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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-09-19 · N° 38 u. 39. (19.9.1877) · p. Seite 304

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 38 u. 39. (19.9.1877)
Date
1877-09-19
Page
Seite 304 (sequence 8)
Language
German
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— 304 \ Deffau und Leipzig Einladungen ergangen. (Der Jubilar steht im 77. Lebensjahre, fungirte in Eschwege einige Jahre als Rabbiner und seit 1831 in Bernburg. Seine Verdienste um die biblische Wissenschaft und den Retigiansunterri cht sind allgemein bekannt) Alzey, 13. Septbr. In No. 35 wird auch Alzey zu den Städten des Herzogthums Hessen gezählt, in denen sich or> thodoxe Separalgemeinden gebildet haben. Diese Mittheilung ist irrig. Es existirt hier nur eine Familie, welche ihren Separatgottesdienst hält. Der Vater derselben hatte nämlich im Jahre 1848 mit dem damaligen Rabbiner einen von Geldangelegenheiten herrührendenPrivatzwist und besuchte deßhalb den von ihm geleiteten Gottesdienst nicht mehr. Im folgenden Jahre benutzte er die Verkündigung der deutschen Grundrechte, welche die Confe>'sionslosigkeit zuließen, um mit seinem damals schon mündigen Sohne aus dem Gememeindeverbande auszutreten und. sich mit Hülfe eines theils gemietheten, tbeils erbettelten Minjan einen Hausgottesdienst zu gründen. Dieser vegetirt heule noch fort, von den Söhnen zum Theil nur aus Pietät gegen den im vorigen Jahre verstorbenen Vater vorläufig noch erhalten, denn der zweite, erst später nach Aufhebung der Grundrechte mündig gewordene Sohn gehört der Gemeinde an, da er sich nunmehr nicht confessionslos erklären und aus der Gemeinde nicht mehr austreten konnte. Mit einem religiösen Ziviespalt hat dieser Privat - gottesdienst eben so wenig etwas zu thun, als er in dem beschränkten Wahlmodus für Bildung der Gemeinde-Vorstände seine Begründung und Entstehung hat. Hamburg. 3U der im vor- Bl. enthaltenen Notiz über das Hamburger ni*? ist nachzutragen, daß es auch eine interessante kleine Abhandlung zur ältesten Geschichte der Juden in Hamburg von Dr. M. Jsler (besonders über den Arzt Rodrigoa Castor) enthält. Wien. Am 5. September starb der Reichsrathsabgeordnete und Vicepräsident der hies. israel. Allianz, Hr. Ludwig Ladenburg, der zu einer Familienhochzeit in Frankfurt a. M. gereist war, daselbst plötzlich am Schlagfluß. Ec hatte zur Zeit die Nordpol-Expedition eifrigst gefördert und erhielt ein neuentdeckres Vorgebirge den Namen „Cap Ladenburg". Er starb als Wittwer und kinderlos. In seinem Testamente bestimmte er 5 Prozent seines bedeutenden Vermögens zu wohlthätigen Zwecken. An seinem Leichenbegängniß betheiliglen sich mehrere Minister. Lemberg. Ein christlicher Bäcker, welcher 45 Jahre lang sein Geschäft im Judenviertel betrieben hatte, starb und vermachte jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten 5000 fl., zugleich verordnete er, daß sein Sohn an jedem Donnerstag und Freitag jüdischen Armen Sabbathbrode austheilen solle, wie er dies selbst gethan hatte. Lemberg. Bedenkliche Symptome von verderblicher Erregung der Gemüther zeigen sich oft in vereinzelten Erscheinungen, da solche zu Tage treten lassen, was Andere besser zu verhüllen wisien. So wird aus Lemberg berichtet: „Die russischen Umtriebe beginnen im Lande gefährlich zu werden. Die Gendarmerie verhaftete einen rhutenischen Bauer, welcher sich öffentlich folgendermaßen äußerte: „Der Russe schlug den Türken, und sobald er hierherkommt, werden wir alle Juden und Polen hinschlachten, wozu ich schon vorbereitet bin. Der Ruffe wird das ganze Land wegnehmen und den Kaiser ...." (Wien. Jsr.) Czernowitz. Am Erev Rosch-Haschana fand hier die Einweihung des neuen Tempels durch den Landrabbiner Dr. Igel statt. Rußland. Vor einigen Wochen wurde in deutschen Blättern berichtet, die jüd. Soldaten würden aus den auf dem Kriegsschauplatz abmarschirenden Regimentern ausgeschieden, weil man ihnen nicht traue oder sie nicht befördern wolle. Diese an sich nnwahrscheinlich tendentiöse Nachricht wiederlegte sich schon durch die Mittheilungen in „Hazephira" aus verschiedenen Städten, worin gemeldet wurde, wie die Juden die durchmarschironden Truppen und die in denselben dienenden Juden bewirthet. Damit war eine Widerlegung jener Lüge um so bester gegeben, da sie gar nicht beabsichtigt war. D<r „A. Z. d. I." aber wird noch ausdrücklich aus Odeffa unter dem 22 August berichtet: „Vorige Woche hat hier eine Aushebung der Rekruteil stattgefunden. Die Juden bewährten ihre Treue und ihren Patriotismus durch das pünktliche Erscheinen; nicht ein Mann von den der Conscription Unterworfenen fehlte. Ueberhaupt hat, seit das Gesetz über das Avancement der Juden in Kraft getreten ist, ein kriegerischer Geist der Kinder Israels sich bemächtigt. Viele junge Leute der ersten jüdischen Familien treten als Freiwillige in die Armee ein, so der Sohn des Banquiers Ra-, fellovich, der Neffe des Banquiers Ephruffi, der Bruder des Advocaten Tictin u. A. Vor einigen Wochen haben die zwei Brüder Schorstein, Söhne des verstorbenen Dr. Schorstein — der sich auch als Schriftsteller eines Rufes erfreute — nach sechsmonatlichem Dienste die Osficiersprüfung mit Auszeichnung abgelegt und bereits das goldene Portsp6e erhalten. Die ruffische Armee zählt jetzt eine nicht geringe Zahl jüdischer Offiziere, sowohl in der Infanterie als in der Cavallerie. London. Die Hambro-Synagoge ist am ersten Selichoth- Tage neu eingeweihl worden. Sie ist eine der ältesten der Stadt, über 150 Jahr alt. Da nun in der neuesten Zeit so manche Pracht-Synagoge in den früher entlegenen Stadttheilen ei tstanden ist, die Juden aber nicht mehr zu zahlreich in den mittleren Bezirken Londons wohnen, so war in den letzten Jahren öfter davon die Rede, die Hambro-Synagoge „aufzulaffen" wie man in Oesterreich sagt. Doch widerstrebte dem die Pietät alter Besucher und ihrer Nachkommen. So ist sie denn mit einem Kostenanfwand von 700 Pf. während des Sommers renovirt, erweitert und ein wenig modernisirt. Die Kosten sind von Mitgliedern ausgebracht, Hr. I. Pick gab allein 350 Pf. St. Die Neuweihe vollzog der Chef- Rabbi, der nun schon seit einer Reihe von Jahren alljährlich kurz vor Nosch haschana Synagogenweihen zu vollziehen hat, und gewöhnlich mehr als eine. Der Inhalt seiner Predigt ist, wie immer, in den Blättern mugetheilt; es ist ebenso die Rüstigkeit zu bewundern, mit der er diesen Anstrengungen kurz vor den Festen, mit ihren Predigten u. s. w. gewachsen ist, wie die Geistcsfrische, die keine monotole Wiederholung bei derartigen Gelegenheilsreden aufkommen läßt. In Paris starb am Rosch haschana des Baron Rothschild einziger Sohn Gustav. Jerusalem. Die Zeitung „Habazeleth" hat zu erscheinen aufgehört, sie ist, wie ihr Herausgeber in einem Schreiben an das „Jew. Chron." auseinandersetzt, dem Verbote und verschiedenen Veranstaltungen der Gegner erlegen. Wien, Montag, 17. September, Morgens. Die „Presse" meldet aus Bukarest die Ankunft von 340 türkischen Juden, welche nach schweren Mißhandlungen von den Bulgaren aus Kasanlyk vertrieben wurden und die, nachdem bereits 12 reiche Juden ermordet und mehrere Frauen und Mädchen geschändet worden waren, nur durch den Schutz der Kosacken weiteren Mißhandlungen und der Nudermetzlung entgingen. Von Schipka bis nach Tirnowa hatten die russischen Generale denselben eine Escorte mitgegeben; die bulgarischen Wagenführer beraubten dieselben dann nochmals und liefen davon. Die in Bukarest Angekommeneu befinden sich im bemittleidenswerthesten Zustande. Der englische und österreichische Generaconsul haben die vorerwähnten thatsächlichen Umstände amtlich festgestellt. (Hierzu eine Beilage.) Vertag der Expedition der „Israelitischen Wochenschrift" üSSMfei/ ft'-'»**

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