Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 11 (1880)
- Issue
- N° 2 (7.1.1880)
- Date
- 1880-01-07
- Page
- Seite 17 (sequence 7)
- Language
- German
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17 — dern wie einst nach Amerika, so nach Palästina. Man baue ihnen in Jerusalem eine LandesUniversität und — die Juden werden treue Partheigänger Englands werden. Der Plan ist englisch. Eines steht aber fest; Juden allein würden Palästina und seine Oede in eine Culturstätte verwandeln können, aber nicht Juden, die nur von Chalukkah leben und sich feindlich der fremden Cultur entgegensetzen, sondern Juden, die durch Arbeit, Bildung und Frömmigkeit sich selbst erhalten können. Der Streit zwischen Netter und dem Chachem Baschi gibt Anlaß zu genauen Erwägungen. Jedenfalls ist zu erwarten, daß vorsichtiges Vorgehen mehr nützt als Streit und Zwiespalt. Vermischte uub neueste Nachrichten. Magdeburg. Der Besuch des Kaiserp«ares in der Berliner Synagoge und die bekannt gewordene Aeußerung des Kronprinzen tragen bereits ihre schönen Früchte. Durch polizeiliche Verfügung ist in Berlin gestern ein von der christlichsocialen Antisemiten Liga herausgegebenes Flugblatt („Die Spinne") verboten und in den noch Vorgefundenen Exemplaren confiscirt worden. — Die Veranlassung zu dem Duell, in welchem der sind. med. Max Wallach aus Mühlhausen tödtlich verwundet wurde, — er ist inzwischen verstorben — war nach einer uns direct aus M. zugegangenen Correspondenz keine religiöse. Berlin. In Bezug auf eine vom „Bär" gebrachte Notiz, daß das HauS Anhalt u. Wagner das älteste Bankhaus Berlins sei, bemerkt die „Voss. Ztg.", daß bis zur Mitte des vorigen JahrhundertdaS Bankiergeschäft überhaupt in Berlin von geringer Bedeutung war, um welche Zeit Bankhäuser der französischen und jüdischen Colonie blühten. Von Häusern der letzteren, die über Berlin hinaus Ruf hatten, wären MoseS Jsaac (Fließ), Daniel Jtzig, Salomon Moses Levy zu nennen. Berlin. Wie die „Volkszeit." nach weist, ist Herr v. Treilschke unzweifelhaft slavischer Herkunft. Der Name bezeichnet im Wendischen einen über „Dreißig" gesetzten Militärbeamten. Berlin. Wie wir hören, war vr. Guttmann aus Hildesheim jüngst wieder in Berlin zu einer Besprechung mit den Mitgliedern des Vorstandes. Die Erklärungen Guttmann's sollen völlig befriedigt haben, ohne daß er die Anschauungen, zu denen er sich bisher bekannt, verleugnet hätte. Charlottenburg, 1. Januar. (Or.-Corr.) Gegenüber den lebhaften Regungen des Judenhasses in der Stadt der Intelligenz und ihrem Umkreise ist es nützlich zu konstatiren, daß die eigentlich gute Gesellschaft von diesen Bosheiten nichts weiß und daß jede wahrhaft tüchtige jüdische Kraft Anerkennung findet. Hier in Charlottenburg gab jüngst die Bürgerschaft, als unserm Stadtverordnetenvorsteher Moll die Frau starb, dem verehrten Mann, der sich offen und freudig zum Judenthum bekennt, die deutlichsten Zeichen einer allgemeinen und innigen Theilnahme. Bei der Leichenfeier, die auf dem Berliner Friedhof stattfand, waren Magistrat und Stadtverordneten-Kollegium fast vollständig vertreten; außerdem waren fast alle notablen Persönlichkeiten nach Berlin hinübergefahren, um der trefflichen Frau die letzte Ehre und dem allgemein beliebten Manne, trotzdem er erst nur wenige Jahre unter uns weilt, ihre Theilnahme zu erweisen. In dem großen Leichengefolge waren die Christen in weit größerer Anzahl als unsere Glaubensgenoffen vertreten, vr. Rippner aus Glogau hielt auf dem Friedhofe die Leichenrede. — Die größeren Berl. Zeitungen haben über den Todesfall und das Leichenbegängniß berichtet. Liegnitz. Am 1. Januar cr. feierte die hies. Gemeinde das 25 jährige Amtsjubiläum ihres Rabbiners Dr. Landsderg in solenner Weise. Wir werden aus dem uns nach Redactionsschluß zugegangenen ausführlichen Bericht in nächster Nr. Näheres mittheilen. Red.) Glogau. Auf der Kreistagsversammlung hat der Vorsitzende, Landrath v. Jagwitz, gegen das sehr geachtete Mitglied vr. med. Gabriel ehrverletzende Aeußerungen (wie „semitische Dreistigkeit" u. a.) gethan. Letzterer sowohl wie der Vorstand haben dagegen remonstrirt. Die Stimmung der Stadl ist sehr erregt gegen den Landrath. Meisenheim. Hier ist Hr. vr. Fried — vom Breslauer Seminar — zum Kreisrabbiner gewählt und definitiv angestellt worden. Aus Baden. Herr Slonimsky veröffentlicht in seinem hebr. Blatte einen Brief eines seiner Freunde, der in sehr geringschätziger Weise die Schrift des Rabbiners von Carls» ruhe, Herrn vr. Schwarz, „Der jüd. Kalender" bespricht. Weil Herr vr. Schwarz das Unglück hat, nicht in allen Stücken Herrn Slonimsky beistimmen zu können, deshalb — wird er jungenhaft traktirt. (Neugierig sind wir, ob Herr Slonimsky in der versprochenen Antwort auf die Frage seines, die „Ehre der Wahrheit und ihrer Forscher" in so mustergiltiger Weise wahrenden Freundes sich eben desselben oder eines anständigeren Tones sich befleißigen wird. Red.) Brody. Die „Machasikehadaß" (Orthodoxen) Galiziens haben der „Gazetta Narodowa" alle freisinnigen Juden als Feinde der Polen denuncirt. — Ein recht gottgefällig frommes Gebühren! Paris. „A. I." veröffentlicht den Wortlaut der Erklärung des Ministers Wadbington. Der langen Rede kurzer Sinn ist: Rumänien ist schlauer gewesen, als die großen Mächte und hat das Seinige durchgesetzt. Paris. Außer den 100,000 Frcs. für protestantische und isr. Gebäude enthält das fr. Budget für 1880 als Beitrag zum isr. CultuS 199,700 Fr. (7,300 Fr. mehr, als im laufenden Jahre). — General Lambert (Jude) ist Platz - kommandant von Paris geworden. (A. I.) Paris. Die Syndicalkammer für Diamanten und Edelsteine hat in ihr Somit 6 für 1880 den Vorsitzenden, einen Vicepräsidenten, den Schatzmeister und 5 Mitglieder von unser» Glaubensgenoffen gewählt (unter 15 also 8 Juden!). In Jerusalem ist durch freiwillige Beiträge ein Theehaus errichtet worden, in welchem die Bedürftigen umsonst den warmen Trank erhalten. „Chawazeleth" findet darin ein Labsal der Armen. Möglich, daß das dem Klima entspricht. Wir ziehen Bouillon (die zugleich stärkt und wärmt) dem Thee vor. Jerusalem soll zum Hauptorte eines eigenen Gouververnements erhoben werden (jetzt gehört es zum Paschalik Damascus). — Im dortigen Tribunalgerichte sitzen 2 jüdische Richter. Obschon das von Amsterdam (oder Odessa?) geschickte Getreide gemahlen und vertheitt worden ist, halten Viele sich vom Genüsse zurück, weil die Befürchtung vorliegt, daß es EHn ist. Am naturgemäßesten wäre es doch, das Getreide in Alexandrien zu kaufen, wo der Preis nicht so hoch, die Frachtkosten nicht bedeutend und ähnliche Befürchtungen nicht platzgreifen würden. (Hazephira.) Rumänien. Der „Daily Telegraph" berichtet: „Vor einigen Monaten kamen England, Frankreich, Deutschland und Italien überein keinerlei Schritte zur Anerkennung der Unabhängigklit Rumäniens zu thun, bevor das Bukarester Cabinet volle Befriedigung in der Juden-Emancipationsfrage gegeben habe. Italien hat dieses Abkommen verletzt, indem es Signor Tornielli zum Minister-Residenten in Bukarest beglaubigte, und es verlautet, daß England, Frankreich und Deutschland dieserhalb der italienischen Regierung Vorstellungen gemacht haben." Bukarest. Am 10. December hat die Rumän. Deputaten-» kammer den ersten Juden (vr. M. Roth) naturalisirt mit 45 gegen 21 Stimmen. (Feuilleton in der Beilage.)