Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 8 (1877)
- Issue
- N° 37. (12.9.1877)
- Date
- 1877-09-12
- Page
- Seite 294 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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tigkeits-Institute und Vereine. Da es wohl keine zweite Gemeinde in der Welt giebt, die in dieser Hinsicht mit Hamburg gleich steht, so bietet die Uebersicht (31 Seiten füllend) gewiß auch ein allgemeines Interesse. Als Curiosum sende ich Ihnen folgenden „Aufruf", welcher, von zwei hies. Pastoren unterzeichnet, dieser Tage in hiesigen Blättern stand. (Derselbe mag aber auch an Ort und Stelle, nämlich in Czenkowitz, zur Warnung dienen, y-fj. Red.) „Ein seit einem Jahre zur christlichen Kirche übergetretener Israelit, der sich in dieser Zeit als ein ausrichtiger Mann in vielfacher Weise bewährt hat, und durch dessen Ueberlritt zum Christenthum das eheliche Verhältniß zu seiner Frau und seinen zwei Kindern ernstlich bedroht ist, sollte zur Abwendung des drohenden Zerwürfnisses eine Reise an deren Wohnort nach Czenkowitz in Oesterreich machen, ist aber wegen gänzlicher Mittellosigkeit nicht im Stande, dieselbe zu unternehmen. Deshalb wenden sich Unterzeichnete an die Theilnahme christlicher Freunde mit der herzlichen Bitte, dem Betreffenden in dieser für ihn so wichtigen Sache freundlich ihre Hülfe zu spenden, und sind bereit, etwaige Gaben zu obiger Verwendung in Empfang zu nehmen." Straßburg (i. Elsaß). Man geht jetzt ernstlich an die Verwirklichung des Projekts der Erbauung einer neuen Synagoge. Die kaiserliche Stadtverwaltung erkennt das Bedürfniß an und hat einen Beitrag seitens der Stadt zugesagt. Sie wünscht, daß ein monumentales Gebäude aufgeführt werde und schlägt vor, die Synagoge in einem der neuen Staditheile, welche durch Hinausschiebung der Festungswerke gewonnen sind, zu erbauen. Der größere Theil der Gemeinde wünscht jedoch einen mehr in der Mitte der Stadt gelegenen Platz. Deutsch Krone, 29. August. Im Alter von 104 Jahren starb hier vorige Woche die Wittwe Mendel geb. Salinger an Altersschwäche. Die Mutter derselben ist 88, die Großmutter 107 Jafre alt geworden. (B. T.) Frankfurt a. M., 30. August. Am 10. Oktober findet hier die Trauung des Fräuleins Adelheid von Rothschild, Tochter des Freiherrn Wilhelm von Rothschild, mit dem Baron Edmund, jüngstem Sohn des verstorbenen James von Rothschild, Chefs des Pariser Hauses, statt. (B. T) —n— Prag, 5. Sept. Vorigen Sabbath hielt Herr vr. Schlesinger in der Zigeunersynagoge eine Derascha, welche sich durch geistreiche wissenschaftliche Erklärungen vieler Talmud- und Midraschstellen auszeichnete. Herr I)r. Sch. ist ein vorzüglicher Kenner des talmud. Sprachschatzes, und es wäre zu wünschen, daß er seine diesbezüglichen vierzigjährigen Forschungen der Oeffentlichkeit übergebe.*) Aus Galizien. In Rosdul ist der Israelit Kalman Bristiger zum Vicebürgermeister erwählt worden. (W. Jsr.) (In der in vor. Nr. ebenfalls nach dem „W. Jsr." gebrachten Notiz über den Bürgermeister Rapoport muß es st. „Suranowo" heißen: Surawna (in Galizien). Red.) Kiew, 24. Aug. Seit drei Tagen finden in unserer Stadt bedeutende Straßenexesse statt, welche gegen die hiesigen Juden gerichtet sind. Es wurden Judenhäuser erbrochen, deren Einwohner mißhandelt, Tausende von Fenstern eingefchlagen, Läden und. Magazine geplündert. Den Anlaß gab die Recrutirung. Die Polizei ließ die Excedenten ziemlich ruhig gewähren. Paris, 4. Sept. Gestern wurde in der Rue Buffault eine neue Synagoge, die vierte von Paris, welche für den portugiesischen Ritus bestimmt ist, unter zahlreicher und glänzender Betheiligung der israelitischen Gemeinde eingeweiht. Unter den Anwesenden bemerkte man Herrn Osiris, der alle Kosten des stattlichen Baues bestritten hat, den Senator Crä- *) In vor. Nr. wolle man unter „Prag" S. 285 Abs. 3 st. einzunehmen les. ein nehmen, st. in P. bekannt l. in P. lebend, st. Statute l. Statuten. mieux, mehrere Mitglieder der Familie Rothschild u. A. Der Bariton Diaz le Sovia war eigens aus Bordeaux gekommen, um das Fest durch seinen Gesang zu verherrlichen, und die Psalmen, die er zu Gehör brachte, risien Andächtige und Gäste zur Bewunderung hin. Paris. Atme Lambert, Commandant der Garde Räpublicaine, ist zum Brigade-General befördert worden. Es sind nun drei Israeliten in Frankreich Brigade-Generale, nämlich außer dem Genannten: Säe bei der Infanterie und Brissas bei der Artillerie. — Isidor Loeb (Secretär der Alliance Jsr. Univ.) hat einen ziemlich starken Octavband veröffentlicht: „la sitution des Isradlites en Turquie, en Serbie et en Roumanie“. Nachdem die Alliance schon wiederholt kleinere Sammlungen von Aktenstücken über die Judenfrage in Rumänien und Serbien veröffentlicht und Hr. Loeb im vor. I. ebenfalls ein Heft über diesen Gegenstand herausgegeben hatte, enthält der vorliegende Band nun eine vollständige und bis auf diese Tage fortgeführte Urkundensammlung über die rechtliche und die wirkliche Stellung der Juden in den bezeichnten Ländern. Es sind auch die Aktenstücke aus den englischen Blaubüchern abgedruckt. Da rumänische Zeitungen der vorjährigen Sammlung einen Vorwurf daraus gemacht haben, daß sie den Journalartikeln, welche die Verfolgungsmaßregeln gegen die Juden vertheidigen, zu rechtfertigen suchen, nicht ebenfalls Aufnahme gewährt habe, so ist diesem Verlangen jetzt nachgegeben worden. Man hat also ein mit größter Unparthcilichkeit zusammengestelltes Material. Ein doppeltes Jnhaltsverzeichmß erleichtert die Benutzung des Buches. Rumänien. Die Familie Cimara befindet sich auf vollständig freiem Fuße, der Prozeß ist zu Ende, die tobten Juden sind tobt, den Verwundeten wird Gott helfen, die Beraubten mögen sehen, wie sie sich helfen — die Verkündigung strenger Untersuchung und Bestrafung seitens der rumänischen Behörden hat den Zweck erreicht, die öffentliche Meinung Europas für den Augenblick zu beschwichtigen und hat sich dann, wie allezeit, als niederträchtiger Lug und Trug erwiesen. Aber Rumänien hat sich für „unabhängig" erklärt; unabhängig — so scheint es also — auch von Recht, Gesetz, Menschlichkeit ... Wirklich macht ein Correspondent aus Bukarest dem „Arch. Jsr." von einem Gesetzes-Entwurf, nach dem die Rumänen die Juden in Zukunft behandeln wollen, sobald ihre Unabhängigkeit, für die sie „ihr Blut vergossen haben" (bis jetzt hat man davon freilich nichts gehört,) anerkannt sein werde. In den großen Städten sollen zehn Juden auf je 100 Einwohner geduldet werden, in den kleinen 5 auf 100, in den Dörfern gar keine, und so weiter nach rumänischer Gratia in infinitum, Adrianopel. Ein Telegramm des „Daily Telegr." vom 23. Aug. bestätigt die Ermordung zahlreicher Juden in Kasanlik, gibt jedoch bestimmt an, daß nach Abzug der russischen Infanterie Kosacken und Bulgaren die Greuelthaten verübt haben. New-York. Am 19. Aug. starb I. I. Lyons, seit 1839 Chasan und Rabbi der portugiesischen Gemeinde Scheerith Israel, der ältesten jüd. Gemeinde in New-Iork, gegründet 1728. Er war der älteste israel. Cultusbeamte der L>tadt und zusammen mit Hrn. M. Jsaacs (Herausgeber der Jew. Meffenger) ein Träger der Fahne des conservativen Judenthums in den verein. Staaten, sein Begrädniß war imposant, da er bei allen Parteien in hohem Ansehen stand. Feuilleton. Der letzte Jude. (Fortsetzung.) Das grenzenlose Unglück, welches Jäkel durch den Verlust seiner einzigen Tochter betroffen, war für seine ganze GemüthS»