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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1880-01-14 · N° 3. (14.1.1880) · p. Seite 23

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
11 (1880)
Issue
N° 3. (14.1.1880)
Date
1880-01-14
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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23 — Mche \\i m mWA mm ich MM ■e^e; ivM kl ufo, iv ie'M m miv kiüt; Är mchm Ms sichdrL Me.tzmWr sitze. Beim U- Äichex, aU P l. lzen. alte Sille, die welche bedeutende merklich machten, te. Es giebt aber Thaten in der Reihen sich die HIagene Schlachbilden Bücher re Chronologie re der Menschlr fasi 4 Decen-! und Literatur ammengetragen, istich benutzten, rn mit vollster > und anregend hrensäulen und!n sehr viel zur sie, der Lilurgie - Leopold Du- Istag, Er lebt jüdischen Litcradielen Leteran Übersetzer (Prag bels zu machen , einen „Denkwie sie sonst alle heißen mögen, jene Spottgeburten von D .... und F—anatismus, die inzwischen in Deutschland geschäftig verbreitet worden sind und die hier, besonderzur Zeit der Wab t,i, durch meist betrunkene Packträger, denen sie ungezählt und — ungezählt überlassen worden waren, um 10 Pfennig pro Stück verkauft wurden, sind die würdigen Kinder dieses katholisch-patriotischen Geistes. Da die hiesigen Juden begreiflicher Weise nicht gerade Lust verspürten, mit der „Schles. Volkszeitung" in journalistischem Schmutz und publicistischer Gosse sich zu balgen, überließ man es dem edlen Journal auch ferner, sich nach Herzenslust zu prostituiren. Neuerdings hat aber ihre vornehmere Collegin, die «Schles. Zeit.", eine neue Methode eingeschlagen. Die Treitschke' schen Artikel in den „Preuß. Jahrb." darf ich als Ihren Lesern bekannt voraussetzen. Sind dieselben auch nicht weniger als schmeichelhaft für die Juden, so kleidet Treitschke doch seine Gehäffigkeit in eine Hülle, die seinen Tadel hier und da minder verletzend macht. Das ist jedoch nicht nach dem Geschmack und noch weniger nach der Tendenz der edlen Schlesierin. Flugs werden dieselben theils mit der Scheere, theils auch mit der Feder, besonders wo durch die leichte Aenderung kleiner Wörtchen der Sinn des von Treitschke Gesagten aggresiiver und gehässiger gemacht werden kann, für Geschmack und Tendenz des vornehmen Blattes hergerichtet. Sieht das auch der Falschmünzerei zum Verwechseln ähnlich, was schadet's? Der Zweck ist erreicht; man hat die „Juden" geärgert und der christlichen Galle angenehme Motion gemacht. Vornehm und ehrenhaft sind ja keineswegs zwei sich deckende Begriffe, und die vornehme Haltung des Blattes ist ja dabei gewahrt worden. Vergiebt man ja der Vornehmheit nichts, wenn man, wie das die genannte Schlesierin thut, öffentlich in zwei hiesigen Blättern in Bezug auf jene Artikel der Fälschungen bezichtigt, diese Beschuldigung einfach ignorirt, und nicht nur ignorirt, sondern unverfroren mit der bisherigen Art. fremde Artikel nach dem eigenen Bedarf zuzurichten, fortfährt. Überhaupt ist das Blatt groß im Jgnoriren. Ich glaube kaum, daß von der Fluth der a n t i -treitschke'schen Schriften eine oder die andere für die Leser desselben existirt. Als jüngst der Kronprinz in mannhaften Worten die moderne Bewegung gegen die jüdischen Bürger verurtheilte und selbst die „Kreuzzeitung" — gewiß mit schwerem Herzen — von der Aeußerung des hochsinnigen Thronfolgers nicht nur Mittheilung zu machen, sontern auch die Authenticität ihrer Mittheilung zu bestätigen sich genöthigt sah, da — schwieg die „Schles. Z." Für ihre Leser hat der Kronprinz noch bis heute nicht gesprochen. Aber.das Ding hat auch seine guten Seiten. Die Promptheit, mit welcher das Blatt die Schmähartikel des berühmten Historikers zur Kenntniß ihrer Leser gebracht, hat Breslau den Ruhm verschafft, daß die Angriffe von hier aus die schneidigste und — was auch nicht zu unterschätzen — schnel l.st e Wider« legung fanden. Schlagender und logischer als es von Joel, drastischer und vernichtender als es von Grätz geschehen, tonnte der Gegner nicht leicht ad absurdum geführt werden. Daher kommt es, daß hier die an sich alle ganz vorzüglichen, auf einander folgenden Schriften von Caffel, Breßlau und Lazarus verhältnißmäßig weniger gewirkt haben, als wohl jede derselben auf Grund der jeder besonders eigenthümlichen Vorzüge zu wirken berechtigt gewesen wäre. Die Joel'sche Broschüre war binnen wenigen Tagen in ca. 20,000 Exemplaren verbreitet, und die Grätz'schen offenen Antworten im Laufe der ersten Stunden ihres Erscheinens vergriffen. Ziemlich allgemein — auch bei Christen*) — herrscht hier die Empfindung vor, als habe sich der verdiente Historiker einmal unsterblich blamirt. Ist ja auch das Verschweigen der gegen ihn gerichteten Angriffe der „Schles. Zeit." in gewiffem Sinne ein Erzeugniß und ein Zeugniß jener Empfindung. — So haben ihre Leser, geehrter Herr Nedacteur, ein Breslauer Stimmungsbild, wel¬ *) Mit anrrkennenswerther Offenheit spricht dies die kaum noch nationalliberale, sondern mehr freiconservative, also der eigensten Parteirichtung Treitschke's angehörende „W e s e r r e i t u n g" in zwei größeren Artikeln aus. lRed.l ches ich mit dem Wunsche schließen will, bald ihm ein erfreulicheres folgen lasten zu können. Berlin. (Schluß.) Welche Faktoren für die allerdings erhebliche Vermehrung maßgebend waren, lasten wir zunächst unerörtert, es mag genügen, zu bemerken, daß entweder der Ueberschuß der Geborenen über die Gestorbenen, oder die Einwanderung, oder beides zusammen als Ursache anzusehen ist. Eigenthümlich ist es, daß trotz der mannigfaltigen Beschränkungen, denen die jüdische Bevölkerung in Preußen lange Zeit unterworfen war, ihre Zahl doch viel erheblicher ist, als in anderen Ländern; so finden sich z. B. in ganz Frankreich unter der ca. 36,000,000 betragenden Bevölkerung nur 49,439 Juden, oder 0,14 pCt., die sich allerdings zum größeren Theil in oder um Paris concentrirten; denn im Departement der Seine wohnten allein 24,320. Aehnlichen Verhältniffen begegnen wir in Großbritannien, wo bei einer Bevölkerung von 31,610,000 Einwohnern 46,000 Juden 1871 zu finden waren. Die auffällige Erscheinung der Zunahme der Israeliten in Berlin steht im engen Zusammenhänge mit der effectiven Abnahme der jüdischen Bevölkerung der Provinz Posen. Während 1861 im Regierungsbezirk Posen 50.092 Juden vorhanden waren, verringerten sich dieselben 1864 auf 45,706, 1867 auf 42,453 und 1871 auf 40,224, während umgekehrt in Berlin die Bevölkerung stieg von 18,953 im Jahre 1861, auf 24,280 in 1864, 27,607 in 1867 dis 36,015 in 1871. — Wir schließen hier einige weitere Notizen an aus dem Jahre 1871 über die Vertheilung der verschiedenen Confestionen in den einzelnen Stadttheilen; es ergab sich, daß die Juden da am stärksten auftreten, wo der Handel vorherrschend war; so wohnten damals von sämmtlichen Juden 24,5 vCt. im Spandauer Revier, 16,5 in Berlin, 10,9 in der Königstadt, 9,i in der Friedrichstabt, 7,8 in der diesseitigen Louisenstadt, 7,6 im Stralauer Revier, d. h. 76,5 pCt. wohnten in diesen 6 Stadttheilen, während in den übrigen so gut wie gar keine Juden vertreten waren, ein Verhältniß, welches sich bis jetzt noch nicht wesentlich verschoben haben dürfte. Dr. B. Z. Glogau. (Or.-Corr.) Unsere Stadt, die durchweg liberal gesinnt ist, war noch kurz vor Schluß des alten Jahres der Schauplatz eines Angriffes auf jüdisches Wesen, der um so mehr erregte, als er von amtlicher Seite kam. Hierorts ist schon seit vielen Jahren Herr Dr. med. Gabriel hervorragend politisch thätig. Wegen seiner Unerschrockenheit, seiner Ehrenhaftigkeit, und wegen seiner vorzüglichen Sachkunde in fast allen Angelegenheiten der Stadt und des Kreises, genießt er allgemeines Ansehen obgleich seine persönliche politische Anschauung die der Fortschrittspartei ist, welche hierorts nur geringen Boden hat. Als er jüngst wegen irgend einer Differenz sein Amt als Stadtverordneter niederlegen wollte, vereinigten sich sechsundzwanzig Stadtverordnete (also fast das ganze Kollegium. da einige verreist und einige Stellen unbesetzt waren) um ihn unter lebhafter Anerkennung seiner Verdienste darum zu bitten, daß er sein Amt behalte. Es ist natürlich, daß ein solcher Mann auch zum Kreistage von der Stadt deputirt und dort dem konservativen Landrath Herrn v. Jagnitz zuweilen etwas unbequem wurde; Herr v. Jagnitz, deffen Adel übrigens nur erst wenige Jahrzehnte alt ist, ist schon von alter Zeit ein Gegner des Dr. Gabriel. Als z. B. vor nunmehr acht Jahren der gegenwärtige Rabbiner von Glogau dem Landrath einen Antrittsbesuch machte nnd dieser den Besuch erwiederte, da war beidemal vom Landrath der Versuch gemacht worden, ob nicht der Rabbiner sich zum politischen Werkzeug gegen Gabriel wolle brauchen lassen. Bei den Kreistagswahlen glaubten einige städtische und ländliche Liberale zu einem Comits zusammentreten zu müssen,^um auch auf dem Lande die Wahl freisinniger Männer für den Kreistag zu betreiben. Dadurch wurde der Zorn des Präfekten gereizt und so brach er in der letzten Sitzung, nachdem er kurz vorher dem Geh. Kommerzienrath Lehfeld einen Nachruf gewidmet hatte, die Gelegenheit vom Zaune, um es eine semitische Dreistigkeit und jakobinische Frechheit zu nennen, wenn

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