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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-01-28 · N° 5. (28.1.1880) · p. Seite 43

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 5. (28.1.1880)
Date
1880-01-28
Page
Seite 43 (sequence 5)
Language
German
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— 43 Wegebauten nicht, wie bisher, jüdische Unternehmer bevorzugen zum Nachtheil der Arbeiter. Gerechte Entrüstung rief auch die Mittheilung hervor, daß die Bewerbung zweier kreiseingesessener Gutsbesitzer . . . rm Landrathsamt mit dem Bedauern abgewiesen worden seien, man sei leider nicht in der Lage, vlan sei schon gebunden u. s. w. Sollen etwa die Wegebaulen dazu dienen, einem bekannten Juoen K . . . . wiederum einen bedeutenden Profit zu verschaffen?' in gehäffiger Weise unwahre Schilderung hiesiger Verhältnisse enthält, denn es hat hier weder eine Bevorzugung von jüdischen Unternehmern zum Nachtheil der Arbeiter stattgefunden, noch hat die Bewerbung kreiseingesessener Gutsbesitzer um Uebernahme von Chausseebuuten in geschilderter Weise im Landraths Amte zurückgewiesen weroen können, da eine solche ernstlich gar nicht stattgefunden hat. Bei Vergebung der Chausseebauten ist einzig und allein das Interesse des Kreises und seiner Bevölkerung maßgebend und sie werden daher solchen Kräften übergeben, welche durch ihre bisherige Erfahrungen und Leistungen in dem Fache die meiste Garantie dafür bieten, daß die Bauten gut undp reis würdig ausgeführt werden. Mißgünstige über das damit, wenn auch noch so redlichVerdienie undErworbene wird jeder Unternehmer finden, sei es nun der „bekannte Jude K . . . oder ein anderer; von Unberufenen hätte aber wohl erwartet werden dürfen, daß sie sich nicht ohne Weiteres ans unverständiges Gerede hin zu Trägern und Verbreitern solchen Uebelwollens hergeben würden, und ich kann solchen nnr rathen, sich künftig nicht in Dinge zu mischen, die sie nichts angehen und die sie nicht verstehen können, weil ihnen alle Unterlagen zu deren Beurteilung fehlen." — Dieses ehrliche und offene, freie und gewissenhafte Wort unseres K. Landraths von Klitzing kann gleichzeitig ein Beleg sein für die Nichtigkeit so mancher gegen Juden böswillig gerichteter Anschuldigungen. Homburg v d. H. (Or-CorrZ „Wie habe ich mich gefreut, als m Nr. 1 Ihrer gesch. Wochenschrift die Parole auSgegeben wurde: „Gegnerschaft, aber kerne Feindschaft, Toleranz auch mit den Intoleranten." Wahrheit, Recht und Frieden wenigstens im Innern der Judenheit zu fördern das meine ich, sollte doch jetzt am meisten das Bestreben aller wahren Freunde Israels sein. Wie kann Jerusalem bestehen, wenn Nom von Außen stürnrt und sich im Innern die Parteien zerfleischen? — Warum die Gegner persönlich angreifen, wenn sie anderer Meinung wie wir sind, wenn sie aber sonst alle Achtung verdienen, wenn sie in ihren Kreisen für gemeinnützige Zwecke wohlthätig und eifrig wirken. Und es ist auch gar nicht so nöthig, denn glücklicherweise lassen sich die tonangebenden Männer — namentlich jene, die nicht zu der Klaffe der „Thalmide Chachamim"*) gehören — nicht irre machen, nehmen die tüchtigen und braven Rabbinen, wo sie solche finden und so giebt es viele schöne große und mittlere Gemeinden, die Männer aus der Breslauer Schule erwählten und sich dabei recht wohl befinden. Diese Männer der Breslauer Schule zwingen den Gemeinden keine Reformen auf, wie es die Rabbiner der 40. Jahre gegen den Willen einer oft sehr respektablen Minderheit gethan und doch waren diese die Schüler alt-orthodoxer Koryphäen. — Die Leute, die Alles leidenschaftlich behandeln und auf die Spitze treiben, schaden nur sich und der Zeitpunkt ist vielleicht näher als man glaubt, wo die Fanatiker von hüben und drüben allein stehn, weil auch Diejenigen, die dir jetzt Lust an Skandal und Widerspruch haben, den Muth und die Ausdauer verlieren, Eigenschaften, die nur den Anhängern erner gerechten Sache innewohnen. (Schluß folgt. Oesterreich. Lemberg, 6. Januar. (Zur „Judensrage".) Die Agi¬ *) Diese jüdischen Theologen, im Amte oder nicht, sollten ooch eigentlich die Männer des Friedens par excellence be raarbim scholom bolom fein, sie sind aber meistentheils, weil voller Rechthaberei, das Gegentheil, wo zwei oder drei an einem Orte, sieht man sie oft sich meiden, anstatt treuverbunden das Gute zu pflegen. tation, welche in Galizien seitens der Polen neuerdings in Scene gesetzt wird, hat bereits zur Folge, daß der intelligente Theil der Judenschaft, der es bisher mit der nationalen Partei hielt, diesen Jrrthum allmälig einzusehen und zu beklagen beginnt. In den zwei Decennien, seit denen die Polontsirnng Galiziens angefangen, mußte diese nothwendigerweise auch auf die jüngere Generation der Jitden ihren Einfluß üben, und derselbe äußerte sich darin, daß sich gerade in dcr iiuelligenten Classe der Judenschaft in kurzer Zeit eine Partei herausgebildet hat, die, unbekümmert nnr die sociale Hintansetzung ihrer Glaubensgenossen, zu den eifrigsten Partisanen der Polen zählt. Selbst die vielfachen Enttäuschungen, welche diese Par - tei nach und nach erlebte, vermochte sie nicht eines Bessern zu belehren. Erst da die Hetze gegen die Juden imnrer ernster wird und größere Dimensionen anzunehnren droht, gehen diesen Leuten die Augen auf. Als Symptom der umschlagenden Stimnrung ist eine von dem Advocaten Dr. Markusfelfd erschienene Broschüre bemerkenswerth. Der Verfasser, der sich eben zu der neuartigen Species der „jüdischen Polen" zählt, tritt mit ebensoviel Freimuth als Geschick den Wühlereien der ultramontanen Schlachta gegen die Juden entgegen, die von ihr als die Erwerber, aber zugleich auch als die Verderber des galizischen Grundbesitzes verschrien werden. Hier nur einige Sellen ans dieser interessanten Streitschrift, die ziemlich viel Aufsehen erregt. „Genug der Comödie," ruft der Autor, „es ist Zeit zur Abrechnung. Vor der Gleichberechtigung der Juden waren wir Wucherer, Schänkec und Händler, denn wir durften nichts Anderes sein. Dank — nicht der nationalen Idee — sondern der von Euch so verlästerten „Wiener Confessionslosigkeit", haben wir die Gleichberechtigung erhalten und die Folge war, daß wir uns mit Begeisterung, mit Energie und Ausdauer, uin die Ihr uns beneidet, auf alle Berufs - zweige warfen, die ihr früher monopolisirt habt. Darunter ist auch die Landwirthschaft .... Seht hin auf die Gcunowirthschaften, die sich in den Händen der Juden befinden, mit welchem Fleiße sie diesen Boden bebauen, mit welcher Betriebsamkeit sie seine Ertragsfähigkeit fördern; wenn Ihr da sehet ein gemauertes Haus, wo früher eine elende Strohhütte stand, ein cultivirtes Feld, wo früher Unkraut wuchs; wenn Ihr sehet, daß Fleiß und Nüchternheit herrscht, wo früher der arbeitsscheue und betrunkene Bauer gleich einem Thiere lag und wenn Ihr dies nicht vom Standpunkte eures Wohlstandes sondern vom Standpunkte des ökonomischen Jntereffes des Landes betrachtet, so werdet Ihr selbst zugeben, daß — so sehr der Niedergang einer ganzen Gesellschaftsclasse zu bedauern ist — es als ein Glück anzusehen ist, daß der Boden aus den Händen von Verschwendern in betriebsame Hände übergeht, daß an die Stelle einer niedergehenden Pcoductionsclasse eine andere tritt, die bisher durch ihren Erwerb ein Parasit der Gesellschaft war und daß endlich das zum Wucher verwendete Capital sich der productloen Arbeit zuwendet." Auf den Vorwurf, daß die Juden den Wucher betreiben, antwortet der Verfasser: „Lehrt den Bauern Nüchternheit, den Schlachzizen Sparsamkeit, den Städtern Betriebsamkeit, spielet nicht die Herren, wenn Ihr Bsttler seid, seid nicht neidisch auf die Juden, die sich ehrlichen Gewerben zuwenden — und der Wucher wird von selbst aufhören. Die christliche Gesellschaft in Galiz'en erblickt in dem Juden nicht den Bürger mit gleichem Recht zum Leben,, zur Entfaltung seiner Kräfte zu Stellung und Würden, sondern einen Eindringling, der, durch seinen Fleiß, Nüchternheit und Sparsamkeit den 'Änderen überlegen, zum gefährlichen und gehaßten Concurrenten wurde. Der Grund für alle Elucudrationen gegen die Juden, die im Namen des Wohls des Vaterlandes vorgebracht werden, liegt also in nichts Anderem, als im erbärmlichsten B r o d n e i d. Wir aber haben — schließt der Verfasser — in dem Lande, in dem wir leben, ein gleiches Recht wie die Anderen, die Herren, und wollen nicht die Stiefkinder sein." Frankreich. Paris, 19 Januar. (Or. Corr.) Das außerordentlich verbreitete Journal, „le Temps“ enthält in der Nummer vom

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