Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 40. (3.10.1877)
- Date
- 1877-10-03
- Page
- Seite 313 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 313 ber Bibel selbst bleibt wenig bestehen, der Auszug aus Egypten j. B. ist dem Verfasser nur eine Sage. Er beschäftigt sich mit dem Judenthum und einer cjuaÄ-Reform desselben nur, weil er — Rabbiner, veritabler im Amte befindlicher Rabbiner ist. Der angebliche Verfasier, Dr. William Rubens, erklärt zwar in einer Anmerkung zum Anhang über den Talmud (der, wie auch das Vorwort, etwas glimpflicher geschrieben ist, als der größte Theil der Abhandlung, wohl aus Speculation, damit man nicht gleich abgeschreckt werde), daß ihm die Grundzüge, wie manche andere Gedanken, Mtttheilungen und Redewendungen des Buches von einem jüdischen Gelehrten in Deutschland mitgetheilt seien. Jndeß wird jedem Leser des Schrislchens zweifellos sein, daß diese Behauptung eine Fiction ist und wir hier den Erguß der vollendeten Charakterlosigkeit eines württembergis ch e n R a b b i n e r s vor uns haben. Denn der Verfasser prostituirt seine Person förmlich öffentlich, weilt durch Ausdrücke, wie: talmudischer Hauptröhrle, schweinerne Würstle, Cannstatter Wasen u. drgl. deutlich auf seinen Ursprung hin und schildert sich schließlich durch den Mund seines Leporello selbst folgendermaßen: „Wenn ein Geistlicher freisinnig wirkt, so findet er in unserer Zeit nur Anfechtung und nirgends Unterstützung, es sei denn, es wäre lehachles (?) im Spiel. Die Zahl freifinnig wirkender Rabbrner ist darum in unserer Zeit zu einer sehr geringen zusammengeschmolzen, nun ich kenne Einen, der Freiheilssinn und Charakter genug besitzt, allen Anfechtungen Trotz zu bieten und in seiner Ueberzeugungstreue zu verharren, ein ausgezeichneter Gelehrter in jüdischer Theologie und den meisten Wissenschaften, ein Redner, wie ich noch keinen gehört habe, mit einem prachtvollen Vortrag und wunderbar sonorer Stimme, dessen Reden und Functionen (?!) von Christ und Jude, von Gebildeten und Ungebildeten bewundert werden, ein organisatorisches Talent ersten Ranges, auch als Mensch der Edelsten Einer und — er sitzt in einem elenden Nest und wird wahrscheinlich bis an sein Ende dort sitzen müssen." Ein Correspondent des „Israelit" weist auf einen „Geistlichen der schwäbischen israelitischen Landeskirche," der zuerst beim Ringkamps um eine Pfründe „einem Breslauer" unterlegen ist, als auf den vermuthlichen Verfasser hin. Der Hmweis war überflüssig, auch ohne denselben war wohl Niemand, der nur irgendwie die württembergischen Rabbinatsverhültniffe kennt, nach auch nur kurzer Einsicht in das Pamphlet bezüglich seines Verfassers im Unklaren.*) Ueber den Verfasser wollen wir uns nun nicht weiter verwundern, das ist ein VN'N, allerdings ein solches, von dem man anch^ sagen kann, ittfrK D’KÖ DiWÖ rrrö. Daß ferner ein Mensch, der vermuthlich außer seinem bischen Hebräisch nichts gelernt hat — denn lapsus wie Batryomyomachia für Batrachomyomachia S. 84 und in pnneto 8vxti S. 22 scheinen mehr als Druck- oder Schretbfeyler zu sein, uud auf eine ziemlich rasche Verwandlung von Bachur einer Jeschiba zum Studenten der Universität T. hinzuweisen —, oder zu faul ist, um sich einen ihm zusagenden Beruf zu suchen und in diesem ordentlich zu arbeüen, sich an seine Stelle wie die Raupe an einen Baum festklammert, dürfte zwar gleichfalls ein Zeichen seltener Charakterlosigkeit sein, ist aber immer noch erklärlich. Daß das aber gestaltet wird, das ist das Unerklärliche. Ein Offizier, der seine Fahne beschimpft, wird infam kassirt. Ein Richter, der etwa m eimr Sozialisteuversammlung über seine Thäligkeit und seinen Stand sich lustig machen wollte, würde aus demselben ausgestoßen werden. Hier aber läßt man einen Mann, der der freiesten freireligiösen Gemeinde als letzter Kirchendiener zu schlecht wäre, nicht weil es ihm an Religiösität, sondern weil es ihm an den allergeringsten Charaktereigenschaften fehlt, in einem Berufe wirken, den er haßt, für den er Nichts leistet und Nichts leisten kann, in dem er nur aus *) Wir fügen noch erläuternd hinzu, daß nämlich die „oberländische Aussprache hebräischer Worte und die durchweg dem Gemauschel der dortigen jüdischen Viehhändler entnommene Art das „Jüdisch-Deutsche" zu gebrauchen, den Ursprungsort leicht erkennen lassen. (Red.) Frechheit, lehachles — wie er öfters sagt — bleibt, in dem er den Leuten, die einen ehrenhaften Rabbiner wünschen und brauchen, die Stelle wegstiehlt, läßt ihn ein Amt, das einen gewissenhaften, ehrlichen, fieißigen Vertreter verlangt, als Sinecure mißbrauchen. Man läßt, d. h. die königlich württembergische israelitische Oberkirchenbehörde läßt, d. h. sie hat seiner Zeit den Rabbinalscandidaten der armen hartgestraften Gemeinde (der kein Hoffnungsstern erglänzt) als Rabbiner zu^sendet und hält ihn nun aus derselben fest. Und das ist das Unerklärliche, Dasjenige, worüber allen Schwaben, auch denen, die das vierzigste Jahr bereits überschritten, der Verstand stille stehen sollte. Baden, 14. Sept. (Or.-Corr.) Gestatten Sie mir nachträglich noch einige Mittheilungen über den bekannten Erlaß unseres badischen Oberschulraths über den Schulbesuch israelitischer Kinder am Samstag. Der Widerstand gegen denselben ging hauptsächlich von protestantenvereinlicher Seite aus und insbesondere das „Süddeutsche Wochenblatt" ließ es gleich der „Deutschen Reichspost" und dem „Bad. Beobachter" an hämischen Bemerkungen nicht fehlen. Die Eingabe der Protest. Geistlichen selbst war jedoch im Ganzen würdig gehalten, sprach ihre volle Anerkennung für die Tendenz der Verordnung aus, hob dagegen nur die Ueberhäufung mit Arbeit für den Geistlichen am Samstag hervor und beanspruchte im Wesentlichen die Einräumung von 1—2 Stunden in der Woche, in der Zeit von 11—12, für den Conftrmandenunterricht. Die Eingabe ist jedoch vom evangelischen Oberkirchenrath, an den sie gerichtet war, abschläglich beschieden worden, da zur Zeit kein Grund zur Aenderung vorliege. Die Geistlichen wollen nun weitere Wege, Abhülfe für ihre Beschwerden zu erlangen, einschlagen. Die Verordnung wird anstandslos in allen Schulen durchgeführt. Nunmehr handelt es sich nur darum, daß die Rabbiner sorgsam über deren Ausführung wachen, damit sie nicht wieder, wie schon öfters geschehen, einschlafe und in Vergessenheit gerathe. W. H. Neubrandenburg, 24. Sept. (Or.-Corr.) Das gelegentlich der Einweihung der neuen Synagoge eingegangene und vom Stadtrichter Herrn von Rieben überreichte Großherzogliche Schreiben hat folgenden Worilaut: „Der Großherzog, unser allergnüdigster Herr, haben das in Anlaß der bevorstehenden Einweihung der Synagoge in Neubrandenburg von dem Vorstande der israelitischen Gemeinde daselbst überreichte allerunterthänigste Einladungsschreiben vom 24. d. M. huldreichst entgegenzunehmen und die Unterzeichnete Großherzogliche Landesregierung gnädigst zu beauftragen geruht, der israelitischen Gemeinde in Neubrandenburg Allerhöchst Seinen Glückwunsch zur Vollendung des Baues der Synagoge und Allerhöchst Sein, der Großherzogin, der Großherzogin-Mntter, des Erbherzogs und der Erbherzogin, Königlicher Hoheiten, aufrichtiges Bedauern, durch Abwesenheit an persönlicher Theilnahme an dem Einweihuugsfeste verhindert zu sein, ausgesprochen. Allerhöchst dieselben geben der Hoffnung Ausdruck daß die neue Synagoge zur Förderung wahrer Gottesfurcht in der Gemeinde beitragen werde. N e u st r e l i tz, den 30. Aug. 1877. Großherzoglich Mecklenb. Landes-Regierung. I. Schmidt. An den Vorstand der israelitischen Gemeinde Neubranoeuburg." Im Nachtrage zu unserm Referate seien noch zwei anerkennenswerthe Leistungen besonders hervorgehoben, deren Uebergehen man dem Referenteu verzeihen möge. Herr Cantor Sarasohn aus Stettin erhöhte durch seinen vortrefflichen Gesang die Würde und Erhabenheit der Feier, mit deren Gelingen seine Bemühungen eng in Verbindung standen. Um die Ausstattung und Beschaffung der zur innern Synagogen- Ausschmückung nöthigen Mittel hat sich der hiesige israelitische Frauen-Verein große Verdienste erworben, besonders dessen Vorsteherin, Frau Clara Wolfs, deren für Förderung des Edlen und Schönen unermüdlicher Eifer sich durch manche Widerwärtigkeiten glänzend die Bahn gebrochen. Oesterreich. 1. Z. Triest, 19. Sept. (Or.-Corr.) Als Beitrag zu