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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-11-14 · N° 46. (14.11.1877) · p. Seite 361

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 46. (14.11.1877)
Date
1877-11-14
Page
Seite 361 (sequence 5)
Language
German
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361 — l orb* n Reereicht Kch- ^rage, r Lage ss der!«lung >i- An- Scht, rbbinen Grund cd, beneue daß ich neuen in am emitedakismit-!ge auch erste nthielt, 17. eindigung, nehmen. Lüge , und nur zu- , ihre chhabe ihrem etwaige , den ihres liniren Haupt, sollte gegen eine erallner. m 21. nach das halten. nijßon wurde durchihrem!l An- .K «n, fonn, , Mch D Bttligung' (W Begehren gar keine Antwort! Späterhin indeß sagten sie, daß sie auf der Suche nach einem — Kinde seien. An dem erwähnten Tage nämlich kam ein Porksalmaer Weib nach Györtelek, um Bretter einzukaufen und brachte ein etwa jähriges Knäblein mit sich. Während sich die Mutter auf dem Platze umthat, verschwand der Knabe, den sie auf dem Wagen zurückgelassen hatte. Die Mutter tief nun jammernd umher, um ihr verlorenes Kind zu suchen! Die Juden hätten Feiertag und zu solcher Zeit bedürfen sie des Blutes. Diese hätten das Kind gestohlen. Der weise Mann ging auch zum Richter und forderte ihn auf, eine Durchsuchung der jüdischen Häuser vornehmen zu laßen. Der Richter war krank und er schickte daher einen Stellvertreter mit dem im Eingänge Erwähnten. Die jüdischen Häuser wurden nun der Reihe nach durchsucht. Die Betten wurden auseindergeworfen, die Rauchfänge, Oefen durchsucht, ja sogar — die Töpfe. Natürlich ohne Resultat. Da an demselben Tage die Untersuchung nicht beendigt werden konnte, sollte dieselbe am darauffolgenden Tage fortgesetzt werden. Mittlerweile jedoch kam das Knäblein in Görgeny zum Vorschetn, wohin es ein Bauer, der es auf dem Felde umherirrend gefunden, mitgenommen hatte. — Es ist ein Scandal, bemerkt mit Recht der Correspondent, daß ein Gemeindevorsteher, der doch dem Aberglauben entgegenwirken sollte selber dazu beiträgt, den Unsinn im Volke zu verbreiten." Großbritannien. London. Kürzlich wurde hier eme neue israelitische Religionsschule in einem der entlegeneren Stadttheile eröffnet. Die eigentliche Einweihungsrede hielt Dr. Artom, Rabbiner der portugiesischen Gemeinde; dann erhob sich Serjeant Simon, Parlamentsmitglied, und hielt eine Ansprache, aus der wir einige Sätze mittheilen. Von dem Werthe des hebräischen Unterrichtes redend bemerkte er: „Es sei ein Hochgefühl für den Juden, zeigen zu können, daß, ungeachtet der schmählichen Verfolgungen, unter denen seine Brüder so lange geseufzt hätten, und dem tief eingewurzelten Borurtheil, welches auf ihnen gelastet, ihre edle und heldenmüthige Haltung, die Bewunderung Aller erregt habe. Ungeachtet aller ihrer Leiden hätten sie der Welt ein edles Beispiel von Beharrlichkeit und Standhaftigkeit gegeben, und dies geschah darum, weil sie tief aus dem Born des Glaubens getrunken hatten. Jetzt, da wir in glücklicheren Zeiten leben und vollständige Glaubensfreiheit genießen, ist es nm so wesentlicher für uns, eine gute Kenntniß unserer Religion zu besitzen. Wir sollten die uns gewordene Freiheit benutzen, um zu zeigen, daß unsere Religion nicht blos aus Dogmen und Formeln bestehe; wir sollten der Welt zeigen, daß unser Glaube an den einzigen Gott für alle Menschen bestimmt sei. Was nun das Hebräische anbetrifft, so habe man wohl gemeint, daß unsere Gebete in der Synagoge in's Englische übersetzt werden sollten. Er sei allerdings der Meinung, daß unsere Liturgie mancher Veränderung bedürfe, aber er würde immer aufs Strengste dagegen sein, daß unser Gottesdienst in einer anderen Sprache als in der hebräschen Sprache gehalten würde. Unsere Religion sei ein und dieselbe für die Juden in allen Theilen der Welt. Wir könnten nicht ein Judenthum für England, eins für Frankreich, eins für Deutschland gebrauchen; die Kenntniß des Hebräischen sei ein Vorrecht, welches jeder Israelit besitzen solle, und Niemand habe ein Recht, ihn desselben zu berauben. Wir stünden in diesem Punkt über allen Glaubensbekenntnissen, welche in so viele verschiedene Sekten gespalten seien. Er sage dies nicht aus Geringschätzung gegen seine nichtjüdischen Freunde; aber wenn ein Christ, der regelmäßig eine und dieselbe Kirche zu besuchen psiege, die Stadt verlasse und in eine andere Kirche 'trete, so befinde er sich aus fremdem Boden. Nicht so bei den Juden; wohin wir auch komnlen, können wir das „Schma" in unserer eigenen heiligen Sprache sprechen. Es sei eine hohe Pflicht, die Sprache zu verstehen, in welcher das Schma und die Amidah (Schmone Esre bei^uns genannt) geschrieben sind. Dies seien keine individuellen Gebete, sondern große allgemeine Gebete, welche alle Söhne und Töchter Jsrael's Gott Vorbringen können, wenn sie in eine Synagoge treten, in welchem Theile der Welt sie sich auch befinden. Die Kenntniß der heiligen Sprache sei auch eine Schutzwehr gegen die Angriffe der Bekehrer. Wenn ein Jude von einem dieser liebenswürdigen Herren angegriffen würde, so sei die Stellung, die ihm einzunehmen gezieme, die des Lehrers. Vor einiger Zeit habe man ihn aufgefordert an einer religiösen Controverse theilzunehmen, aber die erste Frage, welche er an den Gegner richtete, war: „Verstehen sie hebräisch?" und auf die verneinende Antwort habe er es abgelehnt mit ihm zu dispntiren, denn ein Jude erkenne keinerlei Uebersetzung an. Ueberdies seien wir die ursprünglichen Lehrer der Christen in religiösen Dingen und ihnen daher für unseren Glauben nicht verantwortlich. Sobald wir uns Herbeilaffen mit einem Christen zu disputiren, so verlassen wir das große anoertraute Gut, welches uns von dem Schöpfer übertragen worden ist. Unsere Stellung sei die des Lehrers, und diese erlaube uns nicht auf Disput mit ihnen einzugehen." — Hieran knüpfte der Redner noch einige Bemerkungen über den grammatikalischen Unterricht und über die richtige Bekanntschaft mit den Religionslehren. Wir haben erst unlängst berichtet, wie ein anderer, auf der Stufenleiter des Staatsdienstes, sehr hochgestellter englischer Jude, der Master of the Rolls, Sir George Jessel, der jüdischen Religion eine praktische Huldigung in der Synagoge dargebracht hat. Hier berichteten wir die eben so erhebenden, wie gediegenen Worte seines Collegen im Parlamente und im juristischen Staatsdienste. Immer wieder drängt sich dabei die niederschlagende Bemerkung auf, daß wir in Deutschland auf nichts Aehnliches hinzuweisen haben! Worte, den vorhin angeführten ähnlich, spricht in Deutschland ein Rabbiner u. s. w. auch wohl ein Privatmann oder — ein Christ, welcher tiefer eingedrungen und vorurtheilsfrei ist. Dagegen brechen, meist die Juden, welche in den engeren Staatsdienst treten, gewöhnlich schon auf der untersten Stufe desselben, jede Verbindung und Beziehung mit der Religion ab. Theilnähme am öffentlichen Gottesdienst ist unter ihrer Würde, und ein eintreten für das Judenthum kennen sie nur dann, wenn sie persönlich m i t angegriffen werden. Da aber bedürfen wir ihrer zu unserer Vertheidigung längst nicht mehr. Darum sind alle derartige Fortschritte in Deutschland für die Betreffenden recht erfreulich, das Judenthum aber hat davon gar keinen Nutzen —- immer abgesehen von einzelnen rühmlichen Ausnahmen. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Wir glauben den zahlreichen, dem Kaufmanns¬ oder Lehrerstande angehörenden Lesern ds. Blattes einen Gefallen zu erweisen, wenn wir an dieser Stelle ihre Aufmerksamkeit auf das im Jnseratentheil angekündigte, jüngst erschienene Buch des durch sein erstes und bedeutendstes „kaufmännisches Unterrichts-Jnuitut" weithin als tüchtig bekannten Lehrers der Handelswiffeuschaft, Hrn. Ferdinand Simon, lenken. Es führt den Titel: Gründliche Unterweisung in der Buchführung. Die sachkundige Kritik hat sich einstimmig dahin ausgesprochen, daß dieses Buch unter allen ähnlichen einen hervorragenden Platz einnimmt, u.daß es durch die Klarheit der Darstellung und durch die Einfachheit der Methode, mit der die verwickeltsten kaufmännischen Fragen darin gelöst werden, sowie besonders durch die Vermeidung von allzuvielen theoretischen, meist unpraktischen Regeln und Anweisungen, unstreitig eines der vortrefflichsten Lehrbücher auf diesem Gebiete sei. Die mit Lob und Anerkennung nicht sehr freigiebige „Magd. Zeitung" kann nicht umhin, über dieses den „Äeltesten der Magdeburger Kaufmannschaft" gewidmete Buch Folgendes im redactionellen Theile zu schreiben: „Ein Hauptvorzug des Buches liegt darin, daß in demselben die Theorie so innig mit der Praxis verbunden ist, wie bisher noch in keinem ähnlichen Lehrbuch, derart, daß Alles, was im Buche gelehrt ist, auch sofort praktisch veranschaulicht wird. Neu ist ferner die prak-

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