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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-12-05 · N° 49. (5.12.1877) · p. Seite 385

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 49. (5.12.1877)
Date
1877-12-05
Page
Seite 385 (sequence 5)
Language
German
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- 385 ein zarter und feiner — und doch wieder „darum Räuber und Mörder." — Dem König hat man nicht gesagt, warum die Orthodoxen dem Seaüuar feindlich sind — aber der Unterschied ist ja nur „zart und sein." — Und mar um hat wan's nicht gesagt, da ja der Zugang zum Könige den Orthodoxen frei stand, und sie oft genug Audienzen bei ihm hatten? — Der König hätte sicher nur eine recht fromme Jeschiwa gegründet — warum soll er denn nur den Ortdodoxm hold sein? — Das einzig Nichtige ist, dag das dem König gewiß lieb wäre, wenn seine ungarischen Juden einig wären. — Damit wäre allerdings ihm und Allem gedient, nur wohl nicht den Wenigen, die vom Hader leben. Man bemerke übrigens, daß die Pester Anstalt wirklich osficiell nicht „Seminar" heißt, sondern „Landes-Rabbinerschule". — Das Seltsamste aber kommt gegen den Schluß jenes Artikels. Da k l a g t das Blatt, daß die „O r t h o d o x e n" seiner Zeit kein Seminar gewollt haben. Es heißt wörtlich: „Im Congresse war die Fortschrittsparthei geneigt, das Seminar mit Männern zu besetzen, zu denen die Orthodoxen volles Vertrauen haben, die Orthodoxen jedoch sagten: Jene Männer, welche eine Stelle am Seminar annehmen, haben ja hiedurch das Vertrauen der orthodoxen Juden eingebußl, nachdem ein Seminar mit dem Geiste des alten Judenthums unvereinbar!" Darüber klagt die „Jüd. P. Ztg " (Wem soll denn nun die Regierung es Recht machen, wenl die Schule und wem der Menschenverstand?! Red. d. Jsr. Woch.) Bermijchte und neueste Nachrichten. Berlin. Der erste Versuch der Beleuchtung eines öffentlichen Gebäudes durch elektrisches Licht fand vor einigen Tagen in der neuen Synagoge in Berlin vor einer großen Gesellschaft von Damen und Herren statt. Auf dem Hofe des Gebäudes erzeugte eine Lokomobile das elektrische Licht, welches durch offen liegende Drähte über das Dach des Gebäudes fort in zwei von den fünf runden Fenstern geleitet war, durch welche von oben herab das Gaslicht in die Synagoge zu fallen pflegt. Zuerst brannten sämmtliche Gasflammen neben der elektrischen Beleuchtung. Das Gaslicht kontrastirte durch seine matte gelbe Farbe m auffallender Weise mit dem hellen, strahlenden, weißen, elektrischen Lichte. Dann wurden die Gasflammen verlöscht, um das elektrische Licht wirken zu lassen. Die Helligkeit, die dasselbe verbreitete, ließ nichts zu wünschen übrig. Selbst auf den letzten Bänken der Gallerie konnte Geschriebenes viel leichter als bei Gaslicht gelesen werden, obwohl, wie erwähnt, das Licht nur durch zwei Ocffnungen zugeführt war. Allerdings machte sich hin und wieder noch ein Flackern bemerklich, doch dürfte dasselbe, nach Versicherung der Ingenieure, bei größerer Stadillität der Anlage gänzlich beseitigt werden können. Die Meinung der Auwesenden über das Resultat war eine so günstige, daß ein größerer Versuch mit elektrischer Beleuchtung aller fünf Lichtaugen binnen Kurzem vorgenommen werden soll. Auch die großen Vorzüge der elektrischen Beleuchtung bezüglich der zu erzielenden Temperatur im Gebäude wurden erwähnt. Was den Kostenpunkt anbebetrifft, so verbrauche die Synagoge bis jetzt per Stunde an Gas etwa für 60 Mark, mährend die vollständige elektrische Beleuchtung nicht mehr als 4 Mark für den gleichen Zeitraum kosten würde. Allerdings betragen die Anlagekosten mehrere tausend Mark, — Schließlich wurde das Gebäude von Außen beleuchtet, was einen geradezu feenhaften Effekt hervorbrachte. In Rageudorf (Ungarn) hat vergangene Woche eine Gemeindeversammlung wegen Wahl eines Rabbiners stattgefunden, welche folgenden sonderbaren Beschluß faßte: Sobald sich ein angehender othodoxer, mit Geld versehener Raw melden wird, kann derselbe gegen gewisse, im vorhinein festzustellende Bedingungen ausgenommen werden." (Die Leutchen vielleicht hierbei an das kSk ,Tn® nmi y* Kaschau Hier bestehen, wie in sehr vielen andern ungarischen Ortschaften, zwei Parteien, Orthodoxe und Neologen. Beide besitzen jedoch nur eine Synagoge und hat man sich letzthin bei der Stadthauptmannjchaft dahin geeinigt, daß eine Partei das Sabbathgebet bis 8 Uhr früh beendet haben, worauf die zweite das Gebet verrichten soll. Letzten Samstag war es schon 8 Uhr, und das Gebet war noch nicht fertig. Der Vorsteher holte deshalb die Polizei herbei um den Tempel räumen zu lassen U>n nicht herausgeworfen zu werden, wurde nun der Rest der „Andacht" im Sturmschritt verrichtet, Emen größeren Scandal giebt's wirklich nicht! (Wien. Jsr.) Brüssel, im November. Die Verwaltung der Staatseiseubahu hat den Israeliten Brüffels und des Weichbildes einen besonderen Trauecwaggon zu Gebote gestellt, zur Uebersührung ihrer Leichen nach dem jüdischen Friedhof von Rivelles, wo jene seit zwei Monateil ihre Leichen bestatten. Die Zahl der jüdischen Beerdigungen ist jährlich durchschnittlich 60. Der Transport der Särge und der Preis der Grabstätten, der der Stadt Nivelles zu bezahlen ist, beläuft sich auf eine jährliche Ausgabe von 18,000 Francs für den Consistorialsprengel. So berichtet die lnddpendance beige. Paris Arch. Jsr. bemerken: General Grant, der frühere Präsident der Vereinigten Staaten, hat bei seinem Aufenthalte zu Paris bei dem Banquier Seligmann aus New- Ink ein Fest angenommen, was deshalb erwähnenswerth i>t, weil dieser Seligmann ein Bruder des ehrenwerthen Mannes ist, den der Richter Hilton so brutal behandelt hat. Paris. Von E. Rsuan ist der fünfte Band seines religionswissenschastlichen Werkes erschienen; er führt den Titel: „Les Evangelis et la seconde generation chretienne“ Er sucht darin, um einen überaus bezeichnenden Ausdruck aus der Einleitung zu gebrauchen, nachzuweisen, auf welche Art „die Nabelschnur" zerschnitten wurde, durch welche das Christenthnm mit dem Judenthum anfangs verbunden war, wie nach und nach die verbindenden Organtheile vertrockneten und endlich abflelen. In Genua hat der Gemeinderath einstimmig die Abschaffung des Religionsunterrichts in der Communalschule votirt, indem er sich für das Princip der Gewissensfreiheit aussprach. Aus Plewna schreibt der Berichterstatter der „Times": „Schade, daß Osman Pascha die Einwohner nicht bei Zeiten sortschickle; sie haben jetzt furchtbar zu leiden, und das taute Jammern der Frauen und Kinder ist nicht allein herzzerreißend, sondern könnte mit der Zeit auch entmuthigend auf die Besatzung zurückwirken. Die einzige Person, die inmitten dieser allgemeinen Noth ein behagliches und nutzbringendes Dasein führt, ist eine steinalte Jüdin. Sarah ist ihr Name, und ihr/Beruf die edle Wahrsagekunst. Vom frühen Morgen bis in die späte Nacht hinein drängen sich in ihrer Behausung gemeine Soldaten und Osficiere hohen Ranges, um sich von ihr wahrsagen zu laffen. Damit verdient die Alte eine Unmasse Geldes, vornehmlich seit sie bei einigen Todesfällen und wiederum bei einigen Beförderungen richtig prophezeit hatte. Selbst Osman Pascha hat — so sagt man — nicht verschmäht, die alte Sarah zu befragen und soll durch sie bedeutet worden sein, daß ihm die glänzendste Zukunft bevorstehe, wenn er nicht vor dem 12. December in Gefangenschaft genethe. London, 17. Nov. Der „Augsb. A. Z." wird geschrieben: Ich schätzle unlängst die Gesammtausgaven der religlösen Propaganda-Gesellschaften auf ungefähr 1,000.000 Pfd. St., sage 20,000,000 Mark im Jahr. Ein mir jetzt vorliegender genauerer Ausweis, der auch die schottischen Vereine in sich saßt, bringt nun die Ausgaben des letzten Jahres auf 1,355,625 Psd. St. Davon geht die erkleckliche Summe von 284,418 Pfd. St. für Verwaltungskosten ab, d. h. mehr als 25 Proc. Die Ergebniffe dieses ungeheuren Aufwandes sind auffallend gering. Die Bekehrung eines Juden war die kostspieligst e, . d I

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