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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-12-19 · N° 51. (19.12.1877) · p. Seite 403

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 51. (19.12.1877)
Date
1877-12-19
Page
Seite 403 (sequence 6)
Language
German
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— 403 — in hebräischer Sprache, den wir in kürzestem Auszugs mit- Iheilen und, soviel wir vermögen, zur Berücksichtigung bestens empfehlen. Die Stadt Janow ist Ende vorigen Sommers von einer großen Feuersbrunst heimgesucht worden, die »leisten Häuser sind zerstört, die Synagoge verbrannt, das Elend namentlich unter den zahlreich dort wohnenden Juden ist sehr groß und Hilfe auch seitens der entfernteren Glaubensgenossen dringend erforderlich. In Janow hat nun bis zu dem Brande auch der aus Lemberg gebürtige, als Schriftsteller bereits rühmlich bekannte Kaufmann Herr David Kohn-Zedek (Sohn und in literarischer Thätigkeit Mitarbeiter deS Ribbi Joseph K.-Z, derzeit in London) gewohnt und dort ein Holzgeschäft betrieben. Er hat aber neben seinem Geschäfte die gelehrten Studien geübt und gefördert, hat Wissenslustige unterrichtet, dazu Arme unterstützt, öfter Predigten gehalten und namentlich bei patriotischen Feierlichkeiten in dieser Weise rühmliche Thätigkeit entfaltet. Auch er gehört zu den Abgebrannten, hat viel von seinem Vermögen und, was ihm fast schmerzlicher, seine Bücher, Manuscripte, Arbeiten und geschätzte Briefe rc. verloren. Er ist nach Lemberg zurückgekehrl, will aber auch jetzt noch für die Abgebrannten in Janow etwas thun. Er ist daher willens, von den Büchern, die ihm geblieben sind, darunter sowohl seine und seines Vaters Schriften, wie andere Werke, der Hülfe des Erlöses den Abgebrannten zuznwenden. Durch Entnahme von Büchern wird also zugleich eine Wohlthätigkeit geübt. Ferner bittet der genannte Vorstand um milde Gaben, welche man ebenfalls an die Adresse Kaufmann David Kohn Zedek in Lemberg senden möge. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Die jüdische Gemeinde beabsichtigt, auf einem zu diesem Zweck neu erworbenen Terrain bei Weißensee einen Friedhof anzulegen und zur Erlangung der für die Herstellung der nothwendigen Gebäulichkeiten, Leichenhaus, Kapelle, Büreau und Dienstwohnung der Beamten, erforderlichen Pläne eine Concurrenz auszuschreiben. Sie hat sich an den Architekten-Verein gewandt und ersucht, daß der Vorstand desselben einige Mitglieder des Vereins erwählen möge, welche neben vier Vorstandsmitgliedern der Gemeinde das Amt als Preisrichter zu übernehmen geneigt seien. Der Architekten Verein dürste dem Vorschlag voraussichtlich gern entsprechen. Als disponible Bausumme sind 150.000 Mark angegeben: für die beiden besten der einlaufenden Entwürfe sind Preise von 1500 und 500 Mark ausgesetzt. (Berl. Tagebl.) Thorn. Die Straßburger jüd. Geschworenen, die (mit Entschuldigung) am Jom kippur nicht zur Gerichtssitzung erschienen waren, sind nun auch in zweiter Instanz zu je 20 Mk. Strafe verurtheilt worden. Sie werden sich nun beim Minister appelliren. Kassel, 21. November. Die nachstehende, dem Herrn N. zu Rot.'nburg zngcgurgene Verfügung des Herrn Ober- Präsidenten unserer Provinz scheint mir so wichtig, daß ich deren Veröffentlichung für sachgemäß erachte. Sie lautet: „Ihre an den Herrn Minister der geistlichen, Unterrichts¬ und Medicinal-Angelegenheiten gerichtete und von demselben un den Herrn Minister des Innern abgegebene Beschwerde vom 24. Aug. cr. wegen Ausschließung von der Benutzung der dortigen Synagoge ist mir zur Verfügung zugegangen. Es gereicht Ihnen hierauf zum Bescheid, daß diese Ausschließung mit Recht erfolgt ist, weil sie mit Ihren Familien- Angehörigeu durch den auf Grund des Gesetzes vom 28. Juli 1876 erfolgten Austritt aus der Synagogengemeinde Rotenburg nach Maßgabe des §. ad 1 das Recht des Mitgebrauchs der Synagoge, welches den Gemeindemitgliedern als solchen .zusteht, verloren haben. Zu diesen Rechten gehört nicht nur die Befugniß zum Besuch der Synagoge überhaupt, sondern auch zur Ausübung des Gebrauchs an gewissen Stunden in wer Synagoge, bezüglich deren Ihnen etwa privatrechtliche m??' . Ansprüche zur Seite stehen. Ich weise hiernach Ihre Beschwerde als unbegründet zurück. Der Oberpräsident." Wien. Ungeachtet mehrerer Vorberathungen und Wahl- Versammlungen ist die Auswahl des Vorltandes der Cultus- Gemeinde unter recht geringer Betheiligung vor sich gegangen. Es wurden nur 341 Stimmen abgegeben. Für den ausgetretenen Frhrn. Moritz von Königswarter ist Hr. Jacob Brandeis gewählt. Die übrigen Herren, deren Wahlperiode abgelaufen war, wurden wiedergewählt, nämlich Josef v. Epstein, Ignaz von Ephrnssi, Di*. Angela v. Kuh, Moritz Pollack v. Borkenan und Josef Hildburghäuser. Pest, 7. December. Im Mädchen-Waisenhause des hiesigen israelilischen Frauenvereins wurde heute die auf den Namen Lißt errichtete Stiftungstafel in Anwesenheit des Meisters selbst enthüllt. Als Lißt um 11 Uhr erschien, wurde er im Vestibüle von dem Ausich.'.sse des Vereins und der Präsidentin Frau Johanna Bischitz begrüßt. Die Feierlichkeit begann mit einem Choral, welchen Herr Oberkantor Friedmann persönlich leitete. Hierauf ergriff Rabbiner 1)r. Kohn das Wort, um „den Fürsten im Reiche der Töne" zu begrüßen. In schwungvoller Rede führte der Redner aus, daß es zwei Religionen gebe, die Jeder, welchen Glaubens er immer sei, als heilig anerkenne: die Religion der Humanität und die Religion der Kunst; Beider Priester ist der Gefeierte, dem die Musik zugleich auch Mittel zur Förderung wohlthäliger Zwecke ist. Das hat auch der israel. Frauenverein und sein Waisenhaus erfahren. Darum möge der Maestro gestalten, daß sein unsterblicher Name, wie die Geschichte der Musik, so auch -ste bescheidenen Räume dieses Heligthums der Humanität ziere. Nachdem der Redner seine mit rauschendem Beifall aufgenommene Rede geendigt hatte, ward die Gedenktafel enthüllt. Vor derselben war die mit einem Lorbeerkranze gezierte Büste Fraiiz Lißl's sichtbar; der Kranz wurde nun einem Waisenmäd.ben übergeben, welche ein eigens zu dieser Gelegenheit von Frl. Anna Bischitz geschriebenes Grdicht vorlrug uiid den Kranz Lißt überreichte. Der Meister selbst war von dieser Ovation derart ergriffen, daß er nur in kurzen Worten seinen herzlichen Dank aussprechen konnte. Galizien. Aus Krukienize wird dem „Wien. Jsr." geschrieben : Unser Ort hat einen chassidischen Rabbiner, welcher unter deni Schutze des Moszyskoer „Rebben" steht und von demselben hierher befohlen wurde. Dieser Mann erließ unlängst ein Verbot gegen das Tragen der Cocarden oder Rosetten, welche die Mode auf die Damenstiefel gebracht hat, weil sie Schaatnes seien! (Nach einem alten nicht ganz sauberen Witze ist Eisen auf Leder Schaatnes!) Aber dieser Rabbiner versteht nicht nur zu verbieten, auch im Befehlen kommt ihm nicht sobald einer gleich. Er hat befohlen, diesmal drei Tage Nosch-Chodesch zu feiern, denn nach seiner Ansicht fiel diesmal n"^ auf Mitwoch, Donnerstag und Freitag. London. Der von den Ausgrabungen in Olympia her wohlbekannte junge Gelehrte, 0r. H r r s ch f e l d, ist an das British-Museum berufen worden. Die Berufung erfolgte in sehr ehrenvollenvoller Werse auf Verwendung des Direktors der Allerthums-Avtheilung am Brit.-Mujeum, 1)r. Newton, welcher den 0r. Hrrschfeld in Olympia kennen gelernt halle. t,Dr. H. ist Israelit, gebürtig aus Pyritz, imö besuchte eure Zelt lang das Gymnasium zu Stettin, da seine Ellern mehrere Jahre hier wohnten.) — Aus Arabien ist eine Anzahl sehr alter hebräischer Manuscripte, unter anderem Thorarollen mir der alten onentalischen Punklation nach England gebracht. Das Brilish- Museum steht wegen des Ankaufs in Unterhandlung. Constautinopel, 29. November. Bis jetzt haben sich über 2000 Juden zum Eintritt in die Bürgergarde gemeldet. Es sind unter diesen auch solche Juden, welche keine türkischen Unterthanen sind, aber schon lange hier wohnen. Ern gewiffer Moritz Segel aus Ungarn, der bei den Honveds ge-

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