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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-02-04 · N° 6. (4.2.1880) · p. Seite 52

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 6. (4.2.1880)
Date
1880-02-04
Page
Seite 52 (sequence 6)
Language
German
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— 52 — Berger gef. Andk. ist herumgereist und hat für sein Lehrerseminar gesammelt, und wenn er und Dr. Hildesheimer für diese Zwecke begeistert sind, so verdienen sie unsere Anerkennung, weil sie die Worte unsrer Weisen: „Stellet viele Schüler aus" mit ganzem Herzen und ganzer Seele zur Ausführung bringen. Auch bei mir war Herr Dr. H. vor einigen Jahren, als ich ihm aber sagte, daß es mir leid thäte, nichts für seine schönen Zwecke thun zu können, weil ich nähere Verpflichtungen zu erfüllen hätte u. s. w., ehrte er vollständig meine Gründe und schied mit den wohlwollendsten Worten. — Die Leute auf kleinen Plätzen sollten bedenken, daß „in der Beschränkung sich der Meister zeigen soll", daß sie nicht in die Ferne schweifen sollen, wenn die Noth so n a h e seufzt, dann werden mit der Zeit die Leute, die viel Geld und oft zu sammeln haben, nur die großen Städte als eigentliches Feld der Ernte aufsuchen. — Da ich einmal im Zuge bin, so will ich noch eines Andren erwähnen, was mich hindert. Da reisen jährlich so viele Schnorrer herum, die von Coryphäen des fortgeschrittenen und des orthodoxen Judenthums aus Wien, Breslau, Berlin, Frankfurt, Mainz rc. Bescheinigung bringen, daß der Ueberbringer sehr unterstützungswürdig sei, und doch kennen diese Herren den Betreffenden sehr oft gar nicht näher. So werden sehr oft Leute unterstützt, welche diese Empfehlungen haben, weil sie der oder jener Rabbiner damit los sein wollte, sie schleppen das Maaßer fort auf Kosten der einheimischen und würdigeren Armen, und was wird in den meisten Fällen damit erreicht: dem müßiggängerischem Bettel wird Vorschub geleistet, die Wirthe und die Eisenbahnen werden bereichert. Viele Gesch schien könnte ich davon erzählen. Sapienti sat! Louis Lehmann. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Aus Bremen schreibt man: „Die hies. Staatsanwaltschaft warnt öffentlich vor der Theilnahme an den Bestrebungen der sogenannten Antisemiten-Liga, deren F ugblätter, wie sie sagt, augenblicklich in größerer Anzahl hier verbreitet werden. Das Unternehmen ü arakterisire sich durch das Versprechen, daß „der Name jedes Mitgliedes geheim gehalten werden soll." Außerdem heiße es u. A. darin: „Zu Worten ist jetzt keine Zeit mehr; Thaten sind jetzt allein unsere Loosung." Danach fährt der Erlaß wörtlich fort: „So anscheinend zahm auch die zur Zeit aufgeführten Mittel und Wege zur Erreichung des Zieles klingen, so sollen doch unsere Staatsangehörigen rechtzeitig vor der Theilnahme an einer die Keime der nach § 130 des Strafgesetzbuches strafbaren Handlung in sich tragenden Verirrung hiermit gewarnt sein." Der genannte Satz des Strafgesetzbuches bedroht mit Geld- oder Gefängniß-Strafe die öffentliche Anreizung verschiedener Claffen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise. — Viele Juden giebt es hier in Bremen bekanntlich nicht; bi- 1848 war ihnen die Niederlassung ganz verboten. Allein um so weniger ist hier irgend eine Spur von Judenhaß zu finden, und die „Weser-Zeitung" war des allgemeinsten Beifalls sicher, als sie neulich vom Standpunkte des Liberalismus gegen v. Treitschke scharf loSzog. Berlin. Der bekannte Grüneberg, einst der populärste Redner der Christlich-Sozialen, der Vorläufer Stöckers, hat das AgitalionSgeschäft ganz aufgegeben und sich wieder nützlicher Thätigkeit zugewendet; 'er handhabt jetzt fleißig Nadel und Scheere, und läßt die Juden ungeschoren. Berlin. Herr v. Bleichröder erklärt die Nachricht bez. einer Unterredung seinerseits mit dem Fürsten Bismarck betreffend die Judenhetzereien als erfunden. — Die Rede des Hcn. Dr. Nascher zur 25jährigen Stiftungsfeier seiner Gemeinde ist unter dem Titel: „Vier Momente" bei Friedrich Stahn erschienen und recht lesenswerth. Glögau. Wegen des Auftretens des Landraths von Jagwitz auf dem Glogauer Kreistage sind nach der Meldung des „Liegn. Anz." verschiedene Schritte gethan. „Eine von 6 Kreistagsmitgliedern Unterzeichnete Beschwerde ist am 15. Jan. an die königl. Regierung abgegangen; eine Abschrift dieser Beschwerde ist dem Minister des Innern durch den Stadtverordneten Vorsteher Jordan mit mündlichen Erläuterungen am 22. Januar persönlich überreicht worden, außerdem hat Dr. Gabriel den Landrath wegen Injurien beim SchiedSmann verklagt, und da er nicht zum Sühnetermin erschienen ist, dem Amtsgericht die Klage überreicht. Coblenz. „Arch. isr." spricht die eigenthümliche Vermuthung aus, daß die Judenhatz bei uns ein kluger Schachzug der rumänischen Diplomatie sei und daß dieses Ländchen Gold genug habe, um die ersten Schreier in diesem mißtönenden Concerte anständig zu honoriren. Die zweiten Stimmen (die Treitschke etc. die dem Zuge der Zeit so gern folgen, die gezogen zu ziehen meinen) die kommen schon von selbst nach. L. Nordhausen, 29. Jan. (Or. Corr.) Der Commerzienrath Hr. Heinemann Bach, Repräsentant unserer Gemeinde wurde von ausschließlich christlichen Kaufleuten einstimmig zum Präsidenten der hiesigen Handelskammer wiedergewählt. Ein Zeichen mehr für die Würdigung redlichen StrebenS und gemeinnütziger Thätigkeit in Israel, auch in den Tagen der Stöcker, Marr, Treitschke und Consorten München Bei dem Etat des Ministeriums des Innern bespricht Dr. Frank die Noth im Spessart und meint, das einzige Mittel, derselben dauernd abzuhelfen, sei, jeden Handelsjuden, der den Spessart betrete, todtzuschieße er wolle nicht eine Judenhetze anregen, aber die Handelsjuden seien das Unglück und das Verderben des Spessart. Der Minister des Innern sagte darauf, der Nothstand im Spessart sei durch thätiges Eingreifen der Regierung und durch Sammelcomitss rasch gelindert und nicht eine Krankheit zum Vorschein gekommen, woraus hervorgehe, wie ausgezeichnet dem Nebel abgeholfen sei. Frankenbur ge,r sagt, gegen die Aeußerung des Pfarrers Frank über die Handelsjuden, die mit den Haaren herbeigezogen sei, könne er sich, weil Frank die Unbefangenheit frhle, mit demselben nicht auf eine Diskussion einlassen; der Vorschlag, jeden Handelsjuden, der den Spessart betrete, todtzuschießen, sei geradezu eine Anreizung zur Judenhetze. In Pfalzburg haben 3 Damen, den 3 verschiedenen Bekenntniffen angehörend, eine gemeinsame Hauskollekte für die durch die strenge Kälte doppelt leidenden Stadtarmen ab gehalten und ein günstiges Resultat erzielt. Aus Württemberg, ^31. Jan. (Or.-Corr) Der auf 3 Monate abgejetzt gewesene Rabbiner Stern in Buttenhaus e n ist seit dem 1. Januar wieder im Amt; darob herrschte in der Gemeinde große Erbitterung, die am ersten Sabbath seiner Amtirung sich in der Synagoge kundgab. Der Herr Rabbiner denunzirte bei der Staatsanwal tschaft und 6 Mitglieder wurden dieserhalb verhaftet, und erst gegen Caution auf freien Fuß gesetzt. Die Gemeinde dringt auf AmtSentsetzung, eine Deputation war gestern beim Minister. Ich werde über das Resultat demnächst berichten. In Czernowitz fand am^osoroll be-Teiwes in der Mittagsstunde eine Hochzeit statt, bei welcher, da der Gemeinderabbiner Dr. Igel seine Mitwirkung verweigert hatte, der Rabbiner der Orthodoxen Weiß die Trauung vollzog. Da bemerkte ein Arzt bei Tisch zu einem Nichtjuden: Es ist ein Fortschritt, daß am Fasttage eine Hochzeit gefeiert wird, worauf Jener: „Wohl, auch bei unS geschieht eS so, aber der Geistliche bleibt nicht, wie hier, zur Tafel." (Jwri.*) Aus Wien berichtet „Hazephira" über einen schönen Zug von Herrn Abraham Epstein. Er besuchte Altconstantin *J Der Redaction des „Jwri" zur Beruhigung, daß der in uns. Nr. 3 gebrachte famose Brief des Krakauer Rabbiners uns direct aus Galizien eingesandt worden war. (Red.)

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