Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 44. (31.10.1877)
- Date
- 1877-10-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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44. 1877. WM 8^ Jahrgangs für die religiösen und foeialm Interessen des Iudenthums. Erscheint jeden Mittwoch ».kostet sammt dem allwöchentlich erscheinenden „Jüd. Liter aturblatt" von Rabb, vr. M. Rah me r bei allen Postämtern ». Buchbandlungen vierteljährlich 3 Mark GO Pf. Mit directer Zusendung: in Deutschland 12 Mk. (7 fl.); nach dem Auslande: 15 Mk. (18 Frcs.) jährlich. Verantwoctlicher Redakteur und Herausgeber Rabbiner vr. A. Treueuftls in Stettin. Einzelnummern der „Wochenschrist" ä 25 Pf. des „Literaturblatts" » 15 Pf. —- Magdeburg, 31. Oktober. Inserate für die „Wo chenschr ift" oder' das „Literaturblatt" ä 20 P f. für die dreigespaltene Petitzeile, oder deren Rarim, sind an die Annoncen-Expedition von Haasensteitt & Vogler in Magdeburg oder deren Filialen in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz einzusenden. — Größere Aufträge werden rabattirt. Beilagen, 2000 Stück, werden mit 15 Mark berechnet. Inhalt: Leitende Artikel: Ueber die Abnahme des Studiums der jüd. Theologie in Deutschland. — Sitzungsbericht. Berichte und vorrespondenren: Deutschland: Cöln. Frankfurt a. M. Frankfurt a. M. Creutzburg. Oesterreich-Ungarn: Pest. Pest. Großbritannien: Belfast. Vermischte und neueste Nachrichten r Breslau. Frankfurt a. M. Aus Oberfchlesien. Stargard. Sondershausen. Diedenhofen. Wien. Bukarest. Brüssel. Algerien. Jerusalem. Feuilleton r Der Schwan von Toledo. Inserate. Wschen- November. 1877. Cheschwan 5638. Kalender. Mittwoch . . . 31 24 Donnerstag. . 1 25 Freitag .... 2 26 Sonnabend . . » 27 rnttf "rr (Ende 5 u. 6 M.) Sonntag . . . 4 28 Montag.... 5 29 Dienstag . . . 6 30 Rosch Chodesch Kässlew. tteber die Abnahme des Studiums der jüd. Theologie in Deutschland von I. Friedmann. I. Die „Jüdische Presse" hat sich vor einiger Zeit veranlaßt gefühlt, eine Untersuchung darüber anzustellen, „rvie es bei uns Juden in Deutschland mit der Neigung unserer Jugend „Rabbiner" zu werden beschaffen sei, und was die Gründe sind, die so manchen befähigten jungen Mann abbullen, dem höher» Thorastudium sein Talent und seinen Fleiß zu widmen." Zum Schluffe der Untersuchung bemerkte sie, daß sie die Erfahrungen in objectioer Schilderung der Oeffentlichkeit vorführe. Dies erweckte auch in mir den Gedanken, nach den Ursachen der Vernachlässigung des Thorastudiums zn forschen, zunächst aber das Urtheil des genannten Blattes zu prüfen. Ich gestehe offen, gesunden zn haben, daß die Behandlung des Thema's ganz objectiv gehalten wurde, da der Verfasser die Mißstände seiner Partei frei und offen bekannt hat und sie nicht zn beschönigen suchte. Ich fand ferner, daß die Darstellung aus reicher Erfahrung geschöpft, mit ziemlicher Sachkenntniß und meist wahrheitsgetreu geschildert sei. Jedoch sehe ich mich in die Lage versetzt, zur Vervollständigung der Darstellung einige aus meiner Forschung resultirende Bemerkungen hinzuzufügen, da der Verfasser manche Punkte übertrieben, während er bet andern Vieles verschwiegen hat. So z. B. meint der Verfaffer, daß das Breslauer Seminar viel dazu beigetragen habe, daß viele deutsche Rabbinatscandidaten diesem Institute fern bleiben. In diesem Punkte hat ec das Maß überschritten. Denn von vielen Seiten ist die Meinung ausgesprochen, daß der Vorwurf wegen des Fernbleibens von der Anstalt nicht dieser gemacht werden könne, sondern dem Anonymus, der schon bei der Entstehung der Anstalt „vier Fragen" über die Prinzipien derselben in die Welt geschleudert hat, um selbe zu mißcreditiren, und kurze Zeit darauf mit Axt und Beil mit großer Wucht über den Leiter der zur selben Zeit schon zu blühen anfangenden Anstalt herfiel. Sein ungestümes Auftreten hatte leider die nachtheilige Wirkung hervorgebracht, Leute, die kein Verständniß von der Sache hatten, oder sich vor Verketzerung fürchteten, abzuschrecken, ihre Söhne dieser Anstalt anzuvertrauen. Nach meiner Ueberzeugung (wie auch Anderer, die es mit der Thora gut meinen) war es für die deutsche Judenheit ein Glück, daß ein Mann wie Frankel, ein Mann, ausgerüstst mit talmudischem und profanem Wissen, verbunden mit echter Frömmigkeit, als Leiter des Seminars auserkoren war. Einen solchen Mann hätte zu einer Zeit, wo die Neologie in Berlin und Breslau dem Judenthum Gefahr drohend frech auftrat, die ganze Judenheit unterstützen, hätte ihm kräftig zur Seite stehen und ihn ermvthigen müssen, dann hätte sein Wirken Heil und Segen gebracht, indem junge Männer hingezogen mären, aus dem Born der Gelehrsamkeit, verbunden mit ungeheuchelter Frömmigkeit, zu schöpfen, das Studium der Thora wäre zu Ehren gekommen; aber der lleser üora Cjütp) hat es verstanden (Siehe ‘Tin*’ JTDSbn iTOin 'H pID nwan), sich eines andern Mannes zu bedienen, ihn zu seinem Werkzeuge zu machen, um viele jener Hoffnungen zu vereiteln. Dieser Mann stand in Ansehen, weil er einige Jahre zuvor der Neologie mit Einsicht und Muth entgegengetreten war, so daß seine Gegner ihm Gerechtigkeit widerfahren ließen. Diese Siege machten ihn übermüthig, trieben ihn über die Schranken (wie wir es leider jetzt wieder sehen), bis er sich an dem Kleinod, an der Zufluchtsstätte der jüdi-