Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 45. (7.11.1877)
- Date
- 1877-11-07
- Page
- Seite 351 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Abnahme h'r jür-i’^en Theologie. Der Verfasser des in Eingang tiwäbine i Aussatzes in der „Jüd. Pr." weist hin auf die innerhalb v>er deuischen Jildenheit daraus hervorgegangcnen schrassen Parteikämpfe, und schiebt die ganze Schuld auf die Reformer, aber die Erfahrung lehrt uns, das; der Fanalismtts beider sich schroff gegenüberstehenden Parteien gleichen Antheil hat. Indem ich vorläufig die N ichsorsch.lugen über die Abnahme des jüd.-theologischen Studiums in Delttfchland hiermit schließe, sei noch bemerkt, daß ich mich nicht von einer Theilnahme für irgend eine Partei leiten ließ, sondern die bittern Erfahrungen, die das Herz eines jeden das Judenthum Hochschätzenden mit Schmerz erfüllen, in objectiver Schilderung der Oeffentlichkeit vorführe. Aus genauer Prüfung der vorgetragenen Mißstände lassen sich nicht schwer Mittel und Wege finden, junge Leute zum Studium der Theologie heranzuziehen. Man mache nicht die Hauptsache zur Nebensache und umgekehrt, man lege nicht den Schwerpunkt auf die E i n r i ch t u n g e n in der Synagoge, man betrachte nicht jede Veränderung als Reform; man sorge mehr für die Ehre der Thora, man unterstütze junge Männer, die sich der Thora widmen; man verdamme keinen jungen Mann, der nicht ganz nach dem Sinne der Peruschim lebt. Man richte sich nach der Ansicht des „Midrasch Schmuel" zur letzten Mischna von Aboth, der da sagt: „Da es nicht möglich ist, daß alle Menschen alle Mizwos thun, deshalb hat Gott viele Mizwos gegeben, damit sie sich vertheilen, der eine thut diese, der andere eine andere Mizwah und Alle sind vor Gott gleich." Keiner sage, meine Leistungen sind größer als die meines Nächsten, es ehre ein jeder den andern, dann wird das Parteiwesen aufhören und die Liebe zur Thora wieder erweckt werden. Den Anfang dazu müsien diejenigen machen, die sich allein für die Frommen halten. Sitzung» beriet der am 2. und 3. Oktober 1877 in Breslau abgehaltenen Versammlung jüdischer Religionslehrer Schlesiens u. Posens. (Schluß) Die Sitzung wird um 3 Uhr wieder eröffnet. — In Fortsetzung der Discussion über die an das Unlerrichtsgesetz zu stellenden Desiderieu wird eine fernere These deS Ref. in folgender Modification angenommen: 3) An den Lehrerseminarien für Lehrer und Lehrerinnen ist jüdische Religion Lehr- und Prüsungsgegenstaud. — Die vierte These des Referenten lautet: Zu den Mitgliedern der königl. wiffenfchaftllchen Prüfungscommissionen muß jedesmal auch ein theologisch gebildeter Jude gehören, damit, so lange dies vou christlichen Examinanden gefordert wird, auch die jüdischen Candidaten in der Religion eine Prüfung für das Zeugniß über erlangte allgemeine Bildung ablegen. — Auch diese These wird angenommen. — Nachdem der Ref. noch einmal hervorgehoben, daß die in diesen Thesen angegebenen Gesichtspunkte nicht etwa alle unumgänglich nothwendige Forderungen seien, ohne die ein Ges. abgelehnt werden müßte, sondern nur die Grenzen angeben sollen, innnerhalb deren die Beurtheilung des erwarteten Gesetzentwurfs auf jüd. Seite sich zu bemegeu habe, wird dieser Punkt der Tagesordnung für erledigt erklärt, und Cohn-Kattowitz erhält das Wort zu feinem Referat über „Gymnasium und Religionsschule." Redner erklärt, daß zur Wahl seiues Themas die hier und da laut gewordene Meinung ihn bestimmt habe, als feien Diejenigen, welche die Aufnahme des Unterrichts in jüd. Religion unter die obligatorischen Lehrgegenstände der höheren Schulen anstreblen, Gegner der sog. Religionsschnlen. Er erklärt diese Meinung für ein unseliges Mißverständuiß und glaubt im Sinne aller Eollegeu die Erklärung abg-ben zu dürfen, daß die ReligionSschule auch »ach Erreichung des Ziels der Petenten ihre hohe Ausgabe, die Vorbereitung der jungen Gemeiudeangehörigur für den israelitischen Cnltns ungeschmälert behalten »nid der Erfüllung derselben um so ungestörter obliegen werde. Dagegen werde erst durch den Unterricht an den höheren Lehranstalten dem längst empfundenen Bedürfnis; genügt werden können, dem gebildeteren Theile der Judenheit einen der jedesmaligen Bildungsstufe entsprechenderen wissenschaftlichen Unterricht in gesonderten Klaffen zu gewähren. In ähnlichem Sinne äußern sich Heckscher Ratibor, Liebermann-Brieg, Samuelsohn und Badt-Breslau. Eine Resolution des Letzteren, welche es für wünschenswerth erklärt, „daß die höhere und die Religionsschule durch einen einheitlichen Lehrplan sich gegenseitig in die Hände arbeiten", wird angenommen. Auf den Vorschlag von Horowitz-Gnesen wird für die nächste Versammlung dre Verlegung des Entwurfs eines solchen Lehrplans beschlossen und zu Referenten die Herren Samuelsohn, Bäck und Badt bestimmt. Es referirt darauf 0r. Cohn-Oels über Lehrbücher. Der Redner glaubt auf die Beurtheilung der einzelnen für den an höheren Lehranstalten noch jungen Unterricht theils mehr, theils minder geeigneten Lehrbücher nicht näher eingehen zu dürfen, weil die Ansichten der Einzelnen über dieselben schwerlich ganz in Einklang zu bringen sein dürften. Trotzdem glaube er eindringlichst im Interesse der einheitlichen Gestaltung des Unterrichts an gleichartigen Lehranstalten eine einheitliche Wahl der Lehrbücher bezw. der Leitfaden empfehlen zu müsien. Er setzt den Nutzen einer solchen Einrichtung auseinander. Um aber der Gefahr zu entgehen, daß durch die Staatsbehörde, die ja der Natur der Sache nach nicht immer selbst sachverständig sei, auf Grund eines einseitigen Referats die Benutzung sonst zweckdienlicher Bücher untersagt werde, empfehle sich die Schaffung einer Autorität, deren Votum den Behördengegenüber ein maßgebendes werde. Eine an diesenPunkt anknüpfende Besprechung des bekannten, auf das Buch von Herxheimer bezüglichen Leobschützer Vorganges beweist, daß der Redner mit Recht von der Beurtheilung der Lehrbücher vorläufig abgesehen hat. Es tritt besonders Wiener-Oppeln mit warmen Worten für das angegriffene Buch ein, während von einem andern Mitgliede der Vers, der Nachweis der Berechtigung des regierungsseitigen Verfahrens unternommen wird unter Hinweis auf einen in diesem Buche enthaltenen Passus, durch welchen den jedesmaligen Rabbinen Befugnisse eingeräumt werden, die mit Lehren des Judenthums unverträglich seien. Nachdem noch andere Lehrbücher erwähnt worden, beschließt die Vers, auf Antrag von Brann-Breslau die Wahl einer Commission, welche nach Prüfung der vorhandenen Lehrbücher der jüd. Religion und Geschichte der nächsten Vers, über dieselben Bericht erstatte. Außer dem Referenten wird der Antragsteller mit diesem Amte betraut. Wegen vorgerückter Zeit beschließt die Vers., das Referat über die Simultanschule, das der letzte Gegenstand der heutigen Tagesordnung sein sollte, auf die nächste Versammlung zu verschieben. Es folgte allerlei Geschäftliches. Die bisherigen Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses Badt-Breslau, Cohn- Kattowitz, Cohn-Oels, Horowitz-Gnesen und Rosenthal-Beuthen (letzterer war durch unaufschiebbare Amtsgeschäfte an der Vers, theilzunehmen behindert) werden wiedergewählt. Der Antrag Di*. Samuelsohns, für künftige Versammlungen die Zeit der Pfingstferien in Aussicht zu nehmen, wird acceptirt. — Brann- Breslau beantragt als Noriu für künftige Versammlungen, daß die Referenten die Resultate ihres beabsichtigten Referats, in kurze Thesen zusammengefaßt, so zeitig dem Vorsitzenden des Comitss zustellen, daß sie mindestens 14 Tage vor der Zusammenkunft den Theilnehmern der Versammlung mitgetheilt werden können. — Abänderungsanträge zu diesen Thesen