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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-10-24 · N° 43. (24.10.1877) · p. Seite 337

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 43. (24.10.1877)
Date
1877-10-24
Page
Seite 337 (sequence 5)
Language
German
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— 337 - werk des „Dr. Rubens" an ein, von meinem engern Landsmaune M. L. Bruck ungefähr 1845*) erschienenes Büchlein, woraus Vieles bei Nickens nur copirt zu sein scheint. Die Differenz ist nur, daß jener Bruck Rabbinats-Candidat war, und somit nicht schaden konnte. Bruck, mit den besten Zeugnissen ausgestattcl, bekam wegen seines Werkes keine Anstellung, war so verachtet, daß er anszuwandern genöthigt rrmr und irgendivo in Ungarn als Lehrer fnngirte, bis er im I. 1848 mit Tod abging (welchen Tod? gehört nicht hierher) Merkwürdig aber ist. daß ein solches Individuum, wie der sogenannle Rubens einen Rabbinals Sitz einnimmt, eine Schmach, die die Königl. wurttembergische isr. Oberkirchenbehörde trifft, welche einen solchen -Ih'aiiii auf seinen Posten duldet. (Ein Einschreiten dieser Behörde kann aber erst statthaben, wenn die Autorschaft erwiesen ist, und das ist, wie untere bekannte Vorgänge zeigen, nicht so leicht! Red.) Man muß nur sehen, mit welcher Achtung Ernst Rsnan in seinem neuesten Werke von den Juden spricht. Er sagt: „Ein Volk, das Land unb Reich verloren, setzt auf fremden Boden sein abgesondertes Geistes- und Staatsleben fort, schafft einen Complcx von Ritual- und R chtszesetz n, die es ihm ermöglichen, ein wahres Colonial-Leben in der Mitte einer ihm feindlichen Welt zu fuhren, und erfindet endlich eine Ausdrucks- und Darstellnngssorm ethischer Anschanng, die seltsam und phantastisch, selbst in einer realistischen Zeit ihre Anziehungskraft nicht verloren hat Die Halachisten, jüdische Rechts- und Gesetzeslehrer, vollbrachten das Eine. Sie schufen ein rituelles, ein canonisches und weltliches Recht, wie später d e katholische Kirche, deren große Doctoren fast dieselben Wege einschlngen, die lange vorher die Rabbiner in Palästina und Babylon gewandert. — Die Agadlsten, Prediger und Erzähler, sorgten für Erbauung, für Herzstärkung, Kräftigung des frommen Sinnes. Parabeln, phantastische Geschichten. Legenden, bilden die Unterlage für die moralische Folgerung." An einer anderen Stelle sagt Renan: Einen größere Theil des Erfolges, den das Christenthum hatte, verdankt es dieser kindlichen, phantasiereichen Darstellungsart, dem idealistischen Hauche. Außer dem Stoffe gab die Jndcnmutter tcm Christkinde auch das Gewand, um die Welt zu durchreisen, die Well zu besiegen. Nie, sagt Renan, hätte die höchste Philosophie der classischen Welt eine ähnliche elhistische Revolution hervorzubringeu vermocht. — Unser guter Herr Rubens ärgerte sich über Proseffor Schleiden, wie wird er sich erst über Renan ärgern! Aus Galizien. Das „N. W. Tgbl." schreibt unter der Ueberschrist: „Die Makkabäer". Da ist ein Infanterie Regiment in Galizien, das einer Ueberzahl von Rekruten sich rühmen darf. Ter Oberst, resp. Reserve Kommandant, ist darob in einiger Verlegenheit. So halte er denn einen Befehl erlassen, der uns in Abschrift zugeschickl wird, worin, ungeordnet wird: „Nachdem mehr Rekruten präsentirt wurden, als für den Stand nolhwendig sind, so haben die Kompagnien durch Rückbeurlaubung von Rekruten sich auf den vorschriftsmäßigen Stand zu setzen." In Klammer stehen aber die drei Worte: „(Ausschließlich der Israeliten.)" Die isral. überzähligen Rekruten dürfen also nicht rückbeurlaubt werden. Wahrsche.nlichst soll ein möglichst hoher Bestand von jüdischen Kriegern diesenr Regiment erhalten bleiben. Die Heldenthaten der Makkabäer sind allerdings nicht in den gewöhnlicherr Lehrbüchern der Kriegsgeschichte analysirt, aber jeder irgend bibelfeste Mann keurrl sie zur Genüge. Und so ist jener Regimentsbefehl offenbar keiner anderen Absicht entsprungen, als der, so viele Nachkomnlen der tapfern Makkabäer, als nur irgend in den Compagnien des Regimentes Pmtz finden können, imtec den bahnest zu behalten, die andern überzähligen Rekruten aber, rückzubeurlauben. Dem Juden in dent bezüglichen Regiment ist das nur eine Ehre, den Rückbeurlaubren aber eine Erleichterung und der Oberst, er ist gewiß davon überzeugt, daß er mit fernem Regimente von Makkabäern, wenn es irgendwo . Einige Jahre früher. Das Buch hieß: „Die Crremonialgesetze des Judenthums" over ähnlich. (Red.) zum Ernst kommt, keine Schande haben wird, denn sonst hätte er nicht den Regimentsbefehl mit der Klammer erlassen." Schweden. G. Stockholm, im Oktober. Der Roman Daniel Deronda erscheint in Bearbeitung und schwedischer Ueberfetzung von M. A. Goldschmid im Feuilleton des hiesigen Blattes Dagbladet. — Am 26. v. M. wurde hier beerdigt der in S u d e - rode am 14. Sept. verstorbene Generalconsul Carl v. Hei nein a n n. Derselbe war den 14. Februar 1807 in Aschersleben geboren, kam vor etwa 20 Jahren mittellos hier an und brachte es durch seinen Unternehmungsgeist und wirksamen Fleiß zu seiner sehr ansehnlichen Stellung. Die Todes-Annonce in den hiesigen Zeitungen nröge ihres nicht gewöhnlichen Inhalts halber hier mitgetheilt werden. Sie lautet: Ter ehemalige Kaiserliche Deutsche Generalconsul, Ritter des k. Nordsterns- und Wasaordens, des Bayerischen St. Michaelordens 1. Cl., des Preußischen Rothenad'.erordens 3 Cl. und des KronenordenS 3. Cl., des Würtembergischen Kronenordens, des Anhaltischen Ordens Al brecht des Bären 1. Cl., Inhaber des Türkischen Medidje-Ordens 3 Cl. rc. rc., Sr. Wohlgeboren Herr Carl v. Heinemann starb u. s. w. Die Leiche war in einer Zinkkiste und diese wiederum in einem kostbaren Eichensarg; vom Letzteren wäre man geneigt zu sagen: KiniO PlHaUP nnx. Der Verstorbene hat in seinem letzten Willen Sorge getragen, daß sein Grab unter Obhut der Gemeinde in iltem Zustande erhalten bliebe; den Armen der Gemeinde wurden 500 Kronen zugewiesen. — Auch Schteiber dieses erhielt die Schmutzschrift: „Der alte und der neue Glaube im Jndenthum"; er vermochte nur einige Seiten zu lesen und warf drs Pamphlet mit Ekel aus Händen. Es ist richtig, diese etwas Hebrätsch, etwas Latein und ein Bischen mehr Deutsch in sich ausgenommen habenden Subjecle, sind die Parasiten und Schmarotzer am Brunnen der jüdischen Wissenschaft; es gehört schon eine Ueberwindung dazu, sie anzufassen, um sie fortzuschteudern. So kennt Schreiber dieses den Redacteur einer hedr. Zeitschrift in W. Derselbe war vor 8 Jahren hier, um Pränumeranten seines Blattes zu sammeln. Im Russisch-Polnisch-Deutschen Jargon wurde das liebe I ch in der ekelhaftesten Weise ausstaffirt. Er habe 3000 Zuschriften von Gelehrten in allen Theilen der Welt erhalten, man nenne ihn: „Jesalas II." u. s w, u. s. w. und da er trotzdem, oder gerate in Folge der widerlichsten Prahlerei keinen Pränumerauten bekam, schimpfte er vor einigen Jahren pöbelhaft über d e u, der seiner Selbstvergötterung ein lautes Aus- und Ausladen entgegen hielt. Es ist dies die Zeitschrift, welche jetzt Missionsschriften bespricht und empfiehlt. Wie eigenthümlich! Stern, Morgenröthe, welch schöne Namen und welch schauerlicher Schmutz in ihrem Gefolge! — Sie berichten in der jüngsten Nr. aus Thorn und Frankfurt über gerichtliche Vorladungen am Versöhnungstage. Hier wurden am Neujahrsfeste und am Versöhuungstage, (sowohl hier als in Hörnesaud) in Folge eines von Dr. Lewysohn ausgestellten Zeugnisses die betreffenden Personen jüd. Confession an jenen Tagen vom Erscheinen zum Terniine dtspensirl. — Die „Germania" bringt aus Breslau die Erwiderung eines Katholiken auf ihren Schimpfartikel zum jüd. Neujahr feste. Der Brief verdiente als Curiosum in den jüd. Blättern reproduzirt zu werden. Vielleicht erfüllen Sie, Hr. Red., diesen Wunsch. Er lautet: „An die Redaction der „Germania", Berlin. Auf Ihre nichtsmürdigen Bemerkungen über das Neujahrsfest der Juden erlaube ich mir als Katholik Folgendes zu erwidern. Ihr unfehlbaren dummen Kapläne, Ihr bornirle Jesuiten, wo ist Euer Gott? Doch nicht etwa der alle schwache Pius in Rom, der nicht mehr fähig ist zu deilken, oder hat Euch der Schwindel in Marpingen und das Wasser zu Lourdes so stark gemacht, daß Ihr Andersgläubige verhöhnt? Seht Euch Eure Götzen an, Ihr glaubt und verehret Holz- und Porzellanfigur. Ziehet Euch an Eurer Nase, Ihr Halluuken, denn mit Eurer Rectame, die Ihr zu machen glaubt, uutergradt Ihr die katholische Re»

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