Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 47. (21.11.1877)
- Date
- 1877-11-21
- Page
- Seite 369 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/5369809-9583384-9583766--3356-9583771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 369 — niß geben. Daß darum die Bitte um reichlichere Unterstützungen und Beilritt neuer Mitglieder nicht minder berechtigt ist, versteht sich von selbst. Berechtigt ist die Klage, daß auswärtige, auch große Gemeinden, gar nichts für den Verein thun und den Wienern die Ehre allein überlassen, auch ihre armen studirenden Angehörigen zu unterstützen. Daß ferner frühere Stipendiaten des Vereins nichts für denselben thun, ist beklagenswerth, ist — unehrenhaft. Dem gegenüber bemerken wir jedoch, daß die Summe der „Rückzahlungen" in den letzten Jahren nicht unerheblich gewesen ist. Frankreich. Paris. Dem Bericht der Alliance Jsr. Univ. für Oclober sendet das Central-Comitv zunächst Nachstehendes als Dank und Bitte voraus: „Das Central-Comite ist tief gerührt von dem lebhaften Eifer, mit welchem die Comil6's der Alliance die Gemeinden, Rabbinen, Vorsteher und Redacteure von israelitischen Zeitungen seinem Ausruf zu Gunsten der Israeliten der Türkei entsprochen haben. Die kleinen wie die großen Gemeinden haben sich dieser großen Bewegung der Barmherzigkeit und Wohlthätigkeit angeschloffen. Die Sammlung hat bis jetzt (Ende Oclober) die Summe von 174,000 Franken erreicht und wird unzweifelhaft noch viel höher steigen. Es ist wahrscheinlich das erste mal, daß die Vereinigung der Israeliten aller Länder, von Marocco bis Rußland, sich mit solchem Eclat zeigt und solch bemerkenswerthe Resultate erreicht. Das Vertrauen der Subscribenten legt dem Central- Comitv große Pflichten auf, deren ganzes Gewicht es fühlt und die es zu erfüllen sich bemüht. Die Informationen, die es in seinem letzten Bericht veröffentlicht hat und gegenwärtig fortsetzt, zeigen, welche Vorsorge es trifft, um den Subscribenten genaue Mittheilungen zu machen und die ihm anvertrauten Hilfsmittel bestmöglichst zu verwenden. Am Schluffe dieses Berichts wird man die Liste der bis jetzt eingegangenen Spenden finden. Das Central-Comit« richtet seinen herzlichsten Dank an Alle, die ihre Opfergaben ihm gesandt, an Alle, die ihm in seinen Bemühungen beigestanden haben. Es enthält sich, einzelne Namen zu nennen; wer wollte unter so vielen ausgezeichneten Mitarbeitern eine Auswahl treffen oder eine Unterscheidung machen? Die später zu veröffentlichende Specialliste wird die Bemühungen Aller und die von Jedem erreichten Erfolge bekannt geben. Inzwischen mögen die Subscribenten und Mitarbeiter den Ausdruck seiner lebhaften und tiefen Erkenntlichkeit entgegennehmea." Die Zahl der neuen Mitglieder beträgt 279. — Aus den Schulberichten heben wir nur die Notiz heraus, daß auch in den dem Kriegsschauplatz so naheliegenden und von Flüchtlingen rc. in Mitleidenschaft gezogenen Städten Adrianopel und Salonichi die Alliancenschulen ruhig fortgeführt werden. — Aus den Berichten über Rumänien bringen wir Auszügliches an anderer Stelle, über die Türkei in nächster Nr. Schweden. G. Stockholm, 4. Nov. Herr Henriques (Sohn des jel. verdienstlichen Predigers in Gothenburg) ist zum Lektor an der polytechnischen Schule in Norrköping ernannt worden. — Neulich traf hier der seltene Fall ein, daß in einem Hause, in einer Familie in unserer Gemeinde, gleichzeitig eine goldene Hochzeit (Herr A. Marcus), eine silberne Hochzeit (Herr L. Meyer), und eine 18jährige Hochzeit (Herr W. Joseph- Ion, Schwiegersohn des ersten Jubilars) gefeiert wurden. Vom erstem Paare ist der Bräutigam 77, die Braut 72 I. alt. — Der zweite Jubilar, Herr Meyer, Bediensteter der Chewra kadischa, erhielt außer einer Summe von 1400 Kronen, noch andere zahlreiche Geschenke von seinen vielen Freunden. — Die Regierung hat für dieses Jahr eine genaue statiftische Aufnahme aller hiesigen Einwohner angeorvnet, und nmß hierzu der Geburtsschein von den Geistlichen (Priestern) beigebracht werden. Herr Dr. Lewysohn hat dergleichen (gedruckte) Scheine in einer Anzahl von ca. 950 ausgefüllt. Auch die fremden, nicht zur Gemeinde gehörenden, hier lebenden Juden bedürfen solcher Scheine, und werden diese besonders ausgefertigt. Vermischte und neueste Nachrichten. * Hannover. Der Landrabbiner Dr. Meyer hat an den Lanotag eine Petition gerichtet, welche auch für die Hannöver. Landrabbiner Entschäoigung für Ausfall an Gebühren in Folge des Civilstands-Gesetzes erbittet. Der Abgeordnete Dr. Schläger hat die Petition überreicht. Der Erfolg steht dahin und kann abgewartet weroen; es handelt lich nicht so sehr uni das Geld, wie uw das Prinzip. — Die Petition des Dr. Mayer an den Provinzial-Landtag wegen Erhöhung des Zuschusses für das Lehrerseminar in Hannover ist abschläglich beschieden worden, jedoch in, so zu sagen, ehrenvollster Weise, indem sich die Debatte allseitig anerkennend über das Seminar aussprach. Inzwischen hat sich die Anstalt trotzdem neuerdings wesentlich gehoben, sie zählt wieder 21 Schüler, einschließlich Präparanden. Seit zwei Jahren ist nämlich eine Präparanden-Anstalt mit dem Seminar verbunden worden, Dr. Meyer hat sie auf eigene Hand und ohne Mittel dazu flüssig zu haben, ins Leben gerufen, um Zöglinge, die das 17. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und demnach in das Seminar nicht eintrelen dürfen, aufnehmen zu können. Damit ist wieder eine Seminarschule mit jetzt 35 Kindern verbunden. Die Mittel werden aus freiwilligen Gaben in der Stadt collectirt, so sind jetzt 500 Mark jährlicher Beiträge für die Seminaristen zusammengebracht und durch ein Damen-Comite 900 Mark auf Chanuka zur Bekleidung rc. für Seminarschüler. Dresden. Nach einer dem sächsischen Landtag zugezangenen Vorlage soll die Form der Eidesleistung in Sachsen vor einer öffentlichen Behörde, und zwar in Fällen, für welche nicht die Reichsgesetzgebung Bestimmungen trifft, geändert werden. Die Regierung erklärt, daß es keinem Bedenken unterliegen könne, die Bestimmungen der Reichsprozeßordnung über die Form der Eidesleistung ganz allgemein auch außerhalb der Civil- und Strafprozesse zur Anwendnng kommen zu lassen. Der Eid soll in all den betreffenden Fällen mit den Worten beginnen: „Ich schwöre bei Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden", und mit den Worten enden, „so wahr mir Gott helfe." Bei der eidlichen Amtsverpflichtung soll der Schwurpflichtige durch Aussprechen der Worte: „Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe", den Eid leisten. — Diese Eidesformel gilt für alle Confessionen. Frankfurt a. M. Eine Verlobung erregt hier nicht geringes Aufsehen. Es ist die des Fräulein Bertha Gerson, Tochter des sächsischen Generalconsuls Jacob Gerson — der in nahem verwandtschaftlichen Verhältniß mit dem bekannten Berliner Hause steht — mit Herrn Clemens von Radowitz, königlich preußischen Obersten st In suite des Leib-Garderegimentns und erstem Directionsmitgliede der Kriegsacademie. Die ganze Familie des Herrn Jacob Gerson wird in Folge dieser Verlobung zum Christenthum übertreten; Fräulein Gerson ihrerseits ist bereits zur katholischen Religion übergetreten. — Daß das Judenthum an solchen Leuten nicht viel verliert, haben wir des Oefteren schon gesagt; aber die grenzenlose Frivolität, womit die ganze Sache behandelt worden ist, berechtigt noch nicht, daß Jeder über solchen Schacher ebenso frivol urtheile. Als Pendant hierzu gilt Folgendes: In Prag vermählt sich dieser Tage der Sohn eines jüd. Hopfenhändlers mit einer Herzogin (Tochter des Herzogs v. Persigny). Der Bräutigam hat sich vorher — getauft. Teschen. Ueber den Besuch, den der Kronprinz Rudolf bei seiner Durchreise in der Synagoge zu Teschen gemacht hat, berichtet ein daselbst erscheinendes polnisches Blatt „Nov,