Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-11-14 · N° 46. (14.11.1877) · p. Seite 362

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 46. (14.11.1877)
Date
1877-11-14
Page
Seite 362 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9583384-9583757--3348-9583763
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 362 — tische und bequeme Methode, wonach jeder Detaillist die doppelte Buchführung mit ihren vielen Vortheilen für sein Geschäft anwenden kann, ohne die mindeste Mehrarbeit zu haben. Das Buch paßt sowohl für den Anfänger, als für den Geübten; für Letzteren sind besonders die Abschnitte vom Geheimbuch, Generalabschluß, Journal und die Buchung schwieriger Geschäftsvorfälle von höchstem Interesse. Wir wünschen dem Buche viele und fleißige Leser." Wir wissen recht wohl, daß viele jüdische Lehrer bei unauskömmlicher Stellung oft durch Erlernung der Buchführung ihr Einkommen zu vermehren suchen. Eine bessere, gründlichere und billigere*) Unterweisung als durch Ferdinand Simon's Lehrbuch, dürsten sie schwerlich finden. Frankfurt a. M. Dem Magistrat ging die Mittheilung zu, daß, zur ehrenden Erinnerung an Herrn Isaak L Königswarter und an desien Gattin Lisette Königswarter geb. Lieben, deren Erben eine Wohlthätigkeits-Stiflung unter dem Namen „Stiftung der Familie Königswarter" gegründet haben, zu deren Fundirung sie das an der schönen Aussicht und der langen Straße gelegene Königswarter'sche Familienhaus widmen. Die Erträgnisse dieses Hauses sind dazu bestimmt, ehrbaren Familien, welche unverschuldet in Noth gerathen sind, durch Zuwendung eines angemessenen Beitrags die Ermiethung bezw. Weiterdenützung einer anständigen Wohnung zu ermöglichen. Stuttgart. Die Commission zur Prüfung der um den Laube-Preis concurrirenden Lustspiele hat den ersten Preis dem Stücke: „Durch die Intendanz", von E Henle, zuerkannt. E. Henle — oder recte Frau Levi in Eßlingen, die Gemahlin eines Bijouterie-Fabrikanten — hat bisher meist in kleinen humoristischen Skizzen und Erzählungen sich versucht, die in Tageszeitungen erschienen sind und einen sehr pointirten Witz verriethen. Feodor Wehl hatte von der Autorin vor einiger Zeit ein Bühnenstück, das am Hofe Karl August's zu Weimar spielt, für die Aufführung am Stuttgarter Hoftheater angenommen, Abänderungen, Striche und Modifikationen mit ihr berathen und ausgeführt — schließlich scheiterte das Stück, in welchem Göthe als Frauenzimmer verkleidet, aufgetreten wäre, durch die Intervention einer dem Hofe nahestehenden Persönlichkeit. Auf das Preislustspiel der Frau E. Henle, welches die Schicksale eines Bühnenmanuskripts zum Vorwurf genommen hat, ist man hier doppelt gespannt. Rom, 12. October. Dr. David Toscano, der als Arzt und Rabbiner zugleich in unserer Gemeinde fungirt, har vom Könige den italienschen Kronenorden erhalten. Der edle, fromme Grers hat an sich selbst den erfreu lichften Umschwung in den Zeitverhältnissen erfahren. Die ärztliche Praxis hat er in den Jahren seines Jüglingsalters erst nach Ablegung eines Eides beginnen dürfen, mit dem ihn die Inquisition verpflichtete, keinen christlichen Patienten zu besuchen. Im Greisenalter zeichnet ihn sein König aus, um die vielfachen Verdienste zu würdigen, die er besonders in seiner Eigenschaft als Präsident des römischen Comit^'s der Alliance israet. universelle sich erworben hat. Armenien. Wir haben unlängst von judaisirenden Russen berichtet, welche man Sobotniks zu nennen pflegt. Ein Correspondent des „Temps" auf dem asiatischen Kriegsschauplatz hat nun daselbst eine kleine Bevölkerung aufgefunden, welche ebenfalls jüdische Traditionen bewahren. Sie wohnen in dem Dorfe Elenofka, an einer Bucht des Gokla-See's. „Dieses Dorf, sagt der Correspondent, ist von russischen Sektirern bewohnt, welche vertrieben wurden, und die man Molokans zu nennen pflegt, obwohl mit Unrecht, insofern, als man diesen Namen auf verschiedene Bekenntnisse anwendet. Die Molokans sind im Grunde Protestanten. Die unschuldige Seele hat in Genf einen sonderbaren Katechismus veröffentlicht. Sie geht weiter als der Protestantismus, indem sie das Abendmahl verwirft. Die Molokans, welche keine Prie- *) Das gut gebundene Buch ist für 5 Mark durch jede Buchhandlung zu beziehen; ebenso wird es für diesen Preis franco versandt durch die: „Expedition des kausm. Unterrichts-Institutes zu Magdeburg." ster haben, welche ehrlich, arbeitsam und wohlunterrichtet sind, übertreffen an Zahl die anderen russischen Secten, welche nach dem Kaukasus deportirt sind, und man ist gewohnt, alle diese Secten unter ein und demselben Namen zu bezeichnen. Aber Elenofka ist von Judaisirenden bewohnt, deren Lehre in einer Art Judenthum besteht, obwohl sie von streng slavischer Race sind, und äußerlich nichts von jüdischem Typus zeigen. Sie verleugnen die Gottheit Christi. Der Doktor fragte den Schiffspatron, welcher mit seinen Leuten uns nach der Insel Sevanga fuhr, warum man nach seiner Religion Sonnabend feierte und nicht Sonntag. Dies kommt daher, weil Gott gesagt hat: „Du sollst sechs Tage arbeiten, und den Siebenten sollst Du ruhen." Aber der Sonntag ist der siebente Tag der Woche! Rechnet einmal: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonnabend, 6 Tage; Sonntag der Siebente. O, Verzeihung! In den anderen Religionen feiert man Sonntag zum Andenken an die Auferstehung Christi, der für Gottes Sohn gehalten wird, und in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag auferstanden ist. Aber nehmen wir das neue Testament wörtlich, wenn es sagt, daß I. Chr. am ersten Tag der Woche auferstanden ist, und zählen wir jetzt: Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Sonnabend, — sieben. Sie sehen wie ganz einfach es ist." (Arch. Jsr.) Jerusalem, 12. Marcheschwan. (Or.-Corr.) Am vorigen Montag, dem Todestage des Herrn Joseph Hirsch, s. A., versammelten sich die Bewohner der Asylhäuser auf dem Berge Zion, für deren Erbauung der Verblichene viel gethan, und von denen er auf seine Kosten einige hergestellt hatte, — zusammen mit einigen anderen Gelehrten der Stadt, etwa dreißig Personen, im Hause des Herrn Selig Hausdorf. Nachdem man in üblicher Weise Mischnah gelernt und die Gebete gesprochen, hielt der wohlbekannte Redner Rabbi Elia Sarasohn einen eben so schönen als ergreifenden Vortrag über den Inhalt des Wochenabschnittes, in dem er erläuterte, wie der edle Verstorbene manche von den Eigenschaften unseres Stammvaters Abraham beseffen habe. So habe der Redner es erkannt, als er in dem Hause des Verstorbenen in Halbe r st a d t einige Zeit verweilte. Hieran schloß ein Mitglied des Comit6's der Asylhäuser eine Gedächtnißrede auf den verstorbenen Herrn Süskind Hirsch. Panama. Ein Correspondent des „Jew. Mess " schreibt: „Zu meiner Freude kann ich Ihnen melden, daß unsere Gemeinde an Zahl wächst. Während der Feiertage wurden die Gebete wie gewöhnlich in der Wohnung des dänischen Viceconsuls Herrn E. Pyke, abgehalten. Es waren unserer ungefähr 40, Damen und Herren, dazu eine ziemliche Anzahl Kinder. Unser Cantor Herr Martinez, welcher bei allen Gelegenheiten freiwillig seine Dienste widmet, verrichtete das Gebet zu unser aller Befriedigung. An Jom Kippur trug er alle Gebete vor, dazu hielt er noch eine für den Tag passende Predigt. Als Herr Martinez den letzten Gottesdienst am Versöhnungstage begann, wurde die Gemeinde sehr überrascht, als ein kleiner Knabe des Herrn S. L. Landsburgh dem Vorbeter ein Schofar für den Gebrauch der Gemeinde überreichte. Es war beabsichtigt gewesen, es am Rosch Haschanah zu gebrauchen, doch kam es erst einige Tage später an. Daher war unsere Ueberraschung groß. Am Schluß des Versöhnungstages wurde denn auch die Tekiah geblasen, und es ist das erste Mal, daß der Schall des Schofar in diesem Theile der Welt gehört wird. Wir bedürfen nun nur noch eines Sepher, welches wir ohne Zweifel bald bekommen werden. Die Art und Weise, wie Alles geführt worden ist, fand den Beifall unserer kleinen Gemeinde, u. ich kann mit Vergnügen versichern, daß wir es in der genauen Beobachtung unserer heiligen Religion mit manchen größeren und begünstigteren Städten aufnehmen können. Die Vorsteher der Gemeinde Scheerith Israel verdienen großes Lob für ihren unernlüdlichen Eifer. Die Chebra wurde vor ungefähr 18 Monaten gegründet, und sie konnte schon ein Gltter um den Friedhof errichten und darin ein Haus mit allem Zubehör bauen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.