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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-10-17 · N° 42. (17.10.1877) · p. Seite 330

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 42. (17.10.1877)
Date
1877-10-17
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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Fälle für sich als gute Entschuldigung wird geltend machen. Darum immer hübsch mit gleichem Maaße gemesien!) Budapest, 6. October. Die Mitglieder der Seminar- Direction und die israelitischen Districtspräsidenten machten gestern beim Ministerpräsidenten Kotoman v. Tißa ihre Aufwartung. Sprecher der Deputation war vr. Ligeti, Distrikts - Präsident aus Stuhl Weißenburg. Aus den Wunsch des Redners, daß die ungarische Negierung dem neuen Institut die fernere Fürsorge angedeihen lasten möge, erwiederte der Ministerpräsident, daß nicht nur er, sondern jede Regierung es sür die heiligste und patriotische Pflicht halten müste, die Landesrabbiner-Schule gegen jedwede Angriffe 51t schützen. Zum Schluffe ließ sich der Ministerpräsideut durch den Präsidenten der Lrudeskauzlei die einzelnen Mitglieder der Deputation vorstellen, sprach mit beu meisten in freundlichster Weise, worauf sich sodann die Deputation entfernte. Türkei. Es ist uns schon kein Raum gelasten, um aus den Schauerberichteu des September-Berichts der Alliance Jsr. Univ weitere Auszüge zu geben; wir haben weitere, neuere. Wir bemerken nur noch, daß die Correspondenten englischer Blätter, z. B. des „Standard", jene Berichte vollständig bestätigen. Wir geben nur noch einen Bericht aus Kaianlik. „Die Juden waren zum Gebet in den Synagogen versaiumelt (es war an einem Sabbath), als sie sich plötzlich von einem von Bulgaren und Kosaken gebildeten eisernen Ringe eingeschlosten sahen; der Anführer war ein Bulgare, Namens Simio, der früher an Weingärten von Israeliten als Wächter angestellt mar. Als diese Unglücklichen ihn sahen, warfen sie sich ihm mit flehentlichen Bitten zu Füßen. „Gleich!" antwortete der Niederträchtige und befahl seinen Leuten die Personen, die er ihnen bezeichnet hatte, zu ergreifen. Nachdem er sie hatte knebeln lasten, schlachtete er sie gerade an der Tempelthür ab; sodann ließ er einige Hunde auf der Straße todtschlagen, mischte das Blut der Menschen mit dem der Thiere und zwang die überlebenden Israeliten, dieses schreckliche Getränk zu trinken. Der Leichnam des Gemeindevorstehers, Abraham Canetti, wurde von den Hunden verzehrt. Mehrere Fronen, Kinder und Greise wurden unter den Schutthaufen des Tempels verscharrt. Aus Bukarest, 17. Septbr., berichtet man hierüber dem „Pest. Ll." „Bei Abzug der Rüsten in der Schlacht gegen Karobunar begannen die Bulgaren und Kosaken unter der Aegide der russischen Polizei mit beispielloser Bestialität ihr Bluthandwerk. Mädchen wurden unter beu Augen der eigenen Eltern geschändet und dann hingeschlachtet; Säuglinge wurden niit Lanzen an Thüren und Thoren geheftet, Männer bei lebendigem Leibe geschunden, Greise gepfählt Der Commandant befahl, die Juden nach Schipka zu transportiren. Die Bulgaren Polizei fistelte die Leute zu je Zweien, in langer Kette mit einander verbunden, zusammen siebenzig. Auf freiem Felde angelangt, wurden sie jedoch durch die eskortirenden vier russischen Soldaten nackt entkleidet und nun begann man sie abzuschlachten. Eines der Opfer, unbemerkt entkommen, traf auf russische Truppen, erzählte die Vorgänge und bewog den Conunandanten, Hilfe zu schicken. Die ansprengenden Dragoner fanden nur noch den dritten Theil bei Leben. Diese sammt den in Kasanlik Zurückgebliebenen wurden unter Bewachung von Rüsten durch 34 Tage zu Fuße, theilweise ganz nackt, hierher transportin. Mehrere starben währeild des Transportes in Folge der Strapazen, Mißhandlungen und Nahrungsinangel. Das physische Aussehen der hier Angekommeneu, welche im Tempelhof liegen, spottet jeder Beschreibung. Alle gleichen vollständig wandelnden Leichen und bieten einen wahrhaft erschütternden, herzzerreißenden Anblick." (Wie der „Wiener Jsr." meldet, ist ein großer Theil dieser Unglücklichen jetzt soweit hergestellt, daß sie sich nach Konsiantinopel begeben wollen. Die Reise kostet 5000 fl. In Wien und Pest werden zu diesem speziellen Zwecke Sammlungen veranstaltet. Trotz aller Pflege sind bereits 49 der Unglücklichen in Bukarest gestorben.) Vermischte und neueste Nachrichten. Stettin, 11. Octob. Die „Jüd. Pr." brachte kürzlich eine ganz vorzügliche Abhandlung von vr. W. F., „zur Würdigung der religionsgessetzlichen Chalizah." Am Schluffe derselben sind Vorschläge zu einer geeigneten neuen Fassung des bisher üblichen, aber in der alten Formulirung ganz werthlosen, s. g. Chalizah-Briefes gemacht. Wir wollen, besonders gegenüber einem Artikel aus Leipzig in der letzten Nummer dess Bl., daran erinnern, daß im Jahrgang 1872 unserer Wochenschrift mehrere Abhandlungen über diese Frage enthalten sind. In Nr. 34 ist zuerst ein Aufsatz von unserem geehrten Mitarbeiter, Hrn. Rechlsantwalt Metz, „über die Erzwingung der Chalizah-Ertheilung nach preuß. Recht" gegeben. Derselbe schlägt deutsche Fassung der belr. Urkunde und F e st s e tz u n g einer C o n v e n t i o n a l st r a f e fest. In Nr. 35 haben wir noch einige Bemerkungen hinzugefügt und ein Formular entworfen, welches inhaltlich ganz mit dem von Hrn. vr. W. F. vorgeschlagenen übereinstimmt. Ich bediene mich faktisch seitdem geeigneten Falls einer solchen Formulirnng. In der „Literarischen Beilage" des Jahrg. 1872 (Nr. 19, 20 u. 21) sind dann noch Aeußeruugen von Hrn. Kreisrichter Levy und von Anderen, sowie noch andere Formular-Amenvemenls mitgetheilt, die jedoch im Wesentlichen nicht von einander und von der Grundidee, Festsetzung einer Conventionalstrafe für die evenl. Verweigerung der Chaliza, adweichen. Berlin, 9. Octob. (Or.-Corr.) Nach vielen Zögerungen und Bedenklichkeiten hat man endlich den Beschluß gefaßt, auch hier eine Sammlung sür die Juden in der Türkei zu veranstalten. Aus Pommern, 8 Octob. (Or.-Corr.) Ich bin seit etwa einenr Jahre als Religionslehrer am hiesigen Gymnasium angestellt. Es ist, wenn auch nicht gesetzlich, doch nach feststehendent Gebrauche, ein Privileg der Lehrer einer solchen Anstalt, daß ihre eigenen, dieselbe besuchenden Söhne vom Schulgeld befreit sind. Ich bin bei dem Magistrat um solche Befreiung vorstellig geworben Ter Vorsitzende hielt mir zunächst mündlich entgegen, daß nur die ordentlichen Lehrer das fragliche Vorrecht genießen, worauf ich ihm entgegnele, daß kein Gymnasiunl exlstire, an dem nicht neben den ordentlichen Lehrern auch Hülsslehrer verschiedener Kategorie wirken, daß aber die Schulgeldbefreiung nirgends ausdrücklich auf den ordentlichen Lehrer beschränkt sei. Ich bin drsher noch ohne definitiven Bescheid uuö frage auf diesem Wege bei den Herren College» an, wie es damit anderswo gehalten wird. Stadthagen, 9. Oct. Als ersreullches Zeichen der Zeit ist aus unserem kleinen Städtchen zu melden, daß jüngst Hr. Kaufmann Adolf Baar einstimmig vom Bürgervorsteher-Collegium zuin Senator (Stadlrath) erwählt wurde — eine Thatsache, die uinsomehr hervorzuhebeu ist, da noch vor dreißig Jahren dem Vater des Erwählten, bei» Amtsphysiker vr. Baar, der Zutritt zu einem Kirchenconcertc verweigert wurde, weil er — Jude mar. — Heilbronn. Die Leipziger „Jllustr. Ztg." vom 29. Sept. enthält zu einer Abbiloung der hiesigen neuen Synagoge eine eingehende technisch genaue Schilderung des vielbewunderten Gebäudes. Krakau. Die in unser»! vor. Bl. aus Warschau erwähnten Befürchtungen und Gerüchte wegen eines Juden- Cravalls wurden auch der „Sunday Times" gemeldet. Aus Krakau wird weiter dem „Daily Telgraph" berichtet, daß die Comnlunisten und Nihilisten in Rußland auch nach Galizien hin Brandschriften versenden, welche zur Niebermetzelung der Großgrundbesitzer und der Juden auffordern. D,e österrei-

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