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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-10-31 · N° 44. (31.10.1877) · p. Seite 345

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 44. (31.10.1877)
Date
1877-10-31
Page
Seite 345 (sequence 5)
Language
German
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— 345 selbstverständlich auch diesem kaiserlichen Befehl Folge leistete.*) Da hier dem Rabbiner seine geistliche Stellung auf die offiziellste Weise zugesprocheu wurde, so werden hoffentlich die Rabbiner sich nicht mehr über eine Zurücksetzung gegen die chr. Geistlichen zu beklagen haben. (Siehe „Cöln".) Frankfurt a. M- Die jüngste Rothschild-Hochzeit hat einen noblen Abschluß gesunden. Außer einem Geschenke von 300,000 Mark au die israelitische Religionsgesellschaft hat die Familie des Herrn W. v. Rothschild noch 250,000 Mark gestiftet, aus deren Zinsen Reise-Stipendien an Lehrlinge und Gesellen des Kunsthandwerks und Besoldungen von Lehrern an kunstgewerblichen Schulen rc. gegeben werden sollen. Die Stiftung wurde der Stadt Franksurt beziehungsweise der Verwaltung unterstellt. L. Creutzburg, Ob.-Schl., 21. Oct. (Or.-Corr.) Unsere Stadt feierte am 18. d. M. ein erhebendes Fest, die Eint weihung eines neuen Gymnasial-Gebäudes. Die Häuser wa- > ren festlich geschmückt. Um 11 Uhr begab sich ein imposanter Zug mit Musikbegleitung vom allen Schulhause nach kurzer Abschiedsfeierlichkeit in das neue Gebäude, in dessen stattlicher Aula geistvolle und erhebende Reden gehalten wurden. Was uns aber drängt, dieser Feier hier, in ihrem Blatte, zu gedenken, ist der Umstand, daß einer unserer Glaubensgenossen, Herr Commercienrath Simon Cohn, ehemaliger Bürger unserer Stadt, gegenwärtig in Berlin lebend, durch seltene Generosität den Bau gefördert, ja ihn erst ermöglicht hat. Er war es, der den Bauplatz rm Werlhe von 9000 Mark hergegeben und dann die Hälfte der Bau- und Einrichtungskosten im Betrage von 75,000 Mark getragen hat. Er krönte endlich seirr Werk noch, indem er am Einweihungstage ein Capital von 10,000 Mark dem Gymnasium vermachte, dessen Zinsen als Stipendien für arme, fleißige Schüler, ohne Unterschied des Glaubens, verwendet werden sollen. Diese großartige Freigebigkeit verdient es wohl, daß der Name Simon Cohn zum ewigen Andenken am Gebäude angebracht wordeit ist. In vergoldeten Lettern prangt nämlichhoch obenan der Fa^ade des schönen Bauwerkes die Inschrift: „Gymnasiuut Städltscher und Simon Cohn'scher Stiftung." Auch die Anerkennung Sr. Majestäl des Kaisers ward dem Wohlihäter zu Theil, indem ihm im Beisein der zahlreichen Festoersammlung in der Aula der rothe Adler-Orden 4. Classe verliehen wurde. Auch beim Festessen wurde von hohen Personen rühmend der vielfachen Verdienste dieses Mannes um unsere Stadt gedacht, der mehrmals im Jahre namhafte Suinmen für die Armen, ohne Unterschied der Confesfion, spendet. IDT IfiiDD Oesterreich-Ungarn. Pest. (Audienz der isr. Seminarkommission.) Se. Majestät der König empfing heute Vormittags 10 Uhr eine aus dem Präsidium der israelitischen Landeskanzlei, den Mitgliedern der Seminarkommission und den israelitischen Distrikspräsidenten. Herr Rabbiner Dr. K o h n bat zuvöderst um die Gnade, mit bedecktem Haupte den üblichen hebr. Segensspruch sprechen zu dürfen, was Se. Majestät auch gestattete und mach erfolgter ung. Uebersetzung seinen Dank aussprach. Hierauf hielt vr. Cohn im Namen der Deputation folgende Ansprache: „Kaiserliche und apost. königl. Majestät! Allergnädigster Herr! Die Präsidenten der israelitischen Gemeindedistrikte Ungars und die ständige Kontmission der Lan' des-Rabbinerschule legen in tiefster Verehrung den heiligen Tribut ihres wärmsten Dankes an den Stufen des glorreichen Thrones Ew. Majestät nieder. Die volksbeglückende Regierung Ew. Majestät brachte der vaterländischen Judenschaft, worauf dieselbe Jahrhunderte schmachtend gewartet: die E m a n z ipation, und jetzt, als würdige Ergänzung derselben, die Landes-Rabbinerschule. Die Geschichte unserer Kon- *) sollen sogleich der Schmähsucht eines bekannten Blattes »n-*unb .coustatiren, daß der Rabbiner die Speisegesetze bei dlesem Festesten mcht verletzt hat. (Red.) 8 fesfion wird als den eigentlichen Gründer dieser epochalen Anstalt den glorreichen Namen Ew. Majestät für ewige Zetten verzeichnen und verehren. Die von uns gehegten Gefühle des Dankes und der Freude könnte nur noch Das vermehren, wenn Ew. Majestät unsere Landes-Rabbienerschule mit dem allerhöchsten Besuche zu beehren geruhen würden. Wir beten heute, wie immerdar, mit den heiligen Psalmworten : „Allmächtiger! Verlängere die Tage unseres Königs und seine Jahre viele Generationen hindurch! Er möge lange auf seinem glorreichen Throne sitzen! Sende Deine Huld und Gnade, auf daß sie Ihn beschützen!" Begeisterte „Lljen"-Rufe der Anwesenden folgten diesen Worten, worauf Se. Majestät ungefähr Folgendes erwiderte: „Ich bin von der homagialen Treue und dem Patriotismus der Israeliten in Ungarn überzeugt, ebenso erwarte ich auch von der eröffneten Anstalt nur Ersprießliches und Nützliches. Ich werde Ihre Anstalt besuchen." . Hierauf wurden von Herrn Martin Schweiger die Mitglieder der Deputation vorgestellt. Mehreren derselben wiirde die Auszeichnung zu Theil, von Se. Aiajestät angesprochen zu werden. — Nachdem Se. Majestät noch über das Seminargebäude, wie über die Anzahl der Schüler eingehende Erkundigungen entzog, wurde die Deputation huldvoll entlassen. Pest. Im Eingang des Leitartikel der vor. Nummer ist gesagt worden, daß mit der Rabbinerschule eine Lehrerpräparandie verbunden sein werde. Da diese Fassung unklar ist, so geben wir den Wortlaut des ersten Absatzes der Statuten, welche „Bestimmung und Umfang der Rabbinerschule" genau definiren: § 1. Die Rabbinerschule hat die Bestimmung: Rabbiner, Religions- und Talmud-Thora-Lehrer heranzubilden und überhaupt zur Aneignung jüdisch-theologischen Wissens Gelegenheit zu bieten. § 2. Die Rabbinerschule besteht: ei) aus einer unteren Abtheilung mit Kjährigem Lehrcurse, an welcher die Schüler ihren gesammten Unterricht erhalten; b) aus einer oberen Abtheilung mit 4jährigem Curse, deren Hörer den Unterricht in sämmtlichen jüdisch-theologischen Disciplinen und deren Hülfswissenschasten an der Rabbinerschule empfangen und zu ihrer weiteren allgemeinen wissenschaftlichen Ausbildung durch den Besuch der Universität Gelegenheit finden. § 3. Der Unterricht an der Rabbinerschule umfaßt: a) das Studium der Bibel, des Talmud, der Ritual-Codices, sowie aller in das Bereich der jüdischen Theologie und jüdischen Wissenschaft gehörigen Disciplinen; b) das zur Begründung einer allgemeinen wissenschaftlichen Bildung nothwendige Studium der classischen Sprachen und der Realien, mit dem Lehrziele des Obergymnasium s Großbritannien. 6b. Belfast, im October. (Or.-Corr.) Daß nicht alle Engländer Seetenfänger sind, als für welche sie in der Regel angesehen werden, sondern daß es auch ehrenwerlhe Ausnahmen unter ihnen giebt, beweist folgender Fall. Vor einigen Tagen erhielt ich ein Schreiben von einem auf dem Lande wohnenden respectablen Irländer, worin er mich ersuchte, ihn in seinem Vorhaben, Jude zu werden, moralisch zu unterstützen. „Nach Jahren reiflicher Ueberlegung," schreibt er, „bin ich endlich zum Entschlüsse gekommen, den einig-einzigen Gott anzubeten, nämlich den Gott, den Sie anbeten und den die Patriarchen angebeten und verehrt haben.Ich habe jede Gemeinschaft mit allen christlichen Kirchen aufgegeben sie sanclioniren die Entheiligung des (biblischen) Sabbaths, und erlauben den Genuß des Schweinefleisches und des Blutes. Ihre Priester haben faktisch nicht die geringste Gottesfurcht, und ich kann mich daher nicht länger von ihnen leiten lassen, da der beste unter ihnen im Jrrthum beharrl. Ich hoffe, daß sie noch zur Einsicht gelangen werden, daß Jesus kein Gott sei, und daß sie Hülfe und Erleuchtung nur beim wahren Gott suchen werden." — Um mich von der Aufrichtigkeit und dem unabänderlichen Willen des Verfassers des #1

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