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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1877-09-19 · N° 38 u. 39. (19.9.1877) · p. Seite 301

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
8 (1877)
Issue
N° 38 u. 39. (19.9.1877)
Date
1877-09-19
Page
Seite 301 (sequence 5)
Language
German
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- 301 — die meisten Irren und nehmen sich nur unbedeutende Quantitäten Blutes, also etwa einen Topf mit. Wie, wenn sie noch etwa mehrere Töpfe mit sich führen würden, wie rentabel wäre da das Geschäft mit Judenblut? Da die Kulparkower Irrenanstalt keine christliche, sondern eine Landesanstalt ist, welche erhalten wird von den Landessteuern aller galizischer Steuerträger, daher auch zum großen Theile von den Juden, so haben wir das volle Recht, für unsere unglücklichen geisteskranken Brüder eine gleich humane Behandlung beim Leben und eine ihrem Ritus angepaßte nach dem Tode zu fordern." Krakau, 30. August. Der „N. fr. Pr." wird geschrieben!: „Wie sehr die klerikale Strömung in Krakau im Wachsen begriffen ist und in Kreise dringt, wo Intoleranz und Aberglauben ein um so gefährlicheres Gift sind, als sie auf den Geist der Heranwachsenden jungen Generalien verder- \ bend einwirken, hiervon liefert das folgende, heute hier statti gehabte Factum einen wahrhaft traurigen Beweis. Der hiesige 1 jüoische Bankier Herr Julius Epstein begab sich in die im hiesigen männlichen Seminar befindliche Normalschule, um daselbst anläßlich des demnächst beginnenden Schuljahres seinen Sohn etnschreiben zu lassen. Er traf hier noch mehrere andere Väter israelitischer Confession, die zum selben Zwecke erschienen. Als Herr Epstein den Schulvorsteher Herrn Josefczyk — der zugleich Direktor des gedachten Seminars zur Heranbildung von Lehrern ist — um die Einschreibung seines Sohnes ersuchte, antwortete ihm dieser, daß er dies nicht thun könne weil der Herr Schuldirektor vor Allem christkatholische Kinder zu bevorzugen Anlaß habe. Die jüdischen Väter haben sich hierauf aus dieser „christkatholischen" Unterrichtsanstalt, zu deren Erhaltung wie auch zum Gehalte des gedachten judenfeindlichen Schuldirectors die hiesigen Juden durch communale und Regierungssteuern beträchtlich beitragen, unverrichteter Sache entfernt. Herr Epstein, der eine solche Handlungsweise seitens eines Schuldirectors in Krakau mit dem Geiste und Wortlaute der österreichischen Verfassung durchaus nicht übereinstimmend fand, begab sich unvor züglich zum Staathalterei Delegaten Hofrath v. Bobowski und erzählte ihm dm eben geschilderten Fall. Hofrath v. Bobowski (versprach die Sachim Wege Rechtens zu ordnen. Italien. Venedig. Die „Gazetta bet Popolo" berichtet folgenden seltsamen Vorfall, der einer sehr nolabeln israelischen Familie in Venedig begegnet ist: Eines Tages in der verflossenen Woche wurde dem Portier des Hauses Treves de Bonftii im Corte Barozzi eine Depesche übergeben. Das Individuum, welches die Depesche brachte, hatte nicht die Uniform der Telegraphenboten, und entfernte sich schleunigst nach Abgabe des Telegramms. Dieses selbst war aus Asti datirt, wo die Familie Treves eine Besitzung hat und lautete etwa so: „Ankündige ein großes Unglück, Anwesenheit Barons Camillo hier dringend uöthig." Der Baron Camillo Treves ist der Neffe des Veteranen der venetianischen Menschenfreunde, des Commendatore Giacomo. Der unbestimmte Inhalt dieser Depesche, die Art, wie sie ülurbracht wurde, und das Fehlen einer Unterschrift veranlaßten Herrn Treves, ohne Weiteres nach Asti zu telegraphiren und nähere Nachricht zu erbitten. Die Antwort lautete dahin, daß in Asti kein Unglück zu beklagen wäre, und daß auch kein Telegramm von dort nach Venedig gesandt sei. Man überging die Sache mit Stillschweigen, weil man ihr keine Wichtigkeit beilegte und sie vielmehr für einen schlechten Scherz hielt._ Aber vorgestern um Mittag stellt sich bei dem Portier des Hauses Treves ein Jndividuuin ein, welches eitlen Brief an den Baron Giuseppe (den Sohn des Commendatore Giacomo) abzugeben habe, ihn aber nur eigenhändig überreichen will. Der Portier, angesichts der Hartnäckigkeit des Bolen, und obgleich die Fanulie zur Mahlzeit versammelt war, entschloß sich, die Botschaft zu erfüllen und ging die Treppe hinauf, bei sich darüber nach denkend, bevor er zu seiner Herrschaft hinein ging, wo und wann er doch diese Physiognomie schon gesehen habe. Er strengte sein Gedächtniß an, und als er den Ueberbringer des Briefes anmeldete, war er schon im Begriffe hinzuzufügen, es scheine ihm, als sei es derselbe, welcher sich vor wenigen Tagen mit der famosen Depesche präsentirt habe. Er veranlaßte darauf, daß alle Ausgänge bewacht wurden und ließ den Bolen mit dem Briefe durch die Mittelthür eintreten, wo ihn bereits — nicht Baron Giuseppe Treves — sondern dessen Schwager, der ehrenwerthe Baron Elia Todros, erwartete. — Der Schurke war anständig gekleidet, und mit der unschuldigsten Miene von der Welt übergab er den Brief dem Herrn Todros, welchen er wahrscheinlich für den Schwager, Baron Giuseppe Treves, hielt. Der Brief lautet etwa wie folgt: „Zu Ihrem eigenen Besten übergeben Sie dem Abgeber Dieses zehntausend Francs. Danken Sie dem Himmel, daß Sie in der vorigen Woche einem blutigen Schicksal entgangen sind. Die Lombardische Internationale." „Wer hat Euch beauftragt, diesen Brief zu besorgen?" fragte Herr Todros, ohne eine Miene zu verziehen. „Ich weiß es nicht." „Ihr wißt es nicht? Irgend Jemand hat ihn Euch doch gegeben?" „Ich soll nur den Brief abgeben und die Antwort erwarten. Weiter weiß ich nichts!" „So! Also weiter wißt Ihr nicht?" rief Baron Todros, und sich erhebend, ergriff er den Ueberbringer des Drohbriefes bei der Brust, stieß ihn mit Kraft in eine in der Nähe befindliche Kammer und schloß ihn daselbst ein. Nun holte man schleunigst einige Carabiniere und die Polizeiwache, welche den Burschen in Arrest nahm. Es ist ein gewisser Neri Luigi, früher Pietro, 36 Jahre alt, aus Citadella, Provinz Padua. (Aus dem Corr. Jsr.) Frankreich. Paris. (Aus den Berichten der Alliance i srael. Univ. für Juni, Juli und August). Neue Mitglieder 251, 186 und 96. — Von den größtentheils auf die Juden in den orientalischen Ländern sich beziehenden Nachrichten heben wir einige hervor, die noch jetzt, als Ergänzung zu früher Gemeldetem, Interesse bieten. — Rumänien. Daß der Prozeß wegen den Gräulthaten in Darabany zu keiner Verurtheilung geführt hat, ist bekannt. Die Alliance hat über die Methode, in welcher die Untersuchung geführt worden ist, folgende Mittheilung erhalten: Belastungszeugen, die sich gemeldet, sind nicht einmal angehört worden. — Als der mit der Untersuchung des Gesundheitszustandes der Frau Cimara beauftragte vereidigte Arzt erklärt hatte, daß derselbe die Verhaftung der Letzteren gestattet, ist der Richter nach Dorohoy gereist, um die Zusendung eines anderen Arztes zu fordern. — Mehrere Schuldige, die als solche von Zeugen erkannt worden waren, sind entlassen worden und nur den Präfekten, H. Janke Ruffel, ist es zu danken, daß ein Theil der Diebe festgenommen worden. — H. Cimara ist (war) wohl im Gefängniß, aber er verkehrt nach Außen frei, sowohl mündlich als schriftlich, obgleich dies dem Gesetze zuwider ist. — Die Leitung der Untersuchung befindet sich in den Händen des Generalprocurators des Appellhofes von Bukarest, H. Remus Opraeanu, desselben Mannes, der sich im vergangenen Jahre als Präfekt durch seine gehässigen Maßregeln gegen die Israeliten von Fokschani bekannt gemacht hat. Die Untersuchungen dieser Behörde haben zu der erstaunlichen Entdeckung geführt, daß die Urheber der Unruhen von Darabany Niemand anders seien, als die Juden selbst, welche das ganze Heer der Subaltern-Beamten zu ihrer Verfügung hätten und also einen Staat im Staate bildeten. Der Unterpräsect, H. Mihai Zergulea, welcher beim Verhör gewagt hatte, die Israeliten zu vertheidigen, indem er die wahren Ursachen der Verfolgung angab, ist sofort seines Amtes entsetzt worden. Auf einen Bericht des Ministers des Innern, H. Bratiano, an den Fürsten vom 11/23. Juni c. ist der Muni-

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