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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-01-14 · N° 3. (14.1.1880) · p. Seite 27

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 3. (14.1.1880)
Date
1880-01-14
Page
Seite 27 (sequence 7)
Language
German
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Volks-Zeitung" stellt jenes Citat nun richtig, indem sie mittheilt: Auerbach will nur das natürliche Mitleid des Juden konstatiren. Dorfgeschichten, Bd. 1, S. 95 heißt es: „Nehmt einen Dorfjuden und einen Bauern von gleicher Bildungsstufe, ihr werdet jenen verschmitzler, auf seinen Vortheil bedachter und scheinbar kälter finden; aber bei jedem rein menschlichen Elend werdet hr meist eine Wärme und Zartheit des Mitgefühls in ihm entdecken, die ihn weit über sein sonstiges Sein hinaushebt." Berlin. Die Gemeinde Schochare Tob feierte in stark besuchtem Gotteshause am 3. Januar d. I. das Fest 25jährigen Bestandes (von der Einrichtung der ersten Andachtsstälte an gerechnet). Der seit 1866 angestellte Rabbiner, Dr. Naschvr, betonte in seiner Festrede vier Zielpunkte als die Errungenschaften viertelhundertjähriger Geistesarbeit der Gemeinde: Volle Hingabe an Kaiser und Reich, Einheit der Gesamml-Gemeinde, verbunden mit Freiheit innerlicher, religiöser Organisationen, historisches B wußtsein, mit rationeller, fortschreitender Entwickelung, religiös-humanes Wirken, mit Pietät für die lebenden und verstorbenen Wohlthäter der Gemeinde. Eine Erinnerungö-Feier für die Letzteren schloß sich an die Predigt an. Breslau, 7. Januar. Heute haben drei Rabbinatscandidaten des jüd. theol. Seminar ihr Rabbinatsexamen gemacht, deren Entlassung mit feierlichem Actus verbunden, am 27. Januar stattftnden wird. Es sind dies die HH. DD. Ritter, Ch 0tiuer und Stöckelmacher. Der rrstere ist bereits — wie vor einiger Zeit gemeldet — zum Rabbiner in Prenzlau gewählt, für die andern beiden sollen ebenfalls Rabbinerstellen in Sicht sein. Am bevorstehenden 27. Januar werden eS übrigens 18 Jahre, daß die erste feierliche Entlassung der von dieser Anstalt gebildeten Rabbiner stattfand. Es waren die DDr. Güdemann, Perles und Rahmer, die gleichzeitig nach Magdeburg, Posen, Thorn berufen waren und nun seit etwa 13 Jahren in Wien, München und Magdeburg wirken. Seitdem sind — trotz Acht und Bann seitens der zelotischen wissensfeindlichen Eiferer, die bekanntlich ihre Bannflüche gegen das Seminar, dessen Lehrer und Schüler noch vor Entlassung der ersten Rabbiner schleuderten, gleichsam die Frucht im Mutterleibe verfluchten — über hundert Rabbiner, Prediger und Religionslehrer, die in friedfertiger segensreicher Weise in den Gemeinden wirken, entlassen worden. pns' pl rn*V p! Breslau. (Or.-Corr.) Der bisher in Schmersenz und Krotoschin alsRabbiner mit vieler Anerkennung thätig gewesene Dr. Joel, ein Bruder unseres hiesigen hochgeschätzten Rabbiners, hat seit einigen Tagen, wie ich höre, seine Lehrtätigkeit am Seminar begonnen. Man verspricht sich hier sehr viel von der edlen, milden Persönlichkeit des durch Frömmigkeit und Gelehrsamkeit gleichsehr ausgezeichneten Mannes, der neulich bei Gelegenheit der Joel-Feier sich beiläufig durch eine nach allen Seiten hin vortreffliche Rede schnell die Herzen der aus den verschiedensten Ständen zahlreich anwesenden Festgenossen erobert hat. Möge es ihm gelingen, das Wohl des Seminars und durch dasselbe das des Judenthums zu fördern. Dcffau, 28. Dec. (Or.-Corr.) Gelegentlich des 70 Geburtstages, den der allseitig geschätzte, erste Vorsteher der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Herr W. Wolfsohn, am 25. d. M. feierte, wurden demselben zahlreiche, seine segensreiche Wirksamkeit anerkennende Ovationen zu Theil. Wir heben namentlich das Ehrengeschenk hervor, einen kunstvoll gearbeitete/?, mit entsprechender Widmung versehenen Pokal, der Namens des Vorstandes und Repräsentantencollegii der Repräsentantenvorsteher Herr Kaufmann L 0 ui s Steindorfff mit einer sinnigen und wirkungsvollen Ansprache überreichte. Der Gefeierte war von den vielen Zeicheu der Liebe und Verehrung tief ergriffen und gab dieser Stimmung in gediegenen Worten beredten Ausdruck. Möge Herr Wolfsohn, der mit einem umfangreichen Wiffen seltenes Verständniß für die Jntereffen des Judenthums verbindet, noch lange Jahre in Kraft und Rüstigkeit der Gemeinde vorftehen, die er seit mehr als 30 Jahren leitet. — Wie alljährlich, wurde Herr Rabbiner Dr. Salfeld auch in diesem Jahre zum Gala-Hofballe befohlen, woselbst sich sowohl der Herzog wie die Herzogin mit ihm längere Zeit unterhielten. Die hies. Gemeinde ist bemüht, Hrn. Dr. S. — der zum Rabbiner der Mainzer Gemeinde gewählt ist — hier zu erhalten und da der aus Mainz eingesandte Contract einige Punkte enthalten soll, die sich mit der Ehre und Würde eines Rabbiners nicht gut vertragen, so ist es sehr fraglich geworden, ob Hr. S. die Stelle in Mainz annimmt, und ob er es nicht vorzieht, hier, wo er einer allgemeinen Beliebtheit sich erfreut, zu bleiben. Aus Potsdam schreibt man uns »om 5 Januar: Ein seltenes Jubelfest wurde gestern innerhalb der hiesigen jüdischen Gemeinde gefeiert. Im Jahre 1847 wurde derselben das Recht einer Korporation gegeben und 1854 ist demgemäß eine Repräsentanten-Versammlung gebildet worden. Den Vorsitz in dieser erhielt damals der Bankier Samuel Zielenziger und er hat ihn bis jetzt unausgesetzt mit treuer Hingebung und zu allgemeiner Zufriedenheit 25 Jahre lang geführt. Deshalb wurde dem Jubilar heute seitens der Repräsentanten der Gemeinde eine Dors'sche Bibel m Prachtband überreicht und veranstalteten dieselben dann ihm zu Ehren ein Festesten im Kast'schen Hotel, an dem auch der Vorstand theilgenommen hat. Frankfurt a. M. Die trauernde Wittwe des verstorbenen Dr. Jonas ersucht uns, die in Nr. 52 unter „Frankfurt" gebrachte Mittheilung dahin zu berichtigen, daß sie nicht gegen den Willen ihres theuren seligen Mannes dessen Exhumirung und Transferirung nach einem von ihr zu erwerbenden Familienbegräbniß verlangt habe; denn wäre jenes constatirt, dann hätte der eine der hiesigen Gemeinderabdiner eS nicht in seinem Gutachten gestattet. Wir kennen die dortigen localen Verhältnisse nicht und enthalten uns deshalb jedes Votums; wir möchten nur das Eine zur Erwägung geben, ob nicht — abgesehen von allen religiösen Momenten einzig vom Standpunkt des Rechtsbewußtseins — jedesmal den Hinterbliebenen das freie Verfügungsrecht über die Leichen ihrer Angehörigen zugestanden werden sollte. Posen. Der israelitische Armen-Verein hielt am 25. v. M. seine ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Kaufmann Hartwig Heilbronn, erstattete zunächst Bericht über die Thätigkeit des Vereins im verflossenen Vereinsjahre. Aus dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß Einnahme und Ausgabe mit circa 12,000 Mark balanciren. Es ergab sich in diesem Jahre ein Baarbestand von circa 300 Mark, während der vorjährige Kassenbericht mit einem Defizit von circa 70 Mark abschloß. Dieser Ueberschuß ist dem günstigen Umstande zuzuschreiben, daß in den letzten Monaten viele Schenkungen eingegangen sind, wiewohl die laufenden Beiträge im Vergleich zu denjenigen des Vorjahres abgenommen haben. An Stelle der 4 ausscheidenden Vorstands- Mitglieder wurden sodann auf 3 Jahre wieder - resp. neugewählt: die Herren S. Kantorowicz, Dr. Friedländer, I. H. Landsberg, JakobMarkus. Zum Schluß sprach Herr Dr. A. R a h m e r dem Vorstände für die umsichtige Leitung des Vereins den Dank der Versammlung aus. Loslau (Oberschlesien), 8. Januar. Vor einigen Tagen wurde hier das älteste Mitglied der jüdischen Gemeinde, die verw. Gasthausbesitzer Rosina Koslowska, welche das sehr hohe Alter von 105 Jahren erreicht hatte, beerdigt. Frau K. war bis in die letzten Tage ihres Lebens noch recht rüstig und bekundete regen Antheil an allen Familien-Angelegenheiten. (Fortsetzung in der Beilage.)

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