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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-11-28 · N° 48. (28.11.1877) · p. Seite 378

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 48. (28.11.1877)
Date
1877-11-28
Page
Seite 378 (sequence 6)
Language
German
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— 378 / Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin, 23. Nov. (Or.-Corr.) Die gestrige Wahlversammlung in der Louisenstadt war von über 400 Wählern besucht. Es waren hauptsächlich zwei Ansichten vertreten. Die Einen wünschten sämmtliche 25 Candidaten neu aufzustellen, damit frisches Leben in das Repräsentanten-Collegium hineinkomme. Da jedoch wegen Kürze der Zeit in diesem Jahre nicht mehr auf Erfolg zu rechnen wäre, wurde schließlich der andere Vorschlag angenommen, wonach nur 5 Candidaten gewählt wurden (die Herren vr. Cohn, vr. Blaschke, Dr. Bram, H. Egers und S. Klein), die von dem Hanptwahl-Comit6 in die große Candidaten-Liste ausgenommen werden sollen. Ueber diese Liste wird nun am Sonnabend, 24. c., in einer allgemeinen Vorversammlung abgestimmt werden und ist das Resultat dieser Abstimmung meistens für den Ausfall der definitiven Wahlen am 29 maßgebend. Breslau. 20. Novbr. (Or.-Corr.) Heut ist hier der Kaufmann Hr. Jul. Haber, seit dem Tode vr. Lobethal's Curator der Fränkel'schen Stiftungen, nach kurzem Krankenlager gestorben. Sein Tod wird als schwerer Verlust von seinen College» beklagt. Frankfurt a. M. Im vor. Blatt ist über die Verlobung einer Jüdin mit einem katholischen Offizier und den Uebertritt der Familie der Erfteren berichtet. Es ist daselbst ein Nachtrag zu der Verlobungs- und Tauf-Affair ausgefallen. Ein verstorbenes Mitglied der Familie G., ein streng-orthodoxer reicher Wollhändler, hatte nämlich testamentarisch den Genuß seiner Hinterlassenschaft von der fortdauernden Zugehörigkeit des oder der Erben zum Judenthum abhängig gemacht. Um nun das Vermögen nicht zu verlieren, hat ein weiser Familienrath beschlossen, daß e i n Mitglied der Sippschaft Jude bleibe und sich gehörig verbindlich mache, das Geld mit den übrigen zu theilen. Auf diese Religions- und Geldschacherei und auf die Art, w i e darüber in Journalen berichtet worden ist, bezieht sich unsere Bemerkung am Schluffe der Notiz in vor. Nummer. Eßlingen, 11. Nov. Nach dem diesjährigen Rechenschaftsbericht über das israelitische Waisenhaus „Wilhelmspflege" werden in der Anstalt 28 Waisen verpflegt; es erhalten noch einige Taubstumme, die die hiesige Taubstummenanstalt besuchen, gegen billige Entschädigung Kost und Wohnung, auch die israelitischen Zöglinge des Schullehrerseminars erhalten dort billigen Kosttisch. Obwohl durch die Ungunst der Zeitverhältniffe in manchen Gemeinden des Landes das Jntereffe für diese gute Sache ins Stocken gerathen, hat doch das nutzbringende Vereinsvermögen um 6220 M. 54 Pf. gegen das vorige Jahr zugenommen und betrügt 169,212 M. 49 Pf. ohne das Grundeigenthum und das Anstaltsgebäude. Den Reigen der Spenden eröffnet die Munifizenz Sr. Majestät des Königs Karl mit 175 M.; an Stiftungen zum Grundstock sind eingegangen 1942 M. 86 Pf. Bei der israelitischen Gemeinde in Stuttgart sind an Spenden eingegangen von Israeliten 4055 M. 21 Pf., von Nicht-Israeliten 308. 15., in Ulm 466. 50., in Heilbronn 336. 3., in Laupheim 330. 5 , in Buchau 314. 31. Stuttgart, 13. Nov. Dem „Schwarzw. Bot." wird von hier aus geschrieben: Bekannt ist der Streit und die Veröffentlichungen, welche durch den Ausschluß der Juden aus dem hiesigen Museum hervorgerufen wurden., deffen Vorstand Oberstudienrath Rektor vr. v. Frisch, einer der Vorkämpfer des Nationalliberalismus, den Antrag zu dieser Maßregel gestellt haben sollte. Die neulichen Huldigungen nnn, welche dem Rector vr. v. Frisch von den Reallehrern, deren Vorstand er ist, aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums dargebracht wurden, haben vr. Alex. Bacher zu folgendem Gedicht begeistert: An den Jubilar Rektor vr. v. Frisch. Der erste aus der Schwaben Dichtergilde Hat auf das hohe Reiinroß sich geschwungen, Hat dreifach Deinen Lebensgang besungen, Wie „Liebe" nur, wie „Pflicht" Dich stets erfüllte. Sie folgten ständig Deinem Lebensbilde, Wie als Realmann, Turner Du gerungen, Wie himmelwärts mit Kepler Du gedrungen, Deß' Geisteswerk Dein Fleiß der Welt enthüllte. Eins haben nur die Fischer, Glöckler, Blume, Rauschnabel, Günzler. Förstler doch vergesse,», Zu des getreuen Burschenschafters Ruhme, Wie würdig Du mit unverfror'nem Muthe Museum mit dem Stichwort vorgesessen: Zwar nicht verbrannt, verbannt do ch wird d er — Jude. In Teplitz fanden vor. Woche an einem Tage fünf silberne Hochzeit en statt: 2 katholische, 2 evangelische und eine jüdische. Die 5 Jubelpaare nebst ihren Gästen feierten gemeinsam ihr Fest in einem Saale, jedes Paar nach seiner Religion. Paris. Am 1. November hat unter Vorsitz des Herrn Crsmieux eine Versammlung von Pariser Israeliten stattgefunden, welche über Veranstaltung weiterer Sammlungen für die bulgarischen Juden Berathung gepflogen hat. Man hat verschiedene Vorschläge gemacht. Die Wärme, mit der alles ausgenommen wurde, stellt günstige Resultate in sichere Aussicht. — Ein klerikales Blättchen, 1a France Nouvelle, spricht sich in einem Leitartikel dahin aus, daß es Unrecht sei, wenn der Staat dir jüdischen Geistlichen, die nicht an den Gottmenschen glauben, besolde. „Diese Leute — bemerkt „Arch. Jsr." — spielen ein gefährliches Spiel. Sobald der Staat aufhören wird, die Ungläubigen zu besolden, wird er auch das Budget für die Gläubigen sperren." — Der Stadtrath hat 8500 FrcS. für eine Orgel in der Synagoge der rue ckes lournelles bewilligt. (Un. Jsr.) Dagegen hat er die Mitehsentschädigung für die Rabbiner in Paris gestrichen. Seltsame Consequenz! Der Minister hat die letzteren Positionen wieder in das Budget eingestellt. Warschau. „Hazephira" vom 21. November enthält eine mit einem Holzschnitt illustrirte Beschreibung und physikalische Erklärung des Telephons (in hebräischer Sprache.) Man sieht, wie prompt Hr. Slonimski seine Leser von allem Wissens - werthen und Neuen in Kenntniß setzt. Die Erläuterung, welche auch die Wirkung des elektrischen Stromes erklärt, ist sehr klar und faßlich. Serajrwo (Türkei). Hier wurden 2 Israeliten ins Parlament zu Konstantinopel gewählt. Jerusalem. Unlängst haben verschiedene Journale berichtet, daß eine große Anzahl eingeborener Israeliten, Söhne vermögender Leute, sich freiwillig zum Dienst in der Arnlee gestellt hätte, man habe zwei Compagnien von ihnen gebildet. Das in Jerusalem erscheinende Blatt 8cdaare Zion erklärt das für eiue müßige Erfindung. Cavea (Candia). Ein reicher Israelit, Namens M. A. Cohen, besaß ein Haus, welches neben der katholischen Kirche lag, der vor zwei Jahren neu eingetretene Bischof hielt es für nöthig, seine Kirche zu erweitern und ließ dem Israeliten wissen, daß er deffen Garten anzukaufen wünsche, um ans der Flacht die Kirche zu vergrößern. Darauf hat Hr. Cohen den Garten, welchen man auf mindestens 3000 Francs anschlagen kann, dem Bischof gratis abgetreten. Da besonders im Orient die Religion und die Politik inuner ineinandergreifen, so hat nicht nur der Bischof für das großmüthige Geschenk Dank ausgesprochen, sondern auch die Consuln von Frankreich und Italien. (Arch. Jsr.)

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