Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 47. (21.11.1877)
- Date
- 1877-11-21
- Page
- Seite 370 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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370 — Czas“ in folgender Weise: „Die israel. Gemeinde hat den Kronprinzen erst am Dienstag Nachmittags zum Besuche der Synagoge eingeladen. S. K. K. Hoheit berücksichtigte diese Einladung und verschob Tags darauf eigens seine Ausfahrt um eine Stunde, um das israel. Bethaus besuchen zu können." Dublin. Die englischen Hochschulen sind bekanntlich auf alte Statuten gegründet und streng christlich. Wenn daher auch Juden zugelassen werden, so sind doch manche Hindernisse schwer zu beseitigen, nicht aus irgendwelchem Rischus, sondern weil in England Bestehendes überaus schwer zu ändern ist. So sind denn auch an dem Trinity College in Dublin gewisse schriftliche Prüfungen auf Sonnabend angesetzt. Bitten um Abänderung dieses Herkommens zu Gunsten jüdischer Studenten sind erfolglos geblieben. (In Deutschland bildet das freilich für die große Mehrheit von Hochschulen kein Hinderniß — man würde nicht einmal eine Bitte um Abänderung daran wagen.) Nun wollte der junge Herbert Harris, Sohn des im v. I. verstorbenen Aldermann Harris, ein Examen machen, aber nicht schreiben. Da erboten sich Studenten jüngeren Jahrgangs nach Harris lautem mündlichen Diktat vor dem Prüfungscollegium, die schriftliche Arbeit für ihn zu machen, dies wurde angenommen und Harris bestand glänzend in Mathematik, Logik und Methaphysik und erhielt einen bedeutenden Ehrenpreis. Rußland. Auch in Rußland, zeigt sich schon jetzt, nachdem erst vor so kurzer Zeit den Juden der Zutritt zu den höheren Lehranstalten eröffnet worden ist, wie in allen Ländern, daß die jüdische Jugend mit größtem Eifer sich dem Besuche derselben widmet. Ein offizieller Bericht ergibt nämlich Folgendes: Ruffen Lutheraner Katholiken Juden Bevölkerungszahl Rußlands: 781/2 pCt. 3 l/a - 10 31/, Schülerzahl in den russichen Gymnasien: 50 pCt. 8 - 19 - 20 - In der allgemeinen Zahl der Gymnastasten geben also die Juden 20 pCt., während sie kaum 3‘/a pCt. der Bevölkerung Rußlands bilden. Sitomir. Wie nahe in Rußland überall noch die Anklagen, Verfolgungen rc. gegen Juden wegen angeblichen Verschwindens von Christenkindern liegen, davon erzählt „Hazefira" folgende Begebenheit mit glücklicherweise harmlosem Ausgange. Am letzten Simchath Thora hatte der Synagogendiener einen christlichen Knaben gerufen, damit derselbe die Gelder für die Alijofc und Spenden aufschreibe. (Wer hat das erlaubt?) Nach einiger Zeit kam der Vater des Knaben in die Synagoge, um diesen zu holen. An der Thür angelangt, sah er viele Juden, welche auf der Tribüne unter einem Tallis verhüllt standen. (Es waren Kohanim oder Levlim, welche zusammen aufgerufen waren, und scheint dies dort so Sitte zu sein.) Dieser Umstand kam dem Vater verdächtig vor, und er rief daher, „gebt mir meinen Sohn!" Man gab ihm zur Antwort, sein Sohn sei nicht da. Jammernd lief nun der Vater zur Polizei und klagte, die Juden hätten sein Kind in der Synagoge ermordet. Als er dann mit einem Polizeidiener in's Bethans kam, trafen sie den vermißten Knaben, der fröhlich die Notizen machte, und dazu seinen Lohn, ein Stück Kuchen, verzehrte. Aus Rumänien. Die Mord- und Plünderungsscenen von Darabany haben eine Reihe von Processen hervorgerufen, welche die Betheiligten gegen die Frau Cimara bei den Gerichtshöfen von Dorohoi und Jassy, sowie vor dem Cassationshofe zu Bukarest angestrengt haben. Die Israeliten, die bereits in 2 Instanzen gewonnen hatten, haben neulich, am 3. October c., auch in der 3. Instanz vor dem höchsten Gerichtshöfe gewonnen. Sie hatten gegen sich den früheren Minister Jonesco, den Deputirten Cornea und Cimara, welche von den HH. Gradisteano, P. Gbika, P. Borch und 10 anderen Advokaten oder polnischen Persönlichkeiten von größtem Einfluß unterstützt wurden und welche die Behauptungen der noch Verhafteten Appellatin aufrecht erhielten. Die von diesen edlen Vertheigern vorgebrachten Beschimpfungen der Juden haben selbst die Christen empört und 3 Mal den Präsidenten zu Ordnungsrufen veranlaßt. Die Israeliten wurden von den HH. Majorescu und Meytani vertheidigt; da jedoch der Pozeß noch nicht zu Ende ist, so werden dieselben ihre Sache jetzt vor den Gerichtshöfen von Dorohoi und Jaffy, sodann von Neuem vor dem Cassationshofe zu vertreten haben. Die Wiener Allianz hat 4000 Frcs. als Beisteuer gesendet. (Ber. der All. Js. Univ.) Bukarest, 4. Oct. Der mehrgenannte M. Brociner ist freilich für den Augenblick der einzige israelitische Offizier, { welcher sich in den Kämpfen hervorgethan hat und dekorirt s worden ist; dagegen haben sich unter den jüdischen Soldaten l gar manche ausgezeichnet. Die Zahl derjenigen, welche Corporäle, Sergeanten und dergleichen geworden sind, ist sogar verhältnißmäßig sehr groß, einige sind ebenfalls mit dem rumänischen Sternenorden decorirt worden. Unter diesen kann ich heute nur Leizer, Corpora! im 8. Linienregiment, namhaft machen; behalte mir aber vor, die Namen der Uebrigen nachzutragen, sobald ich dieselben näher constatirt haben werde. Unter dem ärztlichen Personal befinden sich sehr viele Israeliten, die mit Auszeichnung genannt wurden. . (Arch. Jsr.) — Ein Correspondent dess. Blattes berichtet über den Aufenthalt der israelitischen Flüchtlinge aus Kasanlik zu Bukarest und deren Abreise von da nach Constautinopel (durch Oesterreich über Triest, wie hier schon berichtet). Die Unglücklichen haben sich 32 Tage in Bukarest aufgehalten, und es hat deren Vepflegung rc. ihre dortigen Glaubensgenoffen mehr als 25.000 Francs in baar gekostet, ungerechnet eine Menge Wäsche, Kleider rc. Wenn der Correspondent dann zur weiteren Rechtfertigung dafür, daß man die Armen in ihre Heimath geschickt hat, den Umstand anführt, daß dieselben das Klima von Bukarest durchaus nicht hatten ertragen können, so scheint eine solche Entschuldigung kaum nöthig, da die Israeliten zu Bukarest das Ihrige vollauf gethan haben. Jerusalem. Der Deutsche Generalconsul, Baron von Münchhausen, hat alle seine Schutzbefohlenen zu freiwilligen Spenden für die verwundeten türkischen Soldaten aufgefordert. Obgleich der aus Deutschland stammenden Israeliten hier nur wenig sind, so haben dieselben doch die Summe von 5 Lira ä, 20 Mk. zusammengebracht. Feuilleton. Der Schwan von Toledo?) Historische Erzählung von Ad. v. Zemlinszky. „So hört, arme Frau. Euer Gatte kam wohlgemutst heute gegen Abend in Toledo an, da plötzlich wurden die Pferde eines Wagens scheu, Jochai Carmo konnte nicht schnell genug ausweichen und wurde von den Hufen der Rosse zu Boden getreten, ich glaube die Verletzungen sind sehr gefährlicher Natur, und wenn ihr Euch nicht sehr beeilt, so — „So sehe ich ihn nimmer lebend wieder"—schrie die getäuschte Frau mit bebender Stimme — „und wo ist er, mein Gatte?" „Er befindet sich in guter Pflege in meinem Hause, im Hause des Grafen Guido von Burgund, des Erzbischofs von Vienne." „Eilt, führt mich zu ihm, edler Herr, und Gottes Lohn sei Euch für diese edle That." Ein ironisches Lächeln umzog den Mund des Grafen. Und Beide eilten vorwärts. Und sie, die Getäuschte, sie hörte nicht das übermüthige, höhnische Gelächter der zurückgebliebenen Edelleute, sie hörte *) Nachdruck verboten. Uebersetzungsrecht Vorbehalten.