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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-10-24 · N° 43. (24.10.1877) · p. Seite 338

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 43. (24.10.1877)
Date
1877-10-24
Page
Seite 338 (sequence 6)
Language
German
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ligion, Ihr begrabt Euch selbst. Und Ihr seht ja, wie nach und nach Eure Macht lahm gelegt wird, und das Alles habt Ihr zu Wege gebracht. Ihr Alle, Ihr Betbrüder, stammt von Juden, und giebt es wohl unter den Juden noch Jesuiten genug, allein lauge nicht soviel als bei Euch, dummen Kapläne. Ihr wollt nur die Menschheit in der Dummheit erhalten; da stehen die Juden Euch in der Cultur weit vor. Kehret vor Eurer Thür, Ihr Hallunken, und denkt, daß die Juden auch Menschen, die Gott erschaffen hat. Ihr seid die größten Spitzbuben, die je die Welt gezeugt. Ein Katholik". — (Wozu veröffentlicht wohl das Blatt einen solchen Schmähbrief? Man kann da nur an „Arbeit auf Bestellung" denken.) Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. Unlängst hat das „Fremdenblatt" eine Schauergeschichte über eine angeblich in Rußland grassirende Judenpest erzählt, an der ganze Gemeinden ausgestorben sein sollten. Jetzt bringt dasselbe Blatt eine 8oi-di8ant wissensch fftliche Erörterung von einem russischen Arzt, einem s. g. Collegienrath, welcher das Vorhandensein der coufessionellen Seuche bestätigt, und zwar entpuppt sie sich als — ein Kopfgrind, der, allerdings in Polen wohl nicht fetten, der älteren Generation noch unter einem wiederwärtigeu Namen bekannt ist. Aber die Gelehrten des Fremdenblattes können den Schmutz auch in Berlin hier und da finden und würben sich leicht überzeugen — wenn sie überall Lust dazu haben — daß das Ding international und interconsessionell ist, aber g e st o r b e n ist daran schwerlich je ein Jude oder ein Christ. Cöln Der „A. I." d. I. wird berichtet: „Auf die Nachricht, daß die evangelische und katholische Geistlichkeit unserer Stadt zum Diner bei Sr. Majestät eingeladen werde, hielt es der hiesige Rabbiner Dr. Frank, nicht aus persönlichen. sondern aus principiellen Gründe» für angemessen, bei dem Regierungspräsidenten Herrn von Bernulh darauf anzutragen, daß auch er als Vertreter der israelitischen Geistlichkeit eine Einladung erhalte. Herr v. Bernulh übermittelte diesen Antrag dem Ober Hofmarschall, Grafen Perponcher, erhielt aber die Antwort, daß Se. Majestät nicht befohlen habe, den jüdischen Geistlichen einzuladen. Während man also die katholische Geistlichkeit, die hier, wie überall in Preußen, gegen die Grundgesetze des Staats sich renitent zeigt, in die unmittelbare Rühe des Monarchen zieht, wirb der Vertreter einer Gemeinschaft, die sich überall durch ihre treue Anhänglichkeit an Kaiser und Reich und den opferwilligsten Patriotismus auszeichnet, absichtlich zurückgesetzt!" (Wir möchten wohl sagen: „Eben darum, weil die kathol. Geistlichkeit renitent ist, wird sie nicht verletzt. Wir wollen damit natürlich auch nicht einmal den Gedanken aufkommen laffen, als ob Juden nicht besser thäten, nicht staatsgetreu zu sein; aber wir können nicht umhin, uns zu erinnern, daß im Elsaß, wo man auch guten Grund hat, die gute Meinung der dort nicht bedeutungslosen Juden zu gewinnen, die Rabbiner zu Weißenburg (in vor. I) und zu Slraßburg nicht zurückgesetzt worden sind. Red. d. Jsr. W.) Bcrnburg, 16. Oct. (Or-Corr.) In dem Berichte von hier (in Nr. 40 dieses Bl.) dürfte das Folgende zu berichtigen resp. zu ergänzen sein: Nicht die „Medaille", sondern der Verdienstorden des Herzogs Anhalt. Hausordens Albrecht des Bären wurde von seiner Hoheit dem Herzog Friedrich dem Jubilar verliehen und vom General- (nicht „Landes") Superintendent angeheftet. Daß der erste Vorsteher der Leipziger Gemeinde, Herr Jacob Nachod, dem Jubilar im Nanren seiner Gemeinde eine ausgezeichnete Adresse überbrachte und zugleich eröffnete, daß man in Leipzig gelegentlich des Herxheimerschen Jubelfestes bereits die Gründung eines Herxheim er-Vereins in Angriff genommen zur Beschaffung von Stipendien für solche, die sich bem Religionslehrerberuf widmen, — verdient besonders hervorgehoben zu werden.*) (Siehe unter „Leipzig.") ') Der Abdruck der franz. Adresse in nächster Nr. Leipzig. Da die Gründung eines besondern Herxhmner- Vereins mit Schwierigkeiten verknüpft ist, so hat der Ausschuß des Gemeindebundes die Angelegenheit in die Hand genommen und fordert durch Circular zu Beiträgen für eine Herxheimer- Stiftung, sowie zur Bildung von Lokal Comites zu diesem Zwecke auf. Wien. Sie berichteten jüngst von dem Testament eines Sonderlings, der zu seinem Universalerben die hies. Gemeinde eingesetzt und alle Verwandten ausgeschlossen hat. Der Verstorbene hieß Markbreiter, war aus russ. Polen und in Preßburg wohnhaft. Er hinterließ 114,000 Gulden, wovon er seiner Tochter nur 500 Gulden vermachte. Sein Leichnam wurde in den Fluthen der Donau gefunden und bei ihm das sonderbare Testament, gegen das die Verwandten auf Grund der Unzurechnungsfähigkeit des Testators Protest einlegen. Pest. Seit dem 8. d. Mts finden die Vorlesungert am hies. Rabbinerseminar regelmäßig statt. Die Zahl der Hörer ist eine für den Anfang beträchtliche, in beiden Abtheilungen 20 (Das Breslauer Seminar wurde 1854 mit 12 Hörern eröffnet.) — Herr S i m o n B ach er, der rühmlich bekannte tüchtige Hebraist, hat die Einweihung des Seminars in einer 24strophigen Hymne in classischem Hebräisch unter dem Titel „Neweh Scholaum'A begrüßt, die in markigen Worten dir Stellung und Aufgabe des Seminars als „Friedensstätte" zwischen den Parteien zeichnet. Pest. 350 von den jüdisch-türkischen Flüchtlingen, welche bei Kasanlik nur durch den Schutz der Kosaken aus den Händen der Bulgaren gerettet wurden, sind hier angekommen. Dieselben gehen über Triest nach Konstantinopel. Die Expedition besorgt, wie in vor. Nr. mitgetheilt, die „Wiener Alliance Jsraelite", dem Wunsche der Flüchtlinge nachkommend. Sie wurden tu Turn Seoerin von einem Dragoman, der ihnen von der Wiener israelitisch-türkischen Genieinde enlgegengesendet wurde, empfangen und sind mit einem für sie von der „Alliance" gemielheten Dainpfer von Orsowa hierher befördert worden. Der Dragoman (Dollmetscher begleitet die Flüchtlinge bis Triest. Padua. Dr. Jsaia Luzzatto, Samuel David's Sohn, veröffenlicht im „Courier Jsr." und in Separatabzug ein Memoire über die von ihm beabsichtigte Sammlung von Materialien zur Lebensbeschreibung S. D. Luzzatto's und Materialien zur Erläuterung über dessen herausgegebene und nicht publicirte Schriften. Ec bittet die Gelehrtenkreise ihm theils durch Mittheilung von (ungedruckten) Briefen rc. seines Vaters, theils durch Nachweis der in so vielen Bü l ern, periodischen Werken, Zeitungen rc. rc. zerstreuten Arbeiten desselben behülflich zu sein. Feuilleton. Ganz wie Bumfel! Bon Louis Bill. Die Bumsler sind, streng genommen, keine Narren: aber so oft ihnen eine Thorheit nur auf halbem Wege entgegenkommt, anstatt ihr auszuweichen, laufen sie it)£ nach, werfen sich muthig über sie her, wie wild gewordene Stiere über ein rothes Fähnchen, und ruhen nicht eher, als bis sie sie ganz aufgegabelt haben. . Schmul Peß:, ein gutinüthiger Philister, in Bumsel, hatte seinen Geburtsort noch nie verlassen, trotzdein schon n ehr als fünfzig Frühlinge an ihm vorübergezogen waren. Ec kannte die Wanderlust nicht; denn er liebte die heimathliche Scholle und fürchtete vielleicht noch mehr das Heimweh, so daß für ihn in der That kein Grund vorhanden war, das Städtchen, in welchem er sich redlich ernährte, auch nur auf einigen Stunden zu verlaffen. Er wäre wahrscheinlich, wenn er auch noch die zweite Hälfte seiner hundert Le-

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