Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 44. (31.10.1877)
- Date
- 1877-10-31
- Page
- Seite 346 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 346 — fraglichen Schreibens persönlich zu überzeugen, forderte ich diesen zu einer Zusammenkunft auf, deren Resultat Sie später erfahren sollen. Prof. Dr. Oppert aus Paris, der während der verflossenen Feiertage ein fleißiger Besucher der hiesigen Synagoge war, theilte mir mit, daß er nächstens eine größere Abhandlung über die Chronologie der Genesis veröffentlichen werde. Er wolle nämlich hauptsächlich Nachweisen, wie diese mit der babylonischen Zeitrechnung in vielen Stücken übereinstimme. Der jüngste Band des Quarterly Review bringt unter der Aufschrift: Moses, ein Gelehrter, einen wiffenschaftlichen Artikel über die mosaische Auffaffung und Darstellung der Schöpfungsgeschichte. Es wird darin auf eine frappante Weise nachgewiesen, daß die neuesten Entdeckungen auf dem Gebiete der Cosmogonie die biblische Anschauung von der Schöpfung nicht allein nicht verwerfen, sondern diese sogar noch befürworten und unterstützen. Wenn Sie es gestatten, gebe ich Ihnen gelegentlich einen Auszug aus dieser, für den Bibelforscher wichtigen Abhandlung. (Vielleicht für's „Literaturbl.?" Vermischte und neueste Nachrichten. Breslau. (Or.-Corr.) Dem Fragesteller aus vor. Nr. diene zur Antwort, daß der Magistrat ganz correkt gehandelt, da nur die „ordentlichen" Lehrer und in manchen Städten (wie z. B. hier) auch nur an d e n Anstalten, an welchen sie selbst unterrichten, vom Schulgeldzahlen frei sind. *** Frankfurt a M, 24. October. Bei der in der letzken Vorstandssitzung der „Achawa" vorgenommenen definitiven Vertheilung der Jahresunterstützungen bezifferte sich eine Quote auf M k. 13 5. Unter 30 Pensionäre mit zusammen 431/a Theilen wurde die Summe von M k. 5 8 7 2.5 0 verlheilt. — Aus dem bald im Druck erscheinenden Jahresbericht werden die näheren Einzelheiten ersichtlich werden. Aus Oberschlesien. (Ein jüdischerRabbialsVegetarinner.) Vor drei Wochen starb in Groß-Strehlitz der ehemalige Rabbiner unserer Nachbarstadt Pleß, Hirsch Guttmann, in dem seltenen Atter von 108 Jahren. Länger als ein halbes Jahrhundert wirkte er in P l e ß als Seelsorger seiner Gemeinde, und erst vor 5 Jahren, als die mit dem äußersten Greiienalter sich einstellende Körperschwäche ihn an der Ausübung seines Berufes gänzlich hinderte, trat er vom Platze und zog, der Wartung und Pflege bedürftig, mit einer Pension von m o n a t l i ch 8 T h a l e r n, zu seiner Tochter nach Groß-Strehlitz. Mehr als sechzig Jahre war er alt, — aber noch gesund und lebenskräftig — als er sich die absonderliche Buße auferlegte, fortan keinerlei Fleisch oder Fleischspeisen zu genießen. Mehr als einmal, besonders in den letzten Jahren, wo die zunehmende Abnahme seiner Kräfte nach Aussage der Aerzte eine stärkende Fleischnahrung zur unabweisbaren Nothwendigkeit für ihn machte, trat von Seiten seiner zärtlich besorgten Umgebung die Bitte an ihn heran, das Gelübde endlich zu brechen, — er aber blieb standhaft bei seinem Gelübde. Als vor etwa 10 Jahren Se. Majestät der Kaiser Wilhelm zum Besuch des Fürsten in Pleß war, war es Guttmanns sehnlichster Wunsch, bei Sr. Majestät vorgelassen zu werden. Ec wollte den Segen über ein gekröntes Haupt sprechen, weil dies ein Gott wohlgefälliges Werk sei, und trug seine Bitte dem Fürsten von Pleß vor. Dieser verschaffte ihm auch wirklich die Audienz und stellte ihn seinem erlauchten Gaste vor. Gerührt von der Würde des Greises ließ der Kaiser, damaliger König, sich von ihm segnen und unterhielt sich huldvoll mit ihm. Dieses Begegniß bewahrte Guttmann als ein werthvolles Andenken alle Zeit hindurch. Stargard i. Pom. In hiesiger Synagoge ist ein Einbruch verübt worden. Die Diebe haben jedoch nichts weiter entwendet, als ein Paar Alsenide-Leuchter, welche sie wohl für echt gehalten haben, und eine silberne Hand. Sondershausen. Der Collaborator an der hiesigen Realschule, Moses Goldschmidt, ist zum Oberlehrer ernannt worden. Da auch der Rabbiner Heidenheim als Rector ebendaselbst angestellt ist, so wirken an dieser Schule zwei Israeliten. Die fürstliche Regierung gewährt auch schon seit vielen Jahrenen Beitrag zu den Cultuskosten der jüdischen Gemeinde. Diedenhofen (Thionville). Am 29. Sept. hat die feierliche Wiederöffnung der restaurirten (bei der Belagerung beschädigten?) Synagoge stattgefunden. Sowohl die ganze Gemeinde, wie viele Glaubensgenossen von nah und fern und zahlreiche Mitbürger anderer Coufessionen haben sich an dem Feste betheiligt. Zu den damit verbundenen, am folgenden Tage (Sonntag) abgehaltenen Festlichkeiten weltlicherer Natur hatte der Magistrat ein städtisches Festlokal eingeräumt, auch hatte die Stadt zu den Kosten des Baues beigetragen. Das Fest hat auf die Bevölkerung den besten Eindruck gemacht, und die seit längerer Zeit gespaltene Gemeinde (Eingeborene und aus Deutschland Eingewanderte?) erfreut sich nunmehr des besten Einvernehmens. (Uu. Jsr.) Wie». Der auf jüd.-literarischem und pädagogischem Gebiete so unermüdlich fleißige Prof. Dr. G. Wolf tritt in den wohlverdienten Ruhestaud. Bei dieser Gelegenheit wurde demselben vom hiesigen Vorstande (W. wirkte als Religionslehrer an der Gemeinde-Religionsschule) eine Anerkennungsadreffe nebst einem Ehrengeschenk (silbernes Schreibzeug) überreicht; auch das Lehrercollegium der Religionsschule ehrte den aus dem Amte Scheidenden durch Ueberreichung einer seine zahlreichen Verdienste würdigenden Adreffe. Wir wünschen und hoffen, daß der Emeritus und bene wörltus dis gewonnene Muße noch lange der jüd. Literatur widmen möge. Bukarest. Der Vater des, wie berichtet, unlängst zum Offizier ernannten rumänischen Israeliten, Mauriciu Brociner (Freiwilliger), hat von dem Obersten Jpatesco folgenden Brief erhalten: Plewna, 5. (17.) September. Mein Herr! Auf Ihren Brief vom 29. v. M. beeile ich mich zu antworten, um Sie zu beruhigen. Ihr Sohn Mauriciu ist zum Unter-Lieutenant in der Miliz ernannt; nichtsdestoweniger ist er, um für seine gute Haltung und seinen Muth in der Schlacht am 30. August belohnt zu werden, zur Decorirung als Ritter des „Rumänischen SternenOrdens" empfohlen worden, und wird in den Cadres der stehenden Armee mit seinem Grade, d. h. als Offizier des 8. Linien-Regiments, in dem er als Freiwilliger gedient hat, fortgeführt werden. Augenblicklich befindet sich Ihr Sohn in der Anrbulanz des rothen Kreuzes zu Jaffy, indem er am Fuße leicht verwundet ist. Die Wunde ist, nach der Erklärung der Aerzte und insbesondere nach der des vr. Cocciu, Ihres Glaubensgenossen, ungefährlich und braucht Sie durchaus nicht zu beunruhigen. In zwei oder höchstens drei Wochen wird ^r im Stande sein, seinen Dienst bei der Truppe wieder ausznnehmen. Empfangen Sie rc. rc. gez.: Oberst Jpatesko, Commandanl der 1. Brigade der 3. Division. Brüssel. Der hiesige jüd. Bankier H. Oppenheim wurde, wie der „Wien. Jsr." berichtet, vor einigen Tagen bewußtlos in seinem Arbeitszimmer aufgefunden und ist seitdem — wahnsinnig. Algerien. Die diesjährige Volkszählung ergiebt: 197,341 Franzosen. 2,478.977 Türken, 33.496 Israeliten und 159,161 Ausländer (worunter ebenfalls viele Juden). Jerusalem. Am 12. Tischri wurde der Todestag der Frau Elise von Lämel in der von ihr vor jetzt 20 Jahren begründeten Schule begangen. Die portugiesischen Rabbiner, an ihrer Spitze der Chacham-Baschi, sowie der österreichische