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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-01-21 · N° 4. (21.1.1880) · p. Seite 33

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 4. (21.1.1880)
Date
1880-01-21
Page
Seite 33 (sequence 3)
Language
German
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— 33 — S 9lrttn, lt( und nai doch aus fei: 1 iN befürchieejM uiiö 3Ji(nldernlheils ^et; "Hl etwa dir , dach M " Art. folgt.) e. iu Deutschland Seistliche" ange- \ bei tiefer Be. auch dieser nicht taktische Be. jn auch die jüngst f letition, u,n Brz östlichen van ge-; eresse. die Beden- - iicher", als aus- \ :019er unb Relif hnungen an das / chen seines jüai- ) fand anfänglich I. : und Ball statt, nach ägyptischem eten Adels, einer , akratie, sondern c das Volk durch; aittlichleitzusein,; Gott begründet , erschied verloren, s und blieben derti Volks traten : g und Würdig-• «rbilder der Ge- & Lehrer, Meister).;> tlichen Religion. ■ Vollendung und ’ igentliche Israel * und Vorbildern die Rede ist, wie kann man da dem Judenthum bestreiten, was eigentlich dessen Eigenlbum ist? Warum hat die katholische Kirche, welche die Elnrichtnngen daS alten Juden« thums copirt, und die evangelische, welche die Anschauungen des späteren Judenthums acceptirt, eher ein Anrecht auf die Bezeichnung „Geistlicher" für Religionslehrer und Prediger, als das Judenthum? oder gar ein ausschließliches Recht darauf? Da vindicirt sich wiederum die Kirche jüdisches Gut und sagt: „Mein Eigenthum ist es." Diesen Unterschied zwischen der katholischen und evangelischen Kirche zeigt wenigstens das Alt- Lutherthum; das Reu-Lutherthum hat sich in Anschauungen und Einrichtungen vielfach wieder dem Katholicismus genähert, sowohl durch Einführung einer katholisirenden Liturgie, wie eines exclusiven Priesterthums. Die Bezeichnung „Geistlicher" scheint freilich keinen jüdischen Zusammenhang zu haben, wenn man an die specifisch christliche Tendenz denkt, ein Reich des Jenseits, ein Reich des Geistes im Gegensatz zu dieser Welt zu stiften. Aber in Wirklichkeit sind dies nur ideale Anschauungen, welche dem Judenthum in seinem Gegensatz von Idealismus und Realismus, Himmlisch und Irdisch, wie in seinen Benennungen: Gottes- und Himmelreich ebenso gut eigen und wiederum nur auf das Christenthum übergegangen sind. Rein g e i st i g waren ja die christliche Kirche und ihre Träger zu keiner Zeit; sie haben die materiellen Interessen des Lebens ebenso wenig außer Acht gelassen und ignorirt, wie das Judentdum, und konnten dies auch nicht. Der Mensch ist auch nach jüdischer Lehre nicht blos Geist und Engel, aber ebenso wenig blos Staub und Erde, sondern ein Erdengeschöpf, vom Odem Gottes belebt und durchgeistigt, sein Denken und Leben wurzelt mit im Reiche Gottes und det Geistes. Eine ausschließliche cura animarum (Seelsorge) nach Art der katholischen Kirche hat freilich das Judenthum nicht, aber ebenso wenig auch die evangelische Kirche. Die Bezeichnung „Geistlicher" wird also mit Unrecht in direkte Beziehung zu Christus und seiner Kirche gesetzt, ebenso wie die Bezeichnung „Kirche", welche durchaus nicht ihre Benennung vom griechischen Kyrios („Herr", Bezeichnung für Jesus) hat, sondern vom lateinischen Xirlrus (eireus inaximus), jenem Platze in Rom, welcher zuerst den dortigen Christen als Ort für ihre gottesdienstlichen Versammlungen eingeräumt wurde. Es thut Roth, zu zeigen, daß man uns mit Unrecht von einem geistigen und religiösen Gut ausschließt, welches ursprünglich uns gehört, und woran wir nicht aufgehört haben, zu participiren. Wir wiederholen: es handelt sich hierbei nicht um Worte, sondern um Rechte. Dr. Rothschild, Alzey. Berichte und Correspoudenzen. Deutschland. Leipzig. Dem „Deutsch-Israel. Gemeindebunde" sind jüngst folgende Gemeinden beigetreten :Braunsberg, Carlsr u h e i. B., C a st r 0 p, Halle a. S., L i e g n i tz, Rheda und Schweinfurt. In der ersten Ausschußsitzung dieses Jahres ist der Beschluß gefaßt worden, während der Ostermesse d. I. dendrittenorden tlichen Ge ni eindetag inLeipzig abzuhalten. — Der Rechenschaftsbericht über die „Herxheimerstiftung" pro 1879 schließt in Einnahme mit 2994,85 Mark und in Ausgabe mit 2680 M , welche an 15 Lehramtsaspiranten als Stipendien vertheilt wurden; dieselben sollen, soweit sie es benöthigen, auch pro 1880 bedacht werden. Stettin. Zu einer Zeit, in welcher das Gespenst der Judenverfolgung längst vergangener Zeit wieder das Haupt erhebt, ist ^s um so erfreulicher, einen Zug echter Menschenliebe von Seiten eines edlen Christen constatiren zu können, der an einem Juden ausgeübt worden und in weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient. Im November v. I. wurde ein russischer Handelsjude, Tobias Nosenholz, in der Nähe von Nörenberg (Polen) von einem Strolche überfallen, furchtbar mißhandelt und unter Androhung des Todtschlagens ihm seine Baarschaft abverlangt. Der Ueberfallene sah sich genöthigt, dem Räuber sein Geld, das in 10 Mark bestand, auszuhändigen und schleppte sich dann mit einem zerbrochenen Arm und aus mehreren Kopfwunden blutend, bis zum nächsten Dorf, wo ihn ein Mann auf seinen Schlitten lud und in bewußtlosem Zustande zum Amtsvorsteher Herrn von Mellenthien nach Lienichen brachte. Herr von Mellenthien erbarmte sich deS unglücklichen Mannes, nahm ihn auf, ließ ihn zu Bett bringen, einen Arzt holen und behielt ihn viele Wochen bis zu seiner völligen Genesung in seinem Hause, während welcher Zeit er sich sowohl von Seiten des Herrn von Mellenthien als seiner edlen Gattin und zweier im Hause weilenden jungen Damen (Frl. Karpfen und Frl. Katharina von Mellenthien) sorgfältig gepflegt und außerordentlich aufmerksam behandelt wurde. So edel und rühmend diese Handlungsweise ist, wird sie aber von einer zweiten noch übertroffen, und zwar der, daß Herr von Mellenthien der Frau des bei ihm krank liegenden Mannes nach Rußland 80 Mark sandte und bei seiner Entlastung ihn mit neuen warmen Kleidern versah, ihm außerdem noch 60 Mark zur Heimreise schenkte. Diese edle That eines menschenfreundlichen ManneS, der über das Vorurtheil vieler seiner Standesgenosten steht und im Menschen nur den Menschen sieht, ohne Rücksicht auf seine verschiedene Glaubensstelluna, könnte Herrn Hofprediger Stöcker und Genosten als nachahmenswerthes Beispiel dienen. (Am 19. d. Mts., am ersten Jahrzeittage des gottseligen Rabbiners vr. Treuenfels y'jjj, Nachmittags 3 Uhr wird sein Leichenstein gesetzt. Wir weihen dem frühentristenen unvergeßlichen edlen Freunde Zähren wehmüthigster Erinnerung. Gott tröste die trauernde Familie! Red.) Am 15. Februar tritt Hr. Rabbiner vr. Vogelstein aus Pilsen sein hies. Amt an. (Möge seine Wirksamkeit im Geiste des Verstorbenen, d. i. im Geiste der Weisheit und des Friedens, dauernd eine segensreiche sein. Red.) In Pilsen ist Rabbiner vr. Porges zum Nachfolger vr. Vogelstein's gewählt worden. Aus Oberschlesien, 14. Januar. (Or.-Corr.) Fürchten Sie Nichts. Ich werde Sie mit Klageliedern aus den Nothstandsdistricten, „dem Lande des Elends", verschonen. Die größeren politischen Blätter berichten ja täglich über alles Wesentliche und manches Unwesentliche hierüber. Sie, Herr Redacteur, haben gezeigt, daß Sie für das Elend des darbenden oberfchles. Juda ein Herz haben. Ihre Sammlungen für jüd. Wittwen und Waisen haben, — das kann ich Ihnen aus eigener Wahrnehmung bezeugen — schon manche Thränen der tief bekümmerten Glaubensgenosten (70 — 80jähriger Wittwen, ohne Anhang dastehender Waisen) getrocknet. Ermüden Sie nur nicht in Ihrem Liebeswerke; denn die Armen sehen mit bangem Zagen der weiteren Zukunft entgegen. Gegen Ende des eben abgelausenen Jahres sind in den meisten Städten Oberschlesiens die Ergänzungswahlen der Stadtverordneten vollzogen worden. Es kann mit Freuden constatirt werden, daß das jüd. Element sich zumeist trotz aller clericalen Agitationen und Hetzereien seinen alten Besitzstand zu wahren gewußt hat. In Beuthen kam es zu einem Compromiffe zwischen den Israeliten und Katholiken. DaS ursprünglich geplante, gemeinsame Vorgehen mit der conservativen, orthodox-evangelischen Partei kam nicht zu Stande, weil die Juden in Beuthen glücklicher Weise noch rechtzeitig zur Erkenntniß gelangten, es sei im Grunde auf möglichste Verdrängung des jüd. Elements abgesehen. Einen sehr günstigen Verlauf nahmen die Wahlen in der Stadt Kattowitz. Von 30 Stadtverordneten sind nicht weniger als fünfzehn Juden, gewiß ein Unicum in der preußischen Monarchie. Wir glauben nicht, daß selbst eine Stadt wie K e m p e n so viele jüd. Stadtverordnete wird aufzuweisen haben. — Mit großer Befriedigung erzählt man sich in jüd. Kreisen Schlesiens von dem ebenso tactvollen wie entschiedenen Vorgehen des vr. weck. Reich in Oels zur Wahrung der jüd. Ehre» Bei Oels ist nämlich vor längerer Zeit ein Mann angefallen und körperlich arg mißhandelt worden. Dieser Mißhandlung

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