Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 44. (31.10.1877)
- Date
- 1877-10-31
- Page
- Seite 342 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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f — 342 — schen Gelehrsamkeit, vergriff, um sie zu zerstören; die unwissende Menge schenkte ihm Glauben, und dadurch wurde das Zutrauen zum Seminar erschüttert. Daß nicht sofort viele angesehene Männer für das Seminar auftraten, lag in den Verhältnissen der Zeit. Die Jeschiwaleiter dachten aus diesen Umständen für ihre Jeschiwoth Capital zu schlagen, die edel Denkenden waren eingedenk der Zeit von 1751# (?), wo auch der Zelotismus den größten Mann der Judenheit jener Zeit der Apostasie geziehen, wodurch die Juden in der ganzen Welt in Aufregung versetzt wurden. Es war noch nicht vergeffen, was die bedeutendsten Männer der darauf folgenden Zeit geurtheilt, daß jenes Geschlecht ein NLH TH (voll von Erkenntniß) war, da man in der ganzen jüdischen Geschichte keine Zeit findet, in der die Thora s o verbreitet war, wie in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Dieses erregte in dem großen Neid, und er setzte daher Alles in Bewegung, die nimm Yl2 zu vernichten, was ihm leider auch gelungen ist. (Diese Ansicht habe ich von vielen Gedolim vernommen, einer meiner Lehrer hat sie von dem Schwiegersohn des Gaon von Wilna gehört.) Man wußte noch, was für einen Stoß damals das Thorastudium erlitten, wie mim TD2 zur Erde geworfen und mit Füßen getreten war; daher wagten diejenigen, bei denen die Ehre der Thora hoch stand, nicht den Streit aufzunehmen, um nicht die Flamme des Zankes und Haders wieder auflodern zu laffen. Die Anstalt war noch zu jung, sie hatte noch keine Schüler herangezogen, die sich ihres Lehrers annehmen konnten, um der Welt zu zeigen, wie falsch nnd ungerecht dih Verdächtigungen des Fanatismus seien, und so hatte der 'jl£lP gewonnenes Spiel, sein Zweck wurde erreicht, da jedenfalls Viele vom Thorastudium zurückblieben. Dem großen Lehrer, deffen Streben von Jugend auf dahin ging, min pmö zu sein, wurde die Freude in Trauer verwandelt, seine Kräfte wurden gelähmt, und er verfiel in Unmuth, da man sich erdreistete, ihm ein Glaubensbekenntniß abzufordern. Die Schüler der Anstalt, die anfangs so stolz waren, ihr anzugehören, geriethen in Unruhe und wurden mißmuthig, sich von der unwissenden Menge so verketzert zu sehen, denn jeder eingebildete, sich für fromm haltende Am-Ha-Arez erlaubte sich über die Anstalt den Stab zu brechen. Die Schuld trifft also nicht das Seminar, sondern den Fanatismus und den Zelotismus, die die Anstalt in Mißcredit gebracht haben. Wenn eine solide Firma von Seiten eines im guten Rufe stehenden Hauses in betreff ihres Credits verläumdet wird, so daß viele Geschäftsleute sich von derselben zurückziehen, so trifft der Vorwurf nicht die Firma, sondern denjenigen, der ihren Namen verunglimpft hat. Man kann jenem Eiferer, deffen Wirken für das Judenthum sonst nicht zu verkennen ist, zurufen pOSm *p2tP 82' üK '28 nöfi- II. Wenn ich mich auch auf Discussionen über jene Angriffe nicht einlaffen will und kann, Solches vielmehr Gelehrteren überlaffen muß, so werden dennoch einige Bemerkungen hier am Platze sein. Was würde ein solcher Eiferer gethan haben zur Zeit derjenigen Gelehrten, welche Gebote, die von andern Rabbinen als KfimiKT anerkannt wurden, für pm erklärten, wie z. B. p'172 OVL2, Wup. n?n nattt und dergl. mehrere; noch mehr: drei Handlungen, die Rabbi Akiba für Pflicht hält, Rabbi Jsniael aber für freiwillig zu erklären wagt (Sota 8. a); oder daß Abaje sich erlaubt zu bemerken p“l lim'S mim $2 (Jebamoth 21 a), ebenso prn cittrt in 'd m« rum D'ösn «ma mim ^2? Er hätte sich gewiß einen „Fischer" kommen lassen, um jene alle in's Netz zu ziehen. Aber die Zeitgenossen jener Gelehrten haben klarer gedacht unv suchten daher nicht wegen solcher Ausdrücke anerkannte Autoritäten zu verdächtigen. — Jedoch ich will dies nicht weiter erörtern, da es nur meine Absicht war, die Behauptung zu bekräftigen, daß, wenn man nicht mit solcher Wuth über das Sem'nar hergefallen wäre, das Zutrauen, welches man ihm bei der Entstehung geschenkt hatte (wie der Aufsatz in der „Jüd. Pr." ja selbst zugiebt, daß streng fromme Männer ihre Söhne in das Seminar schickten), nicht erschüttert worden wäre, das Seminar stände heute in weit größerer Blüthe, und das Talmudstudium hätte mehr Boden in Deutschland. (Schluß folgt.) Sitzungsbericht der am 2. und 3. October 1877 in Breslau abgehaltenen Versammlung jüdischer Religionslehrer Schlesiens u. Posens. Erste Sitzung Dienstag, den 2. October. Die Sitzung wurde Dienstag, bends um 8 Uhr, eröffnet. Nach einer kurzgefaßten her ichen Begrüßung der Erschienenen durch den Vorsitzenden > s geschäftsführenden Comit6s, Gymnasiallehrer Dr. Bad:, schlägt der Letztere die Wahl des Dr. Jotzl-Krotoschin zur.: Vorsitzenden der beiden Versammlungen vor. Dieser lehnt jedoch ab und empfiehlt die Wiederwahl des vorjährigen Vorsitzenden. Die Versammlung acceptirt diesen Vorschlag, und Dr. Badt übernimmt den Vorsitz. — Demnächst wird in die Tagesordnung eingetreten. Gegerrstand derselben ist Feststellung der Tagesordnung für die morgen abzuhaltende Hauptversammlung Für die durch das Comil6 in Vorschlag gebrachten Gegenstände: 1) die Petition u. s. w., 2) die Simultanschule, 3) Gymnasium und Religionsschule, 4) Lehrbücher, 5) der jüdische Religionsunterricht und die Abiturientprüfung; wird folgende Reihenfolge beschlossen: 1) Die Petition u. s. w.; als wesentlich dazu gehörig wird von der Vers. Punkt 5 der vorgeschlagenen Gegenstände erklärt. 2) Gymnasium und Religionsschule. ' 3) Lehrbücher. 4) Die Simultanschule. — Der letztere Gegenstand wird als die liieberen Schüler mehr denn die höheren Schüler betreffend an das Ende der Verhandlungen gesetzt. — Auf den Vorschlag des Vorsitzenden wird ferner eine Besprechung der an das neue Unterrichtsgesetz zu stellenden Desiderien unter die Gegenstände der Tagesordnung ausgenommen. Die Wichtigkeit dieses Gegenstandes veranlaßt die Versammlung zu dem Beschluß, über ihn zwischen Punkt 1 und 2 zu verhandeln. — Nach einigen vom Vors, gemachten geschäftlichen Mittheilungen und der Vorlesung von Briefen von Collegen, welche zu ihrem Bedauern an der Zusammenkunft theilzunehen verhindert waren, wie Landsberg-Liegnitz, Rippner-Glogau, Dr. Brann-Schneidemühl, schließt der Vorsitzende die heutige Versammlung mit dem Bemerken, daß er zu seiner und gewiß aller Anwesenden Freude das wachsende Interesse für die Bestrebungen der vereinigten Lehrer Schlesiens und Posens constatiren könne, und daß als eine schon jetzt wahrnehmbare Folge dieser Thätigkeit die Schaffung eines den Anhängern der verschiedensten religiösen Schattirungen gemeinsamen Bodens freudig zu begrüßen sei, wie schon die Elemente bezeugten, aus denen sich unsere Versammlung zusammensetze. — Schluß der Sitzung um 10 Uhr. Mittwoch, den 3. October. Die Sitzung wird c. 9‘/a Uhr eröffnet. Der Vors, er»