (Oxford), Schiller (Cambridge), Bub er (Lemberg) u. A., von hier begrüßten den Jubilar der Gemeindevorsteher, der Vorstand des Bethhamidrasch, das Rabbinat und zahlreiche Private. Geräuschvoller wurde das Jubiläum des Dichters L. A. Frankl am 3. Febr. begangen. Ich sende Ihnen darüber den Bericht einer hies. Zeitung: *) Rabbiner können als Religionslehrer ebenfalls Mitglieder werden. Wir haben deren bereits eine ziemliche Anzahl, und auch Rabbiner- W ittwen, die Wittwenpensionen beziehen. „ZurFeier seines 70. Geburtsfestes empfing Dr. Frankl heute zahlreiche Beglückwünschungen. Zunächst erschien bei dem Jubilar der Bürgermeister Dr. v. Rewald und überreichte ihm das Bürgerrechtsdiplom der Stadt Wien. Deputationen hatten entsendet: der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, der Schillerverein „Die Glocke", der Verein der Literaturfreunde und der Wiener Zweigverein der Schiller- Stiftung, die akademische Lesehalle, der Journalisten- und Schriftstelleroerein „Concordia" u. m. a. Adressen sind eingelangt: vom Wiener meoicinifchen Docioren-Collegium, von der Schiller-Stiftung in Weimar und dem Zweigvereine derselben in Brünn, vom Club der Kosmophilen in Leipzig, von der Versorgungs- und Beschäftigungs- Anstalt für erwachsene Blinde in Prag, von vielen israelitischen Cultusgemeiden und mehreren Lehranstalten. Dichtungen haben gesendet: Dr. Mor. Rappaport, Ferdinand v. Saar, Otto Prechtler, Prediger Löwenstein in Lemberg, Propst Lehmann u. A. Beglückwünschungsschreiben langten ein: von Karl Egon Ebert, Franz Riffel, Robert Hamerling, Herman Rollett, Eduard Bauernfeld, Ludwig und Adolph Foglar, Adolph Pichler u. A. Die Beamten der Wiener israelitischen Cultusgemeinde überreichten dem Jubilar eine aus Anlaß der Feier geprägte Medaille. Das freie Hochstift in Frankfurt am Main sendete eine Adresse; Telegramme liefen ein: von dem Dichter Wilhelm Jordan, dem Präsidenten der Prager Handelskammer R. v. Dotzauer, dem Fürsten Drutsky-Lubetsky namens des Blinden-Jnstituts in Petersburg; Zuschriften von Anton R. v. Schmerling, von der Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag, aus Chrast (der Vaterstadt des Jubilars), vom Ortsschulrathe des ersten Wiener Gemeindebezirks und den demselben affiliirten Aufsichtsdamen, von Björnstjerne-Björnfon aus Chriftiania, von Baron Hammer-Purgstall aus Pola, von Graf Heussenstamm (Theodor Stamm) rc. Karten gaben unter Anderen ab: Geheimrath Dr. Unger, Freiherr v. Hye, Gräfin Maria Auersperg (Wittwe von Anastasius Grün), Therese Gräfin Auersperg (Schwester von Anastasius Grün), Gräfin Schönfeld, Fürstin Maria Hohenlohe, Fürst und Fürstin Adolph Auersperg, General-Procurator Dr. Glaser. Persönlich erschienen: Bauernfeld, Jul. Alex. Schindler, Graf und Gräfin Wickenburg; Geschenke erhielt der Jubilar: vom Maler Schilcher, seinem ältesten Freunde, sein (Frankl's) Porträt, vom Maler und Lustspieldichter Holpein dessen eigenes lebensgroßes Bildniß, von Frau Caroline Pöninger und Frau Anna Steiner aus Innsbruck Alpenblumenbilder, aus Jerusalem eine hebräische Uebersetzung der „thracischen Könige" (dem letzten epischen Werke Frankl's), von Frau Regina Friedländer einen Lorbeerbaum, von dem Brunnenarzte Dr. Schreiber aus Arco einen Lorbeerkranz, außerdem zahlreiche Kunstgegenstände, Silbergeräthe rc." In dem von Frankl begründeten isr. Blindeninstitute wurde das Jubiläum bereits am Vorabend durch Enthüllung seines Bildnisses und Überreichung einer von sämmtlichen Blindenlehrern Europas Unterzeichneten Adresse begangen. Heute findet ihm zu Ehren ein Banket des Schriftstellervereins Concordia statt. Die renommirte Verlagsbuchhandlung von C. Hartleben hat die „gesammelten poetischen Werke" des Jubilars in 3 Bänden in elegantester Ausstattung zum billigen Preise von (5 Fl. 9 M.) erscheinen lassen. (Wir werden sie im Literaturbl. besprechen. R.) Krakau, 2 Februar. (Or.-Corr.) Der Reichs-Rathsabgeordnete für Kolomea hat mit seinem Verlangen, daß ihm der Vorstand den Protest gegen Merunowitz unterfertige und ihm die Vollmacht zur Vertretung ertheile, also auch in seiner eigenen Gemeinde Fiasko gemacht. Ec hatte entschieden erklärt, daß er ohne diese Schriftstücke nicht abreisen werde; aber er reiste dennoch ohne dieselben ab. — An der hiesigen israelitischen Schule wurden endlich zwei Religionslehrer für 1000 Schüler angestellt. Sehr viele Chassidim schicken lieber ihre Kinder in die christlichen Schulen; denn sie sagen, daß der Religionsunterricht derselben nicht so gefährdend sei, wie der der jüdischen Lehrer. Die Kinder muffen nach jedem Semester